Hier  finden Sie zahlreiche Artikel von Ernst Ott und Eva Stangenberg:

 

Saturn im Skorpion

von Ernst Ott

Der Baumeister Saturn begibt sich in die unterirdische Höhle des Skorpions. Ob er hier nur regeneriert und neue Energie tankt?  Oder Bodenschätze abbauen möchte? Vielleicht erforscht er die Geheimnisse der Erde und des Lebens und kommt mit ganz neuen Kräften zurück!

Das besondere ist v.a. die Rezeption mit Pluto: Dieser Planet der Tiefe und der Wandlungen steht im Saturn-Zeichen Steinbock und gleichzeitig Saturn im Pluto-Zeichen Skorpion.   Da treffen der Magier und der Realist aufeinander.  Beide sind willensstark, beide haben die Tendenz, alles zu kontrollieren.  Die Chance ist aber gerade das gute Zusammenspiel: Die Werte der Stabilität (Saturn) und des Wandels (Pluto) sind beide für unsere Zeit wichtig.  Saturn stellt also die Frage: Worauf können wir sicher bauen?  Pluto stellt die Frage: Was ist überholt und muss gewandelt werden?  Der Magier und der Realist können gut zusammenarbeiten – wenn wir sie lassen…

Wir Menschen haben es in der Hand, zu erkennen, was bleiben soll und ein wirklich stabiler Wert ist, und welche Gewohnheiten und Verhaltenweisen überholt sind und auf den Müll der Geschichte gehören. Jeder darf nach dem eigenen Wertesystem entscheiden. Aber es ist nötig, sich die Frage nach wirklichen Werten zu stellen. Verhaltensweisen wie Selbstbetrug oder Wegschauen haben jetzt keine guten Karten.  Saturn und Pluto sind ehrlich bis ins Letzte. Gelingt jedoch eine Synthese, so werden wir nicht einfach neue Ideen und Hoffnungen für die Zukunft hegen, sondern konkrete Schritte unternehmen, um uns eine lebenswerte Zukunft aufzubauen.  Jetzt Ärmel hochkrempeln und mutig sein!

Eine Schattenseite von Saturn im Skorpion ist die Angst.  Wir sollten uns nicht von unseren Ängste hypnotisieren lassen, sondern bewusst mit ihnen umgehen. Möglicherweise kommen die Ängste nicht hoch, weil es gefährlich wird, sondern ganz im Gegenteil, weil eine Chance ansteht, Neues und Besseres zu wagen. Dann fürchten sich die alten Gewohnheiten – so lange, bis sie merken, dass das Neue wesentlich besser ist als die ängstlichen Erwartungen uns einredeten.

Doch auch das polare Gegenteil steckt in der Saturn-im-Skorpion-Zeitqualität: Der Mut.  Der Mut, zu handeln.  Vielleicht sind Ängste, schwierige Lebenslagen und so genannte Krisen nur Anstoßgeber für mutige Taten.  Ich wünsche uns allen, dass wir die jetzt aus unserem Inneren hochkommenden Energien, z.B. auch den Zorn über die aktuelle Situation, nutzen, um eigenverantwortlich zu entscheiden.  Legen wir jetzt das Fundament für Neues! Jetzt kann neues Leben aus den Ruinen erblühen:



Hier noch die Fakten zum zeitlichen Rahmen:  Das Ganze beginnt am 5. Oktober 2012 (Skorpion-Ingress des Saturn).  Das Ende dieser Phase verläuft in Schritten: Im Dezember 2014 verlässt Saturn erstmals den Skorpion, am 17. September 2015 verlässt er den Skorpion endgültig.
Die Rezeption mit Pluto verläuft über diese gesamte Zeitdauer, am stärksten wirkt sie jedoch, während die beiden Planeten auch noch einen Aspekt bilden, ein genaues Sextil, nämlich von Dezember. 2012 - Oktober 2013, da habe wir besondere Chancen, eine neue Mischung aus Stabilität und Wandel in unser Leben zu bringen.

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Neptun, der Revolutionär

 

Ein paar Gedanken zum 13. April 2013.

Heute vor 165 Jahre begann der Hecker-Aufstand.

(Das Bild zeigt den Revolutionär Friedrich Hecker)




Das rebellische Zeichen Wassermann stand über Konstanz an der Himmelsmitte (MC). Sie wollten sich versammeln dürfen, eine freie Presse, sie wollten gerechte Richter, sie wollten die Republik.  Der Fische-Neptun hoch am Himmel gab ihnen Hoffnung. Er stand im Aspekt zum Löwe-Mond, und der Stolz des Volkes wollte die Tyrannen abschütteln. Eine unendliche Sehnsucht strömte durch Europa.  Die Sehnsucht nach einer besseren Welt. 

Die beiden Planeten der Veränderung, Uranus und Pluto verbündeten sich, genau wie auch bei der 1968-Bewegung und wie auch heute. Hunderte und Aberhunderte kamen zur revolutionären Versammlung vor dem Konstanzer Rathaus. „Wir laufen zu Fuß durch das ganze Land bis zur Residenzstadt“, sagten sie, „nach Karlsruhe, dort setzen wir den Großherzog ab und werden ein freies demokratisches Land!“

 

Das Horoskop zeigt den Beginn des so genannten „Heckerzuges“.  Mit dem Zwillinge-Aszendenten wurden große Reden gehalten, und der Mars im ersten Haus drängte zur Tat.

Aber die Sehnsucht nach der Republik war unrealistisch. Viele spürten das. Die Initiatoren der republikanischen Bewegung waren Friedrich Hecker und Gustav Struve, beides gerechtigkeitsliebende Waage-Geborene.  Als sie um acht Uhr morgens am 13. April kaum bewaffnet losmarschierten, folgten ihnen nur dreißig oder vierzig Mann. „Die Bürger aller badischen Orte werden sich auf unserem langen Marsch anschließen“, hofften sie, „wenn wir in Karlsruhe sind, werden es Tausende sein“.  Neptun erwies sich als Täuscher.

Aus den Dörfern kamen zwar etwa 800 Mann zusammen. Auch die mutige Amalie Struve lief „als Soldatin“ mit, eine der erstaunlichsten Pionierinnen des neunzehnten Jahrhunderts.  Sie wurde 1824 als uneheliches Kind in Mannheim geboren, wurde Gustav Struves Frau, Kämpferin, Schriftstellerin und eine der allerersten Vertreterinnen der Frauenemanzipation, worüber sie zahlreiche Artikel und Romane veröffentlichte.  


Doch schon sieben Tage später trafen die Revolutionäre auf über 2000 hochgerüstete ausländische Soldaten, die der Großherzog zur Unterdrückung des eigenen Volkes angefordert hatte.  Einige Revolutionäre konnten in die Schweiz fliehen – und das deutsche Volk musste noch siebzig Jahre warten, bis nach einem fürchterlichen Krieg endlich die Republik Realität wurde.
Die badischen Rebellen wurden an einem 20. April geschlagen. An einem späteren 20. April wurde Hitler geboren. Merkwürdige Zufälle der Geschichte...

War Neptun der Täuscher gewesen? Neptun ist der Planet der Wünsche und Sehnsüchte.  Wünsche sind eine bewirkende Macht.  War es nicht eine solche neptunische Kraft der Zuversicht, die ab 1848 Generationen von Bürgerinnen und Bürgern Mut machte, weiter an den Traum der Republik zu glauben?  Waren es nicht Neptun-Kräfte, die ihnen halfen, heimlich die Zensur zu umgehen, sich in sozialen Vereinen und Verbänden zusammenzuschließen und eine Hoffnung siebzig Jahre lang aufrecht zu erhalten?  Die Opfer von 1848 waren eine Saat, die später machtvoll aufging.

Ich kann den Menschen, die damals zum Heckerzug aufgebrochen sind - für die Freiheit, für ihre Familien und ihre Kindeskinder, für eine freie Republik - ich kann ihnen meine Bewunderung nicht versagen.

Ernst Ott




Das Gemälde zeigt den Einzug der Revolutionäre in Lörrach am 20. April 1848.

 

 

 

 

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Unsere Gesellschaft ist widernatürlich geworden

von Ernst Ott  

Die heilsame Schöpferkraft der Natur, die Ehrlichkeit der Tiere, die nicht lügen, betrügen und hintergehen können, die fraglose Richtigkeit, die im Rhythmus der Vegetation liegt – all das ist für viele von uns sehr bedeutsam geworden, als eine Art Gegenwelt zum aktuellen Zustand der modernen  Gesellschaft.  Mehr Natur!  Wir sind nicht die Ersten, denen es so geht.  Besonders lebhaft wurde während der Aufklärung in Frankreich über Natur und Gesellschaft diskutiert.  Wir können heute noch Denkanstösse daraus beziehen, beispielsweise aus dem Zitat: „Die Natur betrügt uns nie. Wir sind es immer, die wir uns selbst betrügen.“  Dies schrieb einer, dessen Geburtstag sich in diesen Tagen zum dreihundertsten Mal jährt: Jean-Jacques Rousseau, den ich mit diesem Artikel würdigen möchte.  Er kam am 28. Juni 1712 in Genf auf die Welt, die Geburtsstunde ist leider nicht dokumentiert.  Die Grafik zeigt die Tageskonstellation des Geburtstags.

 

Zwillinge-Themen

Das wichtigste Zeichen seines Geburtshoroskops, die Zwillinge stehen für seine Begabung zum Schreiben. Er war schon als Kind eine Leseratte und hörte nicht auf, zu lesen, zu lernen, sich zu bilden, meist autodidaktisch, und wurde zu einem der bedeutendsten Schriftsteller seiner Zeit.  Rousseau war – entsprechend seiner Zwillinge-Komponente – äußerst vielseitig: Philosoph, politischer Schriftsteller, Naturforscher, Pädagoge. 

Zudem betätigte er sich auch als Musiker und Komponist. Seine Planeten in Krebs und Stier dürften dabei Pate gestanden haben, vor allem die sinnlich-sensible Mond-Neptun-Konjunktion.  Rousseaus „Devin du village“ begründete sogar eine neue Gattung des Musiktheaters, die opéra comique.  Es handelt sich um ein reizendes Stück über einen Dorf-Wahrsager, der mit etwas Hokuspokus zwei Liebenden dazu verhilft, auf ihr Herz zu hören. Die kleine Oper ist musikalisch durchaus bemerkenswert.  Hier ist ein Auszug davon zu hören: http://www.youtube.com/watch?v=3oxRHs9QxyE 
Heute ist allerdings Mozarts Fassung bekannter: Er vertonte als Zwölfjähriger eine Nachdichtung von Rousseaus „Devin du village“ unter dem Titel „Bastien und Bastienne“.


Steinbock-Themen

Ferner ist die Krebs-Steinbock-Achse eine Art heimliches Leitthema seines Lebens: Der aufsteigende Mondknoten steht im Steinbock, der absteigende Mondknoten und die Sonne im Krebs. Zusätzlich sind die Herrscher dieser beiden Zeichen, Mond und Saturn wohl durch einen Aspekt verbunden, falls Rousseau nicht frühmorgens geboren wurde; die Geburtszeit ist leider nicht dokumentiert.

Gemäß dem Steinbockzeichen fragte er sich immer wieder nach den Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Zusammenlebens.  Eines seiner Hauptwerke trägt den Titel „Du contrat social ou principes du droit politique“, deutsch „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes“. 

Die Gesellschaft seiner Zeit – hochzivilisiert – sah er äußerst kritisch. Der Zivilisation, die den Menschen zu Bosheit und Selbstsucht verleite stellte er einen Naturzustand gegenüber, einen Menschen mit natürlichen Instinkten.  Unter den führenden Denkern der Aufklärung machte er sich damit keine Freunde, denn diese glaubten an die Verbesserung des Menschen durch Erziehung und zunehmendes Wissen. Rousseaus etwas romantische Sehnsucht nach einem heilen und naturnahen Urzustand ist nicht nur eine notwendige Gegenströmung zum Rationalismus der Aufklärung, sie entspricht auch seiner Mond-Neptun-Konjunktion im Zeichen Stier.


Krebs-Themen

Rousseau fragte sich, wie wohl der natürliche Mensch aufwachsen müsse, und befasste sich in der Folge mit Erziehung, einem Krebs-Thema ersten Ranges. Wie kann ein Kind seine ursprünglichen Instinkte bewahren?  Einerseits ergab sich daraus die Forderung, dass Erzieher das Kind nicht in die Gesellschaft hinein führen und ihm die Anpassung erleichtern, sondern es vielmehr vor den Einflüssen der Zivilisation schützen sollten, damit es seine Instinkte und seine Natürlichkeit entfalten könne.  Der Erziehungsroman „Émile“ ist heute noch lesenswert.

Eine weitere Folge war, dass Rousseau als einer der ersten die so genannt primitiven Völker nicht einfach als zurückgeblieben sah, sondern als Menschen nahe am Naturzustand.  Sie wurden interessiert beobachtet und sogar zu einer Art Vorbild: „Der wilde Mensch lebt in sich, der gesellige hingegen ist immer außer sich und lebt nur in der Meinung, die andere von ihm haben.“  - Rousseau war Krebs-Geborener und trug eine Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit in sich. Diese ist auch psychologisch erklärbar, denn seine Mutter war gleich nach seiner Geburt gestorben, sein Vater floh, als Rousseau 12 Jahre alt war und ließ das Kind allein in Genf zurück.

Dennoch betonte Rousseau in seiner Philosophie, dass wir als Gesellschaft nicht einfach zurückkrebsen können, sondern innerhalb der gewachsenen Zivilisation die Qualitäten des Naturzustands wieder neu erwerben müssen.  Das berühmteste Rousseau-Zitat „Retour à la nature!“ „Zurück zur Natur!“ ist falsch.  Er hat es nie geschrieben.  Einfach die Zeit zurückdrehen, denn früher war alles besser?  Nein, um diese Stammtischweisheit zu vertreten, dazu dachte Rousseau viel zu differenziert.


Freiheit

Geboren mit dem Ethik-Planeten Jupiter im Wassermann, dem Zeichen der Freiheit, wagte Rousseau es auch, Ungewöhnliches zu denken und Dinge vorzuschlagen, die jahrhundertealter Gewohnheit widersprachen. Zum Beispiel dachte er an die Bewegungsfreiheit der Säuglinge. Niemand machte sich damals darüber Gedanken, dass Neugeborene gewickelt und geschnürt wurden, wie es auf dem Bild mit einer Puppe demonstriert wird. 

 

Quelle:http://www.kostuem.waszmann.de/deutsch/html/body_18_jhd_saeuglingskleidung_.htm

Man hatte es seit Generationen so gemacht, es hat uns selber ja auch nicht geschadet, so dachte man. Die hohe Kindersterblichkeit wurde nicht damit in Zusammenhang gebracht. Doch Rousseau kritisierte das Altgewohnte: „Kaum ist das Kind geboren, kann es seine Glieder frei recken und bewegen, so fesselt ihr es von neuem. Man wickelt es und legt es mit unbewegbarem Kopf und ausgestreckten Beinen, die Arme an den Körper angelegt, hin. Es wird in Bänder und Windeln verschnürt, dass es sich nicht mehr rühren kann. Man kann von Glück reden, wenn nicht so geschnürt wird, dass es noch atmen kann“.

Rousseau wollte, dass alle Menschen frei atmen können. Und obwohl er sich jahrelang mit Gesellschafts-Theorien befasst und darüber nachgedacht hatte, welche Staatsform menschlich und gut sei, misstraute er letztlich dem Saat und setzte vielmehr auf das Individuum – auch dies ist eine Wassermann-Entsprechung.  Rousseau schrieb: „Freiheit gibt es in keiner Regierungsform, sie lebt nur im Herzen des freien Menschen, er trägt sie überall mit sich.“

 
Aktuelle Transite

Da gegenwärtig der Transit-Pluto Rousseaus Sonne bestrahlt, da außerdem wie bei seiner Geburt ein Uranus-Pluto-Aspekt in der Luft liegt, könnte uns möglicherweise das Studium seiner Werke gute Anregungen geben für die heutige Zeit.  Ist nicht die Dialektik zwischen Zivilisation und Naturzustand auch heute wieder ein spannungsreiches Thema?

Am 28. Juni 2012 jährte sich Rousseaus Geburtstag zum dreihundertsten Mal. Das Bild zeigt die schöne Pastellzeichnung, welche Maurice Quentin de La Tour von dem 41-jährigen Rousseau gemacht hat.


 

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17. JUNI - GEBURTSTAG DER ZWILLINGE-STADT

von Ernst Ott zum 17. Juni 2012

 

Heute vor 297 Jahren legte Markgraf Karl Wilhelm von Baden den Grundstein für die Stadt Karlsruhe.  Er wählte dazu bewusst einen Vollmond-Tag, den Vollmond im Juni mit Sonne in den Zwillingen und Mond im Schützen.  Dies prägte die Stadt: Hier wurde gemäß der Symbolik des Zwillinge-Zeichens das Fahrrad erfunden, hier kam der Auto-Erfinder Benz auf die Welt, hier wurde die erste E-Mail Deutschlands verschickt, hier steht heute das ZKM, das Zentrum für Kunst und Medientechnologie.

Das Schütze-Thema Gerechtigkeit zeigte sich zuerst darin, dass Karl Wilhelm Andersgläubigen und Ausländern alle Freiheiten gab und die Stadt für Flüchtlinge öffnete, die aus politischen oder religiösen Gründen anderswo verfolgt waren. Die Bundesrepublik verlegte später die beiden höchsten Gerichte nach Karlsruhe.

 

Stadtgründer Karl, ein Wassermann-Geborener, stand für liberale Politik.  Er öffnete sein Schloss als erster deutscher Regent jeden Dienstag dem Volk.  Da konnte jeder Bürger ohne Einschränkung direkt dem Landesherrn seine Anliegen vorbringen. Hier in Karlsruhe wurde Jahrzehnte früher als andernorts die Folter und die Leibeigenschaft abgeschafft, hier stand ab 1818 das erste Parlamentsgebäude auf deutschem Boden.

Dennoch sollen auch die Schattenseiten nicht verschwiegen werden: Hier wurde an dem 1812 geborenen Erbprinzen ein singuläres Verbrechen begangen, denn man kerkerte ein 4-jähriges Kind für 12 Jahre ein.  Dieses Kind, erlebte später als „Kaspar Hauser“ ein leidvolles Schicksal. Die Nachfolger einer Seitenlinie unseres Stadtgründers, die diese Tat auf dem Gewissen haben, unterdrückten auch mit entsetzlicher militärischer Gewalt die demokratische Revolution von 1848, die in Baden besonders aktiv war.

Mit Licht und mit Schatten -  ich wohne sehr gerne in dieser Stadt.  Heute, am Stadt-Geburtstag, denke ich mit Dankbarkeit an Karl von Baden, den Stadtgründer.  Er war ein aufgeklärter Mensch (Sonne Wassermann), gleichzeitig ein eigenwilliger absolutistischer Monarch (Löwe-Mond). 

Karls Vater schaute bei der Geburt des Sohnes genau auf die Uhr und ließ gleich ein Horoskop machen (ich besitze ein Faksimile davon): Am 17. Januar 1679 nach dem damals in protestantischen Ländern noch üblichen julianischen Kalender, um "halb sechs Uhr" morgens in Durlach, heute Karlsruhe-Durlach.

Immer wieder verblüffte der Karlsruher Stadtgründer seine Zeitgenossen durch wassermännische Originalität: Karl Wilhelm gab eine Menge Geld aus für Feste, Musikanten und ein Corps de Ballet, jedoch keins für die Verteidigung.  Er hatte praktisch keine Armee. In der Gründungszeit der Stadt Karlsruhe gab es dort nicht einmal einen Polizeiposten.  Als Ersatz diente ein Aufruf Karls, die Bürger sollten gefälligst eigenverantwortlich dafür sorgen, dass man auch nachts sicher auf die Straße gehen könne.

Sein Barockschloss ist das einzige weltweit ohne eine Via triumphalis als Aufmarsch-Straße, auf der die Armee paradieren könnte.  Karl hasste den Krieg und pflanzte an jener Stelle einen riesigen Tulpengarten. 

Bis zwei Jahre vor der Stadtgrünung hatte Baden unter ununterbrochenen Kriegen gelitten.  Karl ließ dennoch demonstrativ seine neue Stadt nicht befestigen.  Ein Holzzaun musste genügen.  Der Markgraf war sich ziemlich sicher, dass in diesen unruhigen Zeiten sein Schloss keine zehn Jahre stehen bleiben würde (tatsächlich musste das heutige Karlsruher Schloss zwei mal wieder neu aufgebaut werden).  Aber Karl hatte eine Vision für ein offenes Gemeinwesen, eine Zukunftsvision.  Er wollte eigentlich nicht primär eine Stadt bauen, er wollte ein Zeichen setzen. 

Als Markgraf Karl starb – beim Gärtnern in seinem Tulpengarten - hatte Karlsruhe ein paar hundert Einwohner und war nicht viel mehr als ein Pilot- und Versuchsprojekt für die Zukunft. 
Wenn er hören würde, dass sich heute 300.000 Mensch hier wohl fühlen, dass die Stadt seit 67 Jahren keinen Krieg mehr erlebt hat und als „Residenz des Rechts“ gilt, würde er sich wundern und freuen.

 

 

 

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Christo und Jeanne-Claude – kosmische Zwillinge

Zu ihrem gemeinsamen Geburtstag am 13. Juni

 

von Ernst Ott

Fast gleiches Horoskop

Seit sie den Reichstag verhüllten, kennt jeder das Künstler-Ehepaar.  Sie arbeiteten reibungslos zusammen und entschieden alles gemeinsam wie Zwillinge.  Und sie waren im astrologischen Sinne zweifach Zwillinge.  Beide wurden im Juni mit einer Zwillinge-Sonne geboren, und zwar – obwohl viele hundert Kilometer voneinander entfernt – im gleichen  Jahr, am gleiche Tag und nur zwei Stunden auseinander, und zwar am 13. Juni 1935.  Ob es da ein Zufall war, dass der Bulgare Christo und die Marokkanerin Jeanne-Claude sich begegneten?

 

 

Gesucht und gefunden?

Als sie sich mir 23 Jahren in Paris kennen lernten, bestand eine große Kluft zwischen ihnen.  Jeanne-Claude Denat de Guillebon, Tochter eines angesehenen Generals, feierte sorglos in den höchsten Kreisen der Pariser Gesellschaft, während sich der mittellos aus dem Ostblock geflohene Christo Wladimirow Jawaschew kümmerlich über Wasser hielt, indem er Leuten Portraits malte.

Ihr Kennen lernen war gezeichnet vom astrologischen Zwillinge-Prinzip.  Es begann als eine Lernbeziehung. Jeanne-Claudes Mutter engagierte Christo, ihr Portrait zu malen. Die Tochter interessierte sich persönlich nicht für den Künstler, aber sie brachte ihm besseres Französisch bei, während er sie in Kunstgeschichte unterrichtete.  Man spielte das Zwillinge-Spiel von Frage und Antwort. 

Von der Liebe wollten sie vorerst nichts wissen, sondern testeten zuerst einmal je eine Alternative, auch das gehört zum Inventar des Zwillinge-Verhaltens. Christo verliebte sich in Jeanne-Claudes Schwester, während  sich mit einem anderen Freund verlobte. Auf merkwürdige Weise spielte das Leben hier mit dem archetypischen Zwillinge-Motiv einer doppelten Neigung zu zwei Schwestern.  Dieses Motiv kommt oft in der Literatur vor und ist auch Gegenstand der Mozart-Oper Così fan tutte, die übrigens auf einer wahren Begebenheit beruht.  Doch kaum war sie dem Anderen versprochen, funkte es zwischen Jeanne-Claude und Christo.  Die gesellschaftlich bedeutende Hochzeit mit dem andern Freund konnte nicht mehr abgesagt werden, doch da war sie bereits von Christo schwanger.  Kurz darauf war sie wieder geschieden und zu Christos Lebenspartnerin geworden, ohne Einverständnis der Eltern und ohne Geld.

Er hatte aus der Bewegung der Objektkünstler kommend schon vorher Alltagsgegenstände verhüllt und verfremdet, doch kaum Käufer dafür gefunden. Zusammen mit Jeanne-Claude, deren Organisationstalent ihm zu Hilfe kam, packte er nun die bekannten Großprojekte an, verhüllte Brücken, Wege, Strände, Inseln und Gebäude. Mit ungeheurem Aufwand wurde oft nur für ein paar Stunden eine neue Wahrnehmung des Bekannten inszeniert.

 

Die Geburtsdaten der beiden sind recht gut dokumentiert: Im marokkanischen Casablanca um 18.00 Uhr Weltzeit, und im bulgarischen Gabrovo, 20.00 Uhr Weltzeit.

 

 
Mithilfe eines kosmischen Zwillings und Ehepartners haben zwei unaspektierte Zwillinge-Sonnen ihre polare Ergänzung gefunden und einen guten Platz neben den andern Planeten-Talenten.  Das kreative Potential von Christos Sonne im fünften Haus, dem Bereich des schöpferischen Spiels begegnete der partnerbezogenen Sonne in Haus sieben von Jeanne-Claude.  Wir sehen hier, welch singuläre Kraft eine gut integrierte Sonne entfalten kann.


Verhüllen und verwandeln

Das Verhüllen kann man als eine Verschleierung sehen, die dem Neptun-Fische-Prinzip entspricht: Aus etwas Offensichtlichem wird ein Geheimnis gemacht, aus etwas Nützlichem wird durch Auflösung der äußeren Form eine verzaubernde Irritation.  Der dominante Neptun genau am Berufspunkt von Jeanne-Claude spricht da ebenso Bände, wie die umformende Kraft von Christos Neptun im achten Haus, dem Bereich des Gestaltwandels.

Wenn wir beim Thema des Verhüllens den Planeten Pluto assoziieren, den unsichtbaren Gott der Unterwelt, der stets mit Tarnkappe auftritt, finden wir auch hier reichliches Potenzial: Christos Pluto als Hauptplanet des Horoskops genau am Begegnungspunkt enthält das Potential, alles zu verwandeln, dem er begegnet.  Das gilt bestimmt nicht nur für die Ehe, sondern auch für die vielen Landschaften und Gebäude die Christo einem Gestaltwandel unterzog.


Saturn und Neptun

Der gemeinsame Aspekt des Realisten und Baumeisters Saturn mit dem Visionär und Träumer Neptun beschreibt das Lebenswerk dieses Künstlerpaares optimal: Vorhandene Materie wird optisch transzendiert.  Da wird eine Spannung inszeniert zwischen Form und Auflösung, zwischen Nützlichem und Poetischem, und vor allem zwischen Dauer und Vergänglichkeit.  Das Objekt bleibt, die Verhüllung verweht der Wind, und bald ist das Ganze nur noch als Erinnerung oder Fotoband vorhanden.

Christo mit seinem dominanten Pluto betonte immer wieder, dass er keine Skulpturen und Gegenstände hinterlassen wolle, dass seine Kunst sterblich sei, ein Prozess, ein bewusst vergängliches Werk.

Dieser Saturn-Neptun-Schlüsselaspekt (der auch dem Steinbock-Fische-Zusammenspiel entspricht, das in beiden Horoskopen vorkommt) führte zu einer Auseinandersetzung mit Zeit und Ewigkeit.  Der Aspekt steht bei Jeanne-Claude auf der Meridian-Achse, stellt also die Frage nach der Wirkung in der Welt.  Für sie persönlich war damit wohl auch ein Konflikt zwischen Privatleben und Beruf verbunden. Im Horoskop von Christo - weiter östlich und zwei Stunden später geboren - bezieht sich der Aspekt auf die Häuser zwei und acht, also auf die Auseinandersetzung mit Werten.  Die ständige Armut und Geldnot war die Entsprechung des Aspekts im Privatleben, doch die Frage nach dem persönlichen oder allgemeinen Wert von Welt und Wahrnehmung war seine künstlerische Botschaft.  Der gewohnte Pont Neuf musste sterben, damit die Pariser Bevölkerung für zwei Wochen eine andere Realität wahrnehmen konnte.

 

Das Lebenswerk dieser Künstler bestand einerseits aus reiner Neptun-Qualität: Wehende Schleier, vergängliche Fahnen, zerfließende Wahrnehmung.  Gleichzeitig war Saturn, der Planet der Geduld und der Zeit im Spiel: Konsequentes Verfolgen jahrelanger Vorarbeiten.  Das Projekt der Reichstag-Verhüllung etwa wurde über 34 Jahre verfolgt, bis es für kurze Zeit Realität wurde.  Christo hat wirklich das Beste aus seinem Steinbock-Aszendenten gemacht und Jeanne-Claude aus ihren Saturn-Talenten ebenso. 


Die Ehe von Sonne und Mond

Fruchtbare Partnerschaften – von Zwillingen und anderen Menschen – erinnern immer an den Archetypus der Sonne-Mond-Vereinigung.  Wir alle verdanken unser Leben der Tatsache, dass Mutter (Mond) und Vater (Sonne) zusammengekommen sind.  Bei diesem Künstlerehepaar mit identischer Mond- und Sonne-Stellung haben möglicherweise die persönlichen Mond-Gefühle ebenso harmoniert, wie die künstlerischen Ziele ihrer Sonnen. 

Als sie sich im Oktober 1958 zum ersten Mal begegneten, war die progressive Sonne ganz genau ins Trigon zum Mond getreten. Das Zeitfenster für eine Verbindung öffnete sich. 

Als sie es 1962 geschafft hatten, den behördlichen Widerstand zu brechen und zum ersten Mal eine öffentliche Großaktion inszenierten, waren sie 27 Jahre alt und der progressive Mond kehrte auf seine Ausgangsposition zurück. So erblickte das erste künstlerische Kind dieses schöpferischen Paares die Welt.  Sie bauten einen riesigen „eisernen Vorhang“ aus Ölfässern in einer Pariser Straße.  Die Anwohner tobten, die Polizei kam mit neuen Genehmigungs-Formularen angerannt. Nach ein paar Stunden musste alles geräumt werden. Doch Jeanne-Claude und Christo waren glücklich.  Sie wollten keine Ewigkeit gestalten, sie wollten etwas verändern und bewegen. - Und das gelang ihnen über fünfzig Jahre hinweg immer wieder.
Jeanne-Claude starb 2009. 
Christo sei herzlich zum 77. Geburtstag am 13. Juni gratuliert.

Karlsruhe, 13. Juni 2012

 

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Dem Neptun den Schleier entrissen!

Der Astronom
Johann Gottfried Galle 

Am 9. Juni 1812 - also vor 200 Jahren - kam Johann Gottfried Galle auf die Welt.  Er entdeckte den Planeten Neptun, bestand aber darauf, nicht als Entdecker zu gelten.  Den Ruhm verdiene der Kollege Le Verrier, der die mutmaßliche Position des erwarteten neuen Planeten vorher ungefähr errechnet hatte.  Dennoch war es Galle, der zum ersten Mal durch das Fernrohr schaute, ihn zweifelsfrei wissenschaftlich erfasste und dem Neptun seinen Schleier entriss.  An diesem Tag trat der Planet des Unsichtbaren aus seinem Versteck hervor und Galle gilt weltweit als sein Entdecker.

Galle selber wurde geboren, als Neptun im Aspekt zu seiner Sonne Stand.  Vielleicht entwickelte der Entdecker daraus einen Charakterzug, der als ein Potenzial Neptuns gelten kann: Bescheidenheit.  Die Geburtszeit ist nicht gesichert, so nehme ich das Horoskop des Neumondes, denn Galle wurde an einem Neumond-Tag geboren: 9. Juni 1812, 7.49 Uhr Weltzeit in dem Örtchen Radis in der Nähe von Wittenberg.

 

 


Als guter Schüler und Student erhielt er bald einen Assistentenposten in der Sternwarte und verbrachte seit seinem 23. Lebensjahr viele viele Stunden und Jahre seines Lebens vor den Fernrohren.  Er entdeckte einen Saturn-Ring, Kometen und Anderes.  Mit seinem Merkur-Uranus-Aspekt war er prädestiniert, Neues zu erforschen.  Wenn wir das stark besetzt elfte Haus, das Haus der Zukunftsvisionen, ebenfalls als einen uranischen Bereich betrachten, dass ist Uranus, Gott des gestirnten Himmels, Galles heimlicher Taufpate gewesen.  Der mythologische Uranus ist ja eigentlich eine Personifizierung des Sternenhimmels selbst.

Die Entdeckung Neptuns – ein jahrelanges Irren verschiedener Forscher zwischen Versuch und Irrtum – ist an sich schon eine unglaubliche Neptun-Geschichte.  Man hat dabei wirklich den Eindruck, dass hier ein kosmisches Geheimnis regelrecht ent-schleiert werden musste. Jupiter stand bei der Entdeckung auf Galles Sonne und Mond.  Der Zeitpunkt der Entdeckung ist eine Art „Geburtshoroskop“ des neuen Planeten.  Hier die Daten: 24. September 1846, um 0.14 Uhr nachts in Berlin.

Wenn ich mir überlege, wie viele bedeutende Erkenntnisse ich schon über mich und andere Menschen aus der astrologischen Deutung Neptuns bezogen habe, kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass er einmal unentdeckt war.  Daher denke ich mit Dankbarkeit an Johann Gottfried Galle und wünsche ihm zu seinem 200. Geburtstag, dass er in der geistigen Welt – ganz ohne Fernrohr – weiterhin zauberhafte Entdeckungen machen darf.

 

Ernst Ott

 

 

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Beobachtungen bei Neptun und Pluto

von Ernst Ott

 

Manches verdanken wir unserer bewussten Planung; anderes fällt uns zufällig zu: Das Geborenwerden, oft auch das Schwangerwerden, das Kennen lernen von wichtigen Menschen, manche Heilungen und Lösungen von Problemen… Es kommt ungefragt, als reines Geschenk.

Diese Entscheidungsinstanz, sie so bedeutsam in unser Leben eingreift wird im Horoskop unter anderem durch Neptun und Pluto symbolisiert. Da diese in unserem eigenen Horoskop stehen, sagt die astrologische Lehre: Es hat mir dir zu tun!  Auf einer schwer definierbaren Ebene ist es etwas von uns, dass diese Zufälle anzieht oder sich für diese Dinge entschieden hat, die sich unser planender Verstand nicht vorstellen und herstellen konnte. 

Natürlich stehen Neptun und Pluto auch für manche im ersten Augenblick leidvollen Dinge, die ebenso ungefragt in unser Leben kommen. Wenn wir aber einmal nüchtern die eigene Biografie durchforsten, stellen wir bald fest, dass es sehr viele solche Zufälle gab, die dafür verantwortlich waren, dass wir das Leben bisher überlebt haben und aus vielen Krisen, Krankheiten, Fehlentscheidungen wieder heil heraus gekommen sind.

In unserer Schule sehen wir Neptun und Pluto – trotz ihrer unberechenbaren Nebenwirkungen – in erster Linie als wertvolle Geschenke des Kosmos, bei denen es sich lohnt zu sagen: „Ich nehme es an!“

Nehmen Sie zum Beispiel die Häuser, in denen bei Ihnen Pluto und Neptun stehen: Die mit diesen Häusern verbundenen Themenbereiche sind bei Ihnen an das Wirken dieser Zufallsinstanz angeschlossen.  Dort sollten sie mit Wundern rechnen. 

Man kann zwar nicht wirklich rechnen mit eventuellen Wundern. Es ist besser, sich so gut es geht eigenverantwortlich um diese Dinge zu kümmern, d.h. so zu tun, wie wenn uns dabei keiner helfen würde. Aber parallel dazu sei empfohlen, die Augen und Ohren offen zu halten und mit der Intuition aufmerksam hinzuhorchen, damit wir die hilfreichen Zufälle, Gedanken, Begegnungen wahrnehmen und das Wirken der geistigen Welt nicht übersehen.  Der Zufall hilft nur denen, die ihn wahrnehmen.  Wem der Verstand Scheuklappen verliehen hat, der schaut nicht links und rechts und muss dann wirklich alles selber machen.  Soweit der Verstand das packt… Zum Glück sind wir mehr als unser Verstand.

 

 

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Marshall Rosenberg und sein Horoskop

von Ernst Ott


Könnte einem ein schöneres Bild für eine Waage-Venus einfallen als eine Rose?  Höchstens viele Rosen, ein ganzer Berg von Rosen. Da kommt einer auf die Welt, der trägt den Namen Rosenberg.  In seiner Geburtsstunde stehen der Liebesplanet Venus und die Sonne in der Waage, dem Zeichen der Mitmenschlichkeit.  Falls Namen eine Botschaft ausdrücken, dann ist diese Botschaft eindeutig: Zuneigung und Liebe.  Sein Vorname jedoch ist Marshall, der Name für einen Strategen und Krieger. Auch dieser Name spiegelt sich bildhaft im Geburtshoroskop durch eine sehr genaue Aspektverbindung des Strategen Saturn mit dem Krieger-Planeten Mars im Löwen. 

 


Marshall Rosenbergs Horoskop zeigt sehr deutlich zwei gleich starke Anlagen, zwei gegenläufige Potentiale. Ein Psychologe würde vielleicht sagen: Es kommt nun auf die frühen Erfahrungen und die Sozialisation an, ob so einer letztlich mehr zum Krieger neigt oder zum Friedfertigen. Wir humanistischen Astrologen sagen eher: Wir können es nicht wissen, denn es ist letztlich eine Frage des freien Willens, was jemand aus seinen Anlagen und mit oder gegen seine Prägungen unternimmt. Rosenberg hätte sich, wie wir gleich sehen werden, auf Grund seiner Kindheitserfahrungen mit gutem Grund zum Opfer machen oder zum Rächer berufen fühlen können.  Er tat weder das eine noch das andere, sondern lernte die klientenzentrierte Gesprächstherapie von Carl Rogers und las die Schriften Mahatma Gandhis.

Ich habe diesen Artikel mit einem Zitat überschrieben: „Liebe dich selbst, dann ist es egal, wer dich ärgert!“  Das ist der Titel eines Seminars von Silvia Richter-Kaupp.  Man könnte auch formulieren: Liebe dich selbst und sei empathisch mit deinen Mitmenschen.  Dies fasst die Botschaft von Rosenbergs GfK zusammen, der gewaltfreien Kommunikation.  Man erinnert sich an das Gebot Christi (Kurzform: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“).  Es berührt merkwürdig, dass der Schöpfer dieses Systems, Marshall Rosenberg, ein Jude war. Ich bezeichne ihn bewusst als Schöpfer dieser wunderbaren Weltanschauung, obwohl er selber mit seinen bescheidenen Jungfrau-Planeten manchmal betonte, er habe eigentlich nichts Neues erfunden, nur etwas wieder herausgeholt, was die Menschen natürlicherweise ohnehin in sich trügen. 

Ein Schlüsselerlebnis Marshalls mit neun Jahren bestand darin, dass zwei „christliche“ Mitschüler ihn wegen seines jüdischen Namens zu Boden warfen, traten und verprügelten.  Seine Eltern erklärten ihm daraufhin, was es damit auf sich hatte, und sagten vermutlich auch, dass man in dieser Welt mit so was rechnen müsse. 

Der junge Marshall Rosenberg hatte damals bereits erlebt, dass bei einem Rassenkrieg vor seiner Haustür in wenigen Tagen vierzig Menschen starben.  Es ist also höchst erstaunlich, dass er dennoch sein Leben lang nie glauben wollte, dass man in dieser Welt nun mal „mit so was“ leben müsse.  Er schuf ein bedeutendes Lebenswerk der Versöhnung und Menschenliebe.  Er wurde Mediator. Einen besseren Begriff für dieses verbindende Waage-Potenzial hätte kein Astrologe erfinden können. Da Rosenberg so erfolgreich in Rassenkonflikten und in internationalen Kriegsherden wirkte, muss er demnach mehr getan haben, als das, was jede Waage-Persönlichkeit zuerst einmal versucht: Freundlich sein, Kompromisse vorschlagen. Da braucht es die Konsequenz von Mars-Saturn, um vollständig zum Kern des Problems vorzudringen. Vielleicht waren eigene innere Widersprüche nötig, um Widersprüchliches und widersprechendes menschliches Verhalten nicht einfach zu beurteilen, sondern zu verstehen. Etwas Fremdes in seiner Eigengesetzlichkeit so weit wie möglich verstehen wollen, ohne es zu bewerten – dazu braucht man kein „glückliches Horoskop“ sondern den Willen zum Verständnis und eine tiefe Liebe zu Menschen.

Man kann sich nicht immer der Meinung eines Mitmenschen anschließen.  Auch dessen Verhaltensweisen im Einzelnen müssen wir nicht immer lieben.  Dr. Marshall Rosenberg schlug daher vor, das Motiv, das tiefere Bedürfnis zu verstehen, das den Menschen zu dieser Meinung oder Handlung motiviert hatte. Dies ist eine schöne Brücke, denn die Gundbedürfnisse verbinden uns ja mit allen Menschen. Genauso sieht es übrigens auch die psychologische Astrologie. 

In diesem Sinne lehrt uns Rosenberg Empathie mit dem Gegner.  Werfen wir nochmals einen Blick auf das Geburtshoroskop, so finden wir den Gefühlsplaneten Mond in weiter Konjunktion mit dem spirituellen und einfühlsamen Neptun.  Das entspricht dem Thema Empathie, einem Schlüsselwort dieser Psychologie oder Theorie, die eigentlich beides nicht ist, sondern eine menschliche Grundhaltung.  Ein zentraler Aspekt im Horoskop Rosenbergs ist die Verbindung des visionären Uranus mit dem Idealisten Jupiter. Doch Rosenberg appelliert nie nur moralisch an das Gute im Menschen, denn er ist genauso viel Realist (Saturn-Aspekt). 

„Jetzt geht’s mir eh schon so schlecht – und da soll ich auch noch den Gegner einfühlsam verstehen?  Niemals!“ So ruft unsere Verzweiflung. Will Rosenberg die Leute zur aufopferungsvollen Selbstverleugnung bringen?  Im Gegenteil. Am Anfang steht die Empathie, die man sich selber gibt.  Jemand, der Gegner beschimpft und abwertet, hat vorher (heimlich) sich selbst beschimpft und abgewertet.  Er ist damit nicht glücklich geworden. Jetzt fühlt er sich als Opfer und beschimpft den Gegner. Die zauberhaft einfachen und wirksamen vier Handlungsschritte der gewaltfreien Kommunikation beginnen immer mit Empathie für sich selber.  Jemand der daraufhin dem Gegner Verständnis entgegenbringt, hat vorher sich selber Verständnis und Empathie entgegen gebracht.  Wir brauchen zuerst eigene Ressourcen, bevor wir sie weitergeben können.

Rosenberg erfand auch ein wertvolles didaktisches Spiel mit Giraffe und Wolf.  Die Giraffe steht für die gewaltfreie Kommunikation, der Wolf für das lebensfeindliche Kommunizieren. Auch mit uns selber sprechen wir übrigens manchmal in der Wolfssprache: "Ich bin doof, ich mach' alles falsch!" Dann können wir lernen, als Giraffe uns selber Empathie zu geben.

Rosenberg – ich will es hier in meinen eigenen Worten ausdrücken – ging davon aus, dass es ein tiefes Grundbedürfnis jedes Menschen ist, sich für Andere zu öffnen und Liebe vom Herzen zum Herzen fließen zu lassen. Dieses natürliche Bedürfnis ist leider teilweise verloren gegangen. Mit ein bisschen Selbstliebe entdecken wir es wieder.  Damit bringen wir auch erneut die Freude des echten Schenkens in unser Leben.  Marshall Rosenberg hat aus seinen Erfahrungen und den Anlagen seines Horoskops etwas gemacht, das liebenswert ist. Obwohl ich ihm nie persönlich begegnet bin, empfinde ich Dankbarkeit, wenn ich an ihn denke.

 

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Neue Zeiten - neue Lösungen

Warum es gerade heute wichtig ist, Astrologie zu lernen


von Eva Stangenberg

 

Krisenzeiten zwingen uns, umzudenken, die alten Modelle funktionieren nicht mehr, bringen nicht mehr den bisher damit erzielten Erfolg. Zu Anfang wird vielleicht noch versucht, mit erhöhter Anstrengung das Erwünschte zu erreichen, man ist fixiert auf das eine Ziel und die Angst, dieses nicht zu erreichen, wächst proportional mit den Anstrengungen.
Wenn ich hier von Krisen schreibe, meine ich nicht nur die momentane Wirtschaftskrise, sondern ebenso die vielen privaten Krisen, in denen sich Menschen zur Zeit befinden, sei es der Verlust des Arbeitsplatzes, eine schwere Krankheit, Partnerschaftsprobleme, sei es, weil man allein ist oder zu zweit, Schulprobleme der Kinder, Schwierigkeiten wie z.B. Mobbing am Arbeitsplatz, Sinnkrisen und viele mehr.
Allerdings kann uns die momentane weltweite Krise ein Signal sein, wie sowohl politisch als auch im ganz persönlichen Bereich ein Umdenken erforderlich ist.
Wie kann da die Astrologie helfen?
Üblicherweise ist unser Merkur für unser Denken zuständig. Seine Vorgehensweise ist logisch-kausal, linear und baut auf dem Gelernten auf, was in den jeweiligen Situationen benötigt und genutzt werden kann. Wir können ihn in seinen Fähigkeiten und Funktionen mit unserem Gehirn oder einem Computer vergleichen, woraus bei Bedarf die verschiedenen gespeicherten Informationen abgerufen werden können.
Wenn wir nun aber in einer uns bis dahin unbekannten Situation sind, eben in einer Krise, in der die alten Modelle gerade nicht mehr wirken, reicht das nicht mehr aus. Wir benötigen neue „Verschaltungen“, neue „Links“, müssen Areale im Gehirn aktivieren, die bisher zur Lösung nicht genutzt worden sind, eben all unsere anderen Planetenpotenziale.
Unser Gehirn ist zweigeteilt, verbunden mit dem so genannten Balken, wobei (vereinfacht dargestellt) die linke Hirnhälfte (bei Rechtshändern) den rationalen, yang, männlichen Denk-Fähigkeiten entspricht und die rechte den kreativen, yin, weiblichen, es ist die so genannte emotionale Intelligenz. Und genau diese müssen in so einer „Notfall-Situation“ aktiviert werden, um neue, andere oder weiterführende Lösungen zu finden. Es ist also nicht sinnvoll, sich voll und ganz auf eines zu konzentrieren, zu focousieren, sondern, im Gegenteil, es wäre ratsam, sich zu öffnen, z.B. Gefühle, Stimmungen zuzulassen (weiblicher Faktor Mond) oder seine Sinne spielen zu lassen, zu riechen, zu schmecken, sich etwas Gutes zu tun (weiblicher Faktor Venus) oder sich zu entspannen, Musik zu hören, zu träumen, zu malen (weiblicher Faktor Neptun).
Für ein Umdenken ist es erforderlich, die Brücke zu schlagen zwischen den zwei Hirnhälften, die Verbindung, (der Balken) zu dieser weiblichen Seite herzustellen. Unser rein lineares, nach vorne ausgerichtetes, männliches Denken als alleiniges Lösungsmodell hat ausgedient. Das zeigen uns die vielen Krisen heute. Wir müssen auch die andere Seite wertschätzen und nutzen lernen.
Und wie man damit zum Erfolg kommt, erzählt ein schon sehr altes Märchen, das Märchen vom Hasen und dem Igel.
Das Märchen in Kurzfassung:
Ein Hase und ein Igel wollten einen Wettlauf machen. Der Hase war sich absolut sicher, zu gewinnen, denn wie sollte ein so langsamer Igel ihn, den Schnellläufer, besiegen! (Das war die bisherige Lebenserfahrung, abgespeichert in seinem Denken).
Der Igel war sich dieser Tatsache bewusst, also musste er kreativ sein, sich etwas einfallen lassen. (Seine weibliche Hirnhälfte oder die weiblichen Anteile in sich aktivieren).
Der Wettlauf startete, der Hase rannte los, aber als er am Ziel war, saß da der Igel bereits und sagte: “Bin schon da.“ Der Hase war fassungslos, das konnte nicht sein, also noch mal! Er strengte sich sehr an, rannte noch schneller, aber das Ergebnis war das gleiche, der Igel war schon da. Das einzige, was ihm jetzt noch einfiel, war: „mehr desselben“, noch mal und noch mal rennen und sich mit der Geschwindigkeit noch steigern. (Er konnte nur noch in eine Richtung denken, alle andere Hirnareale, Anteile in ihm, waren ausgeschaltete).
Nach vielen, vielen vergeblichen Versuchen, den Wettkampf doch noch zu gewinnen, brach er völlig entkräftet zusammen.
Und der Igel ging mit seiner Frau, die an der anderen Seite im Gebüsch immer „schon da war“, wenn der Hase kam, als Sieger vom Platz. Seine Frau, (seine weiblichen Anteile) hatte ihm also geholfen, das scheinbar Aussichtslose zu schaffen.

Wenn wir nun also unser Horoskop kennen, brauchen wir uns nicht mehr zu reduzieren auf das bisher Gelernte, sondern können bei uns selber, oder in der Beratung bei anderen, das bisher ungenutzte Potenzial für Lösungen heranziehen und nutzen. Was sagt z.B. Ihre Venus in Bezug auf Ihr Problem am Arbeitsplatz, oder wie fühlt Ihr Mond bei den Schulschwierigkeiten Ihres Kindes und gelangen mit dieser Fragestellung zu völlig neuen Ansätzen, wir nutzen also unsere „emotionale Intelligenz“.
Und: unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.

 

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Jede Konstellation ist ein Lösungsvorschlag 

von Ernst Ott

Zum Jahreswechsel boomt die Prognose-Astrologie.  Gleichzetig drucken die Journalisten wie jedes Jahr die immer gleichen Texte der Astro-Skeptiker ab, in denen nachgewiesen wird, dass Madame Tessiers Prognosen über Katastrophen und Politiker-Schicksale nicht in Erfüllung gegangen seien.  Natürlich nicht. Astrologie ist keine Wahrsagerei. Daran sollten wir auch denken, wenn Astrologen sich völlig unnötig an der Angstmacherei zum "Schicksalsjahr 2012" beteiligen.  Daher drucke ich hier einen Artikel nochmals ab, den ich letztes Jahr um diese Zeit bereits einmal veröffentlicht hatte:

Jede Konstellation ist ein Lösungsvorschlag!  -  Diesen Beitrag schreibe ich im Zorn über die zahllosen Warner und Angstmacher, die es in der astrologischen Szene gibt.  Von schwierigen Konstellationen  ist da die Rede, von gefährlichen Zeiten, schlechten Horoskopen usw.  -  Verdammt nochmal: Ist nicht das Leben schon gefährlich genug? Müssen wir uns von Astrologen noch zusätzlich Angst machen lassen?  „Sie merken zwar noch nichts davon, aber demnächst werden Sie eine schwierige Konstellation haben – fürchten Sie sich schon mal!“

Wenn das Astrologie ist, will ich kein Astrologe sein.

Aus jeder Konstellation können wir unser Glück schmieden – wenn wir uns dafür entscheiden.  Mit jeder Konstellation können wir Mist bauen – wenn wir uns dafür entscheiden.

Hinter der Aussage eines Astrologen steckt nicht die Wahrheit, sondern die Weltanschauung dieses Astrologen.  Wer sich vor schlechtem Schicksal fürchtet, wird mit großer Sicherheit Konstellationen als schlechtes Schicksal deuten. Wer eine andere Weltsicht hat, wird anders deuten. Wer davon ausgeht, dass wir Opfer des Schicksals sind, wird seine Klienten weiter zu Opfern machen und ihnen helfen, sich als Opfer so gut wie möglich durch ein fremdbestimmtes Leben durchzuschlängeln.

Ich denke: Die Zukunft gibt es nicht, auch nicht im Horoskop.  Die Zukunft stellen wir her.  Jetzt.  Mit unseren freien Entscheidungen und unserem Denken. Befürchtungen sind zukunft-erschaffende Energien.  Ich will mich an solchen Kreationen nicht beteiligen.

Das Horoskop sagt nicht, was geschieht, sondern gibt uns Ideen, was wir geschehen lassen könnten.  Wann endlich werden die Astrologen wieder bereit sein, jede, wirklich jede Konstellation als einen Lösungsvorschlag zu sehen? Jede Konstellation als Ideenspender für ein kreativeres Leben zu deuten?  Jede Konstellation zu befragen, wie ich damit eine neue, freiere Zukunft erschaffen könnte?

Dies sind die einzigen Fragestellungen innerhalb der Astrologie, die mich nach über 20 Jahren hauptberuflicher astrologische Tätigkeit noch interessieren.  Auch in der Ausbildung bin ich nicht mehr bereit, Ängste und Vorurteile über so genannt schwierige Horoskope zu fördern.  Ich kann nur noch den lösungs-orientierten Ansatz ehrlich vertreten.

So, jetzt geht’s mit besser! Das musste im alten Jahr nochmal gesagt sein:  Jede Konstellation ist ein Lösungsvorschlag!

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Kaiser Julians gescheiterter Versuch, die christliche Staatsreligion zur Toleranz zu zwingen.

von Ernst Ott

Für den römischen Kaiser Iulianus  war die Sonne nicht nur ein Himmelskörper und eine Energiequelle, sondern ein beseeltes Wesen.  Alle Welt – außer den Christen - feierte damals am 25. Dezember das Fest der unbesiegten Sonne, des Sol invictus.

 

Sol, der Sonnengott mit dem Strahlenkranz

Iulianus empfand den Sonnengott Sol als seinen persönlichen Beschützer.  Er verschlang schon als Junge philosophische, kosmologische und religiöse Schriften und empfand eine tiefe Zuneigung zu den Planetengöttern und der so lebensfrohen symbol- und bilderreichen Spiritualität der griechisch-römischen Götterwelt. 

Für seine Erzieher war diese Neigung des jungen Prinzen unerwartet.  Iulianus war ein Nachkomme Konstantins "des Großen", der als erster christlicher Kaiser gilt.  Dieser hatte die christlichen Bischöfe massiv gefördert und mit ihnen einen machtvollen Staatsapparat aufgebaut. Seither wurden kaiserliche Prinzen von Priestern und Theologen erzogen.  Auch Iulianus hatte in den Kirchen das Evangelium vorzulesen.  Doch der Junge war zu intelligent und bereits zu belesen, um seinen Lehrern unwidersprochen zu glauben. 

Er registrierte die Widersprüche in den heiligen Schriften, ebenso die blutigen Feldzüge, die die katholische Staatskirche gegen das arianische Christentum und andere abweichende Christengemeinden führte.  Nur Christus und ausschließlich der wahre Christenglaube sollte die Menschen in den Himmel führen können? Iulianus leuchtete dies nicht ein, wo doch Jahrhunderte lang so viele weise Vorfahren über die Planeten-Götter und Mysterienkulte ihren Frieden mit dem Kosmos gefunden hatten und ein ethisch hochstehendes Leben geführt hatten.

Sobald Iulianus Kaiser wurde, begann er die immer noch bestehenden antiken Kulte zu fördern, vor allem auch den Mithras-Kult, der damals eine in drei Erdteilen verbreitete astrologisch-religiöse Lehre war.  Mithras-Anhänger wurden über sieben Stufen in die Mysterien der sieben alten Planeten eingeweiht. 

 

Sonnengott Mithras mit dem Sternenmantel auf dem Stier der Fruchtbarkeit

Iulianus erließ eine Art Wiedergutmachungsgesetz, nach dem die Christen alle von ihnen angeeigneten heidnischen Tempel und Besitztümer den früheren Priesterschaften zurückgeben sollten. Den christlichen Bischöfen entzog er ihre Gelder und Sonderprivilegien.  Die christlichen Gemeinden sollten zwar unter demselben staatlichen Schutz stehen, wie die älteren Kulte, aber neben und nicht über ihnen.

Die christlichen Funktionäre, die sich seit Konstantin als staatstragende Machthaber fühlten, wehrten sich massiv.  Iulianus, der ein sehr ethisch denkender Mensch war, versuchte auch mit den Christen gerecht zu sein und keine Verfolgung aufkommen zu lassen.  Er sorgte jedoch für das Wieder-Erblühen der alten Kulte.  Die Tempel des Jupiter, der Juno, Minerva, Venus, sowie die Isis- und Demeterkulte belebten sich wieder.  Die Mithras-Gemeinden feierten Sol, die unbesiegbare Sonne.

Wäre Iulianus eine so lange Regierungszeit vergönnt gewesen wie etwa dem Augustus, wäre möglicherweise statt der Kirche die Mithras-Philosophie für die abendländische Kultur prägend geworden.  Antike Weisheit wäre dann nicht verloren gegangen und die Verehrung des Sol und der Planetenkräfte hätte Europa durch die letzten 2000 Jahre seiner Geschichte begleitet.

Doch Iulianus starb mit 32 Jahren nach weniger als zwei Jahren Regierungszeit unter ungeklärten Umständen.  Auf einem Feldzug gegen die Perser traf ihn eine Wurflanze. Niemand hat den Schützen gesehen.  Die persischen Kriegsgegner hatten eine hohe Geldsumme ausgesetzt für die Tötung Julians, doch kein Perser meldete sich und beanspruchte die Belohnung.  Die christlichen Bischöfe aber feierten und jubelten bei der Todesnachricht, und so wurde bald vermutet, dass der christliche Geheimdienst ihn getötet habe.

Der Versuch des Iulianus, die religiöse Toleranz der Antike wieder einzuführen scheiterte.  Die katholischen Geschichtsschreiber nannten ihn nach seinem Tode "Julian Apostata", den Apostaten, den Abtrünnigen.  Sie erzählten, Iulianus sei mit folgenden Worten auf den Lippen gestorben: „Du hast gesiegt, Christus!“  Das Zitat ist mit Sicherheit eine Fälschung, spiegelt aber die reale Bedeutung dieser Stunde für die Geschichte Europas.

 

Eklipse bei Julians Tod

Wir kennen kein Geburtshoroskop des Iulianus.  Doch die obige Abbildung zeigt die Sonnenfinsternis zwei Tage nach seinem Tod, als „Christus gesiegt hatte.“ - Es ist in der Tat ein sehr prägnantes Horoskop:  Die christliche Ära begann nicht nur mit einem Fische-Aszendenten, sondern auch mit einer Eklipse in den Häusern 4 und 10, privat und öffentlich. Ab sofort war das Glaubensbekenntnis keine Privatsache mehr.  Das Saturn-Pluto-Sonne-Dreieck zeigt, dass es auch um Machtfragen ging.  Lilith in Opposition zu der Finsternis deutet vielleicht die Funktion an, welche die Frau im Christentum als Schattenfigur annahm und später als Muttergottes, die mit dem Fuß eine Schlange zertritt.  Vielleicht haben die Zeitgenossen damals den dominanten Merkur als Christus gedeutet, denn Hermes-Merkur, der oft mit einem Lamm auf den Schultern abgebildet wurde, galt den ersten Christen als Symbol des Erlösers.

Die fundamentalistischeren untern den Katholiken wie etwa der Kirchenhistoriker und Bischof Theodoret beschimpften Iulianus nach seinem Tod als stinkendes Schwein, und der „Apostat“ galt von Stund an als schlechter Kaiser.  Auch der heilige Hieronymus, bedeutender Kirchenvater, erging sich in wüsten Schimpfwörtern, die hier nicht zitiert werden müssen.

Iulianus verdient die Beschimpfung nicht.  Er stieß in erstaunlich kurzer Zeit eine große religiöse Reform an, die sich allerdings nicht durchsetzte.  Im Nachhinein wissen wir, dass an dieser Weggabelung für 2000 Jahre auch die Frage entschieden wurde: Soll das Christentum persönliches Bekenntnis in einer toleranten pluralen Welt sein oder eine machtvolle vom Staat getragene Institution? 

Astrologen haben immer wieder das Gedankenspiel gemacht: Was wäre, wenn seit dem 4. Jahrhundert durchgehend die antike Kultur und Astrologie weiter praktiziert worden wäre?  Deren Wiederentdeckung durch die Renaissance über 1000 Jahre später wäre überflüssig gewesen.  Die Neuzeit hätte auf einer ganz anderen Tradition und auf weit höherem wissenschaftlichem und philosophischem Niveau beginnen können.

 

Flavius Claudius Iulianus als regierender Kaiser auf einer Münze aus Antiochia

 

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Die Gedanken sind frei

von Ernst Ott 

Vor 200 Jahren (am 28. September 1811) wurde Friedrich Hecker geboren.  Im Zeichen der Waage, und Gerechtigkeit war ihm ein höchster Wert.  Als Sohn eines bayerischen Hofrats hatte er einige Vorrechte.  Aber er sah, dass es Leute ganz ohne Vorrechte gab, und das schmerzte ihn.  Er studierte Recht, unter anderem in Heidelberg, schloss sich 1848 der badischen Revolution an und wurde deren charismatischer Anführer.  Als Abgeordneter scheiterte er, militärisch scheiterte er ebenso, denn der Großherzog rief die preußische Armee ins Land, um sein eigenes Volk beim Hecker-Zug niederzuschießen.  Man verbot Hecker das Sprechen, Schreiben und den Aufenthalt im Land, aber das Denken ließ er sich nicht verbieten.  Vielleicht muss eine Waage nicht militärisch siegen.  Die Kraft ihrer Gedanken können schon machtvoll genug sein.

Das Bild zeigt das Gemälde von Bernhard Neher mit dem jungen Revolutionär. Friedrich Hecker musste nach Amerika emigrieren.  Im Jahr darauf zum finalen Ansturm der Badischen Revolution von 1849 kam er nochmals zurück, nur um Zeuge zu werden, wie die letzten Revolutionäre in Rastatt erschossen wurden. Enttäuscht ging er nach Amerika zurück, kämpfte dort für Demokratie, wurde Viehzüchter und Weinbauer und blieb bis zuletzt in den Vereinigten Staaten.

Er lebte nicht mehr, als 70 Jahre nach der 48-er Revolution Deutschland endlich wirklich eine Republik wurde. Aber das Heckerlied wird noch heute gesungen:

Wenn euch die Leute fragen: “Lebt denn der Hecker noch?“  So sollt ihr ihnen sagen:  “Ja, er lebet noch.  Er hängt an keinem Baume, er hängt an keinem Strick, - er hängt an dem Traume der freien Republik!“

Die Gedanken sind frei.  -  Und die bewirken eine Veränderung der Welt.  Bei ganz revolutionären Projekten dauert es manchmal 70 Jahre. Möge die Wahrheit künftig einen schnelleren Weg nehmen.

Herzlichen Glückwunsch zum 200. Geburtstag und danke, Hecker!

Er ist ein Deutscher auf den man stolz sein kann.


Die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei:
Die Gedanken sind frei!

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Die harmonische Waage

von Ernst Ott 

„Die Waage ist harmonisch und ausgeglichen“, so steht das überall, jeder glaubt das zu wissen.  - Deshalb muss es aber noch lange nicht stimmen!

Richtig ist: Die Waage braucht Harmonie.

Sie ist auf die Welt gekommen mit den allerfeinsten Antennen für Schönheit, Geschmack, Harmonie und Ausgewogenheit.  Sollte irgendwo alles ausgewogen und schön sein, so wird sie es in vollen Zügen genießen.  Da die Welt jedoch überwiegend unharmonisch ist, leidet die Waage.  Mit ihren feinen Antennen erkennt sie das Unstimmige sofort.  Ihr Auge für ausgewogene Farben ist so empfindlich, dass sie ein Zuviel oder Zuwenig sehr deutlich wahrnimmt.  Sie ist dann die erste, die dies erkennen und empfinden kann.  Sie braucht Harmonie, sie kann Harmonie schaffen.

Die Waage hat feine Ohren für Streit, Widersprüche und Aggression, auch wenn sich dies alles erst unterschwellig äußert.  Daher empfindet sie schon eine grobe Unhöflichkeit als beinahe kriegerischen Akt.  Würde die Welt auf sie hören, so könnte die Waage alle Menschen kultivieren und zur Friedfertigkeit führen.  Meist hört die Welt nicht auf sie. Dennoch bleibt die Waage hochsensibel gegen Grobheiten, sie braucht Frieden.  Daher ist sie im täglichen Verhalten oft gar nicht friedlich, sondern wird ungemütlich.  Sie verlangt von den Rüpeln mehr mitmenschliche Kultur und mehr Friedenswillen, und das ist ihr gutes Recht.  Jede Begabung muss schließlich irgendwo eingesetzt werden.

 Machen Sie den Test und sagen Sie zu einer im Zeichen Waage geborenen Person oder einem anderen Menschen mit einer starken Waage-Komponente einmal folgenden Satz: „Sie sind immer harmonisch und ausgewogen“.  Ich bin gespannt, welch Erfahrungen sie machen werden. -  Ich selber ernte auf diese Aussage fast immer Widerspruch.  Die Waage spürt nämlich auch in ihrem Inneren jeden kleinen Widerspruch, und wird also diesbezüglich sehr selbstkritisch sein.  Bis sie sagt, sie sei ausgeglichen, muss sie wirklich lange an sich gearbeitet haben.  Daher sagt sie: Ich wünsche mir mehr Ausgewogenheit.  Ich bräuchte mehr Harmonie.

Das ständige Abwägen „einerseits-und-andererseits“ in der Psyche der Waage ist eine große Gabe des Lebens.  Richtig angewandt verhindert sie Einseitigkeit, falsche Selbstsicherheit und Egoismus. Eine solche Haltung ermöglicht es, fremde Standpunkte zu verstehen.  Das ist in der Tat die Grundvoraussetzung für den Frieden zwischen Individuen und unter Völkern. Ohne die Fähigkeit, einen anderen Standpunkt zu verstehen, ist auch die Liebe nur ein vorübergehendes Gefühl und kein Lebensentwurf.  Ohne erkennende Einsicht in das Andersartige ist in einer Partnerbeziehung kein menschenwürdiges Miteinander möglich. Voraussetzung dazu ist die Waage-Qualität des inneren Abwägens: Was genau ist anders an dem geliebten Partner?  Könnte das Andere auch Teil von mir sein oder werden?  Zu den großen Qualitäten der Liebe gehört die Fähigkeit, etwas Fremdes zu ertragen oder anzunehmen.  Doch vorher muss es in innerem Abwägen als solches erkannt werden.  Die Integration des Fremden ist ein geistiger Akt, und die Waage ist ein geistiges Luftzeichen.

Gleichzeitig ist das innere Einerseits-und-Andererseits ein Fluch, denn die Waage selber erlebt sich oft als entscheidungsschwach.  Sie kann nicht nur abwägen, sie hat das Gefühl, sie muss alles solange abwägen, bis es zu hundert Prozent stimmt.  Und das dauert lange, denn die Waage hat so feine Antennen, dass sie es selbst dann noch als schmerzhaft disharmonisch wahrnimmt, wenn es zu achtundneunzig Prozent stimmt.  Zwei Prozent fehlen eben, und damit ist dieser Sache oder diesem Menschen nicht vollständige Gerechtigkeit widerfahren.

Fazit: Waage ist nicht von vornherein harmonisch. Waage empfindet eine innere Notwendigkeit, Harmonie und Ausgleich zu schaffen.  Wundern Sie sich also nicht, wenn eine Waage sich selbst als zerrissen und unausgewogen beschreibt!  Aber wir sollten auch wissen: Gerade die Waage hat die Fähigkeit, ein Optimum an Harmonie und Ausgewogenheit herzustellen.  Sie ist wirklich eine Friedensstifterin.  Möge sie auch in sich selber Frieden stiften und sich mit ihren unterschiedlichen inneren Anteilen friedlich versöhnen können!

 

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Der Papst und sein Horoskop

von Ernst Ott 

Benedikt XVI, geboren als Joseph Ratzinger am 16. April 1927, um 4.15 Uhr in Marktl am Inn.  Er ist geboren, als Jupiter, Planet der Sinngebung und Größe, am Osthorizont aufstieg (Jupiter Konjunktion Aszendent). Jupiter steht auch für Glaube, Priesterschaft und die Lust, andere zu überzeugen.  Jupiter ist in diesem Geburtshoroskop Herrscher des MC, denn das Schütze-Zeichen stand in jener Stunde in der Himmelsmitte.  Zudem steht der ehrgeizige und vorwärts drängende Mars ebenfalls an einer Hauptachse.  Er steht in den Zwillingen, kämpft also gerne mit Worten.  Die Sonne steht im Zeichen Widder, also wundert es nicht, dass Kardinal Ratzinger in seinem Bereich nach oben strebte und die Gelegenheit gesucht hat, Neues zu gestalten.

Mit seinem freundlichen Fische-Anteil am Aszendenten strahlt er eine sanfte persönliche Gläubigkeit aus, so dass sein Ehrgeiz nie unangenehm aufgefallen ist.  Dennoch war Ratzinger schon immer ein mächtiger Funktionär der Kirche.  Die ganze Amtszeit seines Vorgängers über leitete er die Inquisition.  Diese bedeutende Abteilung des Vatikan hat sich in ihrer Geschichte nicht gerade mit Ruhm bekleckert, und wurde übrigens erst im 20. Jahrhundert umbenannt, so dass sie heute die Glaubens-Kongregation ist.  Ratzinger war also Chef der „Congregatio pro doctrina fidei“, deren Aufgabe es ist, die Kirche vor Häresien (Irrlehren)  zu schützen, also vor abweichenden Glaubensvorstellungen, so wird heute ihre Aufgabe definiert.  Er hat damals im Hintergrund weitgehend die Politik und Ideologie von Johannes Paul II am Ende des kalten Krieges und bis zu dessen Tod mitbestimmt.

„Eine besondere Wertschätzung des Weiblichen und der Frauen“ – dies wäre eine mögliche Deutung für den weiblichen Planeten Venus im Stier und im Haus der Werte (Haus 2).  Aber welches Wertesystem jemand letztlich vertritt, das hat nichts mit dem Horoskop zu tun, sondern unterliegt dem freien Willen.  Wer die Politik des Papstes als frauenfeindlich betrachtet, darf aufgrund des Horoskops vermuten, dass er seine Dogmen subjektiv gut meint und Frauen – nach seinem Wertesystem – das Beste wünscht.

Deuten wir den Pluto-Aspekt zum zweiten weiblichen Planeten Mond als besonders intensive Auseinandersetzung mit dem Weiblichen? Oder als Angst vor der Bedrohung durch das Weibliche? Vielleicht denkt Benedikt, wenn er das Wort „weiblich“ hört, auch nur an die Muttergottes und empfindet keinerlei Probleme damit.  In seinem Horoskop ist wie immer nur das Thema vorgegeben, mit dem er sich auseinanderzusetzen hat, auf welche Weise er dies tut, liegt in seinem eigenen Ermessen. 

Wir kennen bei diesem Prominenten ausnahmsweise die zuverlässige standesamtliche Geburtszeit.  Hier möchte ich zum ersten Mal die witzige aber wahre Geschichte ihrer Ermittlung erzählen: 

Ich hatte mich in meiner Münchner Zeit in den 1980-er Jahren einmal für den damaligen Kardinal Ratzinger interessiert.  Ich rief in seinem Geburtsort Marktl am Inn auf der Gemeinde an und fragte nach der genauen Zeit.  Ich machte mir keine große Hoffnung, denn Standesämter geben wegen des Datenschutzes meist keine Auskunft über Geburtszeiten, erst recht nicht bei Prominenten.  Die etwas resolute Dame am Telefon fragte mich in tiefbayrischem Dialekt zuerst ganz automatisch und nach Vorschrift, ob ich ein Familienmitglied sei?  Es war mir nicht möglich, irgendeine verwandtschaftliche oder sonstige Beziehung zu Ratzinger zu finden, und ich verneinte.  „Ja, warum wollen’S des denn wissen?“ fragte sie, und ich sagte nur zu Forschungszwecken, weil ich Astrologe sei.  In jenem Augenblick vermutete ich fest, dass in diesem bayerischen Flecken die katholische Welt noch in Ordnung sei und vermutete schon, dass die Dame sich bekreuzigen und mich zur Teufels-Austreibung schicken würde.  Doch sie sagte: „Das ist ja interessant. Was, Sie bilden Astrologen aus? Wie geht das genau?“  Ich versprach ihr Unterlagen zuzusenden, und fragte am Schluss nochmals wegen Kardinal Ratzinger. „A Momentl“, sagte sie, „ich schau mal nach“, holte das Register und las mir vor: 4.15 in der Frühe.

Man darf die Fortschrittlichkeit der Landbevölkerung nicht unterschätzen.

 

 

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Die sinnliche Jungfrau

von Ernst Ott 

Wenn ich bestimmte Sätze höre, so rege ich mich auf.  Einer dieser Sätze ist: „Die Jungfrau ist trocken, keusch und unsinnlich, und sie putzt immer“.  Das ist eines der dümmsten Vorurteile der modernen Trivialastrologie.

Sinnlich!

Die Jungfrau ist ein sinnliches Erdzeichen, das feinfühlig mit allen Sinnen sich und die Welt wahrnimmt.  Die Jungfrau ist sogar ein besonders körperbewusstes Erdzeichen, das sofort spürt, was ihr gut tun, und was sie nicht mag. Sie ist nicht der Auffassung, dass Sexualität einfach irgendwie geschieht; sie kann etwas dafür tun, dass sie die Sexualität besonders intensiv wahrnimmt und kann dem Sexualpartner auch Vorschläge machen, auf welche Weise man die Liebe noch optimaler empfinden kann.

Ordnung!

Es gibt Menschen mit Jungfrau-Komponente, die einen Putz- und Ordnungsfimmel haben und welche, die Chaoten sind. Das Verhältnis zwischen Ordentlichen und Chaoten ist nicht anders als bei jedem anderen Tierkreiszeichen.  Die Astrologie beschreibt nicht, wie sich jemand verhält, sondern zeigt die inneren Motive seines Verhaltens an.  Das Bedürfnis der Jungfrau ist es, bewusst zu leben und die feinen Zusammenhänge zwischen sich und der Welt zu erkennen. Sie spürt, dass Innen- und Außenwelt in einer komplexen ökologischen Ordnung zusammenhängen.   Wer diese Zusammenhänge versteht, verhält sich natürlich und spart viel Energie.  Wer die natürlichen und psychologischen Ordnungsprinzipien kennt, kann sie nutzen oder verändern.  In diesem Sinn interessiert sich die Jungfrau für Ordnungen.  Ob sie gern aufräumt oder nicht, ist eine Frage der Neigung und des freien Willens und hat nichts mit Astrologie zu tun.

Die eigene Ordnung!

Wenn Sie Sonne oder Planeten oder Horoskopachsen (Aszendent, Himmelsmitte) in der Jungfrau haben, so nutzen Sie diese, um sich nach Ihrer eigenen Ordnung zu fragen.  Zwar erkennen Sie damit auch schnell, wie die Welt und andere Menschen ticken und können sich der gewohnten allgemeinen Ordnung leichter anpassen, Ihnen dies sinnvoll erscheint. 

Der tiefere Sinn der Jungfrau-Talente ist es jedoch, unangepasster zu leben.  Mit der scharfen Beobachtungsgabe der Jungfrau können wir sofort erkennen, wo wir uns der Welt zuliebe verbiegen und selbst verleugnen. Wir können falsche Anpassung kritisieren und uns ändern.  Jungfrau-Anteile des Horoskops helfen uns, unsere eigene innere Ordnung zu finden, unser eigenes Wertesystem, unsere ganz individuellen Notwendigkeiten. 

Wenn die Leute sagen, dies und jenes sei gesund, so fragen Sie Ihre innere Jungfrau: Was spüre ich selber?  Was ist für mich wirklich gesund?  Wenn die Leute sagen, dies und jenes sei klug und vernünftig, dann fragen Sie sich: Entspricht es meine eigenen Klugheit und Lebenserfahrung?  Rät dazu auch meine eigene Vernunft?  Wenn alle Welt sagt, so und so laufe es nun mal in Beziehungen, dann fragen Sie Ihre innere Jungfrau: Tut mir die Liebe auf diese Weise gut?  Fühlt es sich für mich lustvoll und sinnlich an?  Und folgen Sie dem Rat ihrer inneren Ordnung!

Liebe Leserin, lieber Leser, vielleicht können Sie jetzt verstehen, warum ich jedes Mal zornig werde, wenn es wieder heißt:  „Jungfrauen sind angepasst, unsinnlich und haben einen Putzfimmel“.  Auf diesem Deutungsniveau möchte ich keine Astrologie betreiben.

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Die gerechte Jungfrau und der Löwe

Wie das Sternzeichen Jungfrau entstand

Gedanken zum 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt

(von Ernst Ott)

Schon lange vor Christi Geburt feierte die antike Welt am 15. August die Himmelfahrt einer jungfräulichen Göttin.  Diese hieß Astraea, griechisch Astraia und ihr Name bedeutet Sternen-Mädchen.  Sie war eine Verkörperung der himmlischen Gerechtigkeit und gehörte zu jenen alten Göttern, die ursprünglich auf der Erde wandelten.

Die Bringerin der Gerechtigkeit hat es schwer

In strahlender Gestalt erschien sie den Menschen, inspirierte die Volksversammlungen, gute Gesetze zu beschließen, hielt die Menschen an, ihre ehrliche Landarbeit zu verrichten und mit der Natur sowie den Tieren in Frieden zu leben.  Astraea trägt astrologisch alle Charakterzüge des Tierkreiszeichens Jungfrau.

Dies war das goldene Zeitalter des Saturn, das später von allen Dichtern besungen wurde.  Doch dann hörten die Menschen immer weniger auf Astraea.  Das silberne Zeitalter begann, und erste Gewalttaten wurden begangen.  Dem scharf beobachtenden Auge der Jungfrau entging dies nicht.  Sie kritisierte, verbesserte, warnte, doch es half nichts.  Je mehr sich die Menschen von ihrem göttlichen Ursprung entfernten, desto schwerer wurde es für Astraea physisch unter ihnen zu leben.  Der große Sänger der griechischen Mythen, Hesiod, war um 700 vor Christus überzeugt, bereits in der dritten Periode des Abstiegs zu leben, im eisernen Zeitalter.

Himmelfahrt der Astraea

Hesiod beschrieb, wie sich Astraea traurig von den letzten ehrlichen Menschen verabschiedete, ihre sichtbare irdische Erscheinung aufgab und in den Himmel auffuhr.

Für den Maler Salvator Rosa waren diese ehrlichen Menschen, die als letzte die Jungfrau mit ihren irdischen Augen sahen, die Hirten auf dem Felde.  Er malte die Göttin in einer Wolke entschwebend, mit dem Zeichen der Gerechtigkeit in der Hand, einer Waage. (Bild: Salvatore Rosa, Astraeas Abschied von den Hirten, Mitte 17. Jahrhundert, Kunsthistorisches Museum, Wien). 

Astraea wurde zum Sternbild der Jungfrau.  Die Dichter schrieben, dass sie die letzte gewesen sei, die es noch eine Weile unter den Menschen ausgehalten hätte, als alle übrigen Götter bereits die Erde verlassen hatten.  Seither sind Himmel und Erde getrennt und Hesiod dichtete:

“Weit von dem Treiben der Menschen
zum Stamme der Ewigen floh Astraea. 
Zurück wird bleiben
der sterblichen Menschen düsterer Jammer,
und Hilfe sich nirgends zeigen im Elend.“ 

(Hesiod, Werke und Tage, 199 – 201)

Der 15. August

Der Aufstieg der Astraea aber begann an einem 15. August, so dass an diesem Tag jeweils ihr Himmelfahrtsfest gefeiert wurde.  An diesem Tag steht die Sonne noch im Zeichen des Löwen.  Als Astraea dann, wohl ein paar Tage später, am Firmament angekommen war, verließ die Sonne den Löwen, und Astraea selbst wurde zur kosmischen Jungfrau.

In einem barocken Deckengemälde sehen wir genau diese Szene: Astraea ist zweimal abgebildet, zuerst in der Wolke nach oben fahrend, umgeben von Engelchen, dann links oben bereits als Tierkreiszeichen Jungfrau. Rechts von ihr sehen wir den Löwen und den Sonnengott, der mit seinem Wagen natürlich durch sein Domizil-Zeichen Löwe fährt  (Deckenfresko in Warschau von Siemiginowski-Eleuter um 1685).

Seither gibt Astraea, die Gerechte, uns keine Ratschläge mehr.  Wir können uns aber am Himmel orientieren: Wenn wir das Zeichen Jungfrau deuten und klug auslegen, bekommen wir gute Hinweise für ein zufriedeneres Leben.

Aus Astraea wird Maria

Das Fest der Himmelfahrt muss im Altertum Griechen und Römern sehr ans Herz gewachsen sein.  So wollten auch die Christen nicht darauf verzichten, und der Kirchenlehrer Kyrill von Alexandria erklärte zu Beginn des fünften Jahrhunderts, an diesem Tag sei die Jungfrau Maria, die Mutter Jesu, zum Himmel aufgestiegen.

(Guido Reni, Mariä Himmelfahrt, 1642)

Der Astraea-Mythos ist also eine schöne legendenhafte Erklärung zur Entstehung des Sternbildes Jungfrau.  Die beiden Nachbarzeichen der Jungfrau kommen ebenfalls darin vor: Der Löwe, der im Jahresverlauf zum Jungfrauzeichen hinführt.  Am 15. August bei etwa 22° Löwe beginnt Astraeas/Marias Aufstieg.  Zum Zeichen ihrer Gerechtigkeit wird Astraea gerne mit einer Waage in der Hand abgebildet, und so verweist sie auch auf das ihr nachfolgende Zeichen, die Waage.  Zwischen Jungfrau und Waage ist die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche, die genaue und gerechte Mitte zwischen Sommer und Winter.

Die Wiederkehr der Jungfrau

So, wie wir die Geschichte bisher kennen gelernt haben, ist sie ein Mythos über das goldene Zeitalter des Saturn, in dem alles besser war, ein nostalgischer Bericht über die gute alte Zeit.  Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende, sie enthält eine Hoffnung für die Zukunft, denn vielleicht kommt die himmlische Jungfrau ja einmal wieder zu uns herunter! 

Um die Zeitenwende herum erzählte der römische Dichter Vergil von der möglichen Wiederkehr der Astraea. Sein Text hört sich ein bisschen an wie die Hoffnung von uns modernen Menschen auf den Beginn des Wassermann-Zeitalters:

„Schon ist das Ende der Zeit (…) gekommen,
und großartig beginnen den Lauf ganz neue Geschlechter.
Schon kehrt wieder Astraea, es kehrt Saturnus’ Regierung:
Neue Geburten entsteigen nun bald dem erhabenen Himmel.“
(Vergil, 4. Ekloge, 4 – 8, Osiander-Übersetzung)

Von „Geburten des Himmels“ ist hier die Rede.  Es war eine Umbruchzeit.  Damals hoffte alle Welt auf die Geburt einer großen Persönlichkeit oder eines Gottes, der ein neues goldenes Zeitalter bringen würde.  Für mythologisch gebildete Menschen aber musste Astraea die Mutter dieses Hoffnungsträgers sein. Sie sahen vor ihrem inneren Auge bereits die himmlische Jungfrau von ihrem Sterbild heruntersteigen und einen Sohn gebären.

Dieser Sohn war für Vergil Augustus, der erste römische Kaiser, der ja in der Tat dann ein neues friedliches Zeitalter begründete, die Pax romana, die der Welt zwei Jahrhunderte kultureller Blüte und eine lange Friedenszeit brachte.  Für die Christen war später Vergils Text eine Ankündigung des Christus, und Astraea wurde zur Jungfrau Maria.

Wie immer wir diese astrale Frauenfigur nennen wollen, sie steht für den Abstieg und Aufstieg der Epochen, für die zyklische Entwicklung der Menschheit durch schlechte und gute Epochen.  Und sie steht für die Hoffnung auf ein neues, friedlicheres Zeitalter, in dem die Götter und Göttersöhne sich wieder auf die Erde getrauen.

Leibliche Himmelfahrt, Körper und Geist

Es mutet merkwürdig an, dass Papst Pius XII im Jahr 1950 ein für alle Katholiken zu glaubendes Dogma verkündete: Maria ist an einem 15. August leiblich in den Himmel aufgefahren, also sozusagen mit Haut und Knochen.  Man kann das als Beleg für die weltfremde Unaufgeklärtheit der Kirche sehen. Man könnte es aber als auf der symbolischen Ebene betrachten. Dann knüpft die Kirche hier an den Bildern des Ursprungs an. Denn für die alten Griechen war die göttliche Jungfrau ursprünglich physisch auf der Erde gewandelt.  Dann wurden die Menschen immer materieller und immer weniger geistig, worauf Astraea zuletzt ihren Körper verließ, um nun auf der himmlischen, das heißt geistigen Ebene zu wirken.  Vielleicht könnte man sich vorstellen, dass ihre Aura immer stärker und ihr irdischer Leib immer schwächer wurde. 

Natürlich hatte das astrologische Jungfrauzeichen nie einen Körper, aber in symbolhaften Bildern gesprochen  hat es sich als Erdzeichen aus der körperlichen Ebene heraus entwickelt.  Es enthält die realen Erfahrungen einer Menschheit, die noch geistig und gerecht war.  Und so kann es auch wieder in unsere Körper hinabsteigen – vorausgesetzt, wir sind bereit, als geistige und bewusste Menschen zu leben.

 

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Zum Tod von Amy Winehouse

von Ernst Ott

Amy Winehouse ist tot.  Ihre Musik wird weiterhin von ihren Fans geliebt werden. Könnte man von einem erfolgreichen Leben sprechen, wenn jemand etwas hinterlässt, an das sich viele Menschen gerne erinnern?  Sie ist, wie manche andere Stars, mit etwa 27 Jahren gestorben.  Mit 27 Jahren wiederholt sich die Mondstellung in der astrologischen Progression:  Der Mond kehrt zu sich selber zurück.  Möge sie sich in der geistigen Welt zu Hause fühlen!

Das mit Sonne und Merkur besetzte 5. Haus ihres Geburtshoroskops zeigt die Fähigkeit, mit großen Auftritten die Menschen zu berühren.  Die Neptun-Mond-Konjuktion im 7. Haus strahlt Zauber und Emotion aus, zieht Projektionen auf sich, wirkt auf Männer und Menschen überhaupt. Das hat ihr bestimmt gefallen, denn sie wurde mit einem kommunikativen Zwillinge-Aszendenten geboren. Doch was sagte ihr Steinbock-Mond dazu?  Für diese Seite ihres Wesens galt: Meine innersten Gefühle gehen niemanden etwas an.  Ich kann alles mit mir allein ausmachen.

Das wichtigste Symbol ihres Horoskops ist jedoch das 6. Haus.  Die Frage nach Perfektion und Arbeit an sich selber scheint eine der großen Fragen ihres Lebens gewesen zu sein.  Ebenso die Frage nach der Körperlichkeit, bewusstem Umgang mit Körperlichkeit und der Kontrolle über den eigenen Körper.  Als Astrologe kann ich nicht wissen, wie sie diese Themen erlebt und darüber gedacht hat, ebenso wenig, ob sie sich in diesen Fragen als erfolgreich sah oder nicht. 

Mit Lilith, dem schwarzen Mond im Haus der Berufung hatte sie das Potential, Weiblichkeit, Sexualität und ihre Person tabulos in der Öffentlichkeit zu thematisieren und dabei auch die dunklen Seiten nicht zu verstecken.  In diesem Punkt hat Amy Winehouse mit Sicherheit ihr Horoskop gut verwirklicht.  In dem Song „Back to Black“ beschrieb sie das Gefühl, hundertmal zu sterben! Nun ist ihr Körper zurück ins Dunkle gegangen.

Ernst Ott

(Für die Erforschung der Geburtszeit sei Manfred Magg herzlich gedankt: 14. September 1983, 22.25 Uhr, Enfield bei London)

 

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Verborgene Schätze

von Ernst Ott

Pluto im Geburtshoroskop zeigt verborgene Schätze an.  Unsere Seele ist uns zum grossen Teil unbekannt.  Der Begriff des Unbewussten passt sehr gut zur Symbolik des Planeten Pluto.  Aus dem Unbewussten kommen zwar manchmal fremde und schattenhafte Inhalte, genauso oft aber verborgene Talente, hilfreiche Träume und positive Energien, von denen wir bisher nichts wussten.  Pluto im Horpskop erlaubt uns einen Blick ins Innere.  Er führt uns unter die Erdoberfläche des Bewusstseins. 

In fast allen Astrologiebüchern steht über Pluto mehr Negatives als Erfreuliches.  Das ist einfach nur falsch.  Es gibt nach den Grundregeln seriöser Astrologie kein einziges Symbol, das nicht positiv oder negativ gelebt werden kann.  Es gibt keine einzige Konstellation des Horoskops, vor der zu warnen wäre.

Zu warnen ist allerdings vor Vorurteilen. Über Pluto gibt es zahlreiche Vorurteile.

Ein Bild für Pluto ist die Höhle.  Eine Höhle ist weder gut noch schlecht.  In einer Höhle ist es dunkler als draussen.  Aber wer vor sengender Sonne oder Gewitter Unterschlupf sucht, wird ihren Wert kennen.  Es ist interessant, Astrologen zu beobachten, wie subjektiv sie über Plutos Höhle sprechen.  Manche denken, in Höhlen gäbe es fürchterliche Schatten.  Sie behaupten, in jeder Höhle wohnten mindestens 7 fleischfressende Dinosaurier.

 

Ich entdeckte beim Studium der Menschen und ihrer Horoskope in sehr vielen Pluto-Höhlen einen grossen Reichtum an Bodenschätzen.  Da schimmern Kristalle, Goldadern, und schon mancher hat in seiner Pluto-Höhle Schatzkisten gefunden, die vor Jahrzehnten dort vergraben wurden. Das sind die vergessenen Talente, die vergessenen Visonen aus der Kindheit. In Plutos Höhle sind Leidenschaften und Power-Talente zu finden, die wir oftmals in der Kindheit vergraben haben, weil man uns einredete, sie seien unbrauchbar.  Es lohnt sich unbedingt, diese verborgenen Talente wieder zu aktivieren.  Pluto-Themen sind verborgene Schätze.