Astrologie lernen
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Hier finden Sie zahlreiche Artikel von Ernst Ott und Eva Stangenberg:



Erster November

Gedanken zur Skorpion-Zeit und zur Geschichte des Allerheiligen-Festes

von Ernst Ott

Ein Tor zur geistigen Welt

Am 1. November feierten viele alte Völker die Skorpion-Zeitqualität. Dann öffnete sich für eine Nacht ein Fenster zur geistigen Welt und man konnte mit seinen Ahnen und mit göttlichen Wesen Kontakt aufnehmen.  So auch am keltischen Samhain-Fest. Aus der Sicht des keltischen Geistes, der im letzten Jahrtausend vor der Zeitenwende ganz Europa prägte, lebten die Geister in der damals so genannten „anderen Welt“, lateinisch orbis alius. Dieses keltische Jenseits war weder im Himmel noch unter der Erde, sondern hier auf der Erdoberfläche, unsichtbar direkt bei uns Lebenden. Da die Kelten – wie vielfach bezeugt ist – an Wiedergeburt, Reinkarnationszyklen und Unsterblichkeit glaubten, war es für sie selbstverständlich, die Skorpion-Zeitqualität zur Kommunikation mit ihren Ahnen und der gesamten geistigen Welt zu nutzen.

Alle Götter

Im klassischen Altertum der Griechen und Römer lebten die Götter in fernen Reichen, z.B. auf dem Olymp, einige von ihnen jedoch in der Unterwelt, wo auch die Schatten der verstorbenen Menschen wandelten. Zugang zu Göttern und Ahnen verschafften heilige Orte und Tempel, wo – oftmals verstärkt durch eine Statue des Gottes – deren Energien präsent waren, aufgerufen werden konnten, und damit direkt den Lebenden beistehen konnten. Das galt für die großen olympischen Götter genauso wie für vergöttlichte Helden und für die unsterblichen Seelen (Genien) der Ahnen, die im häuslichen Familien-Altar verehrt wurden.

Der römische Kaiser Hadrian baute im zweiten Jahrhundert nach Christus nicht nur einzelnen Göttern einen Tempel, sondern auch einen horoskopförmigen Rundbau für alle sieben Planeten-Götter gemeinsam. Es ist das Pantheon, der best erhaltene Bau des Altertums, der noch heute in Rom besichtigt werden kann, ein Abbild der Himmelskuppel mit einem runden Durchbruch zu Himmel. Die Götter der sieben Planeten, Merkur, Venus, Saturn usw., standen darin symbolisch für den Kosmos überhaupt, für die Gesamtheit des Geistigen und Göttlichen. Der Bau war „allen Göttern“ gewidmet, wie der Name Pantheon ausdrückt: Griechisch pan=alles, theos=Gott.


Götter werden zu Heiligen

Die Geschichte des christlichen Allerheiligen-Festes ist eng mit dem Pantheon in Rom verbunden. Seit der Antike, wo es als Ort des Staatsgötter-Kultes diente, war das Pantheon im Besitz des römischen Kaisers, dann seines Rechtsnachfolgers, des Kaisers von Ostrom in Konstantinopel. Bis 609 nach Christus stand das heidnische Gebäude ungenutzt auf dem römischen Marsfeld, dann schenkte es der Kaiser dem Papst Bonifatius IV. damit dieser es als Kirche nutzen könne.
Der Papst war gebildet genug, um die alte Bedeutung dieses Gebäudes zu kennen. So widmete er die Kirche nicht einem bestimmten Heiligen, oder Apostel, sondern allen verstorbenen vorbildlichen Christen, eben allen Heiligen und Märtyrern. Für die Kirche heißt der Bau bis heute „Santa Maria ad Martyres“. 
Etwa seit dem Jahr 700 wurde im Pantheon ein alljährliches Allerheiligen-Fest begangen, das sich bald über die Welt verbreitete, wo heute zahlreichen Allerheiligen-Kirchen stehen. Als Datum für das Allerheiligen-Fest wählte man symbolisch stimmig den ersten November, den alten heidnischen Tag für die Kommunikation mit den Toten.
Wenn wir uns bewusst machen, dass die Heiligen verehrungswürdige Verstorbene sind und dass am 2. November auch „aller Seelen“ gedacht wird, können wir erkennen, dass die katholische Kirche hier auf schöne Art eine neue Form für die alte archetypische Wahrheit geschaffen hat, die man so zusammenfassen könnte: Die geistige Welt ist nicht sichtbar, aber dennoch eine Realität. Die Kommunikation mit Ahnen und göttlichen Wesen ist unter bestimmten rituellen Bedingungen möglich. Die Skorpion-Zeit des Wandels eignet sich dazu besonders, denn Energien sterben nicht, sie wandeln sich nur und werden immer wieder neu geboren.

Die Geister werden zur Kürbislaterne

Mit dem industriellen Zeitalter verlor das Christentum seinen prägenden Einfluss,  es dominiert seither der Rationalismus. Der Genius der Ahnen, die Götter und Heiligen finden keinen Glauben mehr. Seit der Romantik gibt es höchstens noch Schlossgeister und Gespenster. Zwar versuchten einige Esoteriker im 19. Jahrhundert eine angeblich keltische Tradition zu beleben und erfanden für die Nacht vor dem Allerheiligentag das Halloween-Fest. Doch dieses entwickelte in der breiten Bevölkerung keine große Kraft.
Das traurige Ende begann, als sich vor etwa dreißig Jahren in den USA das heutige Halloween etablierte. Die Skorpion-Symbolik reduziert sich nun darauf, dass man sich dank Schminke einmal ein bisschen skorpionisch böse fühlen darf.  Aus dem Kraft spendenden Bündnis mit der anderen Welt wurde ein Geister-Spuk für Kinder.


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Häusersystem für die globalisierte Welt


Der Astrologe Regiomontanus lebte im Zeitalter der Entdeckungen und schuf ein Häusersystem, das den Äquator teilte, den Drehkreis der bewegten Erde, eine echte Pionierleistung der Renaissance! Außerdem rief ihn der Papst nach Rom, um den Kalender zu reformieren. Er ist einer der Väter des heutigen („gregorianischen“) Kalenders. In Rom starb er mit 40 Jahren.
Ich war letzte Woche an seinem Grab. Regiomontanus ruht im für Katholiken schönsten Friedhof der Welt, am Fuß des Petersdoms (im Campo Santo Teutonico), sozusagen in derselben Erde wie der Apostel Petrus.

Ernst Ott

 



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Pfingsten:
Der Geist wird im 11. Haus ausgegossen



Wer den Hintergrund des Pfingstfestes untersucht, stellt fest, dass der theologische Inhalt - wie bei vielen Festen - auf astrologischer Tradition beruht, insbesondere auf der Symbolik des elften Hauses, des Wassermanns und der Zwillinge. Dieses Fest hat also mit dem geistigen Luft-Element zu tun.

Thema des Pfingstfestes ist die Übermittlung des (göttlichen) Geistes. Die Juden feiern an diesem Tag, dem Schawuot-Fest, die Offenbarung der zehn Gebote an die Menschen. Nach den christlichen Schriften trafen sich die Apostel an diesem jüdischen Feiertag und erlebten die "Ausgießung des Heiligen Geistes".

Da versammeln sich also Menschen, und es kommt göttlicher Geist auf sie herunter. Astrologisch entspricht dies dem geistigen Element Luft. Vor allem das luftige Haus elf, das Haus der Geistesverwandten, der Freundestreffen und der Zukunftsvisionen steht für ein solches geistiges Gemeinschaftserlebnis.

Und tatsächlich schreibt der Apostel Lukas im 2. Kapitel der Apostelgeschichte - möglicherweise in Kenntnis der damals allgemein bekannten astrologischen Symbolik - dass an diesem Tag Petrus auftrat "zusammen mit den Elf", also den übrigen elf Aposteln, und zwar "in der dritten Stunde des Morgens". Damals wurden die Stunden ab dem Sonnenaufgang gezählt; die erste Morgenstunde begann mit der Sonne am Aszendenten. In der dritten Morgenstunde steht die Sonne demnach in der Mitte des elften Hauses.

Die berühmte Aussendung des heiligen Geistes lässt Lukas mit Sonne im Haus der Geisteszusammenkünfte stattfinden. Eine sehr treffende Symbolik!

Leider ist das Jahr nicht bekannt, in welchem dies geschah, sonst könnte man ein vollständiges Horoskop auf diesen Augenblick erstellen. Das Pfingstdatum ist abhängig vom beweglichen Osterdatum und findet 50 Tage nach Ostern statt. Das Wort Pfingsten ist vom griechischen Begriff für 50 Tage abgeleitet. Es findet manchmal am Ende der Stier-Zeit statt, meist jedoch in der Zwillinge-Zeit.

Die Zwillinge sind ebenfalls ein geistiges Luftzeichen, auch sie haben mit der Übermittlung von Informationen zu tun. Ein weiteres Zwillinge-Thema sind Sprachen, und so berichtet die Bibel davon, dass an Pfingsten die Apostel plötzlich fremde Sprachen verstanden und auch sprechen konnten, "wie es der Geist ihnen eingab".
Dieser Vorgang gilt als das Pfingstwunder. Es ist von Prophezeiungen die Rede, von Visionen. Daher handelte es sich wohl eher um eine mediale Sprache jenseits der Logik, um eine Sprache, in der auch die Zukunft sich äußern kann. All dies spricht wieder deutlich für das visionäre elfte Haus, das ja auch als Haus der Zukunftsvisionen gilt.

Der Symbolik des elften Hauses eng verwandt sind der Planet Uranus und das Zeichen Wassermann. Der Wassermann wird wegen seines Namens manchmal von astrologischen Neulingen für ein Wasserzeichen gehalten. Doch es ist eindeutig ein Luftzeichen. Der Aquarius-Mann, gießt aus seinem mächtigen Krug kein Wasser aus, sondern den reinen Geist. Es sind Ideen- und Gedanken-Wolken, die er hier vollständig ausgießt und frei mit aller Welt teilt. Auch diese Ausgießung erinnert an den kirchlichen Pfingst-Begriff der "Ausgießung des Heiligen Geistes".



Falls Sie an Pfingsten in die Kirche gehen, so wünsche in Ihnen ein schönes geistiges Gemeinschaftserlebnis. Andern Lesern wäre zu empfehlen, die Gemeinschaft mit Wahlverwandten zu pflegen, mit Gleichgesinnten, die dem elften Haus entsprechen. Genauso gut ist es aber auch möglich, für sich allein an einem inspirierenden Ort etwas Wassermann-Geist von oben zu empfangen. Vielleicht erhalten Sie Gelegenheit, anschließend diese Ideen mit anderen zu teilen, sie auszugießen.

Und falls sie ein kleines Pfingstwunder erfahren möchten, so hören Sie jetzt jemandem zu, der eine fremde Sprache spricht und sprechen Sie in dieser anderen Sprache! Sei dies ganz real eine Fremdsprache, sei es die Sprache der Empathie und der Gefühle, sei es die Sprache der Natur und der Tiere. Auch diese sind nicht stumm, nur braucht es ein bisschen Pfingstgeist, um sich auf diese vorerst fremde Sprache einzulassen.

Ich wünsche Ihnen fröhliches Kommunizieren mit der Welt des Geistes und frohe Pfingsten!

Ernst Ott


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Goethes Lehrbrief


ARCHETYPISCHE SÄTZE

In „Lehrbrief“ aus Goethes „Wilhelm Meister“ stehen manche Sätze, die sich den astrologischen Archetypen zuordnen lassen.



Für den Widder steht beispielsweise der hoffnungsfrohe Satz:
„Aller Anfang ist heiter.“

Der Schütze scheut gelegentlich die Anstrengung. Dazu steht im Lehrbrief:
„Die Höhe reizt uns, nicht die Stufen; den Gipfel im Auge, wandeln wir gerne auf der Ebene.“
Doch im Idealfall richtet sich der Schütze nach der Devise:
„Der Geist, aus dem wir handeln, ist das Höchste.“

Die Fische sind stumm, und vielleicht gerade deshalb der Wahrheit nahe:
„Die Worte sind gut, sie sind aber nicht das Beste. Das Beste wird nicht deutlich durch Worte.“ Dies sind übrigens Erkenntnisse eines wortgewaltigen Dichters! Allerdings hatte Goethe den Mond in den Fischen und wusste um die unnennbaren Schwingungen zwischen den Zeilen.

Auf dem Weg vom Krebs zum Steinbock, vom Kind zum Erwachsenen, verwirklichen sich die folgenden Sätze:
„Die Nachahmung ist uns angeboren. Der Knabe staunt, der Eindruck bestimmt ihn, er lernt spielend, der Ernst überrascht ihn.“

Im Buchtitel „Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre“ ist natürlich das Streben nach Meisterschaft des Steinbock-Saturn-Prinzips zitiert, welches auch in Goethes Geburtshoroskop eine zentrale Rolle spielt. Daher sind Steinbock-Sätze besonders häufig:
“Die Schwelle ist der Platz der Erwartung.“
Und vor allem der letzte Satz des Lehrbriefs:
„Der echte Schüler lernt aus dem Bekannten das Unbekannte entwickeln und nähert sich dem Meister.“

Ernst Ott




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Uranus: 100 Jahre Dada


von Ernst Ott

Heute vor 100 Jahren wurde bei einer Veranstaltung im Exil-Ort Zürich Dada gegründet. Hugo Ball und andere Künstler verschworen sich, das Normale zu meiden und Dinge zu erschaffen, die bisher als „gaga“ galten. Wortverdrehungen, absurde sinnlose Kunst, ein ewiger Karneval sollte das bisherige Wertesystem aufbrechen. Das Normale hatte zu tödlichem Nationalismus, einem entsetzlichen Krieg und zur kapitalistischen Welt der Maschinen geführt.



Dass Uranus, der Narr unter den Planeten-Gestalten, am Dada-Gründungstag eine Hauptrolle spielte, wundert nicht. Auch nicht, dass Merkur, der Denker rückläufig war, also bewusst andersherum denken wollte. Ein prägnantes Horoskop!

Wo sind heute die Künstler, welche die Macht haben, den ganz normalen Wahnsinn mit Dada zu heilen?

(Bild: Johannes Baargeld, 1920, Tusche, Feder, Montage, Das menschliche Auge und ein Fisch, letzterer versteinert)

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Der Teufel ist besser als sein Ruf

Astronomen fotografieren Pluto -  Astrologen erkennen ihn

von Ernst Ott


Die Astronomen haben 2006 in ihrer Benennungs-Willkür Pluto in einen „Zwerg-Planeten“ umbenannt, was uns Astrologen gar nicht schmeckte – obwohl das Prinzip „kleine Gestalt, große Wirkung“ durchaus zur Pluto-Symbolik passte.  Daraufhin erwartete die altehrwürdige Astrologie nicht mehr viel Nützliches von ihrem jüngeren Bruder Astronomie. Ich selber schrieb noch vor drei Monaten: „Der Berufsstand der Astrologen wird aus der Naturwissenschaft wenig Gewinn erzielen können.“ Doch ich habe mich getäuscht.
Die Pluto-Sonde „New Horizons“ bestätigte den Charakter des astrologischen Pluto-Archetypus: Die neu entdeckten Eigenschaften des realen Planeten passen fulminant zu unserem bisherigen Bild des Unterweltgottes.

Magische Regenerationskraft

Astrologen erkannten früh das Prinzip des „Stirb-und-werde“ in Pluto, denn neben seiner zerstörerischen Seite steht Pluto auch für eine kaum fassbare Regenerationsfähigkeit. Deren Wirkung sahen die Astronomen nun staunend an der Oberfläche ihres „Zwerg-Planeten“: Er heilt mit Wunderkraft! Pickel verschwinden, ohne Narben zu hinterlassen. Tausende von Meteoriteneinschlägen haben Krater hinterlassen, die aber alle wieder verschwunden sind, und zwar durch die inneren Selbstheilkräfte des Pluto. Irgendwelche magischen geologischen Vorgänge lassen wieder eine saubere Oberfläche nachwachsen.

Prozesse des Unbewussten

Die Astronomen finden dafür keine erklärbare Ursache. Sie sprechen von gewaltigen „Energiequellen“, von „prozesshaften Vorgängen“ in der Tiefe des Planeten. Das ist beinahe eine wörtliche Übersetzung dessen was Astrologen über das Wesen des Symbols Pluto herausgefunden haben: Man kann das Unbewusste nicht begründen, aber es erschafft enorme Energien, und diese sind nicht statisch, sondern entwickeln sich prozesshaft in der Tiefe.

Pluto: himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt!

Die Astromomen staunten, als sie – für diesen kleinen Planeten – unerhört hohe Gebirge entdeckten, bis zu 3000 Meter hoch. Astrologen wundert es nicht, dass der Planet der Tiefe aus dieser Tiefe heraus Kräfte in den Himmel wachsen lassen kann. Plutos Höchstleistungen kommen aus der Tiefe. Zwar mag es im Menschenleben Höhen geben, die auf keinem guten Grund stehen und angebliche Gipfelleistungen, die bald wieder vergehen, doch was Pluto in die Höhe baut, das gründet tief und hält „eine Ewigkeit“ vor. Mit Pluto haben wir die Fähigkeit, auch aus tiefstem Leid heraus Spitzenleistungen zu bauen, die wie Hochgebirge über alles hinausragen.

Ewige Seelenstärke


Bisher hatte man auf Pluto einige nicht sehr gesunde Stoffe (u.a. Kohlenmonoxid), nachgewiesen. Doch diese liegen nur als dünne Schicht zuoberst, die mächtigen Gebirge darunter, so weiß man jetzt, sind aus gefrorenem Wasser!  Wasser symbolisiert Gefühl. Nun kann niemand mehr zweifeln, dass Plutos Zeichen, der Skorpion, ein Gefühls-Symbol ist! Auch wenn er sich nach außen einmal kalt zeigen sollte, der Skorpion glüht innerlich vor Emotion und Leidenschaft. Die Astronomen wundern sich, dass das gefrorene Wasser-Eis, das sie entdeckten, eine rötlich glühende Farbe hat. Astrologen wundern sich nicht, sondern fühlen sich bestätigt. Das Pluto-Skorpion-Wasser ist nämlich weit heißblütiger als das Krebs- und Fische-Wasser. Was für ein mächtiges Bild für unsere inneren Pluto-Kräfte: Da taucht ein Planet auf, der (unter einer dünnen giftigen Oberfläche) aus Millionen Tonnen fest gewordener Wasser-Emotion besteht. Das entspricht der ewigen Seelenstärke, die auch dem mythologischen Pluto zugeschrieben wird, ist dieser doch der einzige der olympischen Götter, der keine schnellen Seitensprünge macht, sondern  seiner Gattin ewig treu bleibt.

Pluto, eine runde Sache

Doch wir Astrologen dürfen auch etwas dazulernen: Makellose runde Vollkommenheit hätten wir dem Pluto bisher nicht zugeschrieben. Die Raumsonde zeigt Pluto jedoch als einen Planeten, der nicht abgeplattet ist, sondern vollkommen kugelrund. Astrologen hätten Pluto eher Ecken, Kanten und Narben zugeschrieben. Vielleicht haben wir ihn bisher zu sehr aus der unvollkommenen Erden-Sicht wahrgenommen. Die Erde ist abgeplattet, weil sie dauernd um sich selber rotiert. Wir Astrologen rotieren manchmal auch zu sehr um uns selber. Haben wir doch nach seiner Entdeckung, Pluto zuerst eher negativ beschrieben, manchmal geradezu verteufelt. Doch der Teufel ist besser als sein Ruf: Die Naturwissenschaftler weisen uns nach, dass Pluto vollkommen kugelrund sei. Und gerade in der astrologischen Symbolik stehen Kreis und Kugel für perfekte göttliche Ganzheit.
Die aktuellen Forschungsergebnisse könnten uns Astrologen in einigen Punkten also auch zum Umdenken bringen, denn das Untere gleicht ja dem Oberen. Aus der Himmelsanschauung haben wir unsere Symbolik immer hergeleitet.

Farbenpracht

Noch eine neu gewonnene Information: Pluto ist nicht schwarz und düster. Er ist zwar weit von der Sonne entfernt, aber wenn sich die Augen einmal an das gedämpfte Licht gewöhnt haben, was sehen sie dann? Die Aufnahmen der Sonde zeigen auf Pluto rote, bläuliche und gelbe Landschaften! Die drei fröhlichen Hauptfarben! - Wenn wir dies auf die astrologische Symbolik übertragen, so erkennen wir, dass das Unbewusste eben kein schwarzer Sack mit wüsten Kindheitserinnerungen ist, sondern auch alle anderen denkbaren Farben enthält. Nur wer Pluto verteufelt, sieht Teufel. Wenn wir uns dem Pluto im eigenen Horoskop mit schwarzer Sorge nähern, sehen wir vielleicht deshalb nur schwarz. Dabei übersehen wir aber den vitalen Farbenreichtum in den Tiefen unserer Seele.
Sogar der Himmel ist auf Pluto blau, was sonst bei keinem Planeten des Sonnensystems der Fall ist außer unserer Erde. Ist Pluto uns womöglich näher und verwandter als wir bisher dachten?  Ein verkannter Schattenbruder der Erde?  

 

 

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Attentat auf Henriette Reker

von Ernst Ott


Die neue Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker wurde einen Tag vor der Wahl von einem Messerstecher verletzt, wurde operiert und ist jetzt zum Glück außer Lebensgefahr.



Sehr geehrte Henriette Reker, gute Besserung!

Im Augenblick des Attentats waren zwei Ihrer Geburts-Talente aktiviert. Die Botschaften lauten:

Mars im Widder „Ein Neuanfang setzt Kräfte frei“.

Saturn in Schütze „Mit realistischem Optimismus weiter schreiten“.

Mögen alle guten Planetengötter über Ihnen und der schönen Stadt Köln wachen!


Hier ist das Horoskop des Attentats. Die Zeit wird in zwei Quellen mit "kurz nach 9 Uhr" angegeben, der Aszendent steht aber jedenfalls fest:

Hier das Horoskop von Henriette Reker (ohne bekannte Geburtszeit, also ohne Aszendent und Häuser). Wenn man das Ereignishoroskop (Attentat, siehe oben) auf das Geburtshoroskop bezieht, werden Mars und Saturn mehrfach aktiviert:



Eine kurze Deutung dazu finden Sie oben.  Ich nutze Ereignishoroskope in der Regel so, dass ich (durch Synastrie) feststelle, welcher Geburtsplanet am meisten aktiviert ist. Diesen deute ich dann als Hilfe, um das Ereignis gut zu bewältigen und optimal darauf zu reagieren, denn dieses Geburtstalent erhält ja durch die Planeten des Ereignisses besonders viel Kraft.

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Rote Vollmondfinsternis



Sie ist am Montag früh zwischen 4 und 5 Uhr bei gutem Wetter zu sehen. Bei jedem Wetter zu fühlen ist die Neptun und Saturn-Energie: Traum und Realität!
 Vorschlag: Macht euch in dieser Nacht eine Wunsch-Phantasie oder Vision und tut am nächsten Morgen einen ersten konkreten Schritt zu ihrer Realisierung!
Ernst Ott



Hintergrund: die Vollmond-Eklipse (der Abstand zur Mondknotenachse ist nur 4°) ist am Montag, 28.9.2015 um 4.50 Uhr. Dieser Augenblick zeigt für Mitteleuropa Neptun und Saturn dominant auf den Hauptachsen. Die Wirkungsdauer dieser Traum-Realität-Kombination ist nicht nur in jener Nacht gegeben, sondern bleibt als Chance über mehrere Wochen bestehen.



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Die Schöpferin des Pumuckl ist tot

Ellis Kaut erfand den Meister Eder, einen bodenständigen Schreinermeister (Saturn in Jungfrau), und hat wohl selbst auch an ihren Meisterwerken in mehreren Kunstrichtungen hart gearbeitet. Und sie erfand den Pumuckl, ein rebellisches Kind, das alles durcheinander bringt, was genau ihrem Wassermann-Mond entspricht.

Vermutlich war sie selber auch ein Windfang, denn ihr Mann erfand den Spitznamen Pumuckl für sie. Bei der Geburt des Pumuckl (beim ersten Auftreten dieser Kunstfigur in der Öffentlichkeit) gab es eine fünffache Betonung des originellen Wassermann-Zeichens!

Lieber Petrus am Himmelstor:
Bitte lasse Ellis Kaut ein,
bewahre sie auf ewig vor den Phantasielosen
und gib ihr einen Platz bei fröhlichen Kindern!

Ernst Ott


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Der Narr an höchster Stelle

Bei der Tarot-Karte „der Narr“ mit der Nummer 0 (null) weiß man nie so recht, wohin sie in der Hierarchie der Trumpfkarten gehört. Ist ihre Stelle vor der ersten oder nach der letzten Karte? Oder kann sie überall stehen? 



Die Zahl Null ist kleiner als eins, eigentlich gar nichts. Sie erhöht jedoch jede Zahl, wenn sie hinter ihr steht; sie macht andere Zahlen zehnmal größer. Auch die Hofnarren waren damals doppeldeutig. Neben dem König war der Narr machtlos und stand an letzter Stelle der Hof-Hierarchie. Aber er war auch immer in der Nähe des Königs, des höchsten Herrschers, und es heißt, er durfte ihm als einziger die Wahrheit sagen.

Um das Jahr 1300 wurde ein unbekannter Künstler engagiert, um die Wallfahrtskirche Maria Bickesheim am Rhein mit Fresken zu schmücken. Diese kostbaren Malereien sind noch heute zu sehen mit zahlreichen Szenen aus dem Leben Jesu und der Heiligen. Zuoberst an der Decke malte der Künstler Gott Vater und daneben einen Narren.



Niemand weiß, was sich der Fresco-Maler dabei gedacht hat. Die Theologen vermuten, der Narr stelle einen Ungläubigen dar, der in Psalm 14 als Tor oder Narr bezeichnet wird. Aber wäre das ein Grund, ihn an höchster Stelle der Kirche zu verewigen und neben Gott, Jesus und allen Heiligen abzubilden?  - Das Geheimnis bleibt ungelöst.

Ich gestatte mir dazu eine moderne Deutung. Diese ist aus der Philosophie der Tarot-Karten abgeleitet, jedoch  ohne Anspruch auf kunsthistorische Korrektheit. Der Künstler wollte einfach sagen: Gott duldet auch die Narren neben sich. Vielleicht liebt er sie sogar. Zur Rechten des Vaters thront gewöhnlich Christus. Hier sehen wir zur Linken den Narren (von Gott aus gesehen). Das bedeutet: Wir sollten uns zwar bemühen, klug und gut zu sein. Doch unsere närrischen Seiten werden nicht verdammt. Sie kriegen sogar einen Ehrenplatz neben Gott-Vater.

Derselbe Künstler hatte auch eine Mauernische zu gestalten, in welcher der Messkelch und andre heilige Gerätschaften aufbewahrt wurden. In diese Nische malte der Künstler ein hässliches tierisches Teufelsmonster.

Ich meine: Er hat verstanden, dass Licht und Schatten zusammengehören. Er verteufelt den Teufel nicht. Der Messkelch, Symbol für unser Bündnis mit dem göttlichen Guten und der Teufel, Symbol für unsere schattenhaften Persönlichkeitsanteile – sie beide sind Teil der Schöpfung und finden in derselben Sakramentsnische Platz.

Wenn wir nächstes Mal den Narren ziehen, dann könnten wir daran denken, dass er einmal an höchster Stelle einer Kirche gemalt wurde und uns vielleicht an unsere Nachbarschaft zum Göttlichen erinnert.

Ernst Ott

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Raumsonde bei Pluto:
Die Geheimnisse des Planeten der Wandlung


von Ernst Ott

Pluto wird jetzt durch die Raumsonde „New Horizons“ fotografiert und vermessen. Seine Chemie, Physik, Atmosphäre wird danach genauer erforscht sein. Doch der Berufsstand der Astrologen wird daraus wenig Gewinn erzielen können.

Uns Astrologen interessiert, wie Pluto im Menschen (im Horoskop und als Transit) immer wieder Geist in Materie umwandelt, immer wieder Ängste in Mut verwandelt, immer wieder kaum geahnte Regenerationskräfte und Leidenschaften in uns hervorruft, die uns helfen, uns mutig unserem Schicksal zu stellen. Uns interessiert, wie kollektive und spirituelle Kräfte mit unserer persönlichen Psyche in Pluto verwoben sind. Uns interessiert, wie uns der Pluto-Archetypus helfen kann,  eine zeitgemäße Haltung gegenüber dem Mysterium des Todes einzunehmen.

Zu diesen Fragen ist von der Raumsonde wenig zu erwarten. Dies macht einmal mehr deutlich, wie weit sich die Astronomen und Naturwissenschaftler von der Astrologie entfernt haben. Diese war ja bis vor wenigen hundert Jahren eine ganzheitliche Disziplin, es gab keinen Unterschied zwischen der Planeten-Vermessung und der astrologischen Deutung der Planeten. Auch den „Astronomen“ (die getrennten Begriffe existierten damals noch gar nicht) ging es jahrtausendelang um den Zusammenhang von oben und unten, um die Erkenntnis des menschlichen Wesens unter dem Blickwinkel des Kosmos.

Etwa ab dem Jahr 1600 wollten die Astronomen die Sterne nur noch vermessen, sie jedoch nicht mehr deuten, ihnen keine Symbolik unterlegen und sie überhaupt von menschlichen und spirituellen Fragen abtrennen.  So kommt es, dass ihre Arbeit heute dazu führt, dass wir zwar Details über den Materie-Klumpen Pluto erfahren, jedoch nichts über das Wesen des Pluto-Archetypus.

Bildhaft gesprochen werden wir dank dieser Raumsonde erfahren, dass der Gott der Unterwelt einen Umhang trägt, der aus 0,08 Millimeter-Baumwollfäden hergestellt ist, jedoch nichts über sein Wesen, nichts über das Mysterium von Tod und Wiedergeburt. -  Ob sich die beiden Künste Astrologie und Astronomie je wieder annähern werden?


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Zum 8. Mai: Stier, das Zeichen des Friedens


Am 8. Mai 1945 stand die Sonne im Zeichen Stier. Eines der Stier-Symbole ist die Friedenstaube. Venus als Friedensgöttin stieg damals aus den Trümmern auf.

Um 23.01 Uhr in der Zeitzone der Alliierten, um Mitternacht in den Orten der reichsdeutschen Sommerzeit (also um 00.01 Uhr MESZ) wurde der Kapitulationsvertrag gültig. Hier sehen wir das Horoskop des Friedenstages:

Der Tag der Befreiung begann mit dem freiheits- und hoffnungsfrohen Aszendenten im Schützen. Das Sonne-Trigon zum Glücksplaneten Jupiter leitete für Mitteleuropa eine bisher 70-jährige glückliche Friedensperiode ein, ein historisch seltenes und wertvolles Geschenk.

Mir persönlich ist es schwer erträglich, dass unser Land nicht nur Waffen liefert, sondern auch wieder eine kriegführende Nation geworden ist und aggressive Weltmächte unterstützt. Ich möchte meine tiefe Dankbarkeit für ein ganzes Menschenleben ohne Krieg gerne in aktives Engagement für Frieden und Menschlichkeit umsetzen. Das bin ich auch unserer Großeltern-Generation schuldig. Diese Menschen haben am eigenen Leib erlebt, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Angriffskrieg und gerechtem Krieg, keinen Unterschied zwischen Terrorismus und anständigem Krieg, sondern dass Mord immer Mord ist.

Sobald das Morden aufhört, blüht das Leben auf wie die Natur in der Stier-Zeit, und die Friedenstauben fliegen. Schön, dass einige europäische Länder den 8. Mai als gesetzlichen Feiertag begehen. Ich wünsche allen einen guten und besinnlichen Tag der Befreiung!
Ernst Ott

Gemälde von Johfra: Der Stier, die Venus und die Friedenstauben.

Liebevolles und respektvolles Gedenken all den Menschen, die der Krieg ermordet hat, vor allem den Völkern der Sowjetunion, die den größten Blutzoll bezahlt haben, den Juden, den Deutschen und allen anderen.


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Rückläufiger Merkur:
Nachhaltige Wortschöpfungen


Zum 10. Todestag der Donald-Duck-Übersetzerin Erika Fuchs (gestorben am 22. April 2005 im Alter von fast 100 Jahren).

von Ernst Ott


Hier sehen wir das Geburtshoroskop von Erika Fuchs vom 7. Dezember 1906 in Rostock, Zeit unerforscht.


„Mit spielerischer sprachlicher Leichtigkeit wird man sich schwer tun, wenn man einen  rückläufigen Merkur hat, der zudem im Skorpion steht. Rückläufigkeit ist eben ein Nachteil“. Soweit das übliche astrologische Vorurteil. Vorurteile werden aber nicht wahrer, wenn sie von Astrologen kommen.

Rückläufigkeit heißt einfach, dass die entsprechende Begabung – in diesem Fall Merkurs Sprachtalent - nicht an der Oberfläche bleibt, sondern sich vertieft und eigenständig entfalten möchte.

Die Übersetzerin Dr. Erika Fuchs hatte nicht nur eine Sprachbegabung, sondern war umfassend gebildet und schöpferisch begabt. Ihr Merkur stand in Konjunktion mit dem ebenfalls rückläufigen Künstler-Planeten Venus. Als man ihr anbot, Micky-Maus- und Donald-Duck-Geschichten aus dem Amerikanischen zu übersetzen, sagte sie lachend zu. 1951 galten solche Kindergeschichten – noch dazu in Comic-Form - nicht gerade als ernsthafte Literatur, sondern eher als Schund. Da brauchte Frau Dr. Fuchs jenen unbeeinflussbaren eigenen Standpunkt, der manchen Menschen mit rückläufigen Planeten eigen ist, um nicht auf die Leute zu hören, sondern auf ihre innere Stimme.  Wenn das keine Literatur ist, dann mache ich eben welche draus. So ähnlich musste sie gedacht haben. Und sie schuf eine neue Sprache, die Donald-Duck-Sprache.

Zwar verdrehten die Bildungsbürger zuerst  die Augen. Erika Fuchs beschrieb deren Meinung, indem sie den Entenhausener Beamten folgenden Satz in den Mund legte: „Pah, moderne Jugend! Lauter Softies, Knackis und Gruftis! Jammerlappen allzumal!“  Solche Spießer ließ sie ausrufen: “Japs, jammer jaul!“  Doch die meisten jungen und alten Leser konnten nicht genug davon kriegen: Jubel, lach, freu!

Auch abgesehen von Erika Fuchs’ originellen Wortschöpfungen erweisen sich die Texte in den Sprechblasen als ausgesprochen sprachlich durchdacht. Zahlreiche Anspielungen auf klassische humanistische Texte und Kunstwerke – die im amerikanischen Original gar nicht vorkommen – erfreuen auch gebildete Erwachsene:
•    “Ich stehe hier, ein Herkules mit Fackeln! Sie sollen lodern, leuchten, knistern und auch knackeln!“ (aus „Der Feuerteufel“)
•    „Wie das rinnt und rieselt! Dahin, dahin! So zerrinnen die Träume, so verrauscht das Glück!“  (aus „Jagd nach der roten Magenta“)
•    „Und lieg' ich dereinst auf der Bahre/ So denkt an meine Guitahre/ Und gebt sie mir mit in mein Grab.“ (aus „Der Schnee-Einsiedel“)

Ob sich ein rückläufiger Merkur wirklich sprachlich schwer tut?
In der Geschichte mit dem Titel „der Rosenmontags-Rummel“ sagt der Sitzungsleiter in Erika Fuchs’ Übersetzung: „Wir haben Reden von bestechender Einfalt und verblüffendem Scharfsinn gehört. Das Thema ist erschöpft. Wir schreiten jetzt zur Abstimmung.“

Stimmen Sie ab, liebe Leserin, lieber Leser, und entscheiden selber, ob der rückläufige Merkur auf den Mund gefallen ist?





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Uranus. Eine Rebellion mit Folgen


12. April -  Gedenktag für Pierre Valdes

von Ernst Ott

7 Planeten-Sterne, und im Zentrum die Sonne als 12-strahliger Tierkreis, stellvertretend für den ganzen Kosmos, denn das Licht leuchtet in die Finsternis, wie der lateinische Spruch mitteilt. Dies ist das Wappen der Waldenser.

Heute am 12. April – mitten in der Widderzeit des Aufbruchs - ist der Gedenktag des Petrus Waldes, auf den sich die freien evangelischen Waldenser-Gemeinden in aller Welt berufen.

 

In der zweiten Hälfe des 12. Jahrhunderts, als der Rebell Uranus wie heute im kämpferischen Zeichen Widder stand, erlebte der reiche Bürger der Stadt Lion, Petrus Waldes (Pierre Valdes), wie ein ebenso reicher guter Freund plötzlich starb. Sein Geld und die besten Ärzte hatten ihn nicht retten können. Verunsichert und angstvoll suchte Waldes nach Sicherheit. Er fand sie im Evangelium: Christus war arm, der wahre Reichtum liegt in geistigen Werten, im Bezug zur Ewigkeit. Waldes verschenkte seinen  Besitz und erzählte den Leuten von seiner Liebe zum Evangelium und zu einem einfachen Leben, das sich  an wirklichen menschlichen und göttlichen Werten orientiert und nicht an Äußerlichkeiten.

Waldes muss eine interessante Persönlichkeit gewesen sein. Schade, dass seine Horoskop-Daten nicht bekannt sind. Dennoch ist der Waldes-Gedenktag in der Widder-Zeit stimmig, denn Waldes musste Neues schaffen und für seine Ideale kämpfen.  Noch zu seinen Lebzeiten wurden die Waldenser als Ketzer verbannt und geächtet. Waldes hatte zwei Fehler gemacht: Als er in der Bibel las, jeder Christ solle den Mitmenschen die frohe Botschaft des Evangeliums erzählen, tat er dies. Er ließ zum ersten Mal die Bibel in die Volkssprache übersetzen und las diese überall vor. Doch die katholische Kirche erlaubte ausschließlich ihren Priestern, die Bibel zu lesen und zu verkünden. Waldes hatte gegen das Predigt-Verbot verstoßen, obwohl er vorerst nicht predigte, sondern nur das Evangelium vorlas. Für Waldes sollte jeder direkten Zugang zu Gottes Wort erhalten, und jeder konnte in diesem Sinne Priester sein. 

Sein zweiter Fehler: In seiner Gemeinschaft lasen und predigten auch Frauen, was für Päpste bis heute unverzeihlich ist.  Zuletzt erfuhr man noch, dass Waldes nicht mehr bereit sei, an das Fegefeuer zu glauben und sich weigere, den Menschen mit dem Teufel Angst zu machen. Und als man ihm schließlich jeden Auftritt in der Öffentlichkeit verbot, zitierte Waldes den Bibelspruch, man solle Gott mehr gehorchen als den Menschen.  - Die Kirchenfürsten tobten.

Die Waldenser haben im Verlauf ihrer Geschichte Entbehrungen gerne in Kauf genommen, damit sie treu zu ihrem Evangelium halten konnten. Sie haben sich mit dem Licht getröstet, das in die Dunkelheit leuchtet. Und sie wählten mit ihrem Wappen ein starkes Symbol: Sie nahmen einfach die bescheidene Kerze, bei deren Licht sie mit ihren Schwestern und Brüdern allabendlich das tröstliche Bibelwort in der Volkssprache lasen. Und ohne direkt auf die Astrologie Bezug zu nehmen, erkannten sie im Kerzenschein symbolisch das ewige Licht der Sonne und der sieben Planeten, jener Lichter, die seit Anbeginn der Schöpfung auf- und niedergehen, doch niemals erlöschen.

Es ist erstaunlich, wie viele Jahrhunderte der Verfolgung durch die Inquisition die Waldenser intakt überstanden haben. Und gerne denken sie an die Pioniertat ihres Gründers Petrus Waldes zurück, dessen Tag auch die evangelische Kirche bei 22° Widder  jeweils am 12. April feiert.


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Fische-Qualität: Mitgefühl

von Ernst Ott


Zu den Gaben des Fische-Talents gehört  das Mitgefühl mit Behinderten.

Zahlreiche Firmen und Einzelpersonen der Stadt Mannheim spenden am jährlichen Blumenpeter-Fest größere Summen für wohltätige Zwecke, für Behinderte, für karitative Werke. Das Fest hat seinen Namen vom Mannheimer Blumepeter, der heute seinen 140. Geburtstag feiert.  Bei dessen Geburt standen zwei Planeten im Fische-Zeichen.  Neptun, der Planet der Fische und des Mitgefühls, stand im Aspekt zum Idealisten Jupiter und zu Venus, dem Planeten der Liebe.

 

Er wurde am 5. April 1875 in Plankstadt um 12.30 Uhr mittlerer Ortszeit geboren. Die Geburtszeit recherchierte dankenswerterweise auf dem Standesamt Dr. Bernhard Firgau.

Mit diesen Konstellationen hätte der Blumenpeter - mit bürgerlichem Namen Peter Schäfer – ein feinfühliger Mensch werden können, der sich für idealistische Ziele einsetzt und viel Gutes tun möchte. Er war außerdem mit Sonne und Mond im Widder geboren und hätte somit das nötige Kampf-Potential gehabt, ein karitatives Fest zu gründen, um so alljährlich das tätige soziale Mitgefühl seiner Bürger zu mobilisieren.

Doch er hat das Fest nicht gegründet. Zwar ist er Namensgeber dieses Festes, aber seine Lebensgeschichte verlief ganz anders.  Peter Schäfer war behindert, kleinwüchsig und konnte nie eine Schule besuchen. Außerdem war er ein uneheliches Kind armer Leute. Er war also selber auf das Mitgefühl seiner Umgebung angewiesen. Gelegentlich bekam er dieses, wenn ihm jemand ein Blumensträußchen abkaufte. Denn man schickte ihn als Blumenverkäufer durch die Stadt, damit er etwas Geld verdiente.

Meist aber machte man Witze über den Blumenpeter, und baute ihn bei Faschingsscherzen mit ein, weil man einen „Zwerg“ so lustig fand. Er verbrachte insgesamt mehr als zwanzig Jahre seines Lebens in Anstalten. Sein Tod ist ungeklärt: Kein Mensch weiß, was wirklich geschehen ist, als ein strammer Nazi-Anstaltsleiter, der sich mit der Beseitigung von Behinderten einen Namen gemacht hatte, schließlich meldete, der Blumenpeter sei in der Anstalt eines natürlichen Todes gestorben. Erst lange nach seinem Tod brachte man Peter Schäfer wieder Verständnis und Empathie entgegen.

Der Blumenpeter war also nicht in der Lage gewesen, viel aktive Nächstenliebe zu geben. Er hätte sie eher von anderen benötigt. Es wäre ihm zu wünschen, dass manche einfache Leute, die mit ihm in Kontakt kamen oder ihm eine Blume abkauften, sein gutes Herzenspotenzial gespürt und ihm ein Lächeln zurückgegeben hätten. Nichts braucht eine Fische-Venus mehr als ein liebevolles Lächeln. Es gibt einen Witz über ihn, der diese zarte Innenseite Peter Schäfers und seiner Neptun-Fische-Anlage deutlich macht. Es ist der Witz mit dem Frosch im Salat: Grünen Salat isst Peter sonst sehr gerne. Heute aber sieht er nur zu, wie es den anderen schmeckt. Er selbst rührt kein Blättchen an. "Warum hast du denn heute keinen gegessen?" fragt ihn schließlich der Vater. "Ha", sagt Peter, „es saß ein kleines Fröschchen drin, das blinzelte mir zu, ich solle es nicht verraten!“ Auf Mannheimerisch: "Es is ä kläns Fräschl drin gsesse, un des hot ma zugeblinzelt, isch soll nix verrode!"


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Widders 90. Geburtstag

26. März 2015,  von Ernst Ott


Heute ist der große Musiker, Komponist, Dirigent
Pierre Boulez
90 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

In der Stunde seiner Geburt stand der revolutionäre Uranus am Westhorizont, ist also der wichtigste Planet seines Geburtshoroskops: Kein Wunder, dass Boulez ein Neuerer wurde, der vorerst einmal respektlos mit der Tradition umging. Legendär ist sein Spruch, man solle die Opernhäuser alle in die Luft sprengen.

Die standesamtlichen Geburtsdaten: 26. März 1925 um 17 Uhr Ortszeit ( GMT) in Montbrison / Loire.

Auch die Kampf-Impulse seiner Widder-Sonne und seines Denk-Planeten Merkur scheuen keine Auseinandersetzung, und so war Boulez gegen alles, erneuerte alles.  Inzwischen ist er allerdings bereits im vierten Saturn-Zyklus und zum bedeutendsten „Vater“ der musikalischen Avantgarde geworden.

Das Sprengen der Opernhäuser hat er zwar nicht durchgeführt, aber es würde auch gut zu einer anderen Konstellation seines Horoskops passen: Der umwandelnde Pluto im Haus des Berufs hat keine Scheu, Überlebtes zu zerstören. An gleicher Stelle steht Lilith in äußerst enger Konjunktion: Instinkt, Natürlichkeit und Rebellion gegen falsche Traditionen.

Später, 1976-80, dirigierte Boulez Wagners Nibelungenring an traditionsreichster Stätte, in Bayreuth, allerdings in sehr modernem Gewand. Auch dieses Beispiel machte Schule, und auch dies war ein Wandel, welcher dieser Konstellation im zehnten Haus entsprach.

Mit seinem Mond im sinnlichen Zeichen Stier könnte Boulez auch einen konservativen Anteil haben. Zumindest kennt er sehr genau, was im Verlauf der Musikgeschichte gewachsen ist, versteht dieses Material und verwendet es als Ausgangspunkt für Weiterentwicklung.

Pierre Boulez wohnt seit Jahrzehnten in Baden-Baden, und die Badischen Neusten Nachrichten würdigen ihn natürlich besonders.  Der Redakteurin erscheint Boulez als eine so typische Widder-Persönlichkeit, dass sie zur Astrologie greift, obwohl sie sie selber für „zu schwammig“ hält. Ihre ausführliche Deutung des Widder-Prinzips ist aber völlig treffend. Anschließend zitiert sie die Aussage von Musikwissenschaftlern, die genau diesen astrologischen Aussagen entsprechen.

Es lohnt sich, die erste Spalte dieses Berichts zu studieren. Der leichteren Lesbarkeit halber drucke ich sie hier im Text ab:

“Wäre die Astrologie nicht ein so schwammiges Feld, käme man direkt in Versuchung, die Eigenschaften des Widders auf eine Person herunterzubrechen, die heute ihren 90. Geburtstag feiert. Der Widder habe einen ausgeprägten Pioniergeist. Sein Credo: ‚Ich will!’ Sein Weg: mit dem Kopf durch die Wand. ‚Er möchte Neuland betreten, Dinge initiieren und umsetzen.  Hierbei stört es ihn auch nicht, wenn er einmal aneckt.’ So sprechen die Astrologen über das Tierkreiszeichen, in das Pierre Boulez am 26. März 1925 in Montbrison/Loire geboren wurde. - So sprechen Musikologen über den Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez: Er sei unangepasst, kompromisslos, radikal, provokant.“
BNN, 26.3.2015

 

 

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Zwillings-Schicksal


Diese Todesanzeige ist bewegend!
Gemeinsam geboren und gemeinsam gestorben...

"... wurden als Zwillinge 1930 geboren, lebten 60 Jahre tausende Kilometer entfernt und sind jetzt wieder zusammen, indem sie in der gleichen Stunde die Augen für immer geschlossen haben...."
Die Anzeige spricht eigentlich für sich. Dennoch folgt hier ein kleiner astrologischer Kommentar obwohl ich über das Schicksal dieser beiden Menschen nur so viel weiß, wie diese Todesanzeige verrät. - 

Anneliese und Fritz wurden unter einer sehr genauen Konjunktion von Jupiter und Pluto geboren. Jupiter, der oberste Himmelsgott, reichte Pluto die Hand, dem Gott der Unterwelt und Herrn über die Prozesse von Sterben und Neugeburt. Wie schön, dass die Verfasser der Todesnachricht ganz selbstverständlich mit einer Auferstehung rechnen, zumindest damit, dass mit dem Tod der Körper nicht alles zu Ende ist, sondern dass die beiden jetzt wieder zusammen sind. Die Nähe von Tod und Geburt ist ein Pluto-Thema.

Trotz der räumlichen Trennung muss ein innerer Kontakt und eine Nähe zwischen den Zwillings-Geschwistern vorhanden gewesen sein, was vielleicht im Horoskop symbolisiert wird durch den Aspekt des Liebesplaneten Venus mit Neptun, dem Gott der Sehnsüchte, welcher unsichtbare seelische Verbindungsfäden knüpfen kann. Hier folgt das Todeshoroskop, welches ungeachtet der knappen Stunde Zeitunterschied (in objektiver astronomischer Zeit) für beide Orte praktisch identisch ist.

Die Zwillinge starben zu einem Zeitpunkt, als Pluto, der Verwandlungsplanet nahe der Himmelmitte sowohl über Deutschland als auch über Südafrika stand und Uranus (auf der Mondknotenachse) am Osthorizont aufstieg. Uranus ist der Planet der Distanz, für ihn ist der Abstand zwischen Braunschweig und Pretoria belanglos. Das Leben der beiden Geschwister mit dem uranischen Geburtsnamen Klick dauerte so lang wie ein Uranus-Zyklus. Der Uranus des Todeshoroskops kehrt ganz genau auf die Geburtsposition des Uranus zurück.

Uranus ist auch der Narr im Horoskop. Vielleicht hat er Regie geführt und für die Geburt an einem 11. 11. gesorgt sowie für den Tod im Wassermann in der närrischen Jahreszeit.  Von Herzen möchte man wünschen, dass die Lebensläufe von Anneliese und Fritz bei aller tiefen Pluto-Verbindung und Todesnähe auch himmlisch gewesen sei wie der Himmelsgott Jupiter und heiter wie Uranus.

Ernst Ott

 

 

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Tarot-Praxis

Wie Karten-Deutungen entstehen. Die Tarot-Karte selber hilft uns beim Deuten


Ernst Ott


Barbara kommt zu einer Tarot-Sitzung. Früher malte sie viel und hat jetzt eine große Sehnsucht danach, es wieder zu tun. Doch sie hat leider keine Zeit. Ich frage sie vor der Tarot-Legung, ob sie sich hundertprozentig sicher ist, dass es zeitlich unmöglich sei, ihr Ziel zu erreichen? Sie meint neben Beruf, Kontakten, Familie und Garten sei es nach dem gesunden Menschenverstand nicht wahrscheinlich, dass dann noch Zeit für ein Hobby übrig bleibe. Ich mache jedoch ungern Legungen über Vorhaben, zu deren Durchführung die Klientin gar keine freie Wahl hat, sondern glaubt, dass es unmöglich sei. Ich frage daher: „Wäre es für Sie denkbar, dass Sie mit Hilfe Ihrer Kreativität und der Karten dennoch eine Möglichkeit finden, auf die der gesunde Menschenverstand vielleicht einfach noch nicht gekommen ist?“ „Vielleicht“, sagt sie und ihre Augen funkeln unternehmungslustig. Ihr Wunsch, wieder zu malen scheint stärker zu sein als ihre Zweifel.

Sie zieht nun eine Karte zur Fragestellung: Wie finde ich Zeit zum Malen? Es erscheint das Ass der Stäbe. Die offizielle Deutung der Karte ist ermutigend. Der Wille und die Kraft sind da. Vielleicht unterstützt dies meine vorher ausgesprochene Suggestion, dass eine Lösung möglich sei. 



Dennoch hilft diese erste Deutung nicht wirklich weiter, denn die Frage war ja: „Wie finde ich die Zeit dazu?“ Wir fragten nach einer Strategie.  Ich mache einen Deutungsversuch: „Vielleicht sagt die Karte einfach, dass der starke Wille genügt. Wenn Sie etwas wirklich wollen, dann geht es auch!“ Diese Interpretation hätte vielleicht einer Widder-Persönlichkeit geholfen, aber Barbara ist – wie ich später erfahre - eine abwägende Waage mit einem Fische-Aszendenten, und der Wille allein ist für sie kein Weg.

In solchen Fällen hilft nicht das Tarot-Experten-Wissen, sondern nur die Assoziationsmethode, das heißt das Kartenbild selbst. „Irgendwo auf diesem Landschaftsbild mit Stab“, sage ich, „muss ein Tipp versteckt sein, wie Sie es schaffen werden, Zeit zum Malen zu finden. Möglicherweise können nur Sie selber ihn erkennen. Bitte nehmen Sie sich Zeit, das Bild genau zu betrachten; was sehen Sie alles?“  Barbara sieht im Hintergrund eine Burg mit einem Turm, der hoch in den Himmel hinaufragt. Sie betrachtet den Stab mit dem Frühlingsgrün und die Hand, ohne dass das erhoffte Aha-Erlebnis eintritt.

Aufs Geratewohl frage ich: „Wie deuten Sie die Wolken?“ Die Lösung kommt ja auf magische Weise aus der Wolke; sie wird sozusagen „von oben“ geschenkt, und ich will eigentlich auf etwas Spirituelles hinaus. Aber Barbara fällt plötzlich ein: „Der schöne Blick in den Himmel aus unserem Dachzimmer! Daran erinnert es mich. Dort sieht man die Wolkenbilder kommen und gehen.“ Sie hat nun eine konkrete Verbindung zu ihrem eigenen Leben gefunden und sagt noch: „Dort oben, das ist ein bisschen wie dieses Turmzimmer auf der Karte, nah am Himmel.“ Wir sind also einer individuellen Interpretation der Karte für Barbara näher gekommen.

„Allerdings“, werfe ich jetzt ein, „ist ein Turmzimmer wohl noch keine Lösung für Ihr Zeitproblem…“ „Vielleicht doch! In dem Dachzimmer könnte ich meine Staffelei aufbauen, das Licht von oben inspiriert mich, und ich wäre dort völlig ungestört. Ich könnte da zwei Türen schließen und den Alltag mit all seinen Ablenkungen unter mir lassen!“ Das hört sich sehr überzeugend an. Vielleicht braucht meine Klientin gar nicht in erster Linie Zeit, sondern einen geschützten Raum für ihr Herzensprojekt. „Und wenn es nur für eine Stunde wäre“ sagt sie, „dort zu malen, das gäbe mir Kraft und Energie!“ Sie schaut dabei auf den Stab, der kraftvoll hoch oben im Himmel prangt.

„Ist Ihr Problem damit gelöst?“ frage ich. „Eigentlich nein, denn zurzeit ist dort das Gästezimmer. Mein Mann will das so. dort übernachtet seine Schwester, wenn sie uns besucht.“   - Inzwischen glaube ich einen guten Draht zu meiner Klientin gefunden zu haben, darum erlaube ich mir eine kleine Provokation, um die Sache voranzutreiben: „Dann werden Sie wohl Ihr Maltalent wieder einmotten müssen. Denn ich sehe, Sie haben nicht nur keine Zeit dafür, sondern auch keinen Raum.“  Jetzt kann man geradezu fühlen, wie Barbara den Stab ergreift. Sie ruft: „Die kommt vielleicht zwei mal im Jahr! Wer ist denn in diesem Haus die Herrin? Ich oder sie und ihr ewig leeres Zimmer? Nein, das wird mein Atelier!“

Die Karte half fast von selbst beim Deuten. Und das Ergebnis ist individuell passend. In keinem Tarot-Lehrbuch steht zum Ass der Stäbe, dass man mehr malen soll, dass Dachzimmer eine Lösung darstellten oder dass Zeitprobleme nur ein Vorwand sind, dass es vielmehr darum gehe, sich Raum für seine Anliegen zu nehmen. Aber nachdem Barbara diese Deutung einmal gefunden – während einer Tarot-Sitzung selbst erschaffen hat – passt alles optimal zu der Karte.

Tarot weckt schöpferische Kräfte. Und die Karten sind jedes Mal neu.


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Vorbildliche Steinbock-Frau

Goethes Lotte, Charlotte Buff-Kestner (geboren am 11. Januar 1753)  war eine starke optimistische Persönlichkeit mit Schütze-Aszendent.

Mit ihrem geheimnisvollen Mond-Neptun-Aspekt zog sie die idealisierenden Projektionen des jungen Goethe (Mond in Fische) auf sich, der sie als „Werthers Lotte“ zu einer Berühmtheit machte. Der Roman "Die Leiden des jungen Werther"mit seinem Selbstmord-Schock-Ende wurde ein epochemachender Bestseller. Jeder leidenschaftliche junge Mann auf der Suche nach sich selber, träumte damals in nächtlichen Ekstasen von der armen Lotte.

Doch sie blieb kein Opfer von Goethes emotionalem Übergriff. Ihren wandlungsfähigen Pluto im Haus der Persönlichkeit nutzte sie, um sich zu regenerieren und ein aktives eigenständiges Leben zu führen: Sie zog zwölf Kinder groß, stand als tätige Steinbock-Frau einem großen Hauswesen vor und starb in sehr hohem Alter am 16. Januar 1828.

 

Ihre Geburtsdaten sind standesamtlich belegt: 11. Januar 1753 um 4.30 Uhr früh mittlerer Ortszeit in Wetzlar.

 

 

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Blick auf das weite Land

Saturn auf dem Weg in den Schützen

Dezember 2014 
von Ernst Ott


In der Adventszeit steht die Sonne im Schütze-Zeichen. Freudige Erwartung liegt in der Luft. Im Advent sind wir - wie der Name sagt - in Erwartung einer Ankunft. Christen erwarten den adventus Domini, die Ankunft Christi; alle Menschen in nördlichen Breiten erwarten die wiedergeborene Sonne, die an Weihnachten auf die Welt kommt, um dann ihren Aufstieg zu beginnen. Diese festliche Zukunftshoffnung entspricht genau der astrologischen Symbolik des Schützen.

Dieses Jahr hat die Adventszeit darüber hinaus noch einen besonderen Charakter, denn Saturn bewegt sich durch die letzte Strecke des Skorpions und wird am 23. Dezember in das Schütze-Zeichen wechseln. Sobald die Sonne also den Schützen verlässt, kommt Saturn dorthin. Er verlängert und bewahrt etwas von der Schütze-Qualität für die nächsten beiden Jahre, in welchen er langsam das Schütze-Zeichen durchwandert.

Saturn nimmt sich Zeit, denn er sammelt Erfahrungen und wertet sie aus, damit sie auch künftig Sicherheit und Nutzen bringen können. Seit dem Herbst 2012 durchforschte Saturn die unterirdischen Gewölbe des Skorpions. Wir Menschen hatten dabei Gelegenheit, Unterwelts-Erfahrungen zu machen. Vielleicht erschraken wir manchmal über die unbekannten Gestalten des Unbewussten. Unmerklich bewegten wir uns währenddessen auch in der Nähe von verborgenen Schätzen der Tiefe, die es mutig zu heben galt. Ein Gang durch die Skorpion-Welt erfordert ein Stück Unerschrockenheit, weil dabei oft die schicksalhaften Kräfte neben uns her spazieren.

Doch nun sind die Menschen mit Skorpion-Erfahrungen angefüllt, und die Frage ist: Wie können wir sie für die Zukunft nutzbar machen? Bereits steht Saturn in den letzten Graden des Skorpion-Zeichens und blickt hinaus in die Schütze-Welt, die von Größe und Weitblick erfüllt ist. Vor ihm liegt das Reich des Schütze-Planeten: Jupiter, der oberste Himmelsgott beschützt dieses Reich. Er wohnt auf dem Olymp, umgeben von seinen zwölf olympischen Göttern. Wir Menschen  stehen mit Saturn an einem Übergangspunkt.

Tierkreiszeichen sind wie Landschaften, durch die wir uns bewegen. Auch die astrologische Mythologie liefert hilfreiche Bilder: Stellen Sie sich also den Übergang zwischen Skorpion und Schütze wie folgt vor:

Sie stehen am Ausgang einer großen Höhle.

Lange Zeit haben Sie deren Inneres erforscht. Jetzt stehen Sie  am Höhlen-Ausgang. Sie reiben sich die Augen im strahlenden Sonnenlicht und blicken auf das weite Land des Schützen. Stellen Sie sich eine traumhafte griechische Landschaft vor. Genießen Sie den erhabenen Überblick über Hügel, Felder, Meere und Häfen. Ganz hinten am Horizont thront der Berg Olymp. Sein Gipfel ist hinter Wolken verborgen. Dort oben wohnen die Götter, man kann ihr fröhliches Lachen hören. Könnte dieser Gipfel das Reiseziel sein? Sie haben mehr als zwei Jahre zur Verfügung, um dieses Reich des Schützen zu durchstreifen. Nehmen Sie sich jetzt Zeit, den Übergang zu feiern!

Vielleicht haben Sie auch Lust, nochmals kurz in die Höhle hinein zu steigen und die dort gemachten Erfahrungen in Erinnerung zu rufen? Selbst aus schlechten Erfahrungen kann Saturn etwas lernen; er kann daraus Kraft für die Zukunft bilden. Möglicherweise sind auch noch nicht alle Schätze gehoben, die in dieser Höhle liegen. Lassen Sie alles, was Sie nicht mehr brauchen dort. Nehmen Sie alles mit, was Ihnen auf dieser Reise zum Olymp nützlich sein kann. -  Dann genießen Sie noch eine Weile die Vorfreude am Höhlenausgang und tauchen Sie mit Auge, Herz und allen Sinnen in diese weite sonnige Schütze-Landschaft ein!


Am 23. Dezember 2014 um 17.34 Uhr betritt Saturn das Schütze-Zeichen. Vom 15. Juni bis zum 18. September 2015 kehrt er noch einmal für letzte Erledigungen in die magischen Tiefen des Skorpions zurück, um sich dann bis Ende 2017 dauernd durch den Schützen zu bewegen.

Ich wünsche Ihnen einen hoffnungsfrohen Austritt aus der Höhle und eine glückliche Reise!  
Ernst Ott

 

 

 

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Astrologie verhinderte Weihnachtsfeier


Dies ist eine Art Weihnachtsartikel von Ernst Ott über die interessante Neben-Rolle, welche die Astrologie bei der Entstehung des Weihnachtsfestes spielte: 

Karlsruhe, 17. Dezember 2014


Die ersten Christen feierten 500 Jahre lang kein Weihnachtsfest, denn der Geburtstag des Jesus von Nazareth ist unbekannt. Einer der Gründe liegt in der Astrologie, das heißt in der Abneigung der Christen gegen Geburtshoroskope. Wie es dazu kam, soll hier  erzählt werden.

Welches Geburtshoroskop hatte Christus?

Da Jesus ja eine historische Figur ist, könnte man sein Geburtshoroskop erstellen, wenn die Daten bekannt wären. In römischer Zeit interessierte man sich sehr für Geburtsdaten und Horoskope, auch wenn sich bis heute nur wenige Daten erhalten haben, naturgemäß meist von Kaisern oder anderen historisch bedeutenden Personen.

Vermutlich kannte auch Jesus seinen Geburtstag, aber keiner seiner Zeitgenossen notierte ihn, und die ersten Christen interessierten sich nicht für Jesu Geburt – aus Gründen, die noch darzulegen sind.  So sind alle von Astrologen bekannt gegebenen Jesus-Horoskope frei erfunden. Jeder wählte einfach Zeitpunkt und Konstellationen, die er für passend hielt. Historisch gesichert ist nur Jesu Geburt im letzten Jahrzehnt vor der Zeitenwende, spätestens im Jahr 4 v. Chr.

Berichte über Jesu Geburt

Erst ein halbes Jahrhundert nach der Kreuzigung beschrieb der Evangelist Lukas zum ersten Mal die Geburt Jesu mit Maria, Ochs und Esel, so wie wir sie heute als „Weihnachtsgeschichte“ kennen. Jahr und Tag nannte er nicht. Ihn interessierte nur eins: Jesus musste als der im alten Testament prophezeite Messias und neue Herrscher dargestellt werden. Dieser sollte in der Stadt Davids erscheinen, in Bethlehem. Zwar kam der historische Jesus mit Sicherheit in Nazareth auf die Welt, die Evangelisten wollten jedoch keine biografischen Fakten erzählen, sondern eine Botschaft vermitteln.

Die Christen der ersten Jahrhunderte fragten nicht nach Jesu Geburtstag. Sie interessierten sich auch nicht für ihren eigenen Geburtstag. Sie sagten: Das ist ein völlig zufälliger Tag, an dem nur der Körper geboren wurde. Zu menschenwürdigen Geistwesen wurde man nach ihrer Vorstellung erst durch den Beitritt zur Christengemeinde, in späteren Jahrhunderten durch die Taufe. Man beging also eher diesen Jahrestag, sowie auch den Namenstag; an diesem feierte man den entsprechenden namenstiftenden Heiligen und dessen glorreichen Märtyrer-Tod.

Das Feiern des eigenen Geburtstages galt den Christen als heidnischer Brauch. Sie wussten, dass alle übrigen Menschen im römischen Imperium sehr wohl den Tag ihrer Geburt festlich begingen. Doch bei einer Geburt wurden eben auch die Sterne gedeutet, um die Bestimmung dieses Neugeborenen zu erfahren, was für Christen abzulehnen war. Sie waren  durch ihr Bekenntnis zu Kindern Gottes geworden, und nur von dort aus lasen sie ihre Berufung, ihre Lebensbestimmung.

Das Mysterium der Geburt

Die übrige Bevölkerung nahm nicht nur an, dass der Moment der Geburt von den Göttern bestimmt und begleitet war, sondern auch, dass dann der sogenannte „Genius“ den neugeborenen Menschen betrat und ihn fortan beseelte und leitete. Wie eine unsichtbare Aura umgab der Genius den körperlichen Menschen und stellte dessen Ideal-Gestalt oder Leitbild dar, dessen Eigenschaften sich anzueignen lohnte. Diese unsichtbare Gestalt wurde gelegentlich wie eine Götterstatue dargestellt, meist mit einem Füllhorn voller Talent-Gaben.

 

Dieses Konzept des Genius entspricht weitgehend dem heutigen Begriff der unsterblichen Seele oder des höheren Selbst. Im Horoskop stand auch für die Römer ab der Stunde der Geburt die individuell einmalige Signatur dieses Genius, unseres göttlichen Seelenanteils, aus welchem direkt die Lebensaufgaben abzuleiten waren.

So etwas war Christen höchst verdächtig. Denn erst Christus verlieh den allen Bekehrten gemeinsamen Lebenssinn: In seine Nachfolge zu treten. 

Die damalige Meinung der Christen „Geburtstag feiern ist ein heidnischer Brauch“, hängt also direkt mit der Astrologie zusammen. Wegen dieser Ablehnung war für sie nicht Jesu Geburt und Persönlichkeit wichtig, sondern dessen Messias-Mission und Erlösungstod. Daher blieb Ostern das christliche Hauptfest.  Weihnachten war zwar ab dem Mittelalter eine Station neben anderen im Kirchenjahr, wurde jedoch erst in der Neuzeit nach und nach zu einem populären Volksfest und Höhepunkt im Jahreskreis.

Den Heiden gegenüber allerdings war die Göttlichkeit Christi nur zu erklären durch eine Signatur des Himmels. Die Sterne mussten es bezeugen, und so entstand der Mythos der Geburt und der drei sterndeutenden Magier aus dem Orient, dem Entstehungsland der Astrologie. Der Stern von Bethlehem hatte gegenüber den an Astrologie glaubenden übrigen Bürgern des römischen Imperiums als Beweis für eine Göttergeburt zu dienen.

Die Wurzeln des Weihnachtsfestes

Etwa 500 n. Chr. wurde erstmals der 25. Dezember als Christus-Tag gefeiert, zuerst  nur als ein Gedenk-Tag für Jesus und seine Auferstehung ohne Feier und ohne Gottesdienst. Christus war laut dem alten Testament die neue „Sonne der Gerechtigkeit“. Schon seit etwa 200 n. Chr. war Jesus als Sonnengott abgebildet worden in antiker Tradition mit dem Sonnenhaupt und sieben Strahlen, die davon ausgingen – nach den sieben alten Planeten. Zur Verdeutlichung gegenüber der damals noch weitgehend heidnischen Bevölkerung wurde er so in die Tradition von Sonnengöttern gestellt, die allgemein bekannt waren: Mithras wurde an einem 25. Dezember geboren. Ebenso der Sonnengott Horus, Sohn von Isis und Osiris. Nicht nur in Ägypten wurde das Fest der Horus-Geburt gefeiert; es war in allen drei Erdteilen, über welche sich das Römerreich erstreckte, höchst populär.

Im Verlauf des Mittelalters wurde dann der 25. Dezember vom Gedenktag für die auferstandene neue „Sonne der Gerechtigkeit“ zum Tag der Geburt Christi.

Astrologie und Christentum heute

Die Astrologie verdankt manche ihrer Begriffe dem antiken Heidentum. Ebenso die Vorstellung eines persönlichen Genius, der den individuellen Menschen leitet. Dessen Wesen kann in gewissen Grenzen aus den kosmischen Zeichen bei der Geburt abgelesen werden.  Eine solche Vorstellung kommt in der Spiritualität fast aller Völker und Kulturen vor. Manche westlichen Astrologinnen und Astrologen bedauern die christliche Skepsis gegen individuelle Horoskope. Die Empfehlung monotheistischer Religionen, dass Menschen sich ausschließlich an dem für alle gleichen „einen wahren Gott“ orientieren mögen, sehen sie als Einengung persönlicher Freiheit.  Dieses Konzept hat jedoch weltweit gerade Aufwind, und Fundamentalismen haben Hochkonjunktur, in Mekka wie in Rom und Washington, während die aus dem Geist von Renaissance und Aufklärung abgeleitete Toleranz und Wertschätzung von individuellen Wegen im Rückgang scheint.

Man könne es aber auch  anders sehen. Die beachtliche Zahl von Christen, welche Horoskopdeutung mit ihrem Glauben gut vereinbaren können, zeigt, dass in verschiedenen Bildern Ähnliches ausgedrückt werden kann.  In Anwendung der hermetischen Philosophie („Wie oben so unten“) arbeitet Astrologie mit einem Vergleich von Himmel und Erde. Etwas Oberes, Spirituelles ist unser Anhaltspunkt. Ebenso wie in der christlichen Religion.

Jene Christen, welche damals Geburts-Astrologie ablehnten, taten es vielleicht nicht alle aus denselben Gründen. Die machtvollen Bischöfe und christlichen Kaiser mögen – nicht ganz zu Unrecht - besorgt gewesen sein, dass Astrologie zu individueller Sinnstiftung verleiten und Untertanen hervorbringen könnte, die sich selber ein Stück Priesterschaft anmaßen.

Die Masse der Christen erlebte aber, wie täglich angstvolle Menschen zu den – damals zum Teil sehr trivialen – Astrologen rannten, um dem Schicksal in die Karten zu schauen und sich sensationelles irdisches Glück oder Pech vorhersagen zu lassen. „Orientiert euch lieber an etwas Höherem!“ sagten die Christen. Und genau das würden moderne seriöse Astrologen auch sagen.

Der Appell an das Gute in unserer Seele, an unsere „Gotteskindschaft“ verbindet Christentum und Astrologie. Auch eine weitere große Errungenschaft der Aufklärung gilt für beide: Die Entscheidung über spirituelle Auffassungen, die nicht beweisbar sind, sollten dem Einzelnen überlassen werden. Jeder darf nach seiner Fasson glauben. Und jeder darf nach seiner Fasson Astrologie nutzen oder nicht.  In beiden Fällen geht es nicht um Beweise oder um zu verordnende Wahrheit, sondern um persönliche Erfahrungen des Individuums.

Immerhin erfasst das allgegenwärtige Weihnachtsfest heute ohnehin nicht nur Gläubige sowie Ungläubige, sondern auch Christen sowie Astrologen.

Fröhliche Weihnachten!


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Astrologie zeigt das Ganze

von Ernst Ott


Übertrieben und doch wahr


Unsere Wissenschaft bildet nur einen Teil der Realität ab. Das ist offensichtlich. Aber wo ist ein Werkzeug, welches das Ganze erfasst? Ernst Jünger weist in seiner 1959 erschienenen Schrift „An der Zeitmauer“ der Astrologie diese Rolle zu. Wenn man den Zustand der heutigen Astrologie betrachtet, ist dies übertrieben;  und wenn ich als Astrologe behaupten würde, mehr als Vorahnungen des Ganzen zu haben, wäre das arrogant.

Dennoch ist es wahr, wenn man Astrologie in ihrer Summe nimmt: Als in 3000 Jahren gewachsenes Kulturgut der Menschheit, das heute nur deshalb nicht vollständig zur Verfügung steht, weil wir Astrologen seit 1821 nicht mehr an der Universität  vorhanden sind, und alle Forschungen privat vollbringen müssen, in der Freizeit und ohne die geringste finanzielle Unterstützung.

Ernst Jünger schildert die Diskussion zwischen Wissenschaft und Astrologie und schreibt dann: „Sie erinnert an Streitigkeiten zwischen zwei Parteien, von denen die eine das ganze Haus, die andere das oberste Stockwerk bewohnt. Unsere Wissenschaft lässt sich ohne weiteres und ohne Rangminderung im astrologischen System unterbringen, nicht aber umgekehrt.“


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Himmelsgöttin


Steht im Zentrum des Weltalls eine Frau?

Im Freiburger Münster hat ein Glasmaler am sogenannten Malerfenster um das Jahr 1320 herum eine Maria abgebildet. Sie ist nicht nur mit dem üblichen kreisrunden Heiligenschein dargestellt, sondern auch von Tauben umflogen. Aus christlicher Sicht denkt man an den Heiligen Geist, der stets als eine Taube dargestellt wird, und ohne Zweifel wird es der Mutter des Erlösers nicht an Heiligem Geist gefehlt haben.



Der Künstler hat jedoch statt einer gleich sieben weiße Tauben geschaffen, die auf das Marienhaupt zufliegen, von dem sie wie magnetisch angezogen werden. Da in den Dombauhütten ein umfassendes Wissen über Astrologie und andere aus vorchristlicher Zeit stammende Künste vorhanden war, können wir sicher sein, dass die sieben damals bekannten Planeten gemeint sind, wie auch in der christlichen Bildsprache sich sie Siebenzahl sehr oft auf die Planeten bezieht. Das ergibt sich bei diesem Glasfenster auch ganz natürlich, weil Maria als Himmelskönigin auftritt. Sie thront mit Krone neben geflügelten Erzengeln vor einem tiefblauen Himmel. 

Das Haupt der Himmelskönigin ist also das Zentrum, welches die wohlgeordnete Bewegung der Planeten lenkt. Diese Funktion hat hier nicht der auferstandene Christus, dem sie üblicherweise zugesprochen wird und der auch als die neue Sonne der Gerechtigkeit bezeichnet wird, als Zentrum des Alls.  Nein, in Freiburg steht Christus bescheiden  neben seiner Mutter, klein, so ähnlich wie er als Kind auf Weihnachtsbildern der Mutter auf dem Schoss sitzt.  Sein Blick zur Himmelskönigin erinnert an die bewundernde, anbetende Haltung der Gläubigen vor dem Bild der Muttergottes.

Im Zentrum dieses Kosmos ruht eine Himmelsgöttin umgeben von den sieben alten Planeten, während Christus, der Herr der Welt, ihr eine rote Rose verehrt.

Ernst Ott

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Saturn und Neptun: Erich Kästner


Heute vor 40 Jahren starb Erich Kästner. 

Die Qualen, die der 17-jährige Kästner im ersten Weltkrieg erlebte, machten ihn für immer zum Antimilitaristen. Mit bissigem Humor trug er in der Folge das Mögliche dazu bei, dass die Menschlichkeit nicht unter die Räder kommen sollte. Sie kam ab 1933 dennoch unter die Räder. Auch nach dem zweiten Krieg arbeitete Kästner weiter und verlor den Humor seines Schütze-Aszendenten nicht ganz. Ich bin mit seinen Kinderbüchern aufgewachsen. Die hohe Wertschätzung des Kindes und das Plädoyer für die Phantasie waren damals nicht selbstverständlich.

Das Geburtshoroskop vom 23. Februar 1899 um 3.30 Uhr in Dresden. (Die Geburtszeit gilt als standesamtlich, ist allerdings nicht endgültig erforscht).

Kästner wurde mit einem dominanten Saturn geboren. Der Planet Saturn ist Symbol für Kästners Skepsis und seine Fähigkeit, die Augen niemals vor der Realität zu verschließen. Ebenso dominant war Neptun, der Planet der Hoffnung, der in Kästners Geburtsstunde gerade am Westhorizont unterging. Auf entsetzliche Weise ging auch seine Heimatstadt Dresden unter, ein paar Tage vor Kästners 46. Geburtstag. - Neptun symbolisiert die feinfühlige und phantasievolle Seite Kästners und sein mitmenschliches Denken.

Jeder von uns kennt das Kästner-Zitat: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Dieses Zitat spiegelt wörtlich die Neptun-Saturn-Opposition: Das Neptun-Bedürfnis Gutes zu tun, wird ergänzt durch die Saturn-Fähigkeit, die gute Absicht am praktischen Tun zu messen.

Ich denke auch an seinem Todestag gerne an ihn. Seine Bücher leben in meinem Denken weiter.

Ernst Ott
29. Juli 2014

 

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Der goldene Lorbeerkranz

Zum Wechsel Jupiters in das Löwe-Zeichen

von Ernst Ott

 

Himmlische Vorbereitung

In der kosmischen Umkleidekabine herrscht Aufregung.  Es muss wieder mal einer das Kostüm wechseln. Die Transitplaneten beraten sich untereinander, denn Jupiter, der jetzt ein Jahr lang alle Menschen mit Krebs-Planeten besucht hat, soll ab dem 16. Juli 2014 den Löwe-Planeten beistehen.  Während seines Ganges durch den Krebs hat sich der große Philosoph Jupiter im gemütlichen Hausdress bewegt, denn er wollte den von ihm besuchten Krebs-Planeten möglichst das Gefühl vermitteln, dass er zur Familie gehört. Er hat sich enorm bemüht, seine philosophischen Impulse mit Gefühl rüberzubringen. Er versuchte stets die Menschen zu überzeugen, dass Weisheit Wohlbefinden schafft. Vielleicht ist es ihm nicht in jedem Fall gelungen, aber nun ist es Zeit, sich umzukleiden. Dazu hat er sich für kurze Zeit auf die kosmischen Wolkenhöhen zurückgezogen, von wo aus die helfenden Transitplaneten jeweils auf die Erde hinunterschweben.

„Wie kann ich die Löwe-Planeten begeistern, alles mit einer philosophischen Lebenshaltung zu betrachten?“ fragt er, „wie sind sie denn so, diese Löwen?“ Die übrigen Transitplaneten erzählen von ihren Erfahrungen mit den irdischen Wesen. „Bewege ihr Herz und erfreue sie“, meint einer von ihnen, „wenn den Löwen etwas keine Freude macht, tun sie keinen Wank.“ Ein  anderer ergänzt: „Sie wollen, dass man sie würdig behandelt und an ihre Größe appelliert. Wenn du das tust, blühen sie auf.“

Jupiter freut sich: „Das fällt mir nicht schwer, ich bin ja der Größte! Der größte aller Planeten. Sie werden sich geschmeichelt fühlen, dass ich höchstpersönlich zu ihnen hinabschwebe! Am besten nehme ich meinen rot-goldenen Königsmantel! Was haltet ihr davon?“  Die kosmischen Kollegen mahnen: „Nicht du sollst dich königlich fühlen, lieber Jupiter, sondern die Menschen mit den Löwe-Planeten. Du bist nur ihr Coach.“  „Soll ich etwa als dienendes Mäuschen herum huschen?“ empört sich Jupiter, „diese Löwen brauchen Großzügigkeit. Am besten schenke ich ihnen zur Begrüßung gleich mal eine Goldmünze mit meinem Porträt drauf!“  Einer der kosmischen Helfer, wahrscheinlich der Transit-Saturn, sagt: „Möge es wirken, aber es gibt dort auf der Erde auch welche, die haben Schwierigkeiten, Geschenke anzunehmen. Was sie nicht im Schweiß ihres Angesichts errungen haben, gilt ihnen nichts.“

„So ein Quatsch!“ ruft Jupiter. „Aber gut, ich werde sie motivieren, selber Könige zu sein. Schließlich sind Löwe-Planeten nicht zu Bescheidenheit geboren, sondern dazu, sich lustvoll auszuleben und auf sich stolz zu sein!“ „Dagegen ist nichts einzuwenden“, meinen die andern Transit-Helfer, „Hauptsache, du gehst ein bisschen pädagogisch vor, damit die Menschen in dieser Zeit aufblühen und es mehr wagen, mit ihrer Kreativität zu spielen“.  Jupiter zieht sein königliches Kostüm an und nimmt ein goldenes Weisheitsbuch unter den Arm. „Hört meine Botschaft“, ruft er schon mal probeweise: „Mit philosophischem Optimismus geht alles besser!“ Er will bereits begeistert losfliegen! Da sagt noch jemand: „Nimm eine Packung von den vergoldeten Lorbeerkränzen mit!“  Das leuchtet Jupiter sofort ein. Er wird den Löwe-Planeten, die er coachen soll, große Ziele vorschlagen und an ihre Schöpferkraft appellieren; dann wird er den goldenen Lorbeerkranz zeigen: „Das ist euer Lohn, wenn ihr eure Löwe-Projekte schafft!  Ihr werdet euch wie olympische Götter fühlen und mit Lorbeer bekränzt werden.“ 


Irdische Verwirklichung

Liebe Mitmenschen auf der Erde, während sich der Transit-Jupiter zum Abflug bereit macht, könnten wir uns bereits einmal etwas vorbereiten.
Zuerst eine astro-technische Überlegung: Der Transit-Jupiter besucht natürlich nicht nur die direkt im Löwen stehenden Radix-Potenziale, sondern auch alle Planeten, die an den Aspektstellen stehen (siehe farbige Aufstellung unten). Diese haben dann von Haus aus keine Löwe-Färbung, dennoch wird der Jupiter in dieser Zeit mit einer „Löwe-Stimme“ sprechen oder sogar brüllen.  Wir sollten dann nicht erschrecken, sondern freudig mitbrüllen. Denn da ist ein Kraftpotenzial im Anmarsch.

Wo sind wir betroffen?
Jupiter geht dreimal über alle Geburts-Konstellationen an folgenden Stellen des Tierkreises (geordnet nach Stärkegrad):
12° - 22° Löwe (Konjunktion)
12° - 22° Wassermann (Opposition)
12° - 22° Stier und Skorpion (Quadrat)
12° - 22° Widder und Schütze (Trigon)
12° - 22° Zwillinge und Waage (Sextil)
Zeitrahmen für diesen dreifachen Transit: September 2014 – Juni 2015

Weil die Transitplaneten nur Auslöser sind (bildhaft gesprochen kosmische Helfer), sollten wir uns zuerst einmal selber um die betroffenen Geburts-Talente kümmern. Unsere Aufgabe ist es, ihnen Projekte zuzuteilen. Setzen wir uns für die kommenden Monate sinnvolle Ziele für diese Talente! Hier ein paar erste Anregungen.


Anregung für die vom Transit betroffenen Planeten

Wenn Ihre Geburts-Sonne einen Jupiter-Transit erhält, so nehmen Sie sich ein Projekt der Autonomie und Selbstverwirklichung vor, für welches Sie in dieser Periode einen Lorbeerkranz verdienen wollen.
Ist Ihr Mond betroffen, so spüren Sie nach, wie Sie sich mehr Geborgenheit verschaffen könnten, und womit Sie mehr in Fluss kommen könnten.
Merkur könnte sich ein Projekt der Heilung oder des Lernens vornehmen oder eine Verbesserung der Kommunikation.
Erhält die Geburts-Venus Besuch des Transit-Jupiter, so könnten wir unseren Lorbeer für ein ästhetisches Projekt erwerben, für eine Harmonisierung und Verschönerung unseres Lebens.
Ein sinnvolles Projekt für Mars wäre es, für mehr Bewegung, Spontaneität, Lust und Energie zu sorgen. Mars erhält seinen Lorbeer nicht primär für eine Leistung, sondern für seine lustvolle Einsatzfreude.
Wenn der Geburts-Jupiter jetzt vom Transit-Jupiter besucht wird, so könnten wir ihm ein Entwicklungsprojekt geben, das weit in die Zukunft führt, ein Ideal, das mit Größe angegangen werden will.
Für den Geburts-Saturn wäre ein Projekt sinnvoll, das Leistungskraft erfordert, eine praktische Aufgabe, die Schritt für Schritt erfüllt wird, um sich den Lorbeerkranz zu erarbeiten.
Uranus könnte den Lorbeerkranz anstreben für ein Innovations-Projekt. Was muss erneuert werden? Wo wird frischer Wind gebraucht?
Wird Neptun durch den Transit-Jupiter gecoacht, so könnten wir unsere Intuition und Medialität schulen und alles tun, was unser Vertrauen in den Kosmos stärkt.
Pluto könnte diese Zeit nutzen, um mit ein paar Ängsten aufzuräumen. „Geht nicht“ gibt’s nicht. Wer trotz Angst zupackt, dem helfen die Götter. Oder zur Zeit zumindest der Transit-Jupiter.

Diese Anregungen beziehen sich auf den Planeten-Archetypus und benennen den möglichen Themenbereich. Wer sein Horoskop genauer studiert, kann sich davon anregen lassen, noch individuellere Ziele zu formulieren. Dabei wäre zu fragen: Für welchen Häuserbereich ist das entsprechende Planeten-Talent zuständig?  Nach welcher Zeichenfärbung möchte es sich ausdrücken?

Ist die Aszendent-Deszendent-Achse betroffen, so wäre eine Klärung aller Beziehungen anzustreben, ein sinnvolles Auseinanderhalten von Eigeninteresse und Bindungswunsch, damit diese beiden Pole sich besser ergänzen.
Ein passendes Projekt für die Meridian-Achse (Himmelsmitte MC und IC) wäre ein klares Programm für berufliche Leistung und ein ebenso klares Programm für den Privatmenschen in uns und seine Bedürfnisse. Gelingt es uns jetzt, beides besser zu kombinieren, dann verleiht der Transit-Jupiter den goldenen Lorbeerkranz.
Bei Auslösung der Geburts-Lilith könnten wir den Mut fassen, authentischer zu werden und aus Anpassungszwängen auszusteigen. Wenn wir weniger auf die Stimme der vorsichtigen Vernunft hören, sprechen dafür die natürlichen Instinkte umso deutlicher.

Ich wünsche uns allen eine inspirierende Zeit mit Jupiter im Löwen! Mögen wir uns öfter das eine oder andere goldene Lorbeerblatt verdienen!

 

 

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Sibylle sieht die Zukunft der Menschheit voraus.


von Ernst Ott

 

Stellen Sie sich vor,  es gäbe ein dickes Buch, in welchem am Anbeginn der Zeit die ganze Menschheitsentwicklung wie ein Schöpfungsplan aufgeschrieben wurde.  In der Vorstellung der Alten gab es ein solches Orakelbuch, das die Geschichte der Menschheit bis in alle Zukunft enthält. Es war das berühmte Buch der Sibylle von Cumae.  Das Bild zeigt, wie Michelangelo sich die Sibylle, diese große Seherin, vorgestellt hatte, dunkelhäutig, kraftvoll, eine Urmutter der Völker:

 

(Sixtinische Kapelle in Rom)

Im 6. Jahrhundert v. Chr. standen alle drei geistigen Planeten, Uranus, Neptun und Pluto, in dreifacher Konjunktion. Das ist seither nie wieder vorgekommen, so dass das 6. vorchristliche Jahrhundert tatsächlich ein Anbeginn aller heutigen Kulturen darstellt. Damals kam Sibylle aus Mesopotamien, dem heutigen Irak, nach Süditalien und errichtete im antiken Cumae ihr Orakel. Dieser Ort liegt nicht weit vom heutigen Neapel entfernt, der Eingang ihrer Höhle ist noch vorhanden.

Die nächste Konjunktion der drei geistigen Planeten wird erst im 4. Jahrtausend nach Christus stattfinden.  Die Vorstellung, dass am Beginn eines Zyklus der Samen für die Gesamtentwicklung der Zukunft gelegt wurde, faszinierte vor allem die Römer. Der römische König Tarquinius Superbus kaufte in einer dramatischen Aktion die Bücher der Sibylle,  und bewahrte sie an heiligstem Ort auf, im Jupitertempel auf dem Kapitol in Rom. Mehrere höchstrangige Vertrauenspersonen, meist ehemalige Konsuln, Richter, Statthalter, wurden durch die gesamte Geschichte des Römerreiches hindurch ausschließlich mit der Bewachung und dem Schutz dieses Staatsheiligtums betraut.

Diese so genannten sibyllinischen Bücher, die allesamt heute verloren sind, wurden nur alle paar Generationen einmal benutzt: Bei Erdbeben, Kriegsgefahr, in höchsten Krisensituationen lasen Priester und Sprachspezialisten in diesen uralten Schriften. In der Krise des 3. Jahrhundert v. Chr. beispielsweise ergab eine Befragung der sibyllinischen Bücher, dass das Reich nur fortbestehen könne durch Verehrung der Mutter; die große Göttin aus Kleinasien sei nach Rom zu holen. Daraufhin begab sich eine Abordnung aus Senatoren, den höchsten Staatsträgern, auf eine lange Reise und begleitete das Kultbild der Göttin auf ihrer Schiffsreise an den Tiber.  Seither zelebrierte Rom den Kult der Magna Mater. Sie sollte den Frieden und das Wohl der Menschen schützen. Philosophen, Kaiser, Bürger und Sklaven verehrten sie. Selbst heute noch strahlen die Ruinen des Magna-Mater-Tempels auf dem Palatin Heiligkeit und Würde aus.

 

Das Horoskop dieses Anbeginns der Zeit, in der auch die sibyllinischen Bücher entstanden, zeigt eine Konjunktion der überpersönlichen geistigen Planeten Uranus, Neptun und Pluto im erdhaften Zeichen Stier, wie wenn der Geist seinen Samen in das sinnlichste irdischste Zeichen hinein pflanzen wollte.  

 

Was fangen wir mit diesen Legenden um die Sibylle heute an? Zuerst einmal staunen wir  darüber, welche höchste Wertschätzung die alten Römer einem Orakelbuch gaben und es als eine Art spirituelle Urschrift ernst nahmen. Das alte Rom war ein sehr weltlicher Staat mit irdischen Machtinteressen. Dennoch waren seine Bürger überzeugt, von geistigen Kräften gelenkt zu werden. Dazu gehörte der – im weiteren Sinne astrologische - Gedanke, dass im Anfang schon alles vorgebildet sei, und dass von dieser Epochen-Geburt aus in jeder Umbruchzeit der Schöpfungsgeist der Urepoche wieder erneuert werden könne.

Wir Menschen des 21. Jahrhunderts könnten hoffen, dass wieder Gesellschaften entstehen, die – parallel zu den normalen Bemühungen, Krisen zu lösen – auf Horoskope und andere geistige Urbilder vertrauen; Gesellschaften, die wie damals ihre besten und hochkarätigsten Mitglieder frei stellten, um ein geistiges Urgeheimnis zu hüten, um sich mit  - materiell scheinbar völlig nutzlosen – spirituellen und rituellen Tätigkeiten zu beschäftigen.

Für die Römer waren Frauen der Ursprung aller Spiritualität, die Grosse Göttin, die Mutter Roma, die Seherin Sibylle. Wir brauchen heute keine Staatsgöttinnen mehr und auch keine Menschen, welche Bücher in Tempeln hüten.  Doch auch heute gilt: Alle Zukunft wächst aus dem Geistigen. Eine Gesellschaft, die das erkennen könnte, hätte Zukunft und würde sich stets erneuern können.



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Horoskop-Themen bei Rettung des Höhlenforschers


Seit der Höhlenforscher Westhausen in 1000 Meter Tiefe verschüttet wurde, ist er bekannt geworden.

 

Ich schreibe diese Zeilen zwei Stunden nach seiner Rettung und wünsche ihm zuerst einmal schnelle gute Besserung seines körperlichen Zustandes und eine gute Verarbeitung dieses Erlebnisses. Seiner Familie wünsche ich starke Nerven und den Medienleuten den Mut zum Verzicht auf ein paar Sensations-Interviews mit den direkt Betroffenen.

Von Johann Westhausen gibt es keine bekannten Geburtsdaten. Die beiden Zeitpunkte des Steinschlags und der Rettung im Abstand von etwa 12 Tagen ergeben jedoch folgende Horoskope:

Oben das Horoskop auf die ungefähre Zeit des Steinschlags in 1000 Meter Tiefe am 8. Juni 2014.

Dieses obige Horoskop vom 19. Juni um 11.44 Uhr zeigt den Augenblick, da er aus der Höhle in den Rettungshubschrauber transportiert wurde.

Verunfallt am Pfingstsonntag, gerettet an Fronleichnam -  auch die beiden Horoskope stehen in einer Beziehung zueinander, sie passen zusammen wie Frage und Antwort: Beim Unglück stand die Sonne, Symbol für Lebenskraft, am Tiefpunkt, bei der Rettung kurz vor dem höchsten Punkt. Beim Unfall stand das irrationale Fischezeichen am Aszendent, bei der Rettung das Gegenzeichen, die tatkräftige und rationale Jungfrau.

Bei dem Steinschlag ging Neptun am Osthorizont auf, bei der Rettung ging er am Westhorizont unter. Neptun ist Planet des Unvorherzusehenden, und natürlich auch der „Erderschütterer“, wie er im Altertum genannt wurde, Herr der Erdbeben und der bewegten Erdmassen. Aber natürlich kann Neptun auch Planet der Wunder und der Rettungen sein. Da Planeten selber nicht Hand anlegen, gehören immer Menschen dazu, die sich für das Retten verantwortlich fühlen. Den vielen kompetenten und mutigen Männern, die Westhausen hochgeholt haben - ihnen möge Neptun künftig Segen bringen.  Es berührt merkwürdig, dass heute bei der Rettung Neptun, Chiron und Mond im Westen untergingen. Es wäre schön, wenn das für den Mann, der den Namen Westhausen trägt, ein gutes Omen wäre.

Der Gefühls- und Seelen-Planet Mond stand bei dem Unfall bei 11° 09’ Waage in Konjunktion mit dem wilden Mars. Dieses Zusammentreffen war nicht nur gradgenau, sondern bogenminutengenau, ein äußerst seltenes Vorkommnis. Mars steht ja auch für den menschlichen Kopf, Westhausen hatte ein Schädeltrauma. Allerdings haben wir alle dieselbe Konstellation auch erlebt ohne einen Unfall zu erleiden, die Astrologie taugt nicht für sensationelle logische Erklärungen. Interessant wäre es jedoch, zu wissen, ob in Westhausens Geburts- oder Jahres-Horoskop ein solches Thema angelegt war, oder welche Konstellation bei ihm bei 11° Waage stand. Akut braucht der Forscher allerdings keine Horoskopdeutung sondern einen guten Arzt und eine Umarmung seiner Frau.

Astrologisch Interessierte mögen inzwischen weiter nach sinnreichen Symbolen suchen. Natürlich müsste man auch auf Saturn achten, zu dessen Symbolik Gestein und Gebirge gehören, sowie auf Pluto, den Herrn der Unterwelt, welche Westhausen erforschen wollte. Für diesmal hat der Gott sein Opfer wieder ausgespukt.

Ernst Ott




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Konservativer Katholik

Erinnerung an einen skurrilen Stier-Geborenen, den man heute kaum mehr kennt.



Maria habe den Jesus als Jungfrau, ohne Mann, „unbefleckt“ empfangen, daran hatte man im Mittelalter zu glauben, sowie an die Unfehlbarkeit des Papstes.  Das meint heute jedermann zu wissen. Es stimmt aber nicht. Im Mittelalter war man liberaler. Diese Glaubenssätze sind eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts. Heute vor 168 Jahren wurde der Mann zum Papst gewählt, der diese beiden Glaubenssätze verkünden sollte. Dies geschah 1846, als in ganz Europa Freiheitsbewegungen für die Demokratie kämpften.

Schöpfer dieser Dogmen war der Graf Giovanni Maria Mastai-Ferretti, der am 13. Mai 1792 um 13.30 Uhr LMT in Senigalla im Kirchenstaat geboren wurde und als Papst Pius IX über 30 Jahre lang die katholische Welt beherrschte.

Er wurde mit einem kämpferischen Mars am Aszendenten und einer machtvollen Konjunktion von Mond und Pluto geboren. Als Mann mit einer Verbindung des gestrengen Saturn mit dem Planeten der Spiritualität (Neptun), war er dazu geboren, Gesetze und Dogmen für den Glauben zu erfinden. Mit drei Planeten im Stier und einem betonten Haus der Sicherheit (Haus 2) war er zum Bewahrer von Werten berufen. Auf welche Weise er dies umsetzte, steht nicht im  Horoskop und ist seine freie Entscheidung. Er war politisch und dogmatisch ein glühender Verfechter autoritärer Herrschaft. Die Befreiungsbewegung zur Einigung Italiens und republikanische  Bestrebungen bekämpfte er mit allen Mitteln, zum letzten Mal in der Geschichte auch als päpstlicher Heerführer und Regent eines weltlichen Vatikan-Staates.

Bei der Krönung des Papstes am 21. Juni 1846 standen Saturn und Neptun wieder im Aspekt, diesmal in Konjunktion, und das Stierzeichen war wieder deutlich besetzt. Die Grafik zeigt die genaue Stunde der Sommersonnenwende an jenem 21. Juni. Erst seit seiner Regentschaft ist es für Katholiken verpflichtend, an die unbefleckte Empfängnis und an die Unfehlbarkeit des Papstes zu glauben.

Er war einer der wirkungsmächtigsten Päpste der neueren Geschichte. In seiner Zeit des Materialismus und Atheismus fanden viele Menschen durch den so genannten Pantheismus wieder zu einer spirituellen Haltung zurück, jene Vorstellung, dass Gott überall in der Natur und in der Schöpfung anwesend und persönlich erlebbar sei. Noch heute gehört dieser Gedanke in anderer Form zur spirituellen Überzeugung vieler Menschen, die sich zwar nicht mehr an eine Kirche, wohl aber an geistige Kräfte gebunden fühlen.  Pius IX. verdammte den Pantheismus und verbot ihn für Katholiken. Mit seinem Unfehlbarkeitsdogma löste er den deutschen Kulturkampf aus und verursachte die Abspaltung der „Altkatholiken“ vom Vatikan.

Als die Vatikan-Funktionäre Pius nach dessen Tod selig sprechen wollte, regte sich in aller Welt massiver Widerstand, und die Kirche nahm davon Abstand. Es wirft ein übles Licht auf den so beliebten Johannes Paul II und seinen damaligen ideologischen Chefberater, den Leiter der Inquisitionsbehörde (Glaubenskongregation), Kardinal Ratzinger, dass sie Pius IX vor 14 Jahren dennoch selig sprachen. Johannes Paul II war ebenfalls ein konservativer Stiergeborener, aber – um es freundlich auszudrücken – er hat mit dieser Seligsprechung wohl etwas übertrieben. Er hat jenen Papst, der die Kirche hinter das Mittelalter zurückführte, hochgewertet und zur Würde der Altäre erhoben.  - 

Ich verspreche, künftig nur noch Erinnerungs-Artikel für erfreuliche Ereignisse zu verfassen. :-)
Ernst Ott

Hier noch ein Portrait des Papstes Pius IX. (1792 - 1878):

 

Das Horoskop-Datum des Papstes recherchierte dankenswerterweise Christian König.

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Eine Pfingst-Erscheinung

Pfingstmontag: AUGEN AUF!

An einem Pfingstmontag tauchte Kaspar Hauser in Nürnberg auf. Nach Jahren im Kerker stellte man ihn einfach an eine Straßen-Ecke. Zum Gedenken an sein außergewöhnliches Schicksal schlage ich vor: Achten wir am Pfingstmontag und überhaupt auf den Strassen und Plätzen darauf, was uns zufällig entgegenkommt. Achten wir auf Zeichen und erwarten wir etwas Besonderes. Öffnen wir unsere Augen und Herzen dafür. Was immer es ist, es könnte wertvoller sein als wir denken. Mit den Augen der Liebe sieht man mehr.

Den Kaspar hatte man einfach ausgesetzt, in der Hoffnung, dass das Sozialamt sich seiner annimmt. Er sei armer Leute Kind, das behaupteten die gefälschten Briefe, die man ihm in die Tasche gesteckt hatte. Ein Denkmal in Ansbach erinnert an diesen Augenblick des „Auftauchens“:

Heute kann man wissen, dass Kaspar 1812 im Karlsruher Schloss als Zähringer Erbprinz geboren wurde. Hier ist dessen Geburtshoroskop:

 

Die herausragende Intensität seines Aszendenten und seines ersten Hauses zeigt eine prägnante Persönlichkeit, die kollektive Energien anzieht. In der Pluto-Skorpion-Anlage steckt auch die große Regenerationskraft, die ihm geholfen hat, nach der Kerkerzeit psychisch einigermaßen intakt zu überleben.

Nach seinen Eltern, Großherzog Karl und Stéphanie Napoléon de Beauharnais, ist jeweils eine Straße in Karlsruhe benannt. Leider gibt es den Kaspar-Hauser-Platz noch nicht. Ich würde mir wünschen, dass die Stadt an der Kreuzung der Karl- und der Stephanienstraße, wo die Eltern symbolisch zusammenkommen, ein Kaspar-Hauser-Denkmal errichtet. Ich habe einen Entwurf dazu skizziert. Der Brief, den man ihm in die Tasche gesteckt hatte, ist für mich ein Zeichen, dass Kaspar eine Botschaft hat, die wir lesen sollten. Die Kaspar-Hauser-Geschichte des verletzten Kindes berührt uns alle. Wir alle haben die Verantwortung, zu unserem eigenen inneren Kind gut zu sein und es wenn nötig zu heilen. Und wir alle haben eine Mitverantwortung für das Wohl der Kinder dieser Welt.
Hier mein Denkmal-Entwurf.

 


Ernst Ott

 

 

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Vorbereitung für die "Höllenfahrt" zu Pluto

von Ernst Ott

 (Das Bild zeigt das ausdrucksstarke Gesicht des Pluto aus Rom) 

 
Ein Mensch steigt zu Pluto in die Unterwelt hinunter. Er hat etwas so schicksalhaft Schweres erlebt, dass er für einen Moment die Angst vor dem Tod vergisst und zu Allem bereit ist. Ein mutiger und vorbildlicher Mensch! Dennoch wissen wir, dass eine Begegnung mit Pluto, dem Herrn der Schatten, ungeahnte Kräfte entfalten kann, Geister der Ahnen können auftauchen, Themen wie Macht, Sexualität, Wiedergeburt. Man lässt sich auf etwas ein, das nicht alltäglich ist.

In der Mythologie heißt dieser Mutige Orpheus. Legionen von Künstlern haben sich diesem Stoff angenommen, auf besonders spannende Weise auch der Komponist Joseph Haydn (1732 – 1809):  Er wurde mit einem Pluto im  Berufungs-Haus (Haus 10) und einer Pluto-Sonne-Opposition geboren. Ich finde, wir können von Haydn einiges über den Umgang mit Plutos Schicksalsschlägen lernen und über die innere Macht unseres Horoskop-Pluto.



Hören wir einmal zu, wie der damals bereits sehr alte und lebenserfahrene Haydn die Vorbereitung zur Höllenfahrt beschrieb. Wir müssen es natürlich in Gedanken ins Symbolische übersetzen, denn es ist eine Vorbereitung zum Umgang mit astrologischen Pluto- und Skorpion-Themen, also für jene Lebenslagen, in denen es nötig ist, etwas zu wandeln und zu erneuern.

Es handelt sich um eine Szene aus dem dritten Akt der Oper „Orfeo ed Euridice“. Haydn hat sie 1791 in London erschaffen, während sein Freund Mozart in Wien zeitgleich die „Zauberflöte“ uraufführte und zwei Monate später starb. Orpheus beklagt den Tod seiner Frau Eurydike; sie ist der Schatz, den er aus Plutos Tiefen befreien möchte. Camille Corot malte im neunzehnten Jahrhundert die Sehnsucht des Orpheus, seine Eurydike aus den Nebeln des Jenseits wieder in Leben führen zu können.

 

Aber im Grund ist der Anlass nicht so wichtig, jeder von uns hat andere Gründe, die Götter der Tiefe anzurufen. Hier soll nur die Frage interessieren: Wie ist dabei vorzugehen? In Haydns Oper schließt Orpheus für einen Moment die Augen bevor er in die Unterwelt hinabsteigt. In diesem Augenblick nimmt er Kontakt auf zu seinem höheren Selbst, so würden wir heute sagen; in der Sprache der Mythologie mit seinem Genius. Er spricht mit seiner unsterblichen Seele oder seiner inneren Führung. Diesen Genius lässt Haydn nun leibhaftig als Sopran-Stimme auftreten. Der Moment, in dem Orpheus die Augen schließt, dehnt sich durch die Musik auf sechs Minuten aus, eine gefühlte Ewigkeit.

Was rät nun der Genius? Er hat zwei Botschaften. Die erste: „Sei stark und vertraue, dass es gut ausgeht!“ Das komponiert Haydn in strahlendem C-Dur als eine seiner glänzendsten Bravour-Arien mit Pauken und großem Orchester. Diese Musik hat so viel positiv plutonische Vitalität und Kraft, dass es einen fast überwältigt. Man denkt, dass Orpheus nun mit geradezu sportlicher Lust die mutige Aufgabe anpacken wird. 

Dann folgt überraschend ein feierlicher Mittelteil, der sogeannte B-Teil der Arie. Er beginnt wie folgt: „Jener, der Erde und Himmel erbaut hat, sieht alles und regiert alles.“ Haydn orientierte sich hier sehr am freimaurerischen Gedankengut der Aufklärung; wir hören die Logensprache vom großen Baumeister der Schöpfung heraus. Dieser philosophische Inhalt war dem alten Haydn so wichtig, dass er ihn als Haupt-Titel seiner Oper haben wollte. Er nannte sie „Die Seele des Philosophen oder Orpheus und Eurydike“.

Doch nun kommt in der Arie des Genius die zweite Überraschung: Die Vorsehung in Gestalt dieses mächtigen Welten-Regenten lässt Orpheus nun nicht etwa die Zukunft vorhersehen oder teilt ihm wenigstens zur Beruhigung mit, dass es gut ausgehen wird. Im Gegenteil: Den großen Baumeister, der alles weiß und lenkt - so geht der Text weiter - ihn und seine Pläne „verhüllt ein heiliger Schleier, den  zu lüften uns nicht zusteht.“  (Im Original: „Ma l’adombra un sacro velo, cui non lice penetrar.“)

Warum dann also vertrauen, wie der Genius zuerst fordert?  Warum vertrauen, wenn wir keine Garantie für einen guten Ausgang haben? Jetzt haben wir uns todesmutig dem Pluto anvertraut und hören auch noch auf den eigenen Genius, und dann das: „Du kannst die Schöpfungspläne sowieso nicht durchschauen!“  Haydn ist hier – wie auch andernorts – erschreckend modern. Er löst diesen Widerspruch nicht auf. Vertraue, ohne Garantie.   


Die Stelle mit dem undurchdringlichen Schleier ist im Notenbild blau umrandet. Der Komponist hat sie in einem dämonischen Pianissimo komponiert, das nach dem lauten ersten Teil um so mehr aufhorchen lässt. Die Darstellung des Geheimnisses ist extrem kurz.  Haydn verwendet dafür die kosmische Zahl von 12 Takten. Er lässt uns dabei in eine völlig fremde Tonart fallen. Dann führt er ohne Erklärung sofort zurück zur Wiederholung der ersten Botschaft: „Sei stark und vertraue!“ Trompeten und Pauken jubilieren dazu, die Sopranstimme überschlägt sich in freudigsten Koloraturen, singt hohes c, d und e. Wer den Text nicht kennt, könnte glauben, sie singt, „hurra, ich habe im Lotto gewonnen.“ 

Will sie die unangenehme Botschaft des Mittelteils wegwischen? Der Gegensatz ist in seiner Modernität jedenfalls nicht zu überbieten. Nichts ist sicher. Man könnte es natürlich vorsichtig konstruktiv deuten. Etwa so: Die freudige Stimmung im Rest der Arie daher rührt, weil hier jemand den Mut gefunden hat, zu vertrauen, obwohl er keine Garantie bekommen hat, ob seinem künftigen Schicksal zu vertrauen ist. Vertrauen ohne Grund und ohne Garantie - ein plutonisches Paradox. Wenn es gelingt, wäre das wirklich eine reife philosophische Leistung. 

Haydn hatte die Größe (als Einziger in seiner Zeit), bei diesem viel verwendeten Stoff kein Happyend zuzulassen: Orpheus wird anschließend in seiner Oper Plutos Gesetz übertreten und dafür von ein paar verrückten Bacchantinnen getötet, die ihrerseits zuletzt im Meeressturm jämmerlich umkommen. Ein für jene Zeit schockierender Opernschluss. Kein Wunder, dass die Auftraggeber des Werkes keine Aufführung wagten, es wurde erst vor fünfzig Jahren uraufgeführt.

Natürlich hätte Orpheus auch die Gesetze Plutos einhalten könne, dann wäre er bereichert und glücklich aus der Unterwelt wiedergekehrt. Welche Fassung der Geschichte man wählt, das ist künstlerische Freiheit. Auch wir können unseren Lebens-Stoff immer wieder umschreiben und auf glückliches Ende hin neu anlegen. Wenn wir es wollen.

Zurück zu der Arie, die ja eine Ansprache des Genius an das Ich darstellt. Es ist eine klassische Dacapo-Arie mit den drei Teilen A – B – A’. Man könnte ihren Inhalt als Anleitung zum Umgang mit Pluto-Themen so zusammenfassen:
1. Vertraue
2. Wisse, dass es keine Garantie gibt
3. Vertraue

Leicht gesagt, schwerer getan.  Ich kann diese sechs Minuten Musik nie ohne tiefe Betroffenheit anhören. Hier ist die Arie in einer schönen Aufnahme mit Cecilia Bartoli unter Christopher Hogwood. (Man sollte vielleicht die Augen schließen, denn die Werbebilder für den Gesangsstar erleichtern das philosophische Verständnis nicht gerade).

Der kurze Mittel-Teil mit dem undurchdringlichen Schleier beginnt bei Minute 2.57"

https://www.youtube.com/watch?v=FQjcfA7WTD8

 

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Mai: Stier-Symbolik und Wachstum

von Ernst Ott

 

Zum ersten Mai gibt es unterschiedliche Bräuche: Mancherorts wird ein Maibaum aufgestellt, am ersten Mai wird das keltische Beltane-Fest gefeiert, und seit gut hundert Jahren auch der so genannte Tag der Arbeit. Diese verschiedenen Feste haben einen gemeinsamen Hintergrund in der kosmischen Zeitqualität: Sie feiern letztlich den Monat Mai, das Wachstum und damit das Tierkreiszeichen Stier, das kosmische Symbol des Wachstums.  Zuerst einmal feiern wir das Wachstum der Natur. Wer in dieser Jahreszeit in die Natur hinausgeht, kommt ganz unwillkürlich in das Lebensgefühl hinein: Es wächst, es ist genug da!


Das Beltane-Fest am 1. Mai

Leider wissen wir wenig über die Gedankenwelt der Schöpfer des Beltane-Festes, die historischen Kelten. Man nimmt jedoch an, dass die tradierten Volksbräuche in Irland und anderswo Reste dieses Gedankenguts enthalten, Beltane wäre dann eine Art Sommeranfang-Fest. Da werden Feuer entzündet, die das Wachstum feiern, Kühe und Stiere zwischen Feuern durchgetrieben, damit sie gesund bleiben. Die astrologische Stier-Symbolik winkt mit dem Zaunpfahl.

Häuser, Tiere Menschen werden mit Blumen und frischem Grün geschmückt. Auch die Maibaum-Tradition steht wohl in diesem Zusammenhang. Überall spüren wir die Stier-Boschaft: Es ist genug da, um das Leben zu schmücken.

Zu den heutigen 1.-Mai-Feiern der Arbeiter und Gewerkschafter gehört als Symbol die Nelke (eine blühende Stier-Blume). Sie wurde heute vor vierzig Jahren nach der Nelkenrevolution in Portugal zum Friedenssymbol. Auch der Wunsch nach Frieden ist ein Stier-Symbol, ebenso wie die weiße Taube. Damals verlief die Revolution unblutig, weil die Portugiesen den sie bedrohenden Soldaten Nelken in die Gewehrläufe steckten.


Tag der Arbeiter

Der so genannte Tag der Arbeit ist im späten neunzehnten Jahrhundert als Kampftag der Arbeiterklasse entstanden. Durch den Wachstumsschub der Industrialisierung hatten die Menschen einen unerhörten Reichtum erschaffen - was wieder der Stiersymbolik entspricht. Als dieser Reichtum so ungerecht verteilt wurde, dass er gleichzeitig zur Verarmung der Arbeiterklasse führte, wehrte sich diese. Dabei spielte ein anderes Stier-Thema eine Rolle, über welches der Stier-Geborene Karl Marx seine Theorien entwickelte: Der Privatbesitz. Die Arbeiter sagten sich damals: Es ist nichts dagegen zu sagen, dass jemand der genug Geld hat, Maschinen zu besitzen, diese bedient und benutzt; die Ergebnisse gehören ihm  allein. Wenn er dies jedoch nicht selber tut, sondern die Arbeit von andern verrichten lässt, sollte er den so entstandenen neuen Gewinn gerecht teilen mit denen, die diesen Reichtum durch ihrer Hände Arbeit produziert haben.

Das Stier-Prinzip: „Es ist genug da, jeder hat das Recht auf seinen Anteil“ gilt heute in einem nie dagewesenen Maße, weil soviel da ist, dass man damit die Weltbevölkerung üppig ernähren könnte. Auch heute ist die Armut nicht von der Natur gemacht, sondern durch die von den Menschen erschaffenen Besitz-Verhältnisse.

Jedem stehen die Früchte der Natur zu. Vor der Natur sind alle gleichwertig und gleichberechtigt.

Jeder soll die Früchte genießen können

Dieser Gedanke bewegte auch Mozart im Jahr 1786. Als Wassermann war er in einigen Punkten seiner Zeit voraus. Am Vorabend der französischen Revolution, noch bevor die Menschenrechte formuliert waren, entdeckte er ein von der Zensur verbotenes Schauspiel, Beaumarchais „Hochzeit des Figaro“. Er vertonte es, und so entstand die Oper "Le nozze di Figaro". Der Diener Figaro fordert darin seine Rechte. Die Klasse, die den Besitz an sich gerissen hatte, waren damals die Aristokraten. Der Aristokrat in der Oper ("il conte", der Graf) ist die einzige ausschließlich negativ gezeichnete Figur unter all den Hunderten von Operngestalten, die Mozart erschuf.  Mozarts Sympathie war mehr auf der Seite der arbeitenden Dienerklasse.

In geradezu prophetischer Klarsicht beschrieb Mozart den Bürger und Arbeiter als Menschen der Zukunft und ließ den Grafen in der Oper verarmen. Als diese Oper im kaiserlich-königlichen Burgtheater aufgeführt wurde, musste der Kaiser in seiner Loge einige Toleranz aufbringen... Wir erleben hier eine besondere Variante der Botschaft des Stier-Zeichens: Es ist genug da für alle, die Natur lässt ihre Früchte nicht nur für die Obstbaumbesitzer wachsen.  Was Wunder, dass das Stück im Monat des Stiers uraufgeführt wurde, und zwar am 1. Mai.   Recht auf Wachstum für alle! 

Für mich als Mozart-Fan ist der erste Mai auch der Geburtstag von Mozarts Figaro. Musikfreunde können hier die Ouvertüre zur Nozze di Figaro hören:

https://www.youtube.com/watch?v=_oKU94kxv-o

 

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Astrologie und Partnerschaft 1

Der Liebe verdanken wir alle unser Leben. Die Astrologie kann zu sämtlichen Varianten und Abgründen dieses Menschheitsthemas erhellende Informationen liefern. Hier beginnt eine kleine Artikel-Serie über Partnerastrologie zu verschiedenen möglichen Lebenssituation: Für Menschen auf Partnersuche, Menschen, die ihre Partnerschaft verbessern wollen, Menschen, die sich in Beziehungskrisen befinden usw. Wir beginnen heute mit der Kindheit.

Kinder brauchen Vorbilder

Solange wir Kinder sind, spielt natürlich das Geschlechtsleben noch kaum eine Rolle. Sonne und Mond im Kinderhoroskop symbolisieren aber bereits die männlich-weiblichen Ergänzungskräfte. Findet das Kind in seinen Eltern gute Vorbilder für seine Sonne und seinen Mond, so hat es damit eine optimale Voraussetzung für eine gute Geschlechtsidentität und das eigene spätere Beziehungsleben.  Sollte es seine Eltern als harmonisch und liebevoll erleben, so wirkt dies auch als prägendes Vorbild für das innere Zusammenspiel seiner Sonne und seines Mondes, das heißt der Yin- und Yang-Kräfte in der jungen Persönlichkeit, die hier heranwächst.

Das Kind wünscht sich eine Mutter, die der Zeichenfärbung seines Mondes entspricht. Die Mutter, welche das weiß, könnte dem Kind hier Vorbild sein: Hat das Kind einen Steinbock-Mond, so sei sie eine leistungsfähige Mutter, die ihrer Berufung mit Freude nachgeht; hat das Kind einen Waage-Mond, so lebe die Mutter ihm vor, was es bedeutet eine gepflegte und kultivierte Frau zu sein. Hat das Kind einen Widder-Mond, so sei die Mutter spontan und wild und zeige ihr Temperament auch mal laut. Falls die Mutter selber eine Widder-Komponente hat oder ein entsprechendes feuriges Temperament, dann dürfte ihr dies nicht allzu schwer fallen. Ist ihr diese Seite fremd, so könnte sie etwas davon entwickeln und ins Leben bringen. Damit tut sie zwei Personen einen Liebesdienst: Sich selber, indem sie eine neue Verhaltensweise ausprobiert, ihrem Kind, indem es ihm wesensmäßig entgegen kommt.

Entsprechendes gilt für das Zeichen der Sonne im Horoskop des Kindes: Auch zu dieser Zeichenqualität braucht es positive Vorbilder. Die Sonne im Horoskop des Kindes steht für dessen inneres Vater-Bild, beziehungsweise für seine unbewussten Wünsche an einen idealen Vater. Der Vater könnte beispielsweise  einem Kind mit Fische-Sonne Sensibilität vorleben. Er könnte seine eigene – hoffentlich vorhandene – Sensibilität und seine poetische Seite pflegen. Tut er dies, so wird es für die gesamte Familie einen Gewinn darstellen.  Hat das Kind eine Stier-Sonne, so könnte der Vater das Leben etwas gemütlicher nehmen und seine sinnliche Seite pflegen, denn das Kind wünscht sich unbewusst einen sinnlichen, Sicherheit gebenden Stier-Vater.

Der Versuch, dem Kind auf diese Weise entgegen zu kommen, hilft ihm, seine persönlichen Eigenschaften früher zu entfalten. Indirekt bauen wir ihm damit aber ein gutes Fundament für ein glückliches Beziehungsleben. Denn Liebesglück fängt immer damit an, dass wir unsere inneren männlichen und weiblichen Kräfte gut ausleben und sie konstruktiv zusammenspielen lassen.

Ernst Ott



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Astrologie und Partnerschaft 2


Der Deszendent: Was ich suche


von Ernst Ott

 

Im ersten Teil unserer kleinen Serie über Partner-Astrologie beschrieb ich die Bedeutung der Eltern für das Kind. Sie sind das erste Studienobjekt für das Zusammenspiel von Mann und Frau. Dabei ging es um Sonne und Mond m Kinderhoroskop.

Heute geht es um die Partnerwahl, d.h. um die ab der Pubertät für jeden Menschen bedeutsame Frage: Was suche ich?

Eine der wichtigsten Gesetzmäßigkeiten der Partnerastrologie lautet: Aszendent sucht Deszendent. Unser Aszendent-Zeichen beschreibt unser Ich, wie wir uns selber verstehen; der Deszendent beschreibt unsere Du-Seite, nämlich das, was wir als Ergänzung suchen.  Weil die Tierkreiszeichen des Aszendenten und des Deszendenten sich in jedem Horoskop genau gegenüber stehen, stellen sie jeweils aufeinander bezogene Ergänzungspaare dar. Dieser Prozess des Suchens und sich Ergänzens kann ausführlich nachgelesen werden in meinem Buch „Der Deszendent, das Tor zur Partnerschaft“.

Hier erste Hinweise als Kurzformeln.  Dabei bedeutet AC „Aszendent“ und DC „Deszendent“.

AC Widder verbunden mit DC Waage:
Urkraft sucht Zivilisation

AC Stier verbunden mit DC Skorpion:
Stabilität sucht Veränderung

AC Zwillinge verbunden mit DC Schütze:
Leichtigkeit sucht Bedeutung

AC Krebs verbunden mit DC Steinbock:
Sensibilität sucht schützende Stärke

AC Löwe verbunden mit DC Wassermann:
König / Königin sucht unterhaltsamen Hofnarren

AC Jungfrau verbunden mit DC Fische:
Perfektionist sucht Träumer

AC Waage verbunden mit DC Widder:
Zauderer sucht Tatmenschen

AC Skorpion verbunden mit DC Stier:
Skeptiker sucht ewige Werte

AC Schütze verbunden mit DC Zwillinge:
Idealist sucht Alltagspraktiker

AC Steinbock verbunden mit DC Krebs:
Leistungsmensch sucht Geborgenheit

AC Wassermann verbunden mit DC Löwe:
kühler Verstand sucht heißes Herz

AC Fische verbunden mit DC Jungfrau:
Geheimnis sucht Aufklärung

Wer das Buch haben möchte, kann es gleich hier direkt beim Autor bestellen:
http://astrologieschule.org/de/astrologieschule-homepage/buecher-cd-dvd.html

Allerdings funktioniert das Suchen und Finden nach dieser Formel nicht immer, daher folgt demnächst an dieser Stelle ein weiterer Artikel über das Thema des Deszendenten, in welchem auch mögliche Schwierigkeiten besprochen werden.

 

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Astrologie und Partnerschaft 3

 

Der Deszendent: Was ich NICHT suche

Im letzten Artikel sahen wir: Ich sucht Du, Aszendent sucht Deszendent. Beispielsweise Waage-Aszendent sucht Widder-Deszendent. Bleiben wir einmal bei diesem Beispiel und sehen es uns etwas genauer an.  Vielleicht sucht eine Frau, die mit dem differenziert abwägenden Aszendenten Waage geboren wurde, tatsächlich als Ergänzung einen entschlussfreudigen Widder-Typus.  Vielleicht findet sie ihn und ist glücklich.

Es ist aber auch genauso gut möglich, dass sie – ohne dass man dies vom Horoskop her hätte voraussehen können – zwar eine Persönlichkeit mit starker Widder-Komponente findet, die ihre Widder-Anlagen aber anders als erwartet auslebt: Vielleicht benutzt dieser Mann dann alle seine Entscheidungsfreude nur dazu, sich immer für sich selber zu entscheiden. Er ist rücksichtslos, aggressiv und unkultiviert. Dies sind zwar mögliche Schattenseiten, die manchmal bei Widder-Persönlichkeiten vorkommen können (aber natürlich nicht müssen!). Solche verzerrten Widder-Äußerungen dürften der Frau mit dem Waage-Aszendenten nicht besonders schmecken dürften.  Die Partnerschaft beschert ihr zwar Widder-Eigenschaften, das heißt die unbewusste Deszendent-Erwartung hat sich erfüllt, aber es sind gerade solche Widder-Qualitäten, die sie sich keinesfalls gewünscht hat.

Man hat es vielleicht zu Beginn der Partnerschaft nicht gleich gemerkt, hat jedoch unbewusst auch etwas Unerwünschtes angezogen. Dieses Unerwünschte kann durchaus der eigenen Deszendent-Erwartung entsprechen, nur ist es eben deren Schattenseite. Auf diese Weise hat jemand mit Stier-Aszendent = Skorpion-Deszendent sich vielleicht skorpionische Erotik und Leidenschaft gewünscht, jedoch einen skorpionischen Manipulator erwischt.  Oder die Frau mit dem Steinbock-Aszendenten hat sich ihrem Deszendent-Zeichen Krebs entsprechend einen gefühlvollen Mann gewünscht. Dieser könnte sich jedoch nicht nur als gefühlsvoll erweisen, sondern zunehmend als ein großes Kind, das dauernd bemuttert werden will.

Wir können zwar unseren Partner wählen, haben aber wenig Einfluss darauf, auf welche Weise dieser seine Eigenschaften lebt.  Aszendent sucht Deszendent, aber selbst wenn der Partner von seinem Horoskop her weitgehend unserem Deszendent-Zeichen entspricht, bleibt doch offen, ob er uns dessen Licht- oder Schattenseiten präsentiert.

Dann haben wir vielleicht nicht nur jemanden gesucht, den wir lieben können, sondern unbewusst auch jemanden, um uns an ihm abzuarbeiten. In diesen Fällen ist eine astrologische Beratung besonders hilfreich, weil sie Wege aufzeigen kann, um auf eine solche Situation konstruktiv zu reagieren.

Ernst Ott

 

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5. April: Tag der Astronomie



Die Astrologieschule gratuliert der jungen Wissenschaft der Astronomie zu Ihrem Tag!

Bis zum Jahr 1600 waren alle Sternenvermesser primär Astrologen. Das Motiv zur Erforschung des äußeren Himmels bestand seit Jahrtausenden darin, den inneren Himmel der Menschen besser zu verstehen, bzw. die Harmonie zwischen Himmel und Erde (Geist und Materie) besser darstellen zu können. Seit dem 17. Jahrhundert gab es vermehrt Forscher, welche die Sterne nur noch vermessen und nicht mehr deuten wollten. Sie trennten sich von der früheren Einheit aus Beobachtung und Deutung der Sterne, gründeten eine eigene Disziplin und nannten sie „Astronomie“ in Abgrenzung zur Astrologie.

Aus unserer Sicht ist das Vermessen der Sterne nur ein Werkzeug, um Symbole für die menschenkundlichen Deutungen zu gewinnen, die für uns den eigentlichen Inhalt darstellen.  Aus Sicht der Astronomen stellt die Vermessung selbst den eigentlichen Inhalt dar. Die Deutung der Sterne als Symbol für das irdische Leben ist für sie eine nebensächliche Zweitverwendung ihrer Daten. Und zwar eine falsche und unerlaubte. Zu diesem Urteil kommen sie, weil Astronomen  – wie fast alle Wissenschaftler – mit viel Eifer zwischen „wahr“ und „falsch“ unterscheiden. Diese Denkweise aus der kirchlichen Zeit ist leider den Astronomen schwer auszutreiben. Astrologie ist ihrer Meinung nach eine falsche, nicht zulässige Kunst. - Im Unterschied zu ihren kirchlichen Vorgängern sind die heutigen Wissenschaftspäpste jedoch so tolerant, Gegner ihrer Wahrheit nicht mehr zu foltern und zu töten. Darüber freuen wir uns.

Unsere Aufgabe als Astrologen wäre es in der Zwischenzeit, die Reste des bewertenden polaren Denkens innerhalb unserer eigenen Kunst endgültig hinter uns zu lassen. Nachdem wir erkannt haben, dass die Sterne nicht bewirkende Ursachen sind, sondern in ihrem Rhythmus nur symbolhaft Lebensgesetze abbilden, gibt es also auch keine Eindeutigkeit mehr in unserer Kunst. Wir sollten besser die Vieldeutigkeit von Symbolen als Segen sehen. Keine Konstellation ist gut oder schädlich, sie ist Abbild für eine in uns vorhandene und zu nutzende Energie.

Die Astrologieschule setzt sich seit vielen Jahren für eine wertneutrale Interpretation ein, für ein kreatives Umsetzen der offenen Symbole und dafür, dass dem betroffenen Klienten die oberste Deutungskompetenz zugesprochen wird.

Ernst Ott



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Stolz und Bescheidenheit -
Sonne und Saturn

von Ernst Ott

 

Die Sonne in unserem Geburtshoroskop zeigt einen Bereich an, wo wir stolz auf unsere Persönlichkeit sein dürfen. Ähnliches gilt für Konstellationen im Bereich des Tierkreiszeichens Löwe, das der Sonne verwandt ist, und für das fünfte Horoskop-Haus, das Haus der Kreativität. Unsere Sonne steht für unser Talent zur Selbstverwirklichung im Leben, für unsere Fähigkeit, etwas Eigenes zu sein, einmalige Individuen, anders als alle übrigen Menschen. Wer dies ein Stück weit erreicht hat, darf zu Recht stolz auf sich sein. Über die Möglichkeiten und Grenzen des Sonnen-Talents erfahren wir mehr aus einem alten Stich:

Claude Lorrain hat 1662 diese Radierung mit astrologischen und mythologischen Figuren geschaffen, die in einer antiken Ideallandschaft auftreten. Betrachten wir zuerst die Hauptfigur näher:

Apoll steht im Zentrum dieser Landschaft. Immer wenn die Sonne durch diesen Gott dargestellt wird, dann bedeutet dies übertragen auf das Horoskop nichts anderes als: Mit unserer Sonne gleichen wir den Göttern, und zwar Apoll, dem großen Lichtgott, der mit goldenem Pfeil und Bogen alle seine Ziele trifft. Apoll ist auch Vater der Künste und Patron der neun Musen: Wir Menschen könnten mit unserer Sonne im Horoskop alle Künstler sein, Lebenskünstler und aus unserem Leben ein einmaliges Kunstwerk machen.

Der folgende Bildausschnitt zeigt uns, wie Apoll vier allegorische Figuren an seiner Hand mit sich führt. Es sind Frühling, Sommer, Herbst und Winter, auch zu verstehen als das Aufblühen und Reifen des Menschen in den aufeinanderfolgenden Lebensphasen.

Jeden Morgen erneuert die Sonne ihre Kraft und jedes Jahr bewegt sie sich rhythmisch durch die vier Jahreszeiten. Sie ist wirklich jene Macht, die alles Leben auf der Erde hervorbringt.  Wenn wir Menschen etwas von dieser Energie in uns verwirklichen, dann dürfen wir uns auf die Schulter klopfen. Wo die Sonne in unserem Horoskop steht, das sind wir nicht zu Bescheidenheit aufgerufen, sondern zu einem angemessenen Stolz. 
Diesen sollten wir natürlich nicht übertreiben, daher ist die Geschichte, die uns Claude Lorrain mit dieser genialen Radierung erzählt, noch nicht zu Ende.  Schauen wir mal, wohin sich Apoll bewegt.

Da sitzt auf einem Stein der Herrscher des Steinbocks, Saturn. Er ist identisch mit Chronos, dem Gott der Zeit, was Lorrain unter der Zeichnung auf Italienisch vermerkt.  Apoll geht auf ihn zu, führt seine Jahreszeiten-Kinder zu ihm. Er hat bereits die Waffen abgenommen, um sie verehrungsvoll dem Saturn zu Füssen zu legen. Lorrain schreibt dazu ausdrücklich: „Apollo in atto di obedire al tempo“ (Apollo, welcher der Zeit gehorcht). Damit meint er: Es gibt etwas noch Höheres als die persönliche Sonnenkraft, etwas, dem selbst die ewig schöpferische Sonne unterworfen ist, nämlich Saturn. Hier ein Bildausschnitt mit dieser bemerkenswerten Gestalt:

Er ist ein lebenserfahrener Alter, wie wir ihn uns aufgrund der astrologischen Symbolik vorstellen, und er ist als geflügeltes Wesen gezeichnet. Die Flügel symbolisieren bei Saturn-Darstellungen stets die Zeit, welche unaufhaltsam weiterfliegt. Tatsächlich sind auch die Sonne, die Jahreszeiten, unser körperliches Leben und alles andere der Zeit unterworfen. Der Stolz der Sonne muss demnach seine Grenzen haben. Saturn ist das grenzsetzende Prinzip in der Schöpfung.

Saturns Flügel charakterisieren ihn darüber hinaus als eine überlegene Gestalt aus der geistigen Welt. Und so schöne Musik Apoll mit seiner Leier samt seinen Musen machen kann, es ist nichts gegen die Musik des Saturn. Saturn spielt nämlich auf der Harfe, und zwar Himmelsmusik. Lorrain, der gerne originelle Bildmotive erfindet, präsentiert den Zeitgott Saturn als Musiker.  Damit kann nur die Sphärenharmonie gemeint sein: Die Rhythmen der Planeten, die seit Pythagoras als Schwingung und Musik verstanden wurden, denn im wohlgeordneten Kosmos erklingt eine Art siebenstimmige Harmonie der sieben sichtbaren Planeten, die sich in den sieben Tönen der Tonleiter hörbar machen.  Es hätte mich nicht gewundert, wenn die Harfe sieben Saiten hätte, aber Lorrain gibt noch ein paar dazu, sei es, dass er bereits eine Ahnung von den später entdeckten geistigen Planeten hatte, oder dass er einfach die Fülle der kosmischen Ordnung ausdrücken wollte, deren Schönheit weit über den Menschenverstand hinaus geht. Dem gegenüber kann selbst der Sonnengott – bei allem berechtigten Stolz auf seine Schöpfungen – nur eines üben: Bescheidenheit.

 

Nutzanwendung für die Horoskop-Deutung: Wo die Sonne steht, sollten wir ohne Rücksicht auf Vorgaben von Anderen unseren individuellen Stolz entfalten und wie Könige und Königinnen im Spiel des Lebens auftreten; mit Sonne in Haus drei beispielsweise in der Kommunikation mit unseren Mitmenschen, beim Umgang mit Sprache. Mit Sonne in Haus neun könnte unser Stolz eine belebende Ethik und Philosophie sein, mit Sonne in Haus zehn könnten wir unsere solare Ausstrahlung im Beruf zum Einsatz bringen, mit Sonne in Haus zwölf im sozialen und spirituellen Bereich usw. Freude über die dabei entstehenden individuellen Schöpfungen ist durchaus angebracht.

Doch mit unserem Saturn-Talent bewegen wir uns im kollektiven Bereich. Da gelten andere Gesetze.  Wo Saturn steht, warten zwei Aufgaben auf uns. Die eine: An der Weisheit der großen kosmischen Ordnung anknüpfen und Meisterleistungen vollbringen. Die zweite Aufgabe jedoch: Der bescheidenen Einsicht folgen, dass wir sterblich sind und nur dann Teil der Ewigkeit werden können, wenn wir unser Begrenztsein in der Zeit akzeptieren. Aus dieser Haltung wächst dann die Möglichkeit, auf jenem Feld, in dem Saturn steht, die Welt mit reifen Leistungen zu beschenken.

Saturn- und Sonnenstellung von Claude Lorrain, dem bescheidenen und sozial denkenden Maler, sind leider nicht bekannt. Er war armer Leute Sohn, da fand es niemand nötig, auch nur das Datum der Geburt zu notieren. Lorrain begann damit, als Hilfskraft Farben für andere Maler anzurichten. Doch die Leidenschaft zur Malerei, solare Schöpferkraft und saturnischer Fleiß beflügelten ihn: Er wurde zu einem der ganz Grossen in der Geschichte der französischen und mehr noch der italienischen Malerei. Alle bedeutenden Museen der Welt zeigen seine Werke. Als er starb, kannte ihn ganz Rom und man bestattete ihn ehrenvoll in einer Kirche.

Das Grabmahl des Claude Lorrain befindet sich in der Kirche San Luigi dei Franchesi zwischen dem Pantheon und der Piazza Navona.  An seinem Todestag (23. November 1682 in Rom) stand Saturn im sonnenhaften Zeichen Löwe in Konjunktion mit Jupiter und mit dem aufsteigenden Mondknoten. Soweit man das von außen beurteilen kann, hat Claude Lorrain sein schöpferisches Lebenswerk auf vorbildliche Weise vollendet. Keiner konnte das Sonnenlicht mit einem solchen Stimmungszauber darstellen wie er.

Claude Lorrain, Porto di mare, effetto di nebbia (Meereshafen, Nebelstimmung), 1646, Musée du Louvre, Raum 15, Foto von Sailko, Quelle: Wikipedia

 

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Steinbock / Saturn,  Anfang und Ende

von Ernst Ott


31. Dezember 2013

Wenn wir nicht aufpassen, droht Silvesterrausch und Neujahrskater. Aber sonst ist der Übergang vom 31. Dezember zum 1. Januar nicht besonders gefährlich. Doch in unserer Psyche, meist nur halb bewusst, erinnert die Schwelle zwischen zwei Jahren an die Schwelle zwischen Tod und Leben, ans Sterben und Geborenwerden. Diese beiden Mysterien sitzen uns tief in den Knochen.

Sowohl die Knochen als auch die Schwellen unterliegen astrologisch der Symbolik des Saturn, welcher auch als „Gott der Schwellen“ bezeichnet wird. Der kalendarische Jahresanfang ist zudem seit dem vierten Jahrhundert am 1. Januar, also im Zeichen des Saturn, im Steinbock. Beide Symbole stehen auch für den steten Wandel der Zeit. Es hat also seine Richtigkeit, wenn unsere Psyche jetzt geneigt ist, sich mit Ängsten, Hoffnungen und Fragen an die Zukunft zu befassen.


In welchem Geist wollen wir das neue Jahr beginnen? Mit Blick auf die höheren Kräfte! Das meint zumindest Eduard Mörike (1804 – 1875) in seinem bekannten Gedicht „Zum neuen Jahr“ und ruft Gott an, der für ihn Ursache und Beweger des Weltalls ist:

In ihm sei’s begonnen,
der Monde und Sonnen
an blauen Gezelten
des Himmels bewegt….
… dir in die Hände
sei Anfang und Ende,
sei alles gelegt!“

Tatsächlich liegen Anfang und Ende nicht in unserer Hand, so dass wir uns dabei nur einfach dem Leben hingeben können; die einzige Wahl, die wir in dieser Frage haben, besteht darin, ob wir das angstvoll oder vertrauensvoll tun wollen.

Interessanterweise wünschen sich die meisten Menschen zu Neujahr Gesundheit, vielleicht aus dem Gefühl heraus, dass auch diese ein Geschenk ist, das man nur wünschen aber nicht immer herbeizwingen kann.

Kaum jemand wünscht sich das, was wir selber im Griff haben, z.B. fleißig zu sein, sein Leben aktiv zu gestalten usw. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Gute Wünsche und den Segen von oben brauchen wir in jenen Bereichen, die nicht ausschließlich dem freien Willen unterliegen und in denen etwas mitredet, was wir meist „Schicksal“ nennen.

Wir wünschen uns dabei nur Gutes. Kaum einer wünscht sich sowohl Tränen als auch Lachen, sowohl Schweres als auch Leichtes. Auch den Mitmenschen, die wir mögen, wünschen  wir nur das Beste.  Johann Peter Hebel (1760 – 1826) ist hier eine Ausnahme.

Hebel war nicht nur ein herausragender Dichter, sondern auch ein sehr aufgeklärter und weiser Geist. Astrologisch gesprochen wusste er, dass Saturn und Steinbock bedeuten, realistisch zu sein. Darüber zu jammern, dass wir nicht im Paradies leben, bringt nichts. Wir leben nun mal in der Welt der Polarität. Da sowohl Freude wie Leid Tatsachen sind, ist es besser, das nicht nur zu akzeptieren, sondern – wie der Philosoph Epiktet riet – es sich sogar zu wünschen!  Denn wenn unsere Wünsche im Einklang mit den kosmischen Gesetzen sind, dann fließt die Energie leichter.  Möglicherweise verdankt Hebel das Wissen darum seinem Aspekt zwischen Saturn und Sonne: Man kann in dieser Welt nicht nur Licht haben und den Schatten wegwünschen. Obwohl Hebel viel sinnliche Stier-Energie in sich trug und ein Genießer war, hatte er die geistige Größe, sich nicht nur Gutes zu wünschen.  Hier sein „Neujahrslied“, das mich immer wieder bewegt, wenn ich es lese. (Darunter sind ein paar Erklärungen für jene Wörter, die wir heute vielleicht nicht mehr spontan verstehen):

Mit der Freude zieht der Schmerz
traulich durch die Zeiten,
schwere Stürme, milde Weste,
bange Sorgen, frohe Feste
wandeln sich zur Seiten.

Und wo eine Träne fällt,
blüht auch eine Rose.
Schon gemischt, noch eh’ wir’s bitten,
ist für Thronen und für Hütten
Schmerz und Lust im Lose.

War`s nicht so im alten Jahr?
Wird`s im neuen enden?
Sonnen wallen auf und nieder,
Wolken geh´n und kommen wieder,
und kein Wunsch wird`s wenden.

Gebe denn, der über uns
wägt mit rechter Wage,
jedem Sinn für seine Freuden,
jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage.

Jedem auf des Lebens Pfad
einen Freund zur Seite,
ein zufriedenes Gemüte,
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite.


milde Weste = milde Westwinde
Thronen und Hütten = Reiche und Arme
im Lose = im vom Kosmos angelegten Lebensablauf

 


Besonderheit des Neujahrstages 2014

Mit dem neuen Jahr beginnt auch ein neuer Sonne-Mond-Zyklus. Hier das Horoskop des Steinbock-Neumondes am 1. Januar 2014:


In Europa fällt der Neumond in die Mittagszeit (12.13 Uhr MEZ). Das Haus der Berufung ist stark aktiviert, und der Aszendent liegt im Widderzeichen, dem Symbol für mutigen Neuanfang. Wir dürfen also psychisch unbelastet von der Vergangenheit ins neue Jahr starten und unsere Projekte realisieren. Wünschen wir uns dazu im Sinne Hebels auch Hoffnung und, wie er so schön formulierte: „Jedem Sinn für seine Freuden, jedem Mut für seine Leiden.“

 

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Michael Schumacher

Schumacher liegt im Krankenhaus, die Öffentlichkeit bangt um ihn nach seinem Skiunfall am 29. Dezember.

Demnächst hat er Geburtstag. Michael Schumachers Geburtzeit ist leider nicht gesichert, so dass es wenig sinnvoll ist, dennoch bestimmte Horoskop-Häuser zu erfinden, doch der Tag ist natürlich bekannt: Er ist
am 3. Januar 1969 in Hürth geboren, und zwar bei Vollmond. Seine Geburtsanlage zeigt eine ehrgeizige Steinbock-Sonne und gleichzeitig einen feinfühligen Krebs-Mond. Letzterer verleiht die Fähigkeit, emotional gut zu regenerieren, was ihm nun hoffentlich helfen möge.

Warum ist das geschehen?

Ich habe mir angewöhnt, keine Schicksals-Deutungen abzugeben für noch lebende Personen – es sei denn, sie bitten mich darum.
Vielleicht sollten wir Astrologie-Interessierten auch akzeptieren, dass er Dinge gibt, die nicht unbedingt sofort erklärt werden müssen.  Wichtiger ist jetzt für Michael Schumacher, dass er möglichst überlebt und auf jeden Fall viel Kraft hat für seine weiteren Wege.

Senden wir ihm Licht und gute Gedanken, das scheint mir in diesem Fall besser als alle Horoskopdeutungen!

Ernst Ott

 

 

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Das göttliche Kind

Warum Steinböcke Sonnen-Kinder sind


von Ernst Ott


Wir werden als Kinder geboren.  Neugeborene sind irgendwie  „ein Wunder“.  Aber göttlich?  Der Archetypus des göttlichen Kindes sagt, dass etwas in uns göttlich ist, jedenfalls über besondere Kräfte verfügt, und zwar von Geburt an.  Man könnte natürlich auch sagen, wir hätten einen göttlichen Funken in uns oder noch vorsichtiger ausgedrückt, das Potenzial, uns zu einem geistigen Wesen zu entwickeln, das höher strebt. Es gibt verschiedene Zugänge zum Göttlichen, über philosophisches Nachdenken, über Arbeit an sich selber, über Astrologie usw.

Aber der Archetypus des göttlichen Kindes sagt uns, dass wir in gewissem Sinne schon bei der Geburt fertig und in Ordnung sind. Wir sind von Anfang an geistige – vielleicht sogar göttliche - Wesen, wir müssen nicht erst als solche gebacken werden. Wir sind Sonnen mit Strahlkraft und schöpferischer Potenz. Das ist wie ein von Anfang an vorhandenes Geschenk.


Gott kommt als Kind auf die Welt.

In Religion und Mythologie gibt es immer wieder Licht- und Sonnengötter. Die meisten von ihnen sind jedoch nicht einfach da, sondern werden als Kinder geboren. Ihre erste Erscheinungsform ist die des göttlichen Kindes.  Es ist ein schöner Gedanke, der in den meisten Kulturen auftaucht, das Göttliche als unschuldiges Kind darzustellen. Als ein Wesen, das nicht deshalb wertvoll ist, weil es etwas leistet, etwas richtig macht oder „gut“ ist, sondern, weil es ist, weil es lebt, allein dadurch ist es göttlich.

Licht- und Sonnengötter gehören in der Symbolsprache des Horoskops eindeutig zum fünften Buchstaben des astrologischen Alphabets, nämlich zur Symbolkette Sonne, fünftes Haus, Tierkreiszeichen Löwe. Symbolisch gesehen sind Lichtgötter also Löwen.


Der 25. Dezember

Lichtgötter kommen fast durchs Band am 25. Dezember auf die Welt, also in der Steinbock-Zeit, weil der Steinbock die dunkle Jahreszeit repräsentiert.  Sonnengötter werden nämlich nicht auf dem Berg der Erleuchtung geboren, nicht in der Löwezeit, wenn in den Sommerferien die Sonne vom Himmel strahlt, nicht an einem sonnigen Ort, sondern in einem dunklen Loch, einem Stall, meist in einer Höhle.  Und eben in der Steinbock-Phase des Jahres.  Einerseits ist das ein Paradox: Im Dunkeln wird  das Licht geboren. Aber Lichtgötter sind eben nicht einfach hell, sondern sie steigen zum Licht hinauf, und das tut die Sonne ab der Wintersonnenwende.  Da liegt der astrologische Analogieschluss nahe: So wie die Sonne ab Weihnachten immer höher steigt, so steigt der Lichtgott vom Dunkeln ins Helle hinauf. 

Die in der Löwe-Zeit im Hochsommer voll entfalteten Sonnenkräfte werden also bei der Wintersonnenwende geboren. Kann man daher sagen, die Sonne oder der Sonnengott „ist ein Steinbock“? Nun, Archetypen und Götter sind keine Menschen, bei deren Geburt ein Hebamme auf die Uhr schaut und die Zeit notiert, Götter sind ja irgendwie ewig. Auch wenn von ihrer Geburt die Rede ist, so leben sie doch jenseits der Zeit. Doch auf der Erde ist die Steinbock-Zeit die Wiege der Sonnenkraft.


Der Sohn der Allmutter

Einer der ältesten Sonnengötter ist Horus, Sohn der ägyptischen Götter Isis und Osiris, die schon Jahrtausende vor Christus verehrt wurden. In Ägypten war der 25. Dezember ein Feiertag, weil er als Geburtstag des Horus galt.  Isis brachte den Sonnengott in der dunkelsten Nacht des Jahres auf die Welt.  Darstellungen der Isis mit dem Horusknaben auf dem Schoss waren überall in der alten Welt bekannt, auch bei den Römern. Bilder der Isis als Mondgöttin inspirierten später auch christliche Künstler, wenn sie Maria mit dem Jesusknaben und der Mondsichel darstellten.

 

Die hier unten abgebildete Skulptur des Horus als schon etwas älteres Kind, gab Kaiser Hadrian im zweiten Jahrhundert n.Chr. bei einem offensichtlich sehr begabten Künstler in Auftrag:




 Hadrian stellte sie in seiner Villa in Tivoli auf, und ich finde sie hat eine starke Ausstrahlung: Ein naives Kind mit dem Zeigefinger am Mund staunend, neugierig, unerfahren und doch voll Majestät und göttlicher Ausstrahlung. Dem Künstler ist es gelungen, aus dem kostbaren Marmor einen realistischen und ausdrucksstarken Kindgott zu gestalten. Der Knabe ist überlebensgroß dargestellt und berührt den Betrachter. Heute kann man ihn in den Museen auf dem Kapitol in Rom bewundern. Bis Mai 2014 steht er als Leihgabe im Karlsruher Landesmuseum.  Wer sich auf ihn einlässt, dem öffnet er eine Tür im eigenen Herzen, dort wo etwas unverbraucht Kindliches in uns wohnt, das gleichzeitig Quelle größter Weisheit ist. 

Laut den mythologischen Aussagen ist Horus bei der Wintersonnenwende auf die Welt gekommen. Wenn er ein Mensch wäre, hätte er somit ein Horoskop mit Steinbock-Sonne.


Die  unbesiegbare Sonne

Der römische Sonnengott trägt den Titel „Sol invictus“, was unbesiegte Sonne bedeutet, ein sehr dramatischer Ausdruck für die einfache Tatsache, dass die Sonne zwar jedes Jahr vom Krebs bis zum Steinbock absteigt, aber nie „besiegt“ wird, sondern gesetzmäßig immer wieder aufsteigt. Auch im Tagesrhythmus steigt sie jeden Morgen neu auf.  Der Festtag des Sol invictus war natürlich der 25. Dezember, auf den damals auch die Wintersonnenwende fiel.  Alle Welt feierte die Geburt der Sonne. Sein Tempel wurde an einem 25. Dezember geweiht. Im Jahr 274 n.Chr. ordnete Kaiser Aurelian an, den 25. Dezember als Geburtstag des Gottes Sol invictus reichsweit als Feiertag zu begehen. 

Zwar stimmte vor der gregorianischen Kalenderreform die Tageszählung nicht genau mit der Wintersonnwende überein. Der kalendarische 25. Dezember steht jedoch in all diesen Traditionen symbolisch für die Wintersonnenwende, unabhängig davon, wie die Kalenderverschiebungen sich entwickelt haben. Mythologisch gesehen heißt „25. Dezember“ einfach „Längste Nacht“.


Die Felsgeburt des Mithras

Von der Zeitenwende bis etwa zum Jahr 400 n.Chr. war der so genannte Mithras-Kult über das ganze damalige römische Reich verbreitet. Dabei wurden die Mitglieder über sieben Stufen nach den sieben Planeten eingeweiht, und auch sonst war diese Religion oder Lebensphilosophie ganz und gar von Astrologie durchdrungen.  Hauptfigur war der Held Mithras, der als Freund des Sonnengottes für den sicheren Ab- und Aufstieg der Sonne sorgt, was auch symbolisch gedeutet wurde, indem die Mithras-Anhänger über den Auf- und Abstieg der menschlichen Seele vom Himmel zur Erde nachdachten. Gemäß dem platonischen Weltbild glaubten sie, dass wir vom Himmel kommen und am Ende des Lebens wieder zum Sternenhimmel zurückkehren. So betrieben sie mit ihren Ritualen und Einweihungen auch eine Art geistiger Todesvorbereitung.

An einem 25. Dezember wurde das Sonnenkind Mithras geboren, und zwar in einer dunklen Felsenhöhle. Die ersten Menschen, die ihn begrüßten, waren einfache Leute, nämlich die Hirten auf dem Felde.  In Mithras begegnen wir schon wieder einem Lichtbringer, der im Winter geboren wurde, und ähnlich wie ein Mensch auf dieser dunklen Erde inkarnierte, um uns auf unserem Weg zum Licht zu unterstützen. Der geistige Weg in den Mysterienkulten wurde stets als ein symbolischer Aufstieg zum Himmel verstanden, so dass sich der Vergleich mit der ab dem 25. Dezember aufsteigenden Sonne geradezu aufdrängte.


Die neue Sonne der Gerechtigkeit

Christus wurde aufgrund eines Prophetenwortes („Euch aber wird aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit“ Maleachi Kapitel 3)  schon früh als „Sonne der Gerechtigkeit“ oder als „die neue Sonne“ bezeichnet.  Auch er ist ein Lichtbringer, der das Dunkel, vielleicht sogar den Tod überwinden hilft.

 

Die ältesten Darstellungen des Christus zeigen meist diesen solaren Aspekt. In den vatikanischen Nekropolen fand man in der Julier-Gruft den hier abgebildeten Christus aus dem dritten Jahrhundert. Er trägt einen Strahlenkranz genau wie in den klassischen Darstellungen des römischen Sonnengottes Sol.  Sogar den Wagen mit den Sonnenpferden hat er von Sol invictus übernommen.

Aus mythologischer Sicht müsste er eigentlich an einem 25. Dezember auf die Welt gekommen sein.  War Jesus ein Steinbock?  Nein.
Das ist merkwürdig, denn dies hätte doch sehr gut zu seiner Aufgabe auf dieser Welt gepasst.  Jesus war ein wirklicher historischer Mensch, und man hätte auf die Uhr schauen und ein genaues Geburtshoroskop berechnen können. Aber die damaligen Juden hielten nicht viel von Astrologie. Menschen in den Provinzen, solange sie nicht römisches Bürgerrecht besaßen, kannten ohnehin kaum ihr Geburtsjahr, von Tag und Stunde gar nicht zu reden.

Die Christen in den ersten drei Jahrhunderten interessierten sich zudem extrem wenig für die Biografie Jesu, es ging ihnen ausschließlich um seine Lehre. Sie erwarteten den sofortigen Anbruch eines neuen Zeitalters, in welchem alles Bisherige belanglos würde.  Die Evangelien, die wir heute als eine Art Lebensgeschichte Jesu lesen, sind keine faktisch korrekten Berichte, sondern erzählten nur all jene Szenen und symbolhaften Geschehnisse, welche die theologische Aussage des Christentums illustrierten. Evangelium heißt „gute Nachricht“, es ging also um die frohe Botschaft eines neuen Zeitgeistes, nicht um die individuelle Persönlichkeit des Religionsstifters.


Christus ohne Geburtsdaten

Man kennt schlicht keine Geburtsdaten Jesu. Noch am ehesten kennt man den Geburtsort. Er wurde mit hoher Sicherheit in der Stadt Nazareth in Galiläa geboren. Der Geburtsort der Evangelisten, Bethlehem, ist nicht historisch-biografisch wahr, sondern symbolisch, was für die Juden und Christen damals weit bedeutender war, denn laut den Propheten musste der Messias aus der Stadt Davids kommen, eben aus Bethlehem. Wissenschaftler sehen das anders, aber symbolische Sinnzusammenhänge haben weit mehr Energie als so genannte Tatsachen.

Noch eine Anmerkung zum weihnachtlichen „Stall zu Bethlehem“: Die Ställe in Palästina waren Höhlen, in welchen die Hirten ihre Herden unterstellten, so dass hier eine wörtliche Parallele zur Fels- oder Höhlengeburt des Mithras zu erkennen ist.

Was den Zeitpunkt der Geburt betrifft, tappen wir völlig im Dunkeln. Man kennt nicht einmal das Geburtsjahr. Viele Forscher tendieren zum Jahr 7 / 6 v.Chr., wofür auch Johannes Keplers Vermutung über den Weihnachtsstern als Jupiter-Saturn-Konjunktion spräche.  Doch alle Angaben in den Evangelien widersprechen sich. Sie entstanden etwa hundert Jahre nach Jesu Geburt und unterschieden nicht zwischen Legende und Tatsache. Wenn man sich wirklich streng an die historischen Quellen hält, kann man es wie folgt eingrenzen: Geboren spätestens im Jahr 4 n.Ch. gekreuzigt zwischen 26 und 36 n. Chr.

In einigen wenigen christlichen Berichten und Briefen wurden in den ersten Jahrhunderten vermutete Geburtsmonate Jesu notiert, März, April, Mai, November kommen vor; der Dezember ist nicht dabei. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass sich die Christen 500 Jahre lang nicht ernsthaft für den Geburtstag des Menschen Jesus interessierten.


1500 Jahre Weihnachten

Erst ein halbes Jahrtausend nach Christi Geburt entstand das Bedürfnis, neben Ostern und anderen christlichen Feiertagen auch einen Tag für die Geburt Jesu im Festkalender zu haben. Die Weihnachtsidee war geboren, setzte sich jedoch nur sehr langsam durch. Zum allerersten Mal – nach aktuellem Forschungsstand – ist 453 n Chr. ein christlicher Weihnachtsfeiertag bezeugt. Dann vergehen fünfzig Jahre, die nächste Erwähnung besitzen wir aus dem Jahr 506 n. Chr. Es ging damals nicht um ein historisches Geburtsdatum, sondern um einen mit Gottesdienst zu feiernden Gedenktag, der an die Vorgänge um die Geburt Christi erinnerte. Da die Evangelien und das gesamte neue Testament keine einzige Zeitangabe darüber machen, war man frei, einen beliebigen passenden Tag zu wählen.

Wundert es, dass man auf den 25. Dezember kam? Es gibt symbolisch gesehen kaum eine stimmigere Entscheidung in der Kirchengeschichte. Auch wäre schwer ein anderes Datum durchzusetzen gewesen, denn im Osten wie im Westen erinnerte sich noch jeder an den Geburtstag des Sol invictus und feierte verschiedene Feste des aufsteigenden Lichts. Kaiser Konstantin, der machtvoll die christliche Staatsreligion durchsetze, hatte selbst an manchem 25. Dezember staatliche Feiertage gewährt, aus ganz unterschiedlichen Anlässen.  Der Tag war beliebt.

So feiern wir bis heute am 25. Dezember in bewährter Form die Geburt des göttlichen Kindes.  Selbst Menschen, die sich von den Kirchen entfernt haben, freuen sich, dass es ein „Fest der Kinder“ gibt.  Gut, dass das Christentum nicht mit dieser Tradition gebrochen hat, denn sie ist zutiefst menschlich: Im Dunkeln beginnt der Aufstieg zum Licht, im Sterben die Neugeburt. Das Wunder einer Geburt, das Leuchten in Kinderaugen sind passende Gleichnisse für das Spirituelle oder das Göttliche in jedem Geschöpf.

 

 

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Aschenputtel

Die arme Jungfrau

 

von Eva Stangenberg

 

 

Im folgenden erzählt Eva Stangenberg die Geschichte vom Aschenputtel neu. Sie liest daraus eine erstaunliche Menge von astrologischer Symbolik. Dabei scheint vor allem eine neue Sicht des Jungfrau-Zeichens auf.  Vielleicht haben wir dieses Tierkreiszeichen wirklich unterschätzt, und es hat bisher selber eine Art Schattendasein gefristet. 
Gönnen Sie sich eine ruhige Stunde um diesen Gedankengängen zu folgen. Die neue Sicht ist bereichernd und sagt auch einiges über das Chiron-Prinzip aus.

 

Die arme Jungfrau. Ich habe den Titel deshalb so gewählt, weil dieses Zeichen in den Deutungen der Tierkreissymbolik oft nicht so gut weg kommt.
Die Qualitäten hier sind genau, analytisch, gründlich, fleißig, ordentlich, bescheiden, helfend, dienend. Sicher alles positive Eigenschaften, ja sogar nützliche, aber so recht begeistern können sie einen wohl nicht.
So ist es nicht verwunderlich, dass mancher jungfraubetonte Mensch es eher hinnimmt, als dass er das Gefühl hat, mit diesen Fähigkeiten kann man was machen, was Spaß macht oder gar Erfolg verspricht.

Aber, hört man dann, das ist halt die Aufgabe der Jungfrau, sie ist fleißig und bleibt bescheiden im Hintergrund, erfüllt ihre Arbeit und freut sich, wenn alles ordentlich erledigt ist.

Ich habe in meinen Beratungen aber eher selten diese Freude am bescheidenen Dienst erlebt, sondern eher eine Unzufriedenheit, da die erhoffte Belohnung ausblieb, egal wie sehr man sich auch angestrengt hatte und die Erwartungen der anderen zu erfüllen glaubte.

Und das Bedürfnis nach Anerkennung, nach Belohnung ging sogar häufig mit Schuldgefühlen einher, dass sie so vermessen und egoistisch seien, sich etwas für sich zu wünschen.
Denn man sollte doch den Dienst leisten um des Dienstes Willen und aus Einsicht in die Notwendigkeit und nicht etwa aus egoistischen Motiven heraus.

Ja, oft war es sogar so, dass sie mit sich selber sehr kritisch waren, glaubten sogar, sie seien selber schuld am entgangenen Erfolg und meinten, sich noch mehr bemühen zu müssen.
Eine jungfraubetonte Klientin erzählte mir mal, daß ihr Lebensmotto ein Poesiealbumspruch sei:
„Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam, bescheiden und rein, nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“
Sehr jungfräulich, wie mir scheint.
Und für mich riecht das auch so ein bisschen nach negativ verstandenem Christentum: das Leben hier auf Erden ist eben schwer und hart, aber wenn man gut ist und sich bemüht, kann man sich so einen Platz im Himmel verdienen.
Das wäre dann symbolisch das Gegenzeichen, die Fische.

Ja, und dann beobachte ich bei diesem Zeichen eine große Sensibilität und Empfindsamkeit, die sich mit den oben genannten Beschreibungen nicht verstehen lassen.
Und ich vermute hinter dem starken Bemühen, in Ordnung zu sein, alles richtig machen zu müssen auch Angst, Unsicherheit und vor allem fehlendes Vertrauen.

Der Mythos von Chiron, den ich der Jungfrau zuordne, half mir bei meiner Arbeit sehr, diese Seiten des Zeichens zu verstehen. Auch er bemühte sich ja sehr, den Makel der Unvollkommenheit, seinen tierischen Hinterleib, zu überwinden. Vergeblich, er konnte sich durch eigene Anstrengung nicht heilen.
Und auf den ersten Blick erscheint es so, als ob sein Dienst am Nächsten, sein Opfer für Prometheus, die Lösung, die Heilung oder die Belohnung brachte, denn er kam ja dann in den Himmel.
Diesen Mythos kennen Sie ja sicher alle, und wir finden, so betrachtet, auch hier die helfende und dienende Komponente des Jungfrauen – Zeichens und auch die Opfer – und Hingabe – Thematik des Gegenzeichens Fische.

Aber ist das wirklich die Botschaft des sechsten Zeichens, der Jungfrau?

Für mich wie gesagt, nur auf den ersten Blick. Denn ich glaube nicht, dass wir dem Zeichen Jungfrau gerecht werden, wenn wir den Betroffenen im Beratungsgespräch empfehlen, sich ganz in ihren Dienst und ihre Aufgabe hinein zu geben und nichts für sich selber zu beanspruchen, um in Ordnung zu sein und sich wie Chiron oder Christus zu opfern.

Ich möchte hier etwas anders an die Deutung dieses Zeichens herangehen und zwar mittels des Märchens „Aschenputtel“, für mich das Jungfrauen – Märchen mit Chiron – Symbolik. Und so ist dieses Märchen in den Beratungen oft ein Schlüsselerlebnis für die Klienten mit diesen Themen.

Auf den ersten Blick erscheint es ja auch in diesem Märchen so, als ob es stimmt, dass eine Belohnung folgt auf Bescheidenheit und Arbeit, denn Aschenputtel bekommt am Schluss den Prinzen.
Aber - eben nicht erst im Himmel wird sie belohnt, sondern schon auf Erden zur Königin. Also hat unsere Jungfrau auch die Chance zu diesem enormen Erfolg.

Schauen wir uns das Märchen miteinander an. Ich werde parallel dazu immer die astrologische Symbolik des Zeichens Jungfrau mit ein beziehen.

Aschenputtels Mutter stirbt früh, und auf ihrem Totenbett sagt sie zu ihrer Tochter: „Liebes Kind, bleib fromm und gut, dann liebe ich dich vom Himmel herab und auch Gott liebt dich.“
Nun ist Aschenputtel allein, denn auch der Vater hat kaum Zeit für sie.
Aber sie folgt dem Rat der Mutter und ist ein gutes Mädchen.
Der Vater heiratet bald wieder, eine Frau mit zwei Töchtern.
In der neuen Familie hat Aschenputtel nun aber auch keinen Platz, die beiden anderen Mädchen werden bevorzugt.
Und sie beschwert sich nicht. Sie ist folgsam, bescheiden, fleißig, ordentlich, fügsam, hilfsbereit, so wie sie es von ihrer Mutter als Rat bekommen hatte.
Aber nie kann sie es recht machen. Die Erwartungen der Stiefmutter werden immer größer und allen Bemühungen zum Trotz erntet sie nur Härte und Kritik. Und auch die neuen Schwestern sind sehr garstig zu ihr. Sie stellen sich egoistisch in den Mittelpunkt und Aschenputtel muß auch ihnen dienen.

Das Märchen erzählt uns bis hierher, dass Aschenputtel schon früh allein war und sich wahrscheinlich auch in der neuen Familie nicht zugehörig fühlte. Niemand kümmerte sich um sie, niemand nahm sie wichtig, auch der Vater nicht, und sie selbst folgte trotz des Leides den mitgegebenen Lebensregeln der Mutter und bemühte sich, gut und fromm zu sein.
Gut und fromm, diese Worte füllt das Märchen in seiner Beschreibung Aschenputtels mit Inhalt, wobei es in unserem persönlichen Leben natürlich ganz andere sein können (z.B. „wenn du erfolgreich bist“ oder „wenn du stark bist“ oder „wenn du bei uns bleibst“ oder „wenn du schön bist“, oder, oder.)
Es waren Bewertungskriterien, die sie übernommen hatte, denn die versprachen ja, dass sie in Ordnung ist und dafür geliebt werden würde.
Aber alle Bemühungen, alle Anstrengungen, die Erwartungen zu erfüllen und endlich doch noch geliebt und geschätzt zu werden, waren vergeblich.

Vielleicht erinnert sie dieser Teil im Märchen auch an das Bemühen von Chiron. Und vielleicht finden wir in den beiden Schwestern auch den abgespaltenen weil schlechten und nach außen projizierten Teil, die Kentauern.

Werfen wir an diesem Punkt im Märchen einen Blick auf die Jungfrauensymbolik im Tierkreis.

Das Zeichen Jungfrau, das sechste im Tierkreis, steht an der Nahtstelle zwischen innen und außen, zwischen Ich und Du, zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft.
Von Widder bis Löwe, von Haus eins bis Haus fünf verläuft diese persönliche Entwicklung, die persönlichen Planeten von Mars bis Sonne.
Mit dem Abschluss im Löwen oder 5.Haus, mit der Sonne, weiß der Mensch: “Das bin Ich“ und freut sich an sich und lässt das, was ihn ausmacht strahlen.
Mit dem Mars oder dem 1.Haus unterscheidet er sich, mit Venus und dem 2.Haus entwickelt er eigene Werte und Talente, mit Merkur und dem 3.Haus eigene Meinungen und Vorstellungen, mit Mond und dem 4.Haus seine Bedürfnisse und die Innenwelt seiner Gefühle und im 5.Haus und mit der Sonne ist dieser Prozess der individuellen Ich – Entfaltung abgeschlossen.
Der so entwickelte Mensch kann im Zeichen Waage oder im 7.Haus dem Du begegnen.

Dazwischen liegt das Zeichen Jungfrau, im Jahreszyklus die Zeit der Ernte.
Ein Apfelbaum hat viele Äpfel produziert, aus einer Kartoffel wurden viele neue, jede Pflanze schenkt das, was sie ausmacht, ist mit ihrer Art nützlich für das Gemeinwohl.
Hier in der Jungfrau werden die Früchte geerntet, -
„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ – ein Bibelspruch -  bei einem Menschen eben das, was ihn in seiner Persönlichkeit und Besonderheit auszeichnet.
Und auch er möchte nun nützlich sein für die anderen im 7.Haus, geschätzt werden für das, was er geben kann.

Wir finden hier in der Jungfrau das Element der beweglichen Erde.
Bei der Ernte gibt Mutter Erde das her, was in oder auf ihr gewachsen ist. Auch das können wir auf einen Menschen übertragen. Er hat Gaben, die er geben möchte, am liebsten in eine Aufgabe hinein, um mit sich für die anderen nützlich zu sein.

Aber auch der Treibsand ist ein Bild für die bewegliche Erde.
Auf ihm findet man keinen Halt, fühlt sich nicht sicher, muss aufpassen, dass der Boden unter den Füßen nicht weg rutscht, ist ängstlich und sehr sensibel auf die Umwelt ausgerichtet.

Wenn sich nun dieses unsichere Gefühl auf die eigene Person bezieht, oder der Wert der eigenen Andersartigkeit, der Gaben und Früchte, in Frage gestellt wurde, oder sich gar nicht entwickeln konnte, z.B. mit Planeten in diesem Zeichen oder Haus oder im Aspekt zu Chiron, verstehen wir vielleicht, wie sich dieser Mensch bemühen wird und sich anstrengt, um auch einen Wert für die anderen darzustellen, um auch dazu zu gehören. Und wie sensibel er auf Bewertungen reagiert.

Er sucht ja eine Aufgabe, um ebenfalls nützlich zu sein für die Gemeinschaft. Sicherheit und Stabilität verspricht aber nur die Orientierung an den Erwartungen und Bewertungen der anderen, am Du im 7.Haus, denn das Eigene ist ja unsicher. Damit steht er ja auf Treibsand.
Er produziert in dem Fall dann die Früchte, die die anderen wollen, nicht etwa seine eigenen, und bewertet sein „In – Ordnung – Sein – Gefühl“ am Erreichen dieser Kriterien.

Stellen Sie sich bitte vor, sie wären von Ihren Persönlichkeitsanteilen als eine exotische, fleischig saftige Frucht, vielleicht sogar mit Stachelhaut gedacht, aber Ihre Umgebung will nur Boskop-Äpfel.
Sie können sich anstrengen wie Sie wollen, Sie werden nie einer.
Also müssen Sie sich immer nicht in Ordnung fühlen, sich noch mehr bemühen, und die Angst vor der Kritik ist berechtigt, denn Sie sind kein Boskop – Apfel, können diesen Anspruch also nie erfüllen.
Und die Kritik und das Gefühl des Unvermögens wird solange so bleiben, wie Sie versuchen, einer zu sein.
Die Aufgabe, die Sie für andere erfüllen wollen, kommt in diesem Fall einer Selbst – Aufgabe gleich.

Vielleicht haben Sie ja einen persönlichen Planeten in der Jungfrau oder im 6.Haus oder im Aspekt zu Chiron und können das Gefühl nachvollziehen.

Diese Symbolik, die wir bis hier im Zeichen Jungfrau gefunden haben, erzählt uns auch das Märchen bis zu dieser Stelle, nämlich Aschenputtels vergebliches Bemühen, sich die Zuwendung der anderen zu verdienen, indem sie sich selbst (ihre Sonne) und ihre Eigenart immer mehr aufgibt und versucht, die Erwartungen zu erfüllen.
Denn sie hatte in ihrer Kindheit wohl kaum das Gefühl entwickeln können, dass sie wie sie ist liebenswert ist.
Gut und fromm sind die Kriterien, und was das ist, hatte die Mutter definiert.

Aber was passiert in der Umwelt?
Die freut sich nicht etwa oder wird gar auch gut und fromm, sondern im Gegenteil.
Die Schwestern und die Stiefmutter werden immer garstiger, immer egoistischer, immer eitler.
Das deute ich als Projektion. Die eigenen, nicht gelebten und verdrängten Anteile werden in der verzerrten Form des inneren Bildes nach außen auf die Umwelt projiziert und bestätigen damit geradezu, dass diese Anteile eben nicht gut, nicht lebens- oder liebenswert sind. Egoismus ist z.B. ein Zerrbild der Sonne und die Eitelkeit kann der Venus zugeordnet werden.
Und wir finden in den beiden Schwestern und der Stiefmutter auch das Bild aus dem Chiron-Mythos wieder, nämlich den abgespaltenen weil schlechten und nach außen projizierten Teil, den die Kentauern für Chiron leben.

Wie geht´s weiter im Märchen:
Der König will einen Ball veranstalten, damit sein Sohn eine passende Braut finde.
Alle sind herzlich eingeladen, und auch die Stiefmutter mit ihren beiden Töchtern will hingehen.
Die werden nun prächtig rausgeputzt, Aschenputtel schaut zu und muß dabei auch noch helfen.
Da sagt sie etwas Unvorstellbares: „Ich will auch auf den Ball.“
Wie kann sie nur an so etwas denken und dann auch noch aussprechen!
Sie als Aschenputtel!!!
Die Stiefschwestern lachen sie denn auch aus.
Zu Anfang verspricht es ihr die Stiefmutter sogar, mit einigen Auflagen allerdings: sie muss erst alle Arbeit fertig haben.
Und wieder strengt sich Aschenputtel sehr an, lockt doch die Belohnung.
Aber, als sie endlich fertig ist, kommt die Enttäuschung: sie darf nicht mit!
Ist doch ihr Platz am Herd und nicht etwa auf einem Ball.
Sie soll sich doch mal anschauen, wie sie aussieht. Man müsste sich ja für sie schämen.
Wie kann sie nur auf so einen absurden Gedanken kommen!
Und die Stiefmutter schüttet ihr Linsen in die Asche, die sie sortieren soll.

Unterbrechen wir hier das Märchen.

Vielleicht kennen Sie bei Ihrem Jungfrauen – Thema das auch:
immer die Hoffnung, wenn ich das fertig habe, aber dann...!
Aber fertig sind Sie nie, es wartet immer noch eine Pflicht, immer ist etwas  nicht so ganz in Ordnung, immer gibt es noch etwas zu erledigen.
Auch Chiron versucht ja vergeblich, sich zu heilen, immer die Hoffnung und dann die Enttäuschung, wieder hilft es nicht.

Bis hierher im Märchen versucht Aschenputtel weiterhin, sich die Belohnung zu verdienen durch eigene Anstrengung und lässt sich ihren Platz und ihren Wert zuweisen, eben von den anderen.
Und wenn sie Aschenputtel bliebe, würde sie am Herd in der Asche bleiben und die Linsen sortieren und nicht auf den Ball können.
Aber es hatte sich etwas geändert: sie hatte einen eigenen Gedanken, eine eigene Vorstellung wie Leben auch sein kann.
Denn bisher kamen Freude, Tanzen, Lachen, sich schön machen, auf einen Ball gehen ja nicht vor in ihrem Leben. Die waren sogar negativ besetzt. Das war nichts wert.

Sie hatte es gewagt, auch mal an sich zu denken. Umzudenken!
Das Leben ist nicht nur Arbeit und Mühe, sondern kann auch für sie schön sein.

Sie beginnt, das übernommene Muster von dem, was gut und fromm bedeutet, in Frage zu stellen.

Für uns selber müssen wir es wieder auf die eigenen, übernommenen Bewertungskriterien übertragen.

Das ist der Wendepunkt im Märchen.

Ich möchte die Schritte, die jetzt im Märchen folgen, direkt auf den Tierkreis und die persönlichen Planeten, die in der Erzählung symbolisch auftauchen, übertragen.
Ich beschränke mich dabei hauptsächlich auf die persönlichen Planeten, die Zeichen von 1 – 6 mit ihren Herrschern. Aber auch die überpersönlichen, die jeweilig gegenüber liegenden Zeichen mit ihren Herrschern, können wir als Entsprechungen im Märchen finden.

Der erste Schritt ist Merkur, ein Umdenken, sie meldet sich mit einem Wunsch, einer eigenen Vorstellung von Leben wie es auch noch sein kann zu Wort.

Aber, da sie die Erlaubnis immer noch von anderen, hier von der Stiefmutter abhängig macht, wird sie ihr nicht gegeben.
So setzt sie sich ans Feuer und will die Linsen sortieren.
Bleibt sie Aschenputtel?
Nein, sie kann den ersten Schritt nicht rückgängig machen, nicht mehr hinter ihren neuen Gedanken zurück.
Das gegenüberliegende Zeichen ist Schütze mit seinem Herrscher Jupiter. Der gibt in seinem Mythos jedem das Recht auf die Entfaltung seiner eigenen Persönlichkeit.

Jetzt kommen im Märchen die Vögel, speziell die Tauben, die ihr helfen, die Linsen zu sortieren:
„Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“ – vielleicht erinnern Sie sich an den Satz.
Und ganz schnell ist Aschenputtel mit ihrer Arbeit fertig und könnte nun auf den Ball.

Was sagt uns dieser Teil im Märchen, übertragen auf unsere Tierkreissymbolik und die Planeten:
Tiere symbolisieren in Märchen häufig eigene instinkthafte Wesensanteile, die in Notsituationen zu Hilfe kommen.
Und hier helfen Tauben, unter anderem ein Symbol für die Venus.

Wir können es kurz übersetzen mit Selbstliebe, das Schätzen der eigenen Werte hilft ihr.
Davor war sie ja immer bemüht, sich Liebe zu verdienen, nun beginnt sie, sich selber zu lieben und nicht mehr auf die anderen und ihre Erlaubnis zu warten.
Das ist der zweite Schritt weg vom bisherigen Verhalten.

Aber wie geht es nun weiter im Märchen, wie kommt sie auf den Ball?

Sie geht ans Grab der Mutter und weint.
Als Aschenputtel hat sie keine schönen Kleider, sie war ja bescheiden und hatte sich vom Vater, als der auf einer Reise war und Geschenke mitbringen wollte, nur ein Haselnussästchen gewünscht.
Dieses Ästchen hatte sie auf das Grab der Mutter gepflanzt und es war inzwischen zu einem kleinen Baum herangewachsen.
Da sitzt sie nun und weint.
Und plötzlich hängt an dem Baum ein wunderschönes rotes Kleid.

Übertragen wir wieder, was uns das Märchen erzählt.
Sie geht ans Grab der Mutter. Das Grab können wir mit der Symbolik des Gegenzeichens Skorpion verbinden und auch ihre Abhängigkeit von der Fremdwertbestimmung.
Ich deute das Bild im Märchen so, dass sie die alten Verhaltensmuster, die sie aus ihrer Kindheit übernommen hatte, und die sie letztendlich zum Aschenputtel gemacht hatten, loslässt, sterben lässt. Bildlich gesprochen kann damit das Aschenputtel sterben.
Sie will ja nun nicht mehr bescheiden im Hintergrund bleiben, dieses Modell hat sich nicht bewährt, um Liebe zu bekommen.
Ihre Venus, ihr Selbstwert, sie als Frau ist erwacht, sie will auch schön sein und tanzen gehen.
Und die Verwandlung der überholten Muster erfolgt sofort: es hängt ein rotes Kleid am Baum.

Die Farbe rot können wir mit dem Planeten Mars assoziieren.

Mit diesem Kleid geht sie auf den Ball, und der Prinz tanzt nur mit ihr.
Astrologisch übersetzt heißt das, sie zeigt ihren Willen, ihre Unterschiedlichkeit, die Nabelschnur, die sie durch die Worte gut und fromm noch mit ihrer Mutter verband, ist durchtrennt. Eine neue Person ist geboren, denn niemand erkennt sie als Aschenputtel.
Wir finden hierin einige Marsentsprechungen.

Aber noch ist die Verwandlung nicht vollendet.

Um Mitternacht muss sie schnell nach Hause und ist wieder Aschenputtel am Herd, und keiner vermutet, dass sie die schöne Prinzessin war.
Im Märchen geht sie an den folgenden beiden Tagen wieder ans Grab und jedes Mal hängt ein noch schöneres Kleid am Baum:
am zweiten Tag ein silbernes, am dritten Tag ein goldenes.
Und der Prinz will nur sie, sie soll seine Frau werden.
Aber noch kann er sie nicht finden.

Was sagt uns das?
Dreimal geht sie unerkannt auf den Ball.
Drei, die Zahl der Wandlung, auch Chiron war 3 Tage in der Unterwelt. Aber 3 ist auch die Zahl der Synthese zwischen zwei Polen, in diesem Fall der inneren und der äußeren Persönlichkeit.

Genau das ist die Zwischenstellung des Zeichens Jungfrau, dem sechsten Zeichen, die Verbindung zwischen dem Menschen in seiner Persönlichkeit und seine äußere Realisierung, seine Verkörperung, als Frucht für die Gesellschaft.
Sie kennen die Zahl sechs als Sextil – Aspekt.
Im Davidstern sind es sechs Sextile, und er setzt sich aus den beiden Dreiecken, dem Symbol für das Trigon, die Synthese, zusammen, dem Yin – und dem Yang – Dreieck.

Das zweite Kleid ist silbern, das dritte golden.
Silber, die Farbe für den Mond, Gold für die Sonne.
Auch hier die beiden Urpolaritäten yin und yang.

Mit dem Silber des zweiten Kleides, mit dem Mond, zeigt sie ihr Innenleben, zeigt offen das, was ihre Seele empfangen hat und mit dem Gold des dritten Kleides, der Sonne, ihre ganze Persönlichkeit, das bin „Ich“.
Aus Aschenputtel, die sich über andere definierte, ist eine Prinzessin geworden, eine bewusste und selbst bestimmte Persönlichkeit.

Und nun sucht im Märchen der Prinz nach ihr, denn er hat jetzt einen Anhaltspunkt, einen Schuh, den sie bei ihrer Flucht am dritten Abend verloren hat.
Den beiden Schwestern passt der Schuh nicht, sie schneiden sich jeweils ein Stück vom Fuß ab.
Aber die Tauben sagen dem Prinzen die Wahrheit:
“Ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh, der Schuh ist zu klein. Die rechte Braut ist noch daheim“.
Und diese rechte Braut, die dritte, ist Aschenputtel.
Und der Prinz führt sie heim, und sie leben glücklich in ihrem Königreich bis an ihr Lebensende.

Übersetzen wir das Ende:
Der Schuh, durch den der Prinz sie findet, ist auch ein schönes Bild.
Vielleicht kennen Sie ja den Ausspruch, man solle nur die Schuhe tragen, die einem passen und nicht in fremden Schuhen durch das Leben gehen.
Oder: wer in den Fußstapfen anderer geht, hinterlässt keine eigenen Spuren.
In den Fußsohlen ist übrigens der ganze Mensch abgebildet und mit ihnen hinterlässt er hier auf der Erde seine ganz individuellen Abdrücke.
Und vielleicht fällt Ihnen zu Schuh auch die Zuordnung der Füße zum Tierkreiszeichen Fische, dem Gegenzeichen der Jungfrau, ein.
So ist auch dieser Schuh auch ein Symbol für die Verbindung von Innen und Außen, von sich selbst und der Umwelt, Haus sechs, Haus 12, Jungfrau/Fische, oder letztendlich dafür, dass das Vertrauen (Fische) in den Wert der eigene persönliche Existenz (Jungfrau) und das Annehmen dieser individuellen eigenen Frucht, und mag sie noch so exotisch sein, uns zur Königin macht und den Platz finden lässt, der für uns der richtige ist.
Wir können es auch auf das Chiron-Thema übertragen, der ja in seinem Umlauf eine Verbindung herstellt, eine Brücke baut, zwischen Uranus, der individuellen und spirituellen Idee eines Menschen und Saturn, der Realität und der Verkörperung.

Als Bild erzählt uns das Märchen mit der Vermählung die Verbindung der getrennten Pole, nämlich männlich und weiblich, zu einer Einheit. Das finden wir auch in der 6.Tarot – Karte, den „Liebenden“.

Schloß und Königreich sind ein Symbol für das 5.Haus,
und König oder Königin ein Archetypus für das Selbst, analog der Sonne, die das strahlend nach außen abgibt, was sie ausmacht.
Hier haben wir wieder die Gaben, die gegeben werden, aber nun die eigenen.
Jetzt ist Aschenputtel nicht mehr an dem Platz, den ihr andere zuweisen und muss das geben, was andere von ihr erwarten, sondern Königin im eigenen Reich und damit dort, wo sie hingehört als das, was sie in ihrer Persönlichkeit ausmacht.

 

Wenn wir das Märchen und das Zeichen Jungfrau so deuten, geht es nun also an diesem Zykluspunkt nicht mehr darum, uns zu bescheiden und die Erwartungen der anderen zu erfüllen, um uns einen Platz im Himmel oder in der Welt der anderen zu verdienen, sondern gerade darum, uns in unserer Persönlichkeit wichtig zu nehmen und mit unseren Gaben eine Aufgabe zu erfüllen.
Es geht auch nicht darum, im außen in Ordnung zu sein, in dem man alles ordentlich erledigt und keine Fehler macht, sondern darum, in der eigene kosmische Ordnung zu sein, um die Verbindung von Körper, Seele und Geist. Und das ist letztlich das Heilwerden und das Thema Gesundheit, um das es beim Zeichen Jungfrau geht.

Symbolisch geht es also um den Blick zurück im Tierkreis zu den persönlichen Anteilen, bevor wir uns dem Du im siebten Haus zuwenden können.

Was macht mich aus in meiner Andersartigkeit, meiner Eigenart, was ist meine Anlagenidee, die ich empfangen habe, um dann nämlich genau das als Frucht für die anderen zu sein, was ich in meiner Individualität und Besonderheit sein kann.

Ich möchte hier noch einmal kurz das Bild der exotisch – fleischigen Frucht mit Stachelhaut vom Anfang aufgreifen.
Nun, nach der Verwandlung zu einer bewussten Persönlichkeit wären Sie stolz darauf, gerade mit Ihrer Andersartigkeit dienen zu können.
Sicher würden nicht alle Sie mögen, besonders die nicht, die unbedingt Boskopf–Äpfel wollen, aber die, die Sie mögen, meinen nun auch Sie und schätzen Sie gerade um Ihrer Eigenart willen.

Das ist für mich auch der Inhalt des Chiron – Mythos, sich anzunehmen mit dem, was man ist und genau mit diesen Gaben eine Aufgabe zu erfüllen.

So fordert uns also das Zeichen Jungfrau auf, uns vom Aschenputtel zur Königin zu verwandeln und den Platz in der Welt zu finden, wo wir mit dem dienen können, was uns ausmacht, was wir sind.

 

 

 

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Die Zwillinge und das Zweirad

Der Erfinder Karl Drais aus Karlsruhe
und das Horoskop des Fahrrades

 

 

Auf geheimnisvolle Weise hat das Zwillinge-Zeichen mit der Zahl zwei zu tun.  Pol und Gegenpol, zwei Möglichkeiten, zwei Fragen, das Eine tun  und das Andere nicht lassen, das sind die Themen der Zwillinge.  Etwas, was zwei Räder hat, muss ein Zwillinge-Horoskop haben.  Und so ist es auch.  Als vor bald 200 Jahren an einem 12. Juni zum ersten Mal ein Mensch ein Zweirad bestieg, stand die Sonne in den Zwillingen. Karl Drais, der Erfinder, kommt übrigens aus Karlsruhe, einer Zwillinge Stadt, gegründet am 17. Juni 1715, die dementsprechend mit dem Thema Verkehr verbunden ist, auch der Auto-Erfinder Carl Benz ist in dieser Stadt geboren.

Karl Drais war der Erfinder des Zweirads mit Fußantrieb, einer Art Gehrad noch ohne Pedale, heute nach dem Erfinder Draisine genannt. An jenem Morgen fuhr er die sieben Kilometer lange Strecke von Mannheim nach Schwetzingen, kehrte dort um und war in weniger als einer Stunde wieder in Mannheim.  Rasend schnell für die damalige Zeit und alles aus eigener Kraft.  Mars, Planet der Kraft, stand zu diesem Zeitpunkt – der als Geburtshoroskop des Fahrrades gelten kann – im Widder und hatte ein äußerst genaues Trigon zum Uranus. Erfinder haben gewöhnliche eine starke Uranus-Betonung.

 


Doch als luftiges leichtes Nahverkehrsmittel unterliegt das Fahrrad der Zwillinge-Symbolik.  Das klobige Holzgestell des Karl Drais wog allerdings noch über zwanzig Kilogramm, und er brauchte daher an jenem Tag wirklich einen sportlichen Widder-Mars.  Die Sonne stand auch in genauer Konjunktion mit dem Zwillinge-Merkur. Dieser war rückläufig und man könnte den Witz machen, dass das Fahrrad daher erst perfekt wurde, als der Rücktritt erfunden wurde. 

Aber mit der ursprünglichen Draisine war das Zweirad erfunden und wurde schnell beliebt. Wenige Jahre später mussten bereits in London, New Yorck und sogar in Kalkutta Verbote und Regeln erlassen werden, damit diese halsbrecherisch schnellen Dinger, den gehenden Bürger nicht gefährdeten.

Karl Drais, dessen Geburtshoroskop unten abgebildet ist, war eine sehr interessante Persönlichkeit.  Er erfand auch einen vierrädrigen Wagen mit einem Kurbelantrieb, sowie eine Tastenschreibmaschine mit Lochstreifen, lauter Zwillings-Entsprechungen.

Er war ein unruhiger Geist und ein lebendiger Beweis dafür, das Stiergeborene keineswegs langsam und konservativ sein müssen.  Drais war nicht konservativ, sondern wertebewusst, das ist auch eine Stier-Entsprechung.  Allerdings hatte er andere Werte als sein Vater, der adelige Oberhofrichter Karl Wilhelm Drais, Freiherr von Sauerbronn.  In der Revolution von 1848 bekannte sich der junge Drais offen zur Demokratie. Als das Adelsregime mithilfe der preußischen Armee das eigene Volk niederschoss, legte er demonstrativ und öffentlich seinen Adelstitel ab, aus dem Baron war der einfache Bürger Karl Drais geworden. Drais wurde vier Jahre vor der französischen Revolution geboren und hat genau wie diese den umwälzenden Planeten Pluto im revolutionären Wassermann-Zeichen stehen.

Seine Gesinnung hat dem Erfinder des Zweirades keine Vorteile gebracht.  Er verbrachte mehrere Jahre seines Lebens auf der Flucht und im Exil.  Am 10. Dezember 1851 starb er völlig verarmt in seiner Heimatstadt. Der Großherzog hatte seine Rente und sein Vermögen eingezogen.  Und Patente gab es damals noch nicht, so dass andere von seiner Erfindung profitierten.

Immer wenn ich in der so wunderbar flachen Fahrrad-Stadt Karlsruhe auf mein Rad steige, denke ich für einen Augenblick an Karl Drais.

Ernst Ott

 

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Saturn - aus Erfahrung sicher

 

von Ernst Ott

 

 

Saturn ist die Fähigkeit, aus Erfahrung zu lernen.  Wer aus Erfahrungen lernt, fühlt sich sicherer. Mit wachsender Zahl der Erfahrungen können wir die Mechanismen des Lebens besser verstehen. Situationen erschrecken uns nicht mehr so oft, wir erleben sie nicht zum ersten Mal und beziehen daraus eine Gelassenheit, die sich Erfahrung nennt. Junge Menschen erleben vieles zum ersten Mal, sie haben daher weniger Erfahrungs-Sicherheit. Sie brauchen allerdings auch weniger Sicherheit.  Sie ersetzen diese durch Mut und Lebenshunger.

Saturn entspricht dem Archetyp des Weisen Alten oder der weisen alten Frau. Aber wir müssen nicht erst alt werden: Wir haben von Geburt an Saturn in unserem Horoskop. In jedem Alter kann das individuelle Saturn-Talent uns helfen, alles Erfahrene zu merken und kann uns ein Stück Sicherheit schenken.

Doch die Erfahrung selbst lehrt uns nichts.  Wenn wir bedenken, wie viele dumme Alte es gibt, die ihre Erfahrungen nicht im Geringsten auswerten und zu saturnischer Weisheit umarbeiten, sondern lediglich dieselbe Erfahrung im beständigen Trott weiterhin wiederholen, dann wird klar, dass weder Saturn noch die Erfahrung selbst zu Sicherheit führen, sondern nur der persönliche Entschluss. Der Entschluss, sein Saturn-Talent zu nutzen, die Erfahrungen zu evaluieren und darin die Gesetzmäßigkeit zu erkennen.  Das ist manchmal anstrengend und immer eine Frage des freien Willens. Kein Horoskop gibt darüber Auskunft, ob jemand bereit ist, seine Talente zu nutzen und zu entfalten.

Daher gibt es dumme Alte aber auch Alte, welche die Weisheit des Saturn erobert haben, was ihnen Sicherheit gibt. Und daher gibt es dumme Junge und weise Junge, welche begonnen haben, ihre Erfahrungen nicht einfach zu vergessen, sondern aus ihnen Erkenntnis zu schmieden.

Reife, Erfahrung und Sicherheit sind keine Frage des Alters.  Aber wer sie erringt, der hat dabei sein Saturn-Talent genutzt.  Saturn ist ein Ermöglicher, doch er nimmt uns die Arbeit nicht ab.

 

 

 

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Sind Löwen wirklich Egozentriker? 

 

von Ernst Ott


Sind Löwen wirklich Egozentriker? Aus astrologischer Sicht nein. Ob nämlich jemand bereit ist, auch auf andere Menschen einzugehen, ist weniger eine Frage der Veranlagung als eine Frage des freien Willens und der Ethik.  Man kann jedes Horoskop egoistisch leben oder sozialverträglich.

Stärke

Löwe-Anteile zeigen eine potenziell vorhandene Stärke und Kraft an. Die darf genutzt werden, um sich in den Mittelpunkt zu stellen und ein kraftvolles Leben zu gestalten. Aber der Starke trägt die Verantwortung, diese Stärke anderen Menschen oder der Gesellschaft ebenfalls zur Verfügung zu stellen.
Die vielen steinernen Löwen, die an Eingängen und Toren ein Anwesen bewachen, drücken aus: „Hier ist ein bedeutender Ort.  Ich bewache ihn und nutze meine Stärke zur Abwehr von Übergriffen“. Solche Löwen bewachen den Zugang zum Kreuzgang des Laterans. (Ich nutze in diesem Artikel Fotos, die während meiner Rom-Reise entstanden).


Raubtier und Kinderfreund

Starke Tiere können gefährlich sein, und wir warnen unsere Kinder vor ihnen. Aber der Mensch ist kein Tier, und wir können unsere astrologische Löwe-Stärke auch dazu einsetzen, um Kinder und schwächere Menschen zu beschützen.  Selbst Tiere können sehr sozial sein. Auf dem nächsten Bild sehen wir ein anderes Raubtier, eine Wölfin, die aber die beiden Babys nicht frisst, sondern im Gegenteil säugt und vor den Gefahren der Wildnis beschützt. Es ist die lupa romana, die römische Wölfin, welche Romulus und Remus aufgezogen hat, die späteren Gründer der Stadt Rom (Hier in einer Skulptur aus der Villa Adriana in Tivoli)


 
Wenn Raubtiere, wie z.B. Löwen als Freunde von Kindern auftreten, dann schaffen sie für diese Kinder einen angstfreien Raum, in dem die Kleinen unbeschwert sie selber sein können. Deshalb wird der Löwe im Horoskop auch mit Spiel und Kinderspiel in Verbindung gebracht. Hier spielt ein Kind in der Abenddämmerung an dem Löwen-Brunnen auf der Piazza del Popolo, die der Architekt Valadier zu Beginn des 19. Jahrhunderts so schön gestaltet hat.


Auch der folgende mittelalterliche Löwe mit einem Jungen in den Pranken will dieses nicht etwa fressen, sondern beschützt es. Ein rührendes Kunstwerk, obwohl die Figur schon ziemlich verwittert ist (im Atrium der Kirche Santi Giovanni e Paolo in Rom).


Übrigens ermuntern Löwe-Komponenten in unserem Horoskop auch dazu, selbst der Spielfreude immer wieder nachzugeben.  Unser inneres spielendes Kind möchte unbeschwert sein Dasein genießen, ohne immer etwas leisten zu müssen.  Löwe sein heißt das Leben feiern! So spielen Löwen auch bei Garten-Festen und anderen Spielen oft eine Rolle. 

Sollen wir unsere Löwen-Kräfte zähmen und im Zaum halten?

Menschen, die ihre Löwe-Lebenslust fröhlich ausleben, haben etwas Ansteckendes.  Sie zeigen ihre Persönlichkeit in lustvollem Spiel. Allerdings übertreiben sie manchmal und gehen davon aus, dass alle ebenso kraftvoll drauf sind wie sie, und dass alle ihre Persönlichkeit bewundern. Wenn sie darauf hin von ihrer Umwelt in die Schranken gewiesen werden, denken sie manchmal: „Ich habe eben zuviel Kraft, ich sollte sie zurückhalten.  Ich sollte mich von einem feurigen zu einem sanften und wohlangepassten Wesen entwickeln.“ Dieser Vorsatz ist zwar verständlich, aber das Horoskop empfiehlt uns nie, Kreide zu fressen und unsere Eigenart zu zähmen, sondern uns auszuleben, natürlich in einer konstruktiven Weise. Der nächste Löwe gehört zu einem Wasserspiel in der Villa Borghese. 


Dieses Bild kann man unterschiedlich deuten. Man könnte sagen, da versucht ein feuriger Löwe zu lächeln, anständig zu sein und Wasser zu speien, statt Feuer zu spucken, wie es eigentlich sein Wesen ist.  Man könnte dann in dieser Brunnenfigur den etwas gequälten Gesichtsausdruck eines Löwen sehen, der versucht „gute Erziehung“ zu zeigen.  Das wäre – wenn es über längere Zeit geschieht – eine Art Selbstverleugnung, die nicht im Sinne der Astrologie ist. 

Es wäre aber genauso berechtigt, den Wasserspender als einen Löwen zu sehen, der im positiven Sinne seinen Egoismus zurücklässt und bereit ist zu teilen: Er spendet den Menschen und Tieren das Wasser des Lebens.  Tatsächlich können wir mit unseren Löwe-Talenten Lebens- und Kraftspender sein.

 


Was haben Sie im Löwen stehen?

Sonne im Löwe-Zeichen: Kraftvoll sich selber ausdrücken, lustvolle Selbstverwirklichung

Mond in Löwe: Seine Gefühle voll und dramatisch ausleben

Merkur in Löwe: Ausdrucksvoll und kreativ sprechen und kommunizieren

Venus in Löwe: Meine Liebe kommt vom Herzen, will strahlen und feiern

Mars in Löwe: sich temperamentvoll und kreativ durchsetzen

Jupiter in Löwe: Ich setze mir große und bedeutende Ziele

Saturn in Löwe: Meine Lebenserfahrungen verarbeite ich positiv und selbstbewusst

(Uranus, Neptun oder Pluto in Löwe: Generationsaspekte, ohne größere individuelle Bedeutung; hier kommt es mehr auf die Häuserstellung an.)

Lilith in  Löwe: Ich zeige selbstbewusst und kämpferisch meine weibliche Seite

Aszendent Löwe: Ich bin Herzensmensch und gehe spontan auf das Leben zu

 

 

 

 

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Die kritische Jungfrau


Am 23. August um 1.03 Uhr früh trat die Sonne ins Jungfrau-Zeichen. (Dies gilt für das Jahr 2013, die genaue Zeit verschiebt sich von Jahr zu Jahr um etwa 6 Stunden). Eine gute Zeit, um sinnlich und ganzheitlich zu beobachten. Nehmen wir uns, die Mitmenschen und die Umwelt liebevoll wahr, denn alles ist vernetzt und als Teil der Natur miteinander verbunden. Allen Jungfrau-Geborenen bereits heute herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Es wird oft gesagt, die Jungfrau sei kritisch.

Gegenfrage: Ist das ein Charakterfehler? Doch falls ein Mensch mit starker Jungfrau-Komponente im Horoskop tatsächlich zuviel kritisiert, dann sollten wir zuerst sein Motiv verstehen: Die Fähigkeit, genau und sensibel zu beobachten ist hier gut ausgeprägt! Daraus entsteht eben nicht die Lebenshaltung: „Alles ist gut, lassen wir mal Fünfe gerade sein“; nein, daraus entstehen Ideen, es anders und besser zu machen.  Jede Jungfrau-Kritik ist ein verkappter Verbesserungsvorschlag.

Es wird oft gesagt, die Jungfrau sei trocken und unerotisch.

Daran ist kein Wort wahr. Die Jungfrau ist ein sinnliches Erdzeichen mit einem feinen Körperwahrnehmungsgefühl.

Es wird oft gesagt: Die Jungfrau hat einen Sauberkeits-Fimmel und putzt immer. 

Um dies als Vorurteil zu entlarven, genügt ein einziger Blick auf die Realität.  Sollte jedoch ein Jungfrau-Geborener oder auch sonst ein Mensch mit Jungfrau-Komponente im Horoskop eine Auge für Sauberkeit haben, so ist dies nur eine von vielen Möglichkeiten, ein anderes Jungfrau-Talent anzuwenden: Die Fähigkeit der Selbstreinigung und das Gefühl für die in jedem Fall stimmige innere Ordnung.  Diese ist stets subjektiv, und so wird eine ideale Jungfrau in verschiedenen Bereichen ganz unterschiedliche Anforderungen an die Ordnung stellen. Übrigens ist der gelassene und konstruktive Umgang mit Chaos ebenfalls eine Jungfrau-Fähigkeit.

Es wird oft gesagt, Jungfrauen seien immer krank oder sie seien Hypochonder, das heißt mimosenhafte Leute, die sich Krankheiten einbilden.

Auch dies wäre nur eine von vielen Varianten, das Köpergefühl und die starken Selbstheilkräfte der Jungfrau auszuleben. Es gibt unsensible Menschen, die auf keine Signale hören, denen muss das Schicksal mindestens einen Herzinfarkt bescheren, bevor sie anfangen, über ihren Lebensstil nachzudenken. Doch die Jungfrau symbolisiert jene Fähigkeit in uns, schon bevor eine Störung eintritt, wahrzunehmen, dass etwas aus der Harmonie gerät. So können wir rechtzeitig gegensteuern. Falls wir dazu bereit sind.

Wenn wir die hier genannten Vorurteile über „Jungfrauen“ mit uns herumtragen, und Jungfrauen kritisieren, könnten wir statt uns zu ärgern einmal etwas anders tun: Schauen wir doch im eigenen Horoskop nach, was bei unserer Geburt in der Jungfrau stand? Welche Planeten oder Häuserspitzen? Und welche Planeten standen im jungfrau-ähnlichen sechsten Haus?  Möglicherweise kritisieren wir nämlich unbewusst diese unsere eigenen Anteile.
Alternative: Beobachten wir diese Charakterzüge an uns genau, - selbstkritisch aber liebevoll.  Dazu braucht es positive Jungfrau-Kräfte.

Ich wünsche uns allen eine gute Jungfrau-Zeit!

Ernst Ott

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Uranus: Vive la liberté!

Die spannende Geschichte vom Bau und Fall der Bastille

von Ernst Ott

 

Am 14. Juli 1789 eroberte das Volk von Paris die Bastille. Eines der sichersten und gefürchtetsten Gefängnisse der damaligen Welt wurde geknackt. Das war der Startschuss zur französischen Revolution. Der Sturz dieses Gefängnisses hatte einen so hohen symbolischen Wert, dass man schon zwei Tage später damit begann, die Festung einzureißen.  Aus den Ketten der Gefangenen wurden Freiheitsmünzen geprägt, und noch heute erinnert der französische Nationalfeiertag am 14. Juli unter anderem an den Sturm der Bastille.

Wir kennen von diesem Gebäude sowohl das genaue Datum des Baubeginns als auch die Stunde, an dem es gestürmt wurde, also sozusagen das „Geburts-„ und das „Todes-Horoskop“. Beide sind aufschlussreich.

Hier das Horoskop der Grundsteinlegung (23. April 1370 nach dem julianischen Kalender).

Im Krieg gegen die Engländer wurde im 14. Jahrhundert die Bastille errichtet. Ihre Nutzung als Gefängnis war vorerst nur der Nebenzweck. Sie wurde primär als Teil der Stadtbefestigung und als östliches Stadttor errichtet. Die Sonne stand im Stier, dem Zeichen der Dauer und Sicherheit. An derselben Stelle stand Pluto, Planet der Intensität. Man versuchte sich also massiv und mit aller Energie zu schützen.

Das Gebäude mit seinen vielen Türmen war ein schwerer Klotz, so massiv, dass es zuletzt über ein Jahr dauerte, bis die Revolutionäre all diese Steine wieder heruntergeschlagen hatten.

Genau zweihundert Jahre später, 1989, beim Mauer-Fall in Berlin wurden Stücke der Mauer als Andenken gesammelt, und ähnlich machten es 1789 die französischen Revolutionäre: Sie ließen von Bildhauern aus den Stein-Brocken kleine Bastille-Modelle herstellen. Diese wurden ins ganze Land verschickt, zum Beweis, dass die letzte Festung der alten Tyrannei jetzt der Freiheit Platz gemacht hatte.

Der Unterweltsgott Pluto im Zeichen Stier, der bei der Grundsteinlegung der Bastille Pate stand, sollte wohl - so könnte man es deuten - todsichere Sicherheit garantieren. Aber Pluto ist auch der Gott der Wandlung, der Gott der Zerstörung sowie des neuen Lebens, das aus Ruinen aufblüht.  Manche Gebäude tragen offenbar den Keim ihrer Zerstörung von Anfang an in sich. Dagegen helfen die massivsten Steine nichts.

Zeitzünder für den Untergang war der Freiheits- und Revolutions-Planet Uranus, der acht Jahre vor der französischen Revolution entdeckt wurde.  Beim Bau der Festung vierhundert Jahre davor – heute ist es ja kein Problem, das zurückzurechnen – stand Uranus im ersten Grad des königlichen Löwe-Zeichens. Das hätte dem Bau- und Kriegsherrn, König Karl V., bestimmt gefallen. Aber das sabische Symbol für diesen Grad lautet: „ Das Blut steigt einem Mann in den Kopf, der, durch Ehrgeiz angespornt, seine Energien mobilisiert.“  Dane Rudhyar fasst das Symbol sogar noch drastischer: „Ein Schlaganfall.“  Das ist nicht gerade ein Dauer und Sicherheit versprechendes Omen….

Dennoch stand die Festung zum Schrecken des Volkes erstmal gut vierhundert Jahre lang. Die absolutistischen Könige führten das Gefängnis im modernen kapitalistischen Stil: Um Geld zu sparen, verpachtete der Staat es an private Geschäftsleute, die dann die Aufgabe hatten, Geld von den Angehörigen der Gefangenen einzuziehen, um das Gefängnis zu unterhalten.  Es soll ein kommerziell lukratives Unternehmen gewesen sein.

Doch im Revolutionsjahr schlug dem Gebäude seine Stunde: Der umwälzende Planet Uranus kehrte an die „Geburts“- Stellung Anfang Löwe zurück. In den Tagen als der „Schlaganfall“ kurz bevorstand, soll einer der letzten Gefangenen durch die Gitterfenster zum Volk hinunter gerufen haben: „Befreit uns, sie töten hier die Gefangenen!“ Es war der Schriftsteller Marquis de Sade, welcher mit seinen pornografischen Werken Kirche und Staat verschreckt hatte. Als das Volk die Bastille stürmte, bewegte sich Uranus im fünften Grad Löwe. Dort heißt der sabische Spruch: „Felsformationen am Rande des Abgrunds“. 

Durch die egoistische Politik des Königs litt das Volk in jenen Tagen Hunger. Es hatte keine Geduld mehr und versammelte sich kaum bewaffnet vor der verhassten Festung. Als die Wachen das Feuer eröffneten, blieben sie standhaft. Die Menschen hatten nicht mehr viel zu verlieren.

Hier die Konstellation für den Zeitpunkt, an dem das Volk die Wachen überwältigte, das Horoskop des berühmten „Bastille-Sturms“, der so eine symbolhafte Wirkung auf die ganze künftige Weltgeschichte ausüben sollte. (Paris, 14. Juli 1789, 17 Uhr)

Am Westhorizont von Paris ging gerade der Kampf- und Kriegsplanet Mars unter (Mars am Deszendenten, am Punkt der Begegnung). Er stand praktisch an der gleichen Tierkreis-Stelle wie bei der Grundsteinlegung.  Es sind demnach zwei Planeten, Uranus und Mars, die ihren Zyklus gerade beendet hatten und in Konjunktion zu ihrer Geburtsposition standen, und zwar jene dynamischen Pionier-Planeten, die das Zeitalter der Demokratie und der Menschenrechte anzeigen, auch wenn leider dabei viel Blut floss und noch fließt. 

Wir alle erlebten den Untergang der Zwillingstürme des World-Trade-Centers in New York.  Auch dieser machtvolle Symbolbau lebte nicht ewig, sondern nur einen Saturn-Zyklus lang. Als die Flugzeuge hineinrasten, stand Saturn, der große Zeitgeber unter den Planeten, an der gleichen Stelle wir beim Bau - in der Mitte des Zeichens Zwillinge.

Die folgende Skizze zeigt innen das „Geburts“-, außen das Untergangs-Horoskop der Bastille in Paris. Es gibt noch weitere interessante Auslösungen, ich habe vor allem die beiden wiederkehrenden Planeten Uranus und Mars grafisch herausgearbeitet.

 

Eine kleine aktuelle Nachbemerkung: Heute steht Pluto im Steinbock. Dieses Tierkreiszeichen ist wie der Stier ein Symbol der Stabilität und Dauer. Doch manche scheinbar für die Ewigkeit gebauten Strukturen unterliegen jetzt dem Wandlungs-Prinzip Pluto. Viele von uns haben Angst und hoffen, dass möglichst nichts weiter einstürzen werde. Das ist verständlich. Falls wir jedoch aus der Geschichte lernen wollten, könnten wir erkennen: Dieser angstvolle Wunsch, dass nichts einstürzen möge, entspricht der Einstellung der Bastille-Besitzer.  Der Tyrann wünschte sich keine Veränderung, sondern Stabilität. Die Gefangenen und das Volk sahen es anders. 

Mancher Einsturz führt zu einem längst notwendigen Wandel. Es ist eine Frage der Sichtweise. Damals war die Zerstörung des Gefängnisses der Beginn der Freiheit.  Wir könnten dies als Symbol für unsere Zeit betrachten.

 

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Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

von Ernst Ott

 

Der britische Kronprinz George ist geboren! (Am Montag, 22. Juli 2013, um 16.24 Uhr in London) Auch wenn er - so wie die Dinge liegen - möglicherweise ein Greis werden muss, bevor er König wird, die Engländer jublen und freuen sich.

Er hat es gerade noch geschafft, als gefühlsvolle Krebs-Persönlichkeit auf die Welt zu kommen. Eine gute halbe Stunde später wechselte die Sonne bereits ins Löwe-Zeichen. Drei weitere Planeten und Lilith standen bei seiner Geburt ebenfalls im Krebs.  Der Vater hat Sonne und Mond im Krebs stehen, die Mutter ihren Mond.

Das sensible Kind braucht demnach einen geschützten Raum, in dem es aufwachsen kann und Bezugspersonen, bei denen es das Gefühl entwickeln kann: „Hier bin ich zu Hause“.  So viel Krebs-Qualität auch im Horoskop der Eltern zeigt das Bedürfnis nach emotionaler Nähe in der Familie an. Da trifft es sich gut, dass die Eltern beabsichtigen, - ganz gegen die Konvention – das Kind weitgehend selber zu erziehen, wie wenn sie eine private Kleinfamilie wären.

Natürlich ist so ein Kronprinz auch eine Öffentlichkeits- und Repräsentations-Figur und muss zu einer solchen erzogen werden.  Vielleicht kommt dem Prinzen da sein Steinbock-Mond entgegen. Es dürfte ihm also zunehmend ein Bedürfnis werden, eine nützliche Rolle in der Gesellschaft zu spielen. Da wird ihm seine Mutter helfen können, die mit einer Steinbock-Sonne geboren wurde.  Ein Steinbock-Mond Kind braucht einen klaren Rahmen, vielleicht schützende Gewohnheiten und klare Regeln des Zusammenlebens. Außerdem braucht es gut geerdete Personen um sich, die mit selbstverständlichem Verantwortungsgefühl treu zu dem Kind stehen.

Wenn wir uns an die Krebs-Geborene Prinzessin Diana erinnern, sehen wir, dass die britische Öffentlichkeit offenbar einen Hang besitzt, diese Krebs-Qualitäten zu idealisieren und persönliche Emotionen in ihre Königsfamilie hinein zu projizieren. Da eignet sich ein solcher Kronprinz ganz besonders.  Ich würde ihm gerne wünschen, dass er unabhängig davon seine eigenen Gefühle und eigenen Lebenskonzepte entwickeln kann.
 
Der energiereiche Skorpion-Aszendent und der Planeten-Schwerpunkt im achten Horoskop-Haus, dem Haus der hintergründigen Energien, zeigen ein Potenzial an, dem große seelische Tiefe und Regenerationskraft eigen sind. Sie sind ein Erbstück der Großeltern: Diana hatte ebenfalls ein starkes achtes Haus, und Prinz Charles wurde mit der Sonne im Skorpion geboren.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.  Möge es George, dem neugeborenen Erdenbürger, im Verlauf seines Lebens gelingen, das Beste aus dem Familienerbe zu nutzen, das Problematische und Tabuisierte ans Licht zu führen und viel Eigenes hinzuzufügen.

 

Unten finden Sie zum eigenen Studium noch die Geburtshoroskope der Familie:

 

 

 

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Chiron

von Eva Stangenberg

 

Wie können wir die Bedeutung des neu entdeckten Kleinplaneten Chiron erkennen?

Hie erhalten Sie zu diesem Thema ein paar grundlegende Informationen.  - Die astrologische Deutung eines neu entdeckten Planeten bezieht ihre Informationen hauptsächlich aus drei Quellen:
1. die Mythologie
2. Die astronomischen Gegebenheiten, die Anschauung am Himmel.
3. Die Entsprechungen der Zeit, Beobachtungen auf der Erde.

Durch alle drei Ebenen wird versucht, den archteypischen Anteil, der durch den Planeten beschrieben ist, zu verstehen; denn sowohl den Planeten am Himmel als auch den Mythos gab es schon lang, und doch ist es erst mit der konkreten Entdeckung möglich, diesen symbolisierten Teil auch als Wesensmerkmal des Menschen zu entdecken.
Chiron wurde am 1.11.1977 von Kowall entdeckt.

Die Überprüfung und Ergänzung, manchmal auch Revidierung, der Deutungsansätze findet anschließend im individuellen Horoskop statt. Hier wird quasi die Symbolik, die Bedeutung, die geistige Botschaft der gefundenen Beschreibungen gesucht, in wie weit diese Idee sich auch im menschlichen Erleben zeigt.
Ich möchte die drei Erkenntnisebenen  in Bezug auf Chiron kurz erläutern und dann in einem praktischen Beispiel verdeutlichen.

In der Mythologie ist die Gestalt Chirons die einer gespaltenen Persönlichkeit. Er ist halb Pferd, halb Gott, also zur Hälfte triebhaft, instinkthaft, sterblich, zum anderen aber rein, geistig, unsterblich. Ein Bild auch für uns als Menschen in unserem göttlich-vollkommenen und in im  menschlich-unvollkommen Anteil.
Zu Anfang des Mythos verdrängt er zuerst den Teil an sich, mit dem er leidvolle Erfahrungen gemacht hat, seinen Pferdeanteil, und betont den, der Anerkennung verspricht, den göttlichen Teil. Er hat damit Erfolg, gewinnt Ansehen und Achtung.
Er wird zum Lehrer der Göttersöhne und zum Pontifax der wilden, triebhaften Kentauern.
Sicher eine verständliche und nachvollziehbare Reaktion zum Schutz vor weiteren Verletzungen.
Im zweiten Teil des Mythos wird er durch die unabsichtliche Verwundung vom Giftpfeil des Herakles gezwungen, sich genau mit diesem verdrängten Teil zu beschäftigen, mit seinem leidenden Körper.
Vielleicht kennen wir das auch aus eigenen Erfahrungen, daß irgendwann der Moment kommt, wo wir genau in dem Bereich, welchen wir doch so verborgen hatten, getroffen werden und uns nun damit beschäftigen müssen.
Im Mythos wird nicht exakt wiedergegeben, wo ihn der Pfeil traf: am Knie(Saturn), an der Wade(Uranus) oder an der Ferse(Neptun). Aber, zumindest gehe ich davon aus, wird das wohl kein „Zufall“ sein, sondern  eine Bedeutung haben.
Chiron wechselt also die Seiten, bleibt dabei jedoch weiterhin gespalten, denn auch der Versuch, sich durch intensive Beschäftigung von seiner Wunde zu heilen, scheitert.
Er wird ja auch der „verwundete Heiler“ genannt, da er durch seine Forschungen vielen helfen kann. Aber trotz aller Heilkunst leidet er selber weiter unter seinem tierischen Körperteil. 
Erst am Schluß des Mythos überwindet er die Spaltung, indem er Prometheus genau das „opfert“ unter dem er so leidet, nämlich seinen unsterblichen Körper.
Er wird daraufhin nach drei Tagen in der Unterwelt des Hades von Jupiter im Sternbild der Kentauern am Himmel unsterblich gemacht, das meint hier, daß er beide Teile verbindet zu einer Einheit, „heil“ wird.

Schauen wir uns die astronomischen Gegebenheiten am Himmel an.
Chiron ist ein sogenannter Planetoid mit noch nicht genau bestimmter aber geringer Größe (zwischen 100 und 600 km Durchmesser) und hat damit eine Zwitterstellung, nämlich zwischen Planet und Meteorit.
Seine Umlaufbahn liegt zwischen der des Saturns und des Uranus, an seiner erdnächsten Stelle in der Waage bewegt er sich innerhalb der Bahn Saturns.
Seine Bahn verbindet also bildlich die Bereiche des Saturns und des Uranus, baut eine Brücke zwischen den zwei Welten, der des Himmels und der der Erde (Pontifax=Brückenbauer). Er durchbricht sogar die engen Grenzen der saturnischen Realität, „öffnet“ als „Schlüssel“, seinem Symbol, die Tür in der Mauer, damit die geistige Energie des Uranus sich mit der Welt der Formen verbinden kann.

Chirons Symbolik enthält also beide Male das Bild der Spaltung zwischen Körper und Geist, als auch die Überwindung.
Im Mythos war es Tier und Gott, am Himmel sind es Saturn und Uranus als Vertreter dieser beiden Ebenen.

Können wir diese Symbolik seit seiner Entdeckung im konkreten Erleben finden ?
Ich denke ja. Einige Beispiele:
Die rein auf den Körper und seine Funktionen reduzierte Aparatemedinzin wird immer mehr ergänzt durch Heilmethoden, die Geist und Seele mit ein beziehen, wie z.B. die Homöopathie oder Bachblüten. Auch in den Naturwissenschaften ist man an die Grenzen des materiellen Weltbildes gestoßen und es steht wohl ein Paradigmenwechsel bevor.
Immer mehr Menschen suchen in fremden Religionen oder auch in der esoterischen Bewegung wieder den Zugang zu ihrer gesitig-seelischen Seite. Gott war aus der Welt an den Himmel verbannt und damit in ein Jenseits abgespalten. Auch mittels der Symbolik in der Astrologie versuchen viele, die Verbindung zwischen ihrem geistigen Anteil und dem realen Leben herzustellen.
Am Ende vom Fische – Zeitalter, nach 2000 Jahren unter der Herrschaft Neptuns, ist es sicher auch höchste Zeit, die Botschaft der christlichen Lehre anders zu verstehen, um die Spaltung der zwei Welten zu überwinden, um die Einheit herzustellen.

Chirons Deutung im eigenen Horoskop hat also damit zu tun, daß wir etwas in uns „abspalten“, das wir für „unwert“ oder „schlecht“ halten.
Dieser Bereich, dieser Teil ist durch die Häuserstellung Chirons symbolisiert. Hier „öffnet“ der Schlüssel Chirons die saturnischen Formen der „normalen“ Realität, läßt die Energie Uranus eindringen, uns „anders“ sein als die anderen.
Ich möchte die Vorgehensweise bei der Deutung an einem Beispiel aus meiner Praxis demonstrieren, an Chiron im 4. Haus. (Ich habe selbstverständlich das Einverständnis der Klientin)
Der Bereich, in dem sie sich anders fühlt als andere, nicht „normal“ist, ist unter anderem die Herkunft, die Familie. Sie litt unter den „chaotischen“ Verhältnissen zu Hause und schämte sich zu sagen, wer ihr Vater war. Sie selber „schwang“ mit allem und jedem so stark mit, daß sie oft emotional überwältigt war von ihren vielen Empfindungen. Da aber die Mutter so mit sich beschäftigt war, gab es keinen Raum für ein empfindsames Kind. Sie erfuhr nur Ablehnung, wenn sie eigene Bedürfnisse anmeldete.
Sie fühlte sich schon früh verantwortlich für die kleine Schwester, versuchte ihr Halt und Schutz zu geben vor den emotionalen Ausbrüchen der Eltern. Sie nahm sich selber sehr zurück, konnte mit niemanden über ihre verletzten Gefühle reden, wirkte nach außen stark und bekam noch vor der Pubertät die ganze Last der Familiendramatik aufgeladen.
Mit der Zeit hatte sie ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle ganz unter Kontrolle („Flucht“ ins 10.Haus=Gegenhaus von Haus 4 und damit Abspaltung und Vermeidung des betroffenen Bereichs)), hatte auch panische Angst, sich damit zu beschäftigen, bestand doch zu befürchten, daß ein ähnliches „Chaos“ in ihr herrschen würde wie in ihren Eltern. Außerdem hatte sie immer wieder die Ablehnung gespürt, wenn sie ihre Gefühle zeigte und Fürsorge brauchte und damit den Schmerz der Verletzung erlebt.
Und das Leben schien diese Vorgehensweise zu rechtfertigen, denn viele ihrer Bekannten, Kollegen, Freude kamen mit ihrem seelischen Innenleben nicht zurecht und suchten bei ihr Halt und Orientierung. Sie zog solche „lebensuntüchtigen“ Menschen – wie sie sie nannte – wie magisch an. Und wieder „kümmerte“ sie sich um andere. (Pontifax der Kentauern)
Schon früh gründete sie eine eigene Familie, ging nebenher arbeiten, sorgte für die Eltern in ihren häufigen Krisen, unterstützte die Schwester beim Studium und besuchte sie später einmal wöchentlich, als sie in eine psychatrische Klinik eingeliefert wurde.
Auch zu Hause bei Mann und Kindern konnte sie kaum ihre Seele baumeln lassen, denn sie galt ja als die „Starke“, die für andere sorgen kann und selber nichts braucht, und damit „verdiente“ sie sich Anerkennung.
Der Zusammenbruch kam, sie mußte wegen akuter Probleme mit der Gebärmutter ins Krankenhaus. Sie hatte schon Wochen vorher über Erschöpfung geklagt, ohne jedoch die Aufmerksamkeit ihrer Umwelt zu bekommen.
Der Aufenthalt im Bett gab ihr nun endlich Zeit, über sich selber „nach zu fühlen“. Sie machte anschließend eine Therapie und lernte ihre Art der Lebensführung, die demonstrierte Stärke und die Verdrängung des eigenen reichen Seelenlebens,  auf dem Hintergrund der Kindheitserlebnisse zu verstehen.
Der Beruf der Therapeutin faszinierte sie; sie machte eine Ausbildung und kann heute durch ihre besondere Sensibilität und ihr großes Einfühlungsvermögen und wegen ihrer eigener leidvoller Erfahrungen anderen Menschen in einem klaren, abgegrenzten Rahmen von Therapiesitzungen helfen.
(Chiron „schenkt“ Prometheus seinen leidvollen Anteil und wird dadurch selber heil, integriert den abgespaltenen Teil).

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Jupiter im Tierkreiszeichen Krebs

von Ernst Ott

Vom 26. Juni 2013 bis zum 17. Juli 2014 bewegt sich Jupiter, Planet der Ideale und des Optimismus, durch das emotionale Tierkreiszeichen Krebs.

 

„Großartig: Ich bin da!“ ruft Jupiter. Er ist bei der Krebs-Höhle von Frau Luna angekommen. Kräftig klopft er ans Tor der Wohnhöhle: „Ich bin’s, Jupiter, der Größte und Beste, wo bleibt der Empfang?“  Er poltert noch dreimal ans Tor und hört ein feines Klirren. Da hing wohl ein Mobile mit kleinen gläsernen Mond- und Sternen-Figuren im Wind vor der Tür. Jetzt liegt es am Boden.

„Meine schönen Möndchen!“ ruft Frau Luna. Sie saß die ganze Zeit auf der Bank vor der Höhle, Jupiter ist so schnell angebraust, dass er sie gar nicht gesehen hat. „Ach, da bist du. Warum hast du dich nicht bemerkbar gemacht?“ fragt er. „Ich wollte erst in mich reinhören und dich auf mich wirken lassen“, meint Luna. „Und? Wie wirke ich?“ fragt Jupiter und bläht sich auf. „Großartig“, sagt Luna leise und schaut vor sich hin auf die Erde, dann erst bricht sie in Tränen aus: „Du hast meine schönen Möndchen runtergeschmissen!“  Sie schluchzt herzzerreißend. Das ist Jupiter gar nicht recht. Er bückt sich, sieht, dass zum Glück nichts zerbrochen ist und hängt alles wieder an den Balken vor der Tür.  Luna strahlt. „Willkommen im Reich des Krebses“, sagt sie jetzt, „hast du mir was Schönes mitgebracht?“ - „Ich, äh…., ich lass’ dir ein weiteres Mond-und-Sterne-Mobile machen, dreimal so groß und mit einem Jupiter dran“, verspricht er. 

Zur Begrüßung in der gemütlichen Krebs-Wohnhöhle gibt es ein Glas Milch. Jupiter getraut sich nicht, dies zu kommentieren sondern meint gönnerhaft: „Nun, was gibt es denn zu tun? Ich bin ein Jahr lang hier zu Besuch, um dich zu beglücken. Wo sind die Probleme? Lass uns darüber diskutieren!“  Das Wort ‚diskutieren’ hat er eben im Reich der Zwillinge gelernt, aber Luna geht nicht darauf ein und schweigt. Sie braucht wohl wieder Zeit, um in sich hineinzuspüren, denkt Jupiter und betrachtet sie dabei.  „Du wirst sehen, sie ist ein ewiges Kind“, hatte Zwilling zu ihm beim Abschied gesagt. Aber Lunas Körper ist sehr erwachsen und weiblich. Heute scheint sie einen ernsten Tag zu haben. Vor Jupiter steht die große Emotionale, die sich verschließt. Auf ihre Art ist sie sehr attraktiv, denkt er.

„Wir wollen in diesem Jahr die Seele der Erde pflegen“, sagt Luna endlich. Jupiter ruft spontan: „Klar, mach ich! Alles wird gut! – Ää, Seele…. Wie meinst du das genau?“ - „Spürst du nicht dass die Kinder dieser Erde dürsten?“ - „Gut, ich will alles für die Kinder dieser Erde tun: Wir deklarieren die Jupiter-im-Krebs-Zeit zu einem Jahr der Kinder!“ - „Deklarieren?“ fragt Luna und sagt dann: „Gut, du kannst gleich damit anfangen“. Sie klatscht in die Hände, da kommen ihre sieben Kinder mit Geschrei angerannt. „Das ist Onkel Jupiter“, erklärt Luna, „er ist der Größte und Beste und macht heute einen Ausflug mit euch. Tschüs, ich ziehe mich so lange an meinen Lieblingsweiher zurück.“

 

Der erste Tag im Krebs-Land verläuft also für Jupiter etwas unvorhergesehen. Doch nach und nach wird er mit der Welt der Wohnhöhle vertrauter.  Luna, die große Emotionale, zeigt ihm jeden Tag neue Bedürfnisse, die befriedigt werden wollen.  Das Wasser dieser Erde ist nicht rein genug und nicht gerecht verteilt; die Mütter wollen unterstützt werden; die Emotionen wollen gewürdigt werden; unterdrückte Wünsche wollen wieder das Licht des Tages erblicken dürfen…  „Klar“, ruft Jupiter jedes Mal, „alles hat ein Recht darauf, zu leben und sich zu entfalten, wir packen das! Alles wird gut!“  Beim letzten Satz grinst Luna manchmal wie ein freches Kind, aber sie kommt mit immer neuen Herzenswünschen.

 

In einer Mondnacht an ihrem Waldteich führt sie ihn in die Welt seiner Ahnen. Nach langem Gesang der Wasserelfen erscheint endlich Saturn, der Geist von Jupiters Vater, auf einem Felsen. Jupiter ist gerührt, und vernimmt schließlich dessen Botschaft:
„Glänze weniger.
Fasse öfter mit an.
Sei auch mal still.
Die Nacht bringt alles an den Tag.“ 
Dann verschwindet die Erscheinung.  Jupiter sagt zögernd: „Er meint es gut mit mir, aber ich habe nicht alles verstanden.“ Da nimmt Luna den Jupiter an der Hand und flüstert: „Du brauchst nicht alles zu verstehen. Schlafe darüber, alles ist gut.“

Nach und nach erwachen in Jupiter immer reichere Gefühle, und er ist fasziniert von der Welt des Krebses. Mögen sein Optimismus und Lunas Gefühlstiefe viel Gutes hervorbringen!

Auch wir Menschen könnten vielleicht etwas zu dieser Mischung beitragen…

 

 

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Der Himmel ist ein großes Buch

von Ernst Ott


Zum Geburtstag des Dichters Johann Peter Hebel am 10. Mai.

Im Unterschied zu seinem Zeitgenossen und Bewunderer Goethe war Hebel wohl nie bei einem Astrologen.  Dennoch verdanken wir ihm ein wunderbares Zitat: „Der Himmel ist ein großes Buch über die göttliche Allmacht und Güte, aber man kann es nicht verstehen, wenn man keinen Dolmetscher hat.“  Dieser Satz fällt mir als Astrologe immer ein, wenn ich vor einem Horoskop stehe, einem symbolischen Himmel und diesen für einen Klienten zu übersetzen versuche.  Astrologen sind Himmels-Dolmetscher.

Am Tag seiner Geburt fand es niemand nötig, die Geburtszeit Hebels zu notieren, Unterschicht-Kinder waren nicht von großer Bedeutung.  Er verlor früh beide Eltern, hatte aber das Glück, eine Schule besuchen zu dürfen, wo bald seine Begabung erkannt wurde, und man förderte ihn. Er durfte schließlich sogar in der Hauptstadt eine Eliteschule besuchen (das Gymnasium illustre in Karlsruhe). 

Sein Geburtshoroskop (als Tageskonstellation ohne Aszendent und Häuser abgebildet) zeigt ihn als sinnlichen Stier.  Er liebte es beispielsweise an einem ruhigen Sommer-Nachmittag im Wirtsgarten bei einem Glas Wein dem Summen der Bienen lauschend einen schönen Roman von Jean Paul zu lesen. Er hatte es im Übrigen nicht immer leicht, aber er jammerte nicht, sondern schrieb mit der Einsicht seines Fische-Mondes in der Nähe des Saturn: „Erfahrung und Übung im Unglück lehrt Schweigen.“ 

Er entwickelt früh eine eigenwillige Spiritualität und wollte Pfarrer werden.  Seine Sonne im Aspekt zu Jupiter und zu Neptun legt das Thema Religion nahe. Er wünschte sich eine ruhige Land-Pfarrei mit vielen Gelegenheiten in der Natur spazieren zu gehen.  Es hätte so gerne Zeit gehabt, in der Welt herum zu Vagabundieren, wie er sich ausdrückte.  Doch man gab  ihm alle möglichen anderen Aufgaben. Schließlich wurde er Lehrer, Schuldirektor und zuletzt eine Art Bildungsminister für das badische Großherzogtum. 

Er gehörte also zu den staatstragenden Figuren.  Dennoch bewahrte er sich erstaunlich liberale Ansichten.  Wenn man weiß, wie erbittert damals z.B. die Lutheraner an ihren orthodoxen Meinungen festhielten und andere protestantische Richtungen ablehnten, den Katholizismus erst recht, dann erstaunt Hebels Äußerung, es sei „närrisch, zu glauben, Gott mache keinen selig, bis er ihn orthodox gemacht“ habe.  Es ist „nirgends geboten, recht zu meinen, sondern recht zu tun. Selig, der dies tut, er sei Jude, Türk, Heid oder Christ.“ (Exzerpthefte, Badische Landesbibliothek H 84)  Dies ist wohlverstanden die Äußerung eines Mannes der damals höchster Kirchenrepräsentant des Landes war, in dieser Funktion sogar Mitglied der Landeskammer und persönlicher Berater des Großherzogs.  

Der Glaubens-Planet Jupiter im rebellischen Zeichen Wassermann mag dies nahe gelegt haben, vielleicht auch die Notwendigkeit, den unaspektierten Uranus zu integrieren.  Letztlich sind aber weltanschauliche Dinge nicht direkt aus dem Horoskop abzuleiten, sondern eine Sache des freien Willens; jeder ist für seine Ansichten und sein Glück selbst verantwortlich.  Oder wie Hebel es ausdrückte: „Alle Gelegenheit, glücklich zu werden, hilft nichts, wer den Verstand nicht hat, sie zu nutzen.“

Immer wenn ich auf dem lauten und hektischen Marktplatz Karlsruhes an dem Haus vorbeigehe, in welchem er wohnte (es ist dort eine Gedenktafel zu sehen), dann denke ich an Hebels Sehnsucht nach Ruhe und Frieden. Sie entstand wohl aus der Kombination seiner Fische- und Stier-Planeten. Hebel schrieb: „Das wahre und sichere Glück des Lebens liegt nicht außer uns, sondern in uns, nicht in den Goldkisten, sondern im ruhigen zur Freude rein gestimmten Herzen.“

 

 

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Saturn im Skorpion

von Ernst Ott

Der Baumeister Saturn begibt sich in die unterirdische Höhle des Skorpions. Ob er hier nur regeneriert und neue Energie tankt?  Oder Bodenschätze abbauen möchte? Vielleicht erforscht er die Geheimnisse der Erde und des Lebens und kommt mit ganz neuen Kräften zurück!

Das besondere ist v.a. die Rezeption mit Pluto: Dieser Planet der Tiefe und der Wandlungen steht im Saturn-Zeichen Steinbock und gleichzeitig Saturn im Pluto-Zeichen Skorpion.   Da treffen der Magier und der Realist aufeinander.  Beide sind willensstark, beide haben die Tendenz, alles zu kontrollieren.  Die Chance ist aber gerade das gute Zusammenspiel: Die Werte der Stabilität (Saturn) und des Wandels (Pluto) sind beide für unsere Zeit wichtig.  Saturn stellt also die Frage: Worauf können wir sicher bauen?  Pluto stellt die Frage: Was ist überholt und muss gewandelt werden?  Der Magier und der Realist können gut zusammenarbeiten – wenn wir sie lassen…

Wir Menschen haben es in der Hand, zu erkennen, was bleiben soll und ein wirklich stabiler Wert ist, und welche Gewohnheiten und Verhaltenweisen überholt sind und auf den Müll der Geschichte gehören. Jeder darf nach dem eigenen Wertesystem entscheiden. Aber es ist nötig, sich die Frage nach wirklichen Werten zu stellen. Verhaltensweisen wie Selbstbetrug oder Wegschauen haben jetzt keine guten Karten.  Saturn und Pluto sind ehrlich bis ins Letzte. Gelingt jedoch eine Synthese, so werden wir nicht einfach neue Ideen und Hoffnungen für die Zukunft hegen, sondern konkrete Schritte unternehmen, um uns eine lebenswerte Zukunft aufzubauen.  Jetzt Ärmel hochkrempeln und mutig sein!

Eine Schattenseite von Saturn im Skorpion ist die Angst.  Wir sollten uns nicht von unseren Ängste hypnotisieren lassen, sondern bewusst mit ihnen umgehen. Möglicherweise kommen die Ängste nicht hoch, weil es gefährlich wird, sondern ganz im Gegenteil, weil eine Chance ansteht, Neues und Besseres zu wagen. Dann fürchten sich die alten Gewohnheiten – so lange, bis sie merken, dass das Neue wesentlich besser ist als die ängstlichen Erwartungen uns einredeten.

Doch auch das polare Gegenteil steckt in der Saturn-im-Skorpion-Zeitqualität: Der Mut.  Der Mut, zu handeln.  Vielleicht sind Ängste, schwierige Lebenslagen und so genannte Krisen nur Anstoßgeber für mutige Taten.  Ich wünsche uns allen, dass wir die jetzt aus unserem Inneren hochkommenden Energien, z.B. auch den Zorn über die aktuelle Situation, nutzen, um eigenverantwortlich zu entscheiden.  Legen wir jetzt das Fundament für Neues! Jetzt kann neues Leben aus den Ruinen erblühen:



Hier noch die Fakten zum zeitlichen Rahmen:  Das Ganze beginnt am 5. Oktober 2012 (Skorpion-Ingress des Saturn).  Das Ende dieser Phase verläuft in Schritten: Im Dezember 2014 verlässt Saturn erstmals den Skorpion, am 17. September 2015 verlässt er den Skorpion endgültig.
Die Rezeption mit Pluto verläuft über diese gesamte Zeitdauer, am stärksten wirkt sie jedoch, während die beiden Planeten auch noch einen Aspekt bilden, ein genaues Sextil, nämlich von Dezember. 2012 - Oktober 2013, da habe wir besondere Chancen, eine neue Mischung aus Stabilität und Wandel in unser Leben zu bringen.

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Neptun, der Revolutionär

 

Ein paar Gedanken zum 13. April 2013.

Heute vor 165 Jahre begann der Hecker-Aufstand.

(Das Bild zeigt den Revolutionär Friedrich Hecker)




Das rebellische Zeichen Wassermann stand über Konstanz an der Himmelsmitte (MC). Sie wollten sich versammeln dürfen, eine freie Presse, sie wollten gerechte Richter, sie wollten die Republik.  Der Fische-Neptun hoch am Himmel gab ihnen Hoffnung. Er stand im Aspekt zum Löwe-Mond, und der Stolz des Volkes wollte die Tyrannen abschütteln. Eine unendliche Sehnsucht strömte durch Europa.  Die Sehnsucht nach einer besseren Welt. 

Die beiden Planeten der Veränderung, Uranus und Pluto verbündeten sich, genau wie auch bei der 1968-Bewegung und wie auch heute. Hunderte und Aberhunderte kamen zur revolutionären Versammlung vor dem Konstanzer Rathaus. „Wir laufen zu Fuß durch das ganze Land bis zur Residenzstadt“, sagten sie, „nach Karlsruhe, dort setzen wir den Großherzog ab und werden ein freies demokratisches Land!“

 

Das Horoskop zeigt den Beginn des so genannten „Heckerzuges“.  Mit dem Zwillinge-Aszendenten wurden große Reden gehalten, und der Mars im ersten Haus drängte zur Tat.

Aber die Sehnsucht nach der Republik war unrealistisch. Viele spürten das. Die Initiatoren der republikanischen Bewegung waren Friedrich Hecker und Gustav Struve, beides gerechtigkeitsliebende Waage-Geborene.  Als sie um acht Uhr morgens am 13. April kaum bewaffnet losmarschierten, folgten ihnen nur dreißig oder vierzig Mann. „Die Bürger aller badischen Orte werden sich auf unserem langen Marsch anschließen“, hofften sie, „wenn wir in Karlsruhe sind, werden es Tausende sein“.  Neptun erwies sich als Täuscher.

Aus den Dörfern kamen zwar etwa 800 Mann zusammen. Auch die mutige Amalie Struve lief „als Soldatin“ mit, eine der erstaunlichsten Pionierinnen des neunzehnten Jahrhunderts.  Sie wurde 1824 als uneheliches Kind in Mannheim geboren, wurde Gustav Struves Frau, Kämpferin, Schriftstellerin und eine der allerersten Vertreterinnen der Frauenemanzipation, worüber sie zahlreiche Artikel und Romane veröffentlichte.  


Doch schon sieben Tage später trafen die Revolutionäre auf über 2000 hochgerüstete ausländische Soldaten, die der Großherzog zur Unterdrückung des eigenen Volkes angefordert hatte.  Einige Revolutionäre konnten in die Schweiz fliehen – und das deutsche Volk musste noch siebzig Jahre warten, bis nach einem fürchterlichen Krieg endlich die Republik Realität wurde.
Die badischen Rebellen wurden an einem 20. April geschlagen. An einem späteren 20. April wurde Hitler geboren. Merkwürdige Zufälle der Geschichte...

War Neptun der Täuscher gewesen? Neptun ist der Planet der Wünsche und Sehnsüchte.  Wünsche sind eine bewirkende Macht.  War es nicht eine solche neptunische Kraft der Zuversicht, die ab 1848 Generationen von Bürgerinnen und Bürgern Mut machte, weiter an den Traum der Republik zu glauben?  Waren es nicht Neptun-Kräfte, die ihnen halfen, heimlich die Zensur zu umgehen, sich in sozialen Vereinen und Verbänden zusammenzuschließen und eine Hoffnung siebzig Jahre lang aufrecht zu erhalten?  Die Opfer von 1848 waren eine Saat, die später machtvoll aufging.

Ich kann den Menschen, die damals zum Heckerzug aufgebrochen sind - für die Freiheit, für ihre Familien und ihre Kindeskinder, für eine freie Republik - ich kann ihnen meine Bewunderung nicht versagen.

Ernst Ott




Das Gemälde zeigt den Einzug der Revolutionäre in Lörrach am 20. April 1848.

 

 

 

 

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Unsere Gesellschaft ist widernatürlich geworden

von Ernst Ott  

Die heilsame Schöpferkraft der Natur, die Ehrlichkeit der Tiere, die nicht lügen, betrügen und hintergehen können, die fraglose Richtigkeit, die im Rhythmus der Vegetation liegt – all das ist für viele von uns sehr bedeutsam geworden, als eine Art Gegenwelt zum aktuellen Zustand der modernen  Gesellschaft.  Mehr Natur!  Wir sind nicht die Ersten, denen es so geht.  Besonders lebhaft wurde während der Aufklärung in Frankreich über Natur und Gesellschaft diskutiert.  Wir können heute noch Denkanstösse daraus beziehen, beispielsweise aus dem Zitat: „Die Natur betrügt uns nie. Wir sind es immer, die wir uns selbst betrügen.“  Dies schrieb einer, dessen Geburtstag sich in diesen Tagen zum dreihundertsten Mal jährt: Jean-Jacques Rousseau, den ich mit diesem Artikel würdigen möchte.  Er kam am 28. Juni 1712 in Genf auf die Welt, die Geburtsstunde ist leider nicht dokumentiert.  Die Grafik zeigt die Tageskonstellation des Geburtstags.

 

Zwillinge-Themen

Das wichtigste Zeichen seines Geburtshoroskops, die Zwillinge stehen für seine Begabung zum Schreiben. Er war schon als Kind eine Leseratte und hörte nicht auf, zu lesen, zu lernen, sich zu bilden, meist autodidaktisch, und wurde zu einem der bedeutendsten Schriftsteller seiner Zeit.  Rousseau war – entsprechend seiner Zwillinge-Komponente – äußerst vielseitig: Philosoph, politischer Schriftsteller, Naturforscher, Pädagoge. 

Zudem betätigte er sich auch als Musiker und Komponist. Seine Planeten in Krebs und Stier dürften dabei Pate gestanden haben, vor allem die sinnlich-sensible Mond-Neptun-Konjunktion.  Rousseaus „Devin du village“ begründete sogar eine neue Gattung des Musiktheaters, die opéra comique.  Es handelt sich um ein reizendes Stück über einen Dorf-Wahrsager, der mit etwas Hokuspokus zwei Liebenden dazu verhilft, auf ihr Herz zu hören. Die kleine Oper ist musikalisch durchaus bemerkenswert.  Hier ist ein Auszug davon zu hören: http://www.youtube.com/watch?v=3oxRHs9QxyE 
Heute ist allerdings Mozarts Fassung bekannter: Er vertonte als Zwölfjähriger eine Nachdichtung von Rousseaus „Devin du village“ unter dem Titel „Bastien und Bastienne“.


Steinbock-Themen

Ferner ist die Krebs-Steinbock-Achse eine Art heimliches Leitthema seines Lebens: Der aufsteigende Mondknoten steht im Steinbock, der absteigende Mondknoten und die Sonne im Krebs. Zusätzlich sind die Herrscher dieser beiden Zeichen, Mond und Saturn wohl durch einen Aspekt verbunden, falls Rousseau nicht frühmorgens geboren wurde; die Geburtszeit ist leider nicht dokumentiert.

Gemäß dem Steinbockzeichen fragte er sich immer wieder nach den Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Zusammenlebens.  Eines seiner Hauptwerke trägt den Titel „Du contrat social ou principes du droit politique“, deutsch „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes“. 

Die Gesellschaft seiner Zeit – hochzivilisiert – sah er äußerst kritisch. Der Zivilisation, die den Menschen zu Bosheit und Selbstsucht verleite stellte er einen Naturzustand gegenüber, einen Menschen mit natürlichen Instinkten.  Unter den führenden Denkern der Aufklärung machte er sich damit keine Freunde, denn diese glaubten an die Verbesserung des Menschen durch Erziehung und zunehmendes Wissen. Rousseaus etwas romantische Sehnsucht nach einem heilen und naturnahen Urzustand ist nicht nur eine notwendige Gegenströmung zum Rationalismus der Aufklärung, sie entspricht auch seiner Mond-Neptun-Konjunktion im Zeichen Stier.


Krebs-Themen

Rousseau fragte sich, wie wohl der natürliche Mensch aufwachsen müsse, und befasste sich in der Folge mit Erziehung, einem Krebs-Thema ersten Ranges. Wie kann ein Kind seine ursprünglichen Instinkte bewahren?  Einerseits ergab sich daraus die Forderung, dass Erzieher das Kind nicht in die Gesellschaft hinein führen und ihm die Anpassung erleichtern, sondern es vielmehr vor den Einflüssen der Zivilisation schützen sollten, damit es seine Instinkte und seine Natürlichkeit entfalten könne.  Der Erziehungsroman „Émile“ ist heute noch lesenswert.

Eine weitere Folge war, dass Rousseau als einer der ersten die so genannt primitiven Völker nicht einfach als zurückgeblieben sah, sondern als Menschen nahe am Naturzustand.  Sie wurden interessiert beobachtet und sogar zu einer Art Vorbild: „Der wilde Mensch lebt in sich, der gesellige hingegen ist immer außer sich und lebt nur in der Meinung, die andere von ihm haben.“  - Rousseau war Krebs-Geborener und trug eine Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit in sich. Diese ist auch psychologisch erklärbar, denn seine Mutter war gleich nach seiner Geburt gestorben, sein Vater floh, als Rousseau 12 Jahre alt war und ließ das Kind allein in Genf zurück.

Dennoch betonte Rousseau in seiner Philosophie, dass wir als Gesellschaft nicht einfach zurückkrebsen können, sondern innerhalb der gewachsenen Zivilisation die Qualitäten des Naturzustands wieder neu erwerben müssen.  Das berühmteste Rousseau-Zitat „Retour à la nature!“ „Zurück zur Natur!“ ist falsch.  Er hat es nie geschrieben.  Einfach die Zeit zurückdrehen, denn früher war alles besser?  Nein, um diese Stammtischweisheit zu vertreten, dazu dachte Rousseau viel zu differenziert.


Freiheit

Geboren mit dem Ethik-Planeten Jupiter im Wassermann, dem Zeichen der Freiheit, wagte Rousseau es auch, Ungewöhnliches zu denken und Dinge vorzuschlagen, die jahrhundertealter Gewohnheit widersprachen. Zum Beispiel dachte er an die Bewegungsfreiheit der Säuglinge. Niemand machte sich damals darüber Gedanken, dass Neugeborene gewickelt und geschnürt wurden, wie es auf dem Bild mit einer Puppe demonstriert wird. 

 

Quelle:http://www.kostuem.waszmann.de/deutsch/html/body_18_jhd_saeuglingskleidung_.htm

Man hatte es seit Generationen so gemacht, es hat uns selber ja auch nicht geschadet, so dachte man. Die hohe Kindersterblichkeit wurde nicht damit in Zusammenhang gebracht. Doch Rousseau kritisierte das Altgewohnte: „Kaum ist das Kind geboren, kann es seine Glieder frei recken und bewegen, so fesselt ihr es von neuem. Man wickelt es und legt es mit unbewegbarem Kopf und ausgestreckten Beinen, die Arme an den Körper angelegt, hin. Es wird in Bänder und Windeln verschnürt, dass es sich nicht mehr rühren kann. Man kann von Glück reden, wenn nicht so geschnürt wird, dass es noch atmen kann“.

Rousseau wollte, dass alle Menschen frei atmen können. Und obwohl er sich jahrelang mit Gesellschafts-Theorien befasst und darüber nachgedacht hatte, welche Staatsform menschlich und gut sei, misstraute er letztlich dem Saat und setzte vielmehr auf das Individuum – auch dies ist eine Wassermann-Entsprechung.  Rousseau schrieb: „Freiheit gibt es in keiner Regierungsform, sie lebt nur im Herzen des freien Menschen, er trägt sie überall mit sich.“

 
Aktuelle Transite

Da gegenwärtig der Transit-Pluto Rousseaus Sonne bestrahlt, da außerdem wie bei seiner Geburt ein Uranus-Pluto-Aspekt in der Luft liegt, könnte uns möglicherweise das Studium seiner Werke gute Anregungen geben für die heutige Zeit.  Ist nicht die Dialektik zwischen Zivilisation und Naturzustand auch heute wieder ein spannungsreiches Thema?

Am 28. Juni 2012 jährte sich Rousseaus Geburtstag zum dreihundertsten Mal. Das Bild zeigt die schöne Pastellzeichnung, welche Maurice Quentin de La Tour von dem 41-jährigen Rousseau gemacht hat.


 

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17. JUNI - GEBURTSTAG DER ZWILLINGE-STADT

von Ernst Ott zum 17. Juni 2012

 

Heute vor 297 Jahren legte Markgraf Karl Wilhelm von Baden den Grundstein für die Stadt Karlsruhe.  Er wählte dazu bewusst einen Vollmond-Tag, den Vollmond im Juni mit Sonne in den Zwillingen und Mond im Schützen.  Dies prägte die Stadt: Hier wurde gemäß der Symbolik des Zwillinge-Zeichens das Fahrrad erfunden, hier kam der Auto-Erfinder Benz auf die Welt, hier wurde die erste E-Mail Deutschlands verschickt, hier steht heute das ZKM, das Zentrum für Kunst und Medientechnologie.

Das Schütze-Thema Gerechtigkeit zeigte sich zuerst darin, dass Karl Wilhelm Andersgläubigen und Ausländern alle Freiheiten gab und die Stadt für Flüchtlinge öffnete, die aus politischen oder religiösen Gründen anderswo verfolgt waren. Die Bundesrepublik verlegte später die beiden höchsten Gerichte nach Karlsruhe.

 

Stadtgründer Karl, ein Wassermann-Geborener, stand für liberale Politik.  Er öffnete sein Schloss als erster deutscher Regent jeden Dienstag dem Volk.  Da konnte jeder Bürger ohne Einschränkung direkt dem Landesherrn seine Anliegen vorbringen. Hier in Karlsruhe wurde Jahrzehnte früher als andernorts die Folter und die Leibeigenschaft abgeschafft, hier stand ab 1818 das erste Parlamentsgebäude auf deutschem Boden.

Dennoch sollen auch die Schattenseiten nicht verschwiegen werden: Hier wurde an dem 1812 geborenen Erbprinzen ein singuläres Verbrechen begangen, denn man kerkerte ein 4-jähriges Kind für 12 Jahre ein.  Dieses Kind, erlebte später als „Kaspar Hauser“ ein leidvolles Schicksal. Die Nachfolger einer Seitenlinie unseres Stadtgründers, die diese Tat auf dem Gewissen haben, unterdrückten auch mit entsetzlicher militärischer Gewalt die demokratische Revolution von 1848, die in Baden besonders aktiv war.

Mit Licht und mit Schatten -  ich wohne sehr gerne in dieser Stadt.  Heute, am Stadt-Geburtstag, denke ich mit Dankbarkeit an Karl von Baden, den Stadtgründer.  Er war ein aufgeklärter Mensch (Sonne Wassermann), gleichzeitig ein eigenwilliger absolutistischer Monarch (Löwe-Mond). 

Karls Vater schaute bei der Geburt des Sohnes genau auf die Uhr und ließ gleich ein Horoskop machen (ich besitze ein Faksimile davon): Am 17. Januar 1679 nach dem damals in protestantischen Ländern noch üblichen julianischen Kalender, um "halb sechs Uhr" morgens in Durlach, heute Karlsruhe-Durlach.

Immer wieder verblüffte der Karlsruher Stadtgründer seine Zeitgenossen durch wassermännische Originalität: Karl Wilhelm gab eine Menge Geld aus für Feste, Musikanten und ein Corps de Ballet, jedoch keins für die Verteidigung.  Er hatte praktisch keine Armee. In der Gründungszeit der Stadt Karlsruhe gab es dort nicht einmal einen Polizeiposten.  Als Ersatz diente ein Aufruf Karls, die Bürger sollten gefälligst eigenverantwortlich dafür sorgen, dass man auch nachts sicher auf die Straße gehen könne.

Sein Barockschloss ist das einzige weltweit ohne eine Via triumphalis als Aufmarsch-Straße, auf der die Armee paradieren könnte.  Karl hasste den Krieg und pflanzte an jener Stelle einen riesigen Tulpengarten. 

 

Bis zwei Jahre vor der Stadtgrünung hatte Baden unter ununterbrochenen Kriegen gelitten.  Karl ließ dennoch demonstrativ seine neue Stadt nicht befestigen.  Ein Holzzaun musste genügen.  Der Markgraf war sich ziemlich sicher, dass in diesen unruhigen Zeiten sein Schloss keine zehn Jahre stehen bleiben würde (tatsächlich musste das heutige Karlsruher Schloss zwei mal wieder neu aufgebaut werden).  Aber Karl hatte eine Vision für ein offenes Gemeinwesen, eine Zukunftsvision.  Er wollte eigentlich nicht primär eine Stadt bauen, er wollte ein Zeichen setzen. 

Als Markgraf Karl starb – beim Gärtnern in seinem Tulpengarten - hatte Karlsruhe ein paar hundert Einwohner und war nicht viel mehr als ein Pilot- und Versuchsprojekt für die Zukunft. 
Wenn er hören würde, dass sich heute 300.000 Mensch hier wohl fühlen, dass die Stadt seit 67 Jahren keinen Krieg mehr erlebt hat und als „Residenz des Rechts“ gilt, würde er sich wundern und freuen.

 

 

 

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Christo und Jeanne-Claude – kosmische Zwillinge

Zu ihrem gemeinsamen Geburtstag am 13. Juni

 

von Ernst Ott

Fast gleiches Horoskop

Seit sie den Reichstag verhüllten, kennt jeder das Künstler-Ehepaar.  Sie arbeiteten reibungslos zusammen und entschieden alles gemeinsam wie Zwillinge.  Und sie waren im astrologischen Sinne zweifach Zwillinge.  Beide wurden im Juni mit einer Zwillinge-Sonne geboren, und zwar – obwohl viele hundert Kilometer voneinander entfernt – im gleichen  Jahr, am gleiche Tag und nur zwei Stunden auseinander, und zwar am 13. Juni 1935.  Ob es da ein Zufall war, dass der Bulgare Christo und die Marokkanerin Jeanne-Claude sich begegneten?

 

Gesucht und gefunden?

Als sie sich mir 23 Jahren in Paris kennen lernten, bestand eine große Kluft zwischen ihnen.  Jeanne-Claude Denat de Guillebon, Tochter eines angesehenen Generals, feierte sorglos in den höchsten Kreisen der Pariser Gesellschaft, während sich der mittellos aus dem Ostblock geflohene Christo Wladimirow Jawaschew kümmerlich über Wasser hielt, indem er Leuten Portraits malte.

Ihr Kennen lernen war gezeichnet vom astrologischen Zwillinge-Prinzip.  Es begann als eine Lernbeziehung. Jeanne-Claudes Mutter engagierte Christo, ihr Portrait zu malen. Die Tochter interessierte sich persönlich nicht für den Künstler, aber sie brachte ihm besseres Französisch bei, während er sie in Kunstgeschichte unterrichtete.  Man spielte das Zwillinge-Spiel von Frage und Antwort. 

Von der Liebe wollten sie vorerst nichts wissen, sondern testeten zuerst einmal je eine Alternative, auch das gehört zum Inventar des Zwillinge-Verhaltens. Christo verliebte sich in Jeanne-Claudes Schwester, während  sich mit einem anderen Freund verlobte. Auf merkwürdige Weise spielte das Leben hier mit dem archetypischen Zwillinge-Motiv einer doppelten Neigung zu zwei Schwestern.  Dieses Motiv kommt oft in der Literatur vor und ist auch Gegenstand der Mozart-Oper Così fan tutte, die übrigens auf einer wahren Begebenheit beruht.  Doch kaum war sie dem Anderen versprochen, funkte es zwischen Jeanne-Claude und Christo.  Die gesellschaftlich bedeutende Hochzeit mit dem andern Freund konnte nicht mehr abgesagt werden, doch da war sie bereits von Christo schwanger.  Kurz darauf war sie wieder geschieden und zu Christos Lebenspartnerin geworden, ohne Einverständnis der Eltern und ohne Geld.

Er hatte aus der Bewegung der Objektkünstler kommend schon vorher Alltagsgegenstände verhüllt und verfremdet, doch kaum Käufer dafür gefunden. Zusammen mit Jeanne-Claude, deren Organisationstalent ihm zu Hilfe kam, packte er nun die bekannten Großprojekte an, verhüllte Brücken, Wege, Strände, Inseln und Gebäude. Mit ungeheurem Aufwand wurde oft nur für ein paar Stunden eine neue Wahrnehmung des Bekannten inszeniert.

 

Die Geburtsdaten der beiden sind recht gut dokumentiert: Im marokkanischen Casablanca um 18.00 Uhr Weltzeit, und im bulgarischen Gabrovo, 20.00 Uhr Weltzeit.

 

 
Mithilfe eines kosmischen Zwillings und Ehepartners haben zwei unaspektierte Zwillinge-Sonnen ihre polare Ergänzung gefunden und einen guten Platz neben den andern Planeten-Talenten.  Das kreative Potential von Christos Sonne im fünften Haus, dem Bereich des schöpferischen Spiels begegnete der partnerbezogenen Sonne in Haus sieben von Jeanne-Claude.  Wir sehen hier, welch singuläre Kraft eine gut integrierte Sonne entfalten kann.


Verhüllen und verwandeln

Das Verhüllen kann man als eine Verschleierung sehen, die dem Neptun-Fische-Prinzip entspricht: Aus etwas Offensichtlichem wird ein Geheimnis gemacht, aus etwas Nützlichem wird durch Auflösung der äußeren Form eine verzaubernde Irritation.  Der dominante Neptun genau am Berufspunkt von Jeanne-Claude spricht da ebenso Bände, wie die umformende Kraft von Christos Neptun im achten Haus, dem Bereich des Gestaltwandels.

Wenn wir beim Thema des Verhüllens den Planeten Pluto assoziieren, den unsichtbaren Gott der Unterwelt, der stets mit Tarnkappe auftritt, finden wir auch hier reichliches Potenzial: Christos Pluto als Hauptplanet des Horoskops genau am Begegnungspunkt enthält das Potential, alles zu verwandeln, dem er begegnet.  Das gilt bestimmt nicht nur für die Ehe, sondern auch für die vielen Landschaften und Gebäude die Christo einem Gestaltwandel unterzog.


Saturn und Neptun

Der gemeinsame Aspekt des Realisten und Baumeisters Saturn mit dem Visionär und Träumer Neptun beschreibt das Lebenswerk dieses Künstlerpaares optimal: Vorhandene Materie wird optisch transzendiert.  Da wird eine Spannung inszeniert zwischen Form und Auflösung, zwischen Nützlichem und Poetischem, und vor allem zwischen Dauer und Vergänglichkeit.  Das Objekt bleibt, die Verhüllung verweht der Wind, und bald ist das Ganze nur noch als Erinnerung oder Fotoband vorhanden.

Christo mit seinem dominanten Pluto betonte immer wieder, dass er keine Skulpturen und Gegenstände hinterlassen wolle, dass seine Kunst sterblich sei, ein Prozess, ein bewusst vergängliches Werk.

Dieser Saturn-Neptun-Schlüsselaspekt (der auch dem Steinbock-Fische-Zusammenspiel entspricht, das in beiden Horoskopen vorkommt) führte zu einer Auseinandersetzung mit Zeit und Ewigkeit.  Der Aspekt steht bei Jeanne-Claude auf der Meridian-Achse, stellt also die Frage nach der Wirkung in der Welt.  Für sie persönlich war damit wohl auch ein Konflikt zwischen Privatleben und Beruf verbunden. Im Horoskop von Christo - weiter östlich und zwei Stunden später geboren - bezieht sich der Aspekt auf die Häuser zwei und acht, also auf die Auseinandersetzung mit Werten.  Die ständige Armut und Geldnot war die Entsprechung des Aspekts im Privatleben, doch die Frage nach dem persönlichen oder allgemeinen Wert von Welt und Wahrnehmung war seine künstlerische Botschaft.  Der gewohnte Pont Neuf musste sterben, damit die Pariser Bevölkerung für zwei Wochen eine andere Realität wahrnehmen konnte.

Das Lebenswerk dieser Künstler bestand einerseits aus reiner Neptun-Qualität: Wehende Schleier, vergängliche Fahnen, zerfließende Wahrnehmung.  Gleichzeitig war Saturn, der Planet der Geduld und der Zeit im Spiel: Konsequentes Verfolgen jahrelanger Vorarbeiten.  Das Projekt der Reichstag-Verhüllung etwa wurde über 34 Jahre verfolgt, bis es für kurze Zeit Realität wurde.  Christo hat wirklich das Beste aus seinem Steinbock-Aszendenten gemacht und Jeanne-Claude aus ihren Saturn-Talenten ebenso. 


Die Ehe von Sonne und Mond

Fruchtbare Partnerschaften – von Zwillingen und anderen Menschen – erinnern immer an den Archetypus der Sonne-Mond-Vereinigung.  Wir alle verdanken unser Leben der Tatsache, dass Mutter (Mond) und Vater (Sonne) zusammengekommen sind.  Bei diesem Künstlerehepaar mit identischer Mond- und Sonne-Stellung haben möglicherweise die persönlichen Mond-Gefühle ebenso harmoniert, wie die künstlerischen Ziele ihrer Sonnen. 

 

Als sie sich im Oktober 1958 zum ersten Mal begegneten, war die progressive Sonne ganz genau ins Trigon zum Mond getreten. Das Zeitfenster für eine Verbindung öffnete sich. 

Als sie es 1962 geschafft hatten, den behördlichen Widerstand zu brechen und zum ersten Mal eine öffentliche Großaktion inszenierten, waren sie 27 Jahre alt und der progressive Mond kehrte auf seine Ausgangsposition zurück. So erblickte das erste künstlerische Kind dieses schöpferischen Paares die Welt.  Sie bauten einen riesigen „eisernen Vorhang“ aus Ölfässern in einer Pariser Straße.  Die Anwohner tobten, die Polizei kam mit neuen Genehmigungs-Formularen angerannt. Nach ein paar Stunden musste alles geräumt werden. Doch Jeanne-Claude und Christo waren glücklich.  Sie wollten keine Ewigkeit gestalten, sie wollten etwas verändern und bewegen. - Und das gelang ihnen über fünfzig Jahre hinweg immer wieder.
Jeanne-Claude starb 2009. 
Christo sei herzlich zum 77. Geburtstag am 13. Juni gratuliert.

Karlsruhe, 13. Juni 2012

 

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Dem Neptun den Schleier entrissen!

Der Astronom
Johann Gottfried Galle 

Am 9. Juni 1812 - also vor 200 Jahren - kam Johann Gottfried Galle auf die Welt.  Er entdeckte den Planeten Neptun, bestand aber darauf, nicht als Entdecker zu gelten.  Den Ruhm verdiene der Kollege Le Verrier, der die mutmaßliche Position des erwarteten neuen Planeten vorher ungefähr errechnet hatte.  Dennoch war es Galle, der zum ersten Mal durch das Fernrohr schaute, ihn zweifelsfrei wissenschaftlich erfasste und dem Neptun seinen Schleier entriss.  An diesem Tag trat der Planet des Unsichtbaren aus seinem Versteck hervor und Galle gilt weltweit als sein Entdecker.

Galle selber wurde geboren, als Neptun im Aspekt zu seiner Sonne Stand.  Vielleicht entwickelte der Entdecker daraus einen Charakterzug, der als ein Potenzial Neptuns gelten kann: Bescheidenheit.  Die Geburtszeit ist nicht gesichert, so nehme ich das Horoskop des Neumondes, denn Galle wurde an einem Neumond-Tag geboren: 9. Juni 1812, 7.49 Uhr Weltzeit in dem Örtchen Radis in der Nähe von Wittenberg.

 

 


Als guter Schüler und Student erhielt er bald einen Assistentenposten in der Sternwarte und verbrachte seit seinem 23. Lebensjahr viele viele Stunden und Jahre seines Lebens vor den Fernrohren.  Er entdeckte einen Saturn-Ring, Kometen und Anderes.  Mit seinem Merkur-Uranus-Aspekt war er prädestiniert, Neues zu erforschen.  Wenn wir das stark besetzt elfte Haus, das Haus der Zukunftsvisionen, ebenfalls als einen uranischen Bereich betrachten, dass ist Uranus, Gott des gestirnten Himmels, Galles heimlicher Taufpate gewesen.  Der mythologische Uranus ist ja eigentlich eine Personifizierung des Sternenhimmels selbst.

Die Entdeckung Neptuns – ein jahrelanges Irren verschiedener Forscher zwischen Versuch und Irrtum – ist an sich schon eine unglaubliche Neptun-Geschichte.  Man hat dabei wirklich den Eindruck, dass hier ein kosmisches Geheimnis regelrecht ent-schleiert werden musste. Jupiter stand bei der Entdeckung auf Galles Sonne und Mond.  Der Zeitpunkt der Entdeckung ist eine Art „Geburtshoroskop“ des neuen Planeten.  Hier die Daten: 24. September 1846, um 0.14 Uhr nachts in Berlin.

Wenn ich mir überlege, wie viele bedeutende Erkenntnisse ich schon über mich und andere Menschen aus der astrologischen Deutung Neptuns bezogen habe, kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass er einmal unentdeckt war.  Daher denke ich mit Dankbarkeit an Johann Gottfried Galle und wünsche ihm zu seinem 200. Geburtstag, dass er in der geistigen Welt – ganz ohne Fernrohr – weiterhin zauberhafte Entdeckungen machen darf.

 

Ernst Ott

 

 

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Beobachtungen bei Neptun und Pluto

von Ernst Ott

 

Manches verdanken wir unserer bewussten Planung; anderes fällt uns zufällig zu: Das Geborenwerden, oft auch das Schwangerwerden, das Kennen lernen von wichtigen Menschen, manche Heilungen und Lösungen von Problemen… Es kommt ungefragt, als reines Geschenk.

Diese Entscheidungsinstanz, sie so bedeutsam in unser Leben eingreift wird im Horoskop unter anderem durch Neptun und Pluto symbolisiert. Da diese in unserem eigenen Horoskop stehen, sagt die astrologische Lehre: Es hat mir dir zu tun!  Auf einer schwer definierbaren Ebene ist es etwas von uns, dass diese Zufälle anzieht oder sich für diese Dinge entschieden hat, die sich unser planender Verstand nicht vorstellen und herstellen konnte. 

Natürlich stehen Neptun und Pluto auch für manche im ersten Augenblick leidvollen Dinge, die ebenso ungefragt in unser Leben kommen. Wenn wir aber einmal nüchtern die eigene Biografie durchforsten, stellen wir bald fest, dass es sehr viele solche Zufälle gab, die dafür verantwortlich waren, dass wir das Leben bisher überlebt haben und aus vielen Krisen, Krankheiten, Fehlentscheidungen wieder heil heraus gekommen sind.

In unserer Schule sehen wir Neptun und Pluto – trotz ihrer unberechenbaren Nebenwirkungen – in erster Linie als wertvolle Geschenke des Kosmos, bei denen es sich lohnt zu sagen: „Ich nehme es an!“

Nehmen Sie zum Beispiel die Häuser, in denen bei Ihnen Pluto und Neptun stehen: Die mit diesen Häusern verbundenen Themenbereiche sind bei Ihnen an das Wirken dieser Zufallsinstanz angeschlossen.  Dort sollten sie mit Wundern rechnen. 

Man kann zwar nicht wirklich rechnen mit eventuellen Wundern. Es ist besser, sich so gut es geht eigenverantwortlich um diese Dinge zu kümmern, d.h. so zu tun, wie wenn uns dabei keiner helfen würde. Aber parallel dazu sei empfohlen, die Augen und Ohren offen zu halten und mit der Intuition aufmerksam hinzuhorchen, damit wir die hilfreichen Zufälle, Gedanken, Begegnungen wahrnehmen und das Wirken der geistigen Welt nicht übersehen.  Der Zufall hilft nur denen, die ihn wahrnehmen.  Wem der Verstand Scheuklappen verliehen hat, der schaut nicht links und rechts und muss dann wirklich alles selber machen.  Soweit der Verstand das packt… Zum Glück sind wir mehr als unser Verstand.

 

 

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Marshall Rosenberg und sein Horoskop

von Ernst Ott


Könnte einem ein schöneres Bild für eine Waage-Venus einfallen als eine Rose?  Höchstens viele Rosen, ein ganzer Berg von Rosen. Da kommt einer auf die Welt, der trägt den Namen Rosenberg.  In seiner Geburtsstunde stehen der Liebesplanet Venus und die Sonne in der Waage, dem Zeichen der Mitmenschlichkeit.  Falls Namen eine Botschaft ausdrücken, dann ist diese Botschaft eindeutig: Zuneigung und Liebe.  Sein Vorname jedoch ist Marshall, der Name für einen Strategen und Krieger. Auch dieser Name spiegelt sich bildhaft im Geburtshoroskop durch eine sehr genaue Aspektverbindung des Strategen Saturn mit dem Krieger-Planeten Mars im Löwen. 

 


Marshall Rosenbergs Horoskop zeigt sehr deutlich zwei gleich starke Anlagen, zwei gegenläufige Potentiale. Ein Psychologe würde vielleicht sagen: Es kommt nun auf die frühen Erfahrungen und die Sozialisation an, ob so einer letztlich mehr zum Krieger neigt oder zum Friedfertigen. Wir humanistischen Astrologen sagen eher: Wir können es nicht wissen, denn es ist letztlich eine Frage des freien Willens, was jemand aus seinen Anlagen und mit oder gegen seine Prägungen unternimmt. Rosenberg hätte sich, wie wir gleich sehen werden, auf Grund seiner Kindheitserfahrungen mit gutem Grund zum Opfer machen oder zum Rächer berufen fühlen können.  Er tat weder das eine noch das andere, sondern lernte die klientenzentrierte Gesprächstherapie von Carl Rogers und las die Schriften Mahatma Gandhis.

Ich habe diesen Artikel mit einem Zitat überschrieben: „Liebe dich selbst, dann ist es egal, wer dich ärgert!“  Das ist der Titel eines Seminars von Silvia Richter-Kaupp.  Man könnte auch formulieren: Liebe dich selbst und sei empathisch mit deinen Mitmenschen.  Dies fasst die Botschaft von Rosenbergs GfK zusammen, der gewaltfreien Kommunikation.  Man erinnert sich an das Gebot Christi (Kurzform: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“).  Es berührt merkwürdig, dass der Schöpfer dieses Systems, Marshall Rosenberg, ein Jude war. Ich bezeichne ihn bewusst als Schöpfer dieser wunderbaren Weltanschauung, obwohl er selber mit seinen bescheidenen Jungfrau-Planeten manchmal betonte, er habe eigentlich nichts Neues erfunden, nur etwas wieder herausgeholt, was die Menschen natürlicherweise ohnehin in sich trügen. 

Ein Schlüsselerlebnis Marshalls mit neun Jahren bestand darin, dass zwei „christliche“ Mitschüler ihn wegen seines jüdischen Namens zu Boden warfen, traten und verprügelten.  Seine Eltern erklärten ihm daraufhin, was es damit auf sich hatte, und sagten vermutlich auch, dass man in dieser Welt mit so was rechnen müsse. 

Der junge Marshall Rosenberg hatte damals bereits erlebt, dass bei einem Rassenkrieg vor seiner Haustür in wenigen Tagen vierzig Menschen starben.  Es ist also höchst erstaunlich, dass er dennoch sein Leben lang nie glauben wollte, dass man in dieser Welt nun mal „mit so was“ leben müsse.  Er schuf ein bedeutendes Lebenswerk der Versöhnung und Menschenliebe.  Er wurde Mediator. Einen besseren Begriff für dieses verbindende Waage-Potenzial hätte kein Astrologe erfinden können. Da Rosenberg so erfolgreich in Rassenkonflikten und in internationalen Kriegsherden wirkte, muss er demnach mehr getan haben, als das, was jede Waage-Persönlichkeit zuerst einmal versucht: Freundlich sein, Kompromisse vorschlagen. Da braucht es die Konsequenz von Mars-Saturn, um vollständig zum Kern des Problems vorzudringen. Vielleicht waren eigene innere Widersprüche nötig, um Widersprüchliches und widersprechendes menschliches Verhalten nicht einfach zu beurteilen, sondern zu verstehen. Etwas Fremdes in seiner Eigengesetzlichkeit so weit wie möglich verstehen wollen, ohne es zu bewerten – dazu braucht man kein „glückliches Horoskop“ sondern den Willen zum Verständnis und eine tiefe Liebe zu Menschen.

Man kann sich nicht immer der Meinung eines Mitmenschen anschließen.  Auch dessen Verhaltensweisen im Einzelnen müssen wir nicht immer lieben.  Dr. Marshall Rosenberg schlug daher vor, das Motiv, das tiefere Bedürfnis zu verstehen, das den Menschen zu dieser Meinung oder Handlung motiviert hatte. Dies ist eine schöne Brücke, denn die Gundbedürfnisse verbinden uns ja mit allen Menschen. Genauso sieht es übrigens auch die psychologische Astrologie. 

In diesem Sinne lehrt uns Rosenberg Empathie mit dem Gegner.  Werfen wir nochmals einen Blick auf das Geburtshoroskop, so finden wir den Gefühlsplaneten Mond in weiter Konjunktion mit dem spirituellen und einfühlsamen Neptun.  Das entspricht dem Thema Empathie, einem Schlüsselwort dieser Psychologie oder Theorie, die eigentlich beides nicht ist, sondern eine menschliche Grundhaltung.  Ein zentraler Aspekt im Horoskop Rosenbergs ist die Verbindung des visionären Uranus mit dem Idealisten Jupiter. Doch Rosenberg appelliert nie nur moralisch an das Gute im Menschen, denn er ist genauso viel Realist (Saturn-Aspekt). 

„Jetzt geht’s mir eh schon so schlecht – und da soll ich auch noch den Gegner einfühlsam verstehen?  Niemals!“ So ruft unsere Verzweiflung. Will Rosenberg die Leute zur aufopferungsvollen Selbstverleugnung bringen?  Im Gegenteil. Am Anfang steht die Empathie, die man sich selber gibt.  Jemand, der Gegner beschimpft und abwertet, hat vorher (heimlich) sich selbst beschimpft und abgewertet.  Er ist damit nicht glücklich geworden. Jetzt fühlt er sich als Opfer und beschimpft den Gegner. Die zauberhaft einfachen und wirksamen vier Handlungsschritte der gewaltfreien Kommunikation beginnen immer mit Empathie für sich selber.  Jemand der daraufhin dem Gegner Verständnis entgegenbringt, hat vorher sich selber Verständnis und Empathie entgegen gebracht.  Wir brauchen zuerst eigene Ressourcen, bevor wir sie weitergeben können.

Rosenberg erfand auch ein wertvolles didaktisches Spiel mit Giraffe und Wolf.  Die Giraffe steht für die gewaltfreie Kommunikation, der Wolf für das lebensfeindliche Kommunizieren. Auch mit uns selber sprechen wir übrigens manchmal in der Wolfssprache: "Ich bin doof, ich mach' alles falsch!" Dann können wir lernen, als Giraffe uns selber Empathie zu geben.

Rosenberg – ich will es hier in meinen eigenen Worten ausdrücken – ging davon aus, dass es ein tiefes Grundbedürfnis jedes Menschen ist, sich für Andere zu öffnen und Liebe vom Herzen zum Herzen fließen zu lassen. Dieses natürliche Bedürfnis ist leider teilweise verloren gegangen. Mit ein bisschen Selbstliebe entdecken wir es wieder.  Damit bringen wir auch erneut die Freude des echten Schenkens in unser Leben.  Marshall Rosenberg hat aus seinen Erfahrungen und den Anlagen seines Horoskops etwas gemacht, das liebenswert ist. Obwohl ich ihm nie persönlich begegnet bin, empfinde ich Dankbarkeit, wenn ich an ihn denke.

 

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Neue Zeiten - neue Lösungen

Warum es gerade heute wichtig ist, Astrologie zu lernen


von Eva Stangenberg

 

Krisenzeiten zwingen uns, umzudenken, die alten Modelle funktionieren nicht mehr, bringen nicht mehr den bisher damit erzielten Erfolg. Zu Anfang wird vielleicht noch versucht, mit erhöhter Anstrengung das Erwünschte zu erreichen, man ist fixiert auf das eine Ziel und die Angst, dieses nicht zu erreichen, wächst proportional mit den Anstrengungen.
Wenn ich hier von Krisen schreibe, meine ich nicht nur die momentane Wirtschaftskrise, sondern ebenso die vielen privaten Krisen, in denen sich Menschen zur Zeit befinden, sei es der Verlust des Arbeitsplatzes, eine schwere Krankheit, Partnerschaftsprobleme, sei es, weil man allein ist oder zu zweit, Schulprobleme der Kinder, Schwierigkeiten wie z.B. Mobbing am Arbeitsplatz, Sinnkrisen und viele mehr.
Allerdings kann uns die momentane weltweite Krise ein Signal sein, wie sowohl politisch als auch im ganz persönlichen Bereich ein Umdenken erforderlich ist.
Wie kann da die Astrologie helfen?
Üblicherweise ist unser Merkur für unser Denken zuständig. Seine Vorgehensweise ist logisch-kausal, linear und baut auf dem Gelernten auf, was in den jeweiligen Situationen benötigt und genutzt werden kann. Wir können ihn in seinen Fähigkeiten und Funktionen mit unserem Gehirn oder einem Computer vergleichen, woraus bei Bedarf die verschiedenen gespeicherten Informationen abgerufen werden können.
Wenn wir nun aber in einer uns bis dahin unbekannten Situation sind, eben in einer Krise, in der die alten Modelle gerade nicht mehr wirken, reicht das nicht mehr aus. Wir benötigen neue „Verschaltungen“, neue „Links“, müssen Areale im Gehirn aktivieren, die bisher zur Lösung nicht genutzt worden sind, eben all unsere anderen Planetenpotenziale.
Unser Gehirn ist zweigeteilt, verbunden mit dem so genannten Balken, wobei (vereinfacht dargestellt) die linke Hirnhälfte (bei Rechtshändern) den rationalen, yang, männlichen Denk-Fähigkeiten entspricht und die rechte den kreativen, yin, weiblichen, es ist die so genannte emotionale Intelligenz. Und genau diese müssen in so einer „Notfall-Situation“ aktiviert werden, um neue, andere oder weiterführende Lösungen zu finden. Es ist also nicht sinnvoll, sich voll und ganz auf eines zu konzentrieren, zu focousieren, sondern, im Gegenteil, es wäre ratsam, sich zu öffnen, z.B. Gefühle, Stimmungen zuzulassen (weiblicher Faktor Mond) oder seine Sinne spielen zu lassen, zu riechen, zu schmecken, sich etwas Gutes zu tun (weiblicher Faktor Venus) oder sich zu entspannen, Musik zu hören, zu träumen, zu malen (weiblicher Faktor Neptun).
Für ein Umdenken ist es erforderlich, die Brücke zu schlagen zwischen den zwei Hirnhälften, die Verbindung, (der Balken) zu dieser weiblichen Seite herzustellen. Unser rein lineares, nach vorne ausgerichtetes, männliches Denken als alleiniges Lösungsmodell hat ausgedient. Das zeigen uns die vielen Krisen heute. Wir müssen auch die andere Seite wertschätzen und nutzen lernen.
Und wie man damit zum Erfolg kommt, erzählt ein schon sehr altes Märchen, das Märchen vom Hasen und dem Igel.
Das Märchen in Kurzfassung:
Ein Hase und ein Igel wollten einen Wettlauf machen. Der Hase war sich absolut sicher, zu gewinnen, denn wie sollte ein so langsamer Igel ihn, den Schnellläufer, besiegen! (Das war die bisherige Lebenserfahrung, abgespeichert in seinem Denken).
Der Igel war sich dieser Tatsache bewusst, also musste er kreativ sein, sich etwas einfallen lassen. (Seine weibliche Hirnhälfte oder die weiblichen Anteile in sich aktivieren).
Der Wettlauf startete, der Hase rannte los, aber als er am Ziel war, saß da der Igel bereits und sagte: “Bin schon da.“ Der Hase war fassungslos, das konnte nicht sein, also noch mal! Er strengte sich sehr an, rannte noch schneller, aber das Ergebnis war das gleiche, der Igel war schon da. Das einzige, was ihm jetzt noch einfiel, war: „mehr desselben“, noch mal und noch mal rennen und sich mit der Geschwindigkeit noch steigern. (Er konnte nur noch in eine Richtung denken, alle andere Hirnareale, Anteile in ihm, waren ausgeschaltete).
Nach vielen, vielen vergeblichen Versuchen, den Wettkampf doch noch zu gewinnen, brach er völlig entkräftet zusammen.
Und der Igel ging mit seiner Frau, die an der anderen Seite im Gebüsch immer „schon da war“, wenn der Hase kam, als Sieger vom Platz. Seine Frau, (seine weiblichen Anteile) hatte ihm also geholfen, das scheinbar Aussichtslose zu schaffen.

Wenn wir nun also unser Horoskop kennen, brauchen wir uns nicht mehr zu reduzieren auf das bisher Gelernte, sondern können bei uns selber, oder in der Beratung bei anderen, das bisher ungenutzte Potenzial für Lösungen heranziehen und nutzen. Was sagt z.B. Ihre Venus in Bezug auf Ihr Problem am Arbeitsplatz, oder wie fühlt Ihr Mond bei den Schulschwierigkeiten Ihres Kindes und gelangen mit dieser Fragestellung zu völlig neuen Ansätzen, wir nutzen also unsere „emotionale Intelligenz“.
Und: unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.

 

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Jede Konstellation ist ein Lösungsvorschlag 

von Ernst Ott

Zum Jahreswechsel boomt die Prognose-Astrologie.  Gleichzetig drucken die Journalisten wie jedes Jahr die immer gleichen Texte der Astro-Skeptiker ab, in denen nachgewiesen wird, dass Madame Tessiers Prognosen über Katastrophen und Politiker-Schicksale nicht in Erfüllung gegangen seien.  Natürlich nicht. Astrologie ist keine Wahrsagerei. Daran sollten wir auch denken, wenn Astrologen sich völlig unnötig an der Angstmacherei zum "Schicksalsjahr 2012" beteiligen.  Daher drucke ich hier einen Artikel nochmals ab, den ich letztes Jahr um diese Zeit bereits einmal veröffentlicht hatte:

Jede Konstellation ist ein Lösungsvorschlag!  -  Diesen Beitrag schreibe ich im Zorn über die zahllosen Warner und Angstmacher, die es in der astrologischen Szene gibt.  Von schwierigen Konstellationen  ist da die Rede, von gefährlichen Zeiten, schlechten Horoskopen usw.  -  Verdammt nochmal: Ist nicht das Leben schon gefährlich genug? Müssen wir uns von Astrologen noch zusätzlich Angst machen lassen?  „Sie merken zwar noch nichts davon, aber demnächst werden Sie eine schwierige Konstellation haben – fürchten Sie sich schon mal!“

Wenn das Astrologie ist, will ich kein Astrologe sein.

Aus jeder Konstellation können wir unser Glück schmieden – wenn wir uns dafür entscheiden.  Mit jeder Konstellation können wir Mist bauen – wenn wir uns dafür entscheiden.

Hinter der Aussage eines Astrologen steckt nicht die Wahrheit, sondern die Weltanschauung dieses Astrologen.  Wer sich vor schlechtem Schicksal fürchtet, wird mit großer Sicherheit Konstellationen als schlechtes Schicksal deuten. Wer eine andere Weltsicht hat, wird anders deuten. Wer davon ausgeht, dass wir Opfer des Schicksals sind, wird seine Klienten weiter zu Opfern machen und ihnen helfen, sich als Opfer so gut wie möglich durch ein fremdbestimmtes Leben durchzuschlängeln.

Ich denke: Die Zukunft gibt es nicht, auch nicht im Horoskop.  Die Zukunft stellen wir her.  Jetzt.  Mit unseren freien Entscheidungen und unserem Denken. Befürchtungen sind zukunft-erschaffende Energien.  Ich will mich an solchen Kreationen nicht beteiligen.

Das Horoskop sagt nicht, was geschieht, sondern gibt uns Ideen, was wir geschehen lassen könnten.  Wann endlich werden die Astrologen wieder bereit sein, jede, wirklich jede Konstellation als einen Lösungsvorschlag zu sehen? Jede Konstellation als Ideenspender für ein kreativeres Leben zu deuten?  Jede Konstellation zu befragen, wie ich damit eine neue, freiere Zukunft erschaffen könnte?

Dies sind die einzigen Fragestellungen innerhalb der Astrologie, die mich nach über 20 Jahren hauptberuflicher astrologische Tätigkeit noch interessieren.  Auch in der Ausbildung bin ich nicht mehr bereit, Ängste und Vorurteile über so genannt schwierige Horoskope zu fördern.  Ich kann nur noch den lösungs-orientierten Ansatz ehrlich vertreten.

So, jetzt geht’s mit besser! Das musste im alten Jahr nochmal gesagt sein:  Jede Konstellation ist ein Lösungsvorschlag!

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Kaiser Julians gescheiterter Versuch, die christliche Staatsreligion zur Toleranz zu zwingen.

von Ernst Ott

Für den römischen Kaiser Iulianus  war die Sonne nicht nur ein Himmelskörper und eine Energiequelle, sondern ein beseeltes Wesen.  Alle Welt – außer den Christen - feierte damals am 25. Dezember das Fest der unbesiegten Sonne, des Sol invictus.

 

Sol, der Sonnengott mit dem Strahlenkranz

Iulianus empfand den Sonnengott Sol als seinen persönlichen Beschützer.  Er verschlang schon als Junge philosophische, kosmologische und religiöse Schriften und empfand eine tiefe Zuneigung zu den Planetengöttern und der so lebensfrohen symbol- und bilderreichen Spiritualität der griechisch-römischen Götterwelt. 

Für seine Erzieher war diese Neigung des jungen Prinzen unerwartet.  Iulianus war ein Nachkomme Konstantins "des Großen", der als erster christlicher Kaiser gilt.  Dieser hatte die christlichen Bischöfe massiv gefördert und mit ihnen einen machtvollen Staatsapparat aufgebaut. Seither wurden kaiserliche Prinzen von Priestern und Theologen erzogen.  Auch Iulianus hatte in den Kirchen das Evangelium vorzulesen.  Doch der Junge war zu intelligent und bereits zu belesen, um seinen Lehrern unwidersprochen zu glauben. 

Er registrierte die Widersprüche in den heiligen Schriften, ebenso die blutigen Feldzüge, die die katholische Staatskirche gegen das arianische Christentum und andere abweichende Christengemeinden führte.  Nur Christus und ausschließlich der wahre Christenglaube sollte die Menschen in den Himmel führen können? Iulianus leuchtete dies nicht ein, wo doch Jahrhunderte lang so viele weise Vorfahren über die Planeten-Götter und Mysterienkulte ihren Frieden mit dem Kosmos gefunden hatten und ein ethisch hochstehendes Leben geführt hatten.

Sobald Iulianus Kaiser wurde, begann er die immer noch bestehenden antiken Kulte zu fördern, vor allem auch den Mithras-Kult, der damals eine in drei Erdteilen verbreitete astrologisch-religiöse Lehre war.  Mithras-Anhänger wurden über sieben Stufen in die Mysterien der sieben alten Planeten eingeweiht. 

 

Sonnengott Mithras mit dem Sternenmantel auf dem Stier der Fruchtbarkeit

Iulianus erließ eine Art Wiedergutmachungsgesetz, nach dem die Christen alle von ihnen angeeigneten heidnischen Tempel und Besitztümer den früheren Priesterschaften zurückgeben sollten. Den christlichen Bischöfen entzog er ihre Gelder und Sonderprivilegien.  Die christlichen Gemeinden sollten zwar unter demselben staatlichen Schutz stehen, wie die älteren Kulte, aber neben und nicht über ihnen.

Die christlichen Funktionäre, die sich seit Konstantin als staatstragende Machthaber fühlten, wehrten sich massiv.  Iulianus, der ein sehr ethisch denkender Mensch war, versuchte auch mit den Christen gerecht zu sein und keine Verfolgung aufkommen zu lassen.  Er sorgte jedoch für das Wieder-Erblühen der alten Kulte.  Die Tempel des Jupiter, der Juno, Minerva, Venus, sowie die Isis- und Demeterkulte belebten sich wieder.  Die Mithras-Gemeinden feierten Sol, die unbesiegbare Sonne.

Wäre Iulianus eine so lange Regierungszeit vergönnt gewesen wie etwa dem Augustus, wäre möglicherweise statt der Kirche die Mithras-Philosophie für die abendländische Kultur prägend geworden.  Antike Weisheit wäre dann nicht verloren gegangen und die Verehrung des Sol und der Planetenkräfte hätte Europa durch die letzten 2000 Jahre seiner Geschichte begleitet.

Doch Iulianus starb mit 32 Jahren nach weniger als zwei Jahren Regierungszeit unter ungeklärten Umständen.  Auf einem Feldzug gegen die Perser traf ihn eine Wurflanze. Niemand hat den Schützen gesehen.  Die persischen Kriegsgegner hatten eine hohe Geldsumme ausgesetzt für die Tötung Julians, doch kein Perser meldete sich und beanspruchte die Belohnung.  Die christlichen Bischöfe aber feierten und jubelten bei der Todesnachricht, und so wurde bald vermutet, dass der christliche Geheimdienst ihn getötet habe.

Der Versuch des Iulianus, die religiöse Toleranz der Antike wieder einzuführen scheiterte.  Die katholischen Geschichtsschreiber nannten ihn nach seinem Tode "Julian Apostata", den Apostaten, den Abtrünnigen.  Sie erzählten, Iulianus sei mit folgenden Worten auf den Lippen gestorben: „Du hast gesiegt, Christus!“  Das Zitat ist mit Sicherheit eine Fälschung, spiegelt aber die reale Bedeutung dieser Stunde für die Geschichte Europas.

 

Eklipse bei Julians Tod

Wir kennen kein Geburtshoroskop des Iulianus.  Doch die obige Abbildung zeigt die Sonnenfinsternis zwei Tage nach seinem Tod, als „Christus gesiegt hatte.“ - Es ist in der Tat ein sehr prägnantes Horoskop:  Die christliche Ära begann nicht nur mit einem Fische-Aszendenten, sondern auch mit einer Eklipse in den Häusern 4 und 10, privat und öffentlich. Ab sofort war das Glaubensbekenntnis keine Privatsache mehr.  Das Saturn-Pluto-Sonne-Dreieck zeigt, dass es auch um Machtfragen ging.  Lilith in Opposition zu der Finsternis deutet vielleicht die Funktion an, welche die Frau im Christentum als Schattenfigur annahm und später als Muttergottes, die mit dem Fuß eine Schlange zertritt.  Vielleicht haben die Zeitgenossen damals den dominanten Merkur als Christus gedeutet, denn Hermes-Merkur, der oft mit einem Lamm auf den Schultern abgebildet wurde, galt den ersten Christen als Symbol des Erlösers.

Die fundamentalistischeren untern den Katholiken wie etwa der Kirchenhistoriker und Bischof Theodoret beschimpften Iulianus nach seinem Tod als stinkendes Schwein, und der „Apostat“ galt von Stund an als schlechter Kaiser.  Auch der heilige Hieronymus, bedeutender Kirchenvater, erging sich in wüsten Schimpfwörtern, die hier nicht zitiert werden müssen.

Iulianus verdient die Beschimpfung nicht.  Er stieß in erstaunlich kurzer Zeit eine große religiöse Reform an, die sich allerdings nicht durchsetzte.  Im Nachhinein wissen wir, dass an dieser Weggabelung für 2000 Jahre auch die Frage entschieden wurde: Soll das Christentum persönliches Bekenntnis in einer toleranten pluralen Welt sein oder eine machtvolle vom Staat getragene Institution? 

Astrologen haben immer wieder das Gedankenspiel gemacht: Was wäre, wenn seit dem 4. Jahrhundert durchgehend die antike Kultur und Astrologie weiter praktiziert worden wäre?  Deren Wiederentdeckung durch die Renaissance über 1000 Jahre später wäre überflüssig gewesen.  Die Neuzeit hätte auf einer ganz anderen Tradition und auf weit höherem wissenschaftlichem und philosophischem Niveau beginnen können.

 

Flavius Claudius Iulianus als regierender Kaiser auf einer Münze aus Antiochia

 

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Die Gedanken sind frei

von Ernst Ott 

Vor 200 Jahren (am 28. September 1811) wurde Friedrich Hecker geboren.  Im Zeichen der Waage, und Gerechtigkeit war ihm ein höchster Wert.  Als Sohn eines bayerischen Hofrats hatte er einige Vorrechte.  Aber er sah, dass es Leute ganz ohne Vorrechte gab, und das schmerzte ihn.  Er studierte Recht, unter anderem in Heidelberg, schloss sich 1848 der badischen Revolution an und wurde deren charismatischer Anführer.  Als Abgeordneter scheiterte er, militärisch scheiterte er ebenso, denn der Großherzog rief die preußische Armee ins Land, um sein eigenes Volk beim Hecker-Zug niederzuschießen.  Man verbot Hecker das Sprechen, Schreiben und den Aufenthalt im Land, aber das Denken ließ er sich nicht verbieten.  Vielleicht muss eine Waage nicht militärisch siegen.  Die Kraft ihrer Gedanken können schon machtvoll genug sein.

Das Bild zeigt das Gemälde von Bernhard Neher mit dem jungen Revolutionär. Friedrich Hecker musste nach Amerika emigrieren.  Im Jahr darauf zum finalen Ansturm der Badischen Revolution von 1849 kam er nochmals zurück, nur um Zeuge zu werden, wie die letzten Revolutionäre in Rastatt erschossen wurden. Enttäuscht ging er nach Amerika zurück, kämpfte dort für Demokratie, wurde Viehzüchter und Weinbauer und blieb bis zuletzt in den Vereinigten Staaten.

Er lebte nicht mehr, als 70 Jahre nach der 48-er Revolution Deutschland endlich wirklich eine Republik wurde. Aber das Heckerlied wird noch heute gesungen:

Wenn euch die Leute fragen: “Lebt denn der Hecker noch?“  So sollt ihr ihnen sagen:  “Ja, er lebet noch.  Er hängt an keinem Baume, er hängt an keinem Strick, - er hängt an dem Traume der freien Republik!“

Die Gedanken sind frei.  -  Und die bewirken eine Veränderung der Welt.  Bei ganz revolutionären Projekten dauert es manchmal 70 Jahre. Möge die Wahrheit künftig einen schnelleren Weg nehmen.

Herzlichen Glückwunsch zum 200. Geburtstag und danke, Hecker!

Er ist ein Deutscher auf den man stolz sein kann.


Die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei:
Die Gedanken sind frei!

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Die harmonische Waage

von Ernst Ott 

„Die Waage ist harmonisch und ausgeglichen“, so steht das überall, jeder glaubt das zu wissen.  - Deshalb muss es aber noch lange nicht stimmen!

Richtig ist: Die Waage braucht Harmonie.

Sie ist auf die Welt gekommen mit den allerfeinsten Antennen für Schönheit, Geschmack, Harmonie und Ausgewogenheit.  Sollte irgendwo alles ausgewogen und schön sein, so wird sie es in vollen Zügen genießen.  Da die Welt jedoch überwiegend unharmonisch ist, leidet die Waage.  Mit ihren feinen Antennen erkennt sie das Unstimmige sofort.  Ihr Auge für ausgewogene Farben ist so empfindlich, dass sie ein Zuviel oder Zuwenig sehr deutlich wahrnimmt.  Sie ist dann die erste, die dies erkennen und empfinden kann.  Sie braucht Harmonie, sie kann Harmonie schaffen.

Die Waage hat feine Ohren für Streit, Widersprüche und Aggression, auch wenn sich dies alles erst unterschwellig äußert.  Daher empfindet sie schon eine grobe Unhöflichkeit als beinahe kriegerischen Akt.  Würde die Welt auf sie hören, so könnte die Waage alle Menschen kultivieren und zur Friedfertigkeit führen.  Meist hört die Welt nicht auf sie. Dennoch bleibt die Waage hochsensibel gegen Grobheiten, sie braucht Frieden.  Daher ist sie im täglichen Verhalten oft gar nicht friedlich, sondern wird ungemütlich.  Sie verlangt von den Rüpeln mehr mitmenschliche Kultur und mehr Friedenswillen, und das ist ihr gutes Recht.  Jede Begabung muss schließlich irgendwo eingesetzt werden.

 Machen Sie den Test und sagen Sie zu einer im Zeichen Waage geborenen Person oder einem anderen Menschen mit einer starken Waage-Komponente einmal folgenden Satz: „Sie sind immer harmonisch und ausgewogen“.  Ich bin gespannt, welch Erfahrungen sie machen werden. -  Ich selber ernte auf diese Aussage fast immer Widerspruch.  Die Waage spürt nämlich auch in ihrem Inneren jeden kleinen Widerspruch, und wird also diesbezüglich sehr selbstkritisch sein.  Bis sie sagt, sie sei ausgeglichen, muss sie wirklich lange an sich gearbeitet haben.  Daher sagt sie: Ich wünsche mir mehr Ausgewogenheit.  Ich bräuchte mehr Harmonie.

Das ständige Abwägen „einerseits-und-andererseits“ in der Psyche der Waage ist eine große Gabe des Lebens.  Richtig angewandt verhindert sie Einseitigkeit, falsche Selbstsicherheit und Egoismus. Eine solche Haltung ermöglicht es, fremde Standpunkte zu verstehen.  Das ist in der Tat die Grundvoraussetzung für den Frieden zwischen Individuen und unter Völkern. Ohne die Fähigkeit, einen anderen Standpunkt zu verstehen, ist auch die Liebe nur ein vorübergehendes Gefühl und kein Lebensentwurf.  Ohne erkennende Einsicht in das Andersartige ist in einer Partnerbeziehung kein menschenwürdiges Miteinander möglich. Voraussetzung dazu ist die Waage-Qualität des inneren Abwägens: Was genau ist anders an dem geliebten Partner?  Könnte das Andere auch Teil von mir sein oder werden?  Zu den großen Qualitäten der Liebe gehört die Fähigkeit, etwas Fremdes zu ertragen oder anzunehmen.  Doch vorher muss es in innerem Abwägen als solches erkannt werden.  Die Integration des Fremden ist ein geistiger Akt, und die Waage ist ein geistiges Luftzeichen.

Gleichzeitig ist das innere Einerseits-und-Andererseits ein Fluch, denn die Waage selber erlebt sich oft als entscheidungsschwach.  Sie kann nicht nur abwägen, sie hat das Gefühl, sie muss alles solange abwägen, bis es zu hundert Prozent stimmt.  Und das dauert lange, denn die Waage hat so feine Antennen, dass sie es selbst dann noch als schmerzhaft disharmonisch wahrnimmt, wenn es zu achtundneunzig Prozent stimmt.  Zwei Prozent fehlen eben, und damit ist dieser Sache oder diesem Menschen nicht vollständige Gerechtigkeit widerfahren.

Fazit: Waage ist nicht von vornherein harmonisch. Waage empfindet eine innere Notwendigkeit, Harmonie und Ausgleich zu schaffen.  Wundern Sie sich also nicht, wenn eine Waage sich selbst als zerrissen und unausgewogen beschreibt!  Aber wir sollten auch wissen: Gerade die Waage hat die Fähigkeit, ein Optimum an Harmonie und Ausgewogenheit herzustellen.  Sie ist wirklich eine Friedensstifterin.  Möge sie auch in sich selber Frieden stiften und sich mit ihren unterschiedlichen inneren Anteilen friedlich versöhnen können!

 

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Der Papst und sein Horoskop

von Ernst Ott 

Benedikt XVI, geboren als Joseph Ratzinger am 16. April 1927, um 4.15 Uhr in Marktl am Inn.  Er ist geboren, als Jupiter, Planet der Sinngebung und Größe, am Osthorizont aufstieg (Jupiter Konjunktion Aszendent). Jupiter steht auch für Glaube, Priesterschaft und die Lust, andere zu überzeugen.  Jupiter ist in diesem Geburtshoroskop Herrscher des MC, denn das Schütze-Zeichen stand in jener Stunde in der Himmelsmitte.  Zudem steht der ehrgeizige und vorwärts drängende Mars ebenfalls an einer Hauptachse.  Er steht in den Zwillingen, kämpft also gerne mit Worten.  Die Sonne steht im Zeichen Widder, also wundert es nicht, dass Kardinal Ratzinger in seinem Bereich nach oben strebte und die Gelegenheit gesucht hat, Neues zu gestalten.

Mit seinem freundlichen Fische-Anteil am Aszendenten strahlt er eine sanfte persönliche Gläubigkeit aus, so dass sein Ehrgeiz nie unangenehm aufgefallen ist.  Dennoch war Ratzinger schon immer ein mächtiger Funktionär der Kirche.  Die ganze Amtszeit seines Vorgängers über leitete er die Inquisition.  Diese bedeutende Abteilung des Vatikan hat sich in ihrer Geschichte nicht gerade mit Ruhm bekleckert, und wurde übrigens erst im 20. Jahrhundert umbenannt, so dass sie heute die Glaubens-Kongregation ist.  Ratzinger war also Chef der „Congregatio pro doctrina fidei“, deren Aufgabe es ist, die Kirche vor Häresien (Irrlehren)  zu schützen, also vor abweichenden Glaubensvorstellungen, so wird heute ihre Aufgabe definiert.  Er hat damals im Hintergrund weitgehend die Politik und Ideologie von Johannes Paul II am Ende des kalten Krieges und bis zu dessen Tod mitbestimmt.

„Eine besondere Wertschätzung des Weiblichen und der Frauen“ – dies wäre eine mögliche Deutung für den weiblichen Planeten Venus im Stier und im Haus der Werte (Haus 2).  Aber welches Wertesystem jemand letztlich vertritt, das hat nichts mit dem Horoskop zu tun, sondern unterliegt dem freien Willen.  Wer die Politik des Papstes als frauenfeindlich betrachtet, darf aufgrund des Horoskops vermuten, dass er seine Dogmen subjektiv gut meint und Frauen – nach seinem Wertesystem – das Beste wünscht.

Deuten wir den Pluto-Aspekt zum zweiten weiblichen Planeten Mond als besonders intensive Auseinandersetzung mit dem Weiblichen? Oder als Angst vor der Bedrohung durch das Weibliche? Vielleicht denkt Benedikt, wenn er das Wort „weiblich“ hört, auch nur an die Muttergottes und empfindet keinerlei Probleme damit.  In seinem Horoskop ist wie immer nur das Thema vorgegeben, mit dem er sich auseinanderzusetzen hat, auf welche Weise er dies tut, liegt in seinem eigenen Ermessen. 

Wir kennen bei diesem Prominenten ausnahmsweise die zuverlässige standesamtliche Geburtszeit.  Hier möchte ich zum ersten Mal die witzige aber wahre Geschichte ihrer Ermittlung erzählen: 

Ich hatte mich in meiner Münchner Zeit in den 1980-er Jahren einmal für den damaligen Kardinal Ratzinger interessiert.  Ich rief in seinem Geburtsort Marktl am Inn auf der Gemeinde an und fragte nach der genauen Zeit.  Ich machte mir keine große Hoffnung, denn Standesämter geben wegen des Datenschutzes meist keine Auskunft über Geburtszeiten, erst recht nicht bei Prominenten.  Die etwas resolute Dame am Telefon fragte mich in tiefbayrischem Dialekt zuerst ganz automatisch und nach Vorschrift, ob ich ein Familienmitglied sei?  Es war mir nicht möglich, irgendeine verwandtschaftliche oder sonstige Beziehung zu Ratzinger zu finden, und ich verneinte.  „Ja, warum wollen’S des denn wissen?“ fragte sie, und ich sagte nur zu Forschungszwecken, weil ich Astrologe sei.  In jenem Augenblick vermutete ich fest, dass in diesem bayerischen Flecken die katholische Welt noch in Ordnung sei und vermutete schon, dass die Dame sich bekreuzigen und mich zur Teufels-Austreibung schicken würde.  Doch sie sagte: „Das ist ja interessant. Was, Sie bilden Astrologen aus? Wie geht das genau?“  Ich versprach ihr Unterlagen zuzusenden, und fragte am Schluss nochmals wegen Kardinal Ratzinger. „A Momentl“, sagte sie, „ich schau mal nach“, holte das Register und las mir vor: 4.15 in der Frühe.

Man darf die Fortschrittlichkeit der Landbevölkerung nicht unterschätzen.

 

 

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Die sinnliche Jungfrau

von Ernst Ott 

Wenn ich bestimmte Sätze höre, so rege ich mich auf.  Einer dieser Sätze ist: „Die Jungfrau ist trocken, keusch und unsinnlich, und sie putzt immer“.  Das ist eines der dümmsten Vorurteile der modernen Trivialastrologie.

Sinnlich!

Die Jungfrau ist ein sinnliches Erdzeichen, das feinfühlig mit allen Sinnen sich und die Welt wahrnimmt.  Die Jungfrau ist sogar ein besonders körperbewusstes Erdzeichen, das sofort spürt, was ihr gut tun, und was sie nicht mag. Sie ist nicht der Auffassung, dass Sexualität einfach irgendwie geschieht; sie kann etwas dafür tun, dass sie die Sexualität besonders intensiv wahrnimmt und kann dem Sexualpartner auch Vorschläge machen, auf welche Weise man die Liebe noch optimaler empfinden kann.

Ordnung!

Es gibt Menschen mit Jungfrau-Komponente, die einen Putz- und Ordnungsfimmel haben und welche, die Chaoten sind. Das Verhältnis zwischen Ordentlichen und Chaoten ist nicht anders als bei jedem anderen Tierkreiszeichen.  Die Astrologie beschreibt nicht, wie sich jemand verhält, sondern zeigt die inneren Motive seines Verhaltens an.  Das Bedürfnis der Jungfrau ist es, bewusst zu leben und die feinen Zusammenhänge zwischen sich und der Welt zu erkennen. Sie spürt, dass Innen- und Außenwelt in einer komplexen ökologischen Ordnung zusammenhängen.   Wer diese Zusammenhänge versteht, verhält sich natürlich und spart viel Energie.  Wer die natürlichen und psychologischen Ordnungsprinzipien kennt, kann sie nutzen oder verändern.  In diesem Sinn interessiert sich die Jungfrau für Ordnungen.  Ob sie gern aufräumt oder nicht, ist eine Frage der Neigung und des freien Willens und hat nichts mit Astrologie zu tun.

Die eigene Ordnung!

Wenn Sie Sonne oder Planeten oder Horoskopachsen (Aszendent, Himmelsmitte) in der Jungfrau haben, so nutzen Sie diese, um sich nach Ihrer eigenen Ordnung zu fragen.  Zwar erkennen Sie damit auch schnell, wie die Welt und andere Menschen ticken und können sich der gewohnten allgemeinen Ordnung leichter anpassen, Ihnen dies sinnvoll erscheint. 

Der tiefere Sinn der Jungfrau-Talente ist es jedoch, unangepasster zu leben.  Mit der scharfen Beobachtungsgabe der Jungfrau können wir sofort erkennen, wo wir uns der Welt zuliebe verbiegen und selbst verleugnen. Wir können falsche Anpassung kritisieren und uns ändern.  Jungfrau-Anteile des Horoskops helfen uns, unsere eigene innere Ordnung zu finden, unser eigenes Wertesystem, unsere ganz individuellen Notwendigkeiten. 

Wenn die Leute sagen, dies und jenes sei gesund, so fragen Sie Ihre innere Jungfrau: Was spüre ich selber?  Was ist für mich wirklich gesund?  Wenn die Leute sagen, dies und jenes sei klug und vernünftig, dann fragen Sie sich: Entspricht es meine eigenen Klugheit und Lebenserfahrung?  Rät dazu auch meine eigene Vernunft?  Wenn alle Welt sagt, so und so laufe es nun mal in Beziehungen, dann fragen Sie Ihre innere Jungfrau: Tut mir die Liebe auf diese Weise gut?  Fühlt es sich für mich lustvoll und sinnlich an?  Und folgen Sie dem Rat ihrer inneren Ordnung!

Liebe Leserin, lieber Leser, vielleicht können Sie jetzt verstehen, warum ich jedes Mal zornig werde, wenn es wieder heißt:  „Jungfrauen sind angepasst, unsinnlich und haben einen Putzfimmel“.  Auf diesem Deutungsniveau möchte ich keine Astrologie betreiben.

 

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Die gerechte Jungfrau und der Löwe

Wie das Sternzeichen Jungfrau entstand

Gedanken zum 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt

(von Ernst Ott)

Schon lange vor Christi Geburt feierte die antike Welt am 15. August die Himmelfahrt einer jungfräulichen Göttin.  Diese hieß Astraea, griechisch Astraia und ihr Name bedeutet Sternen-Mädchen.  Sie war eine Verkörperung der himmlischen Gerechtigkeit und gehörte zu jenen alten Göttern, die ursprünglich auf der Erde wandelten.

Die Bringerin der Gerechtigkeit hat es schwer

In strahlender Gestalt erschien sie den Menschen, inspirierte die Volksversammlungen, gute Gesetze zu beschließen, hielt die Menschen an, ihre ehrliche Landarbeit zu verrichten und mit der Natur sowie den Tieren in Frieden zu leben.  Astraea trägt astrologisch alle Charakterzüge des Tierkreiszeichens Jungfrau.

Dies war das goldene Zeitalter des Saturn, das später von allen Dichtern besungen wurde.  Doch dann hörten die Menschen immer weniger auf Astraea.  Das silberne Zeitalter begann, und erste Gewalttaten wurden begangen.  Dem scharf beobachtenden Auge der Jungfrau entging dies nicht.  Sie kritisierte, verbesserte, warnte, doch es half nichts.  Je mehr sich die Menschen von ihrem göttlichen Ursprung entfernten, desto schwerer wurde es für Astraea physisch unter ihnen zu leben.  Der große Sänger der griechischen Mythen, Hesiod, war um 700 vor Christus überzeugt, bereits in der dritten Periode des Abstiegs zu leben, im eisernen Zeitalter.

Himmelfahrt der Astraea

Hesiod beschrieb, wie sich Astraea traurig von den letzten ehrlichen Menschen verabschiedete, ihre sichtbare irdische Erscheinung aufgab und in den Himmel auffuhr.

Für den Maler Salvator Rosa waren diese ehrlichen Menschen, die als letzte die Jungfrau mit ihren irdischen Augen sahen, die Hirten auf dem Felde.  Er malte die Göttin in einer Wolke entschwebend, mit dem Zeichen der Gerechtigkeit in der Hand, einer Waage. (Bild: Salvatore Rosa, Astraeas Abschied von den Hirten, Mitte 17. Jahrhundert, Kunsthistorisches Museum, Wien). 

Astraea wurde zum Sternbild der Jungfrau.  Die Dichter schrieben, dass sie die letzte gewesen sei, die es noch eine Weile unter den Menschen ausgehalten hätte, als alle übrigen Götter bereits die Erde verlassen hatten.  Seither sind Himmel und Erde getrennt und Hesiod dichtete:

“Weit von dem Treiben der Menschen
zum Stamme der Ewigen floh Astraea. 
Zurück wird bleiben
der sterblichen Menschen düsterer Jammer,
und Hilfe sich nirgends zeigen im Elend.“ 

(Hesiod, Werke und Tage, 199 – 201)

Der 15. August

Der Aufstieg der Astraea aber begann an einem 15. August, so dass an diesem Tag jeweils ihr Himmelfahrtsfest gefeiert wurde.  An diesem Tag steht die Sonne noch im Zeichen des Löwen.  Als Astraea dann, wohl ein paar Tage später, am Firmament angekommen war, verließ die Sonne den Löwen, und Astraea selbst wurde zur kosmischen Jungfrau.

In einem barocken Deckengemälde sehen wir genau diese Szene: Astraea ist zweimal abgebildet, zuerst in der Wolke nach oben fahrend, umgeben von Engelchen, dann links oben bereits als Tierkreiszeichen Jungfrau. Rechts von ihr sehen wir den Löwen und den Sonnengott, der mit seinem Wagen natürlich durch sein Domizil-Zeichen Löwe fährt  (Deckenfresko in Warschau von Siemiginowski-Eleuter um 1685).

Seither gibt Astraea, die Gerechte, uns keine Ratschläge mehr.  Wir können uns aber am Himmel orientieren: Wenn wir das Zeichen Jungfrau deuten und klug auslegen, bekommen wir gute Hinweise für ein zufriedeneres Leben.

Aus Astraea wird Maria

Das Fest der Himmelfahrt muss im Altertum Griechen und Römern sehr ans Herz gewachsen sein.  So wollten auch die Christen nicht darauf verzichten, und der Kirchenlehrer Kyrill von Alexandria erklärte zu Beginn des fünften Jahrhunderts, an diesem Tag sei die Jungfrau Maria, die Mutter Jesu, zum Himmel aufgestiegen.

(Guido Reni, Mariä Himmelfahrt, 1642)

Der Astraea-Mythos ist also eine schöne legendenhafte Erklärung zur Entstehung des Sternbildes Jungfrau.  Die beiden Nachbarzeichen der Jungfrau kommen ebenfalls darin vor: Der Löwe, der im Jahresverlauf zum Jungfrauzeichen hinführt.  Am 15. August bei etwa 22° Löwe beginnt Astraeas/Marias Aufstieg.  Zum Zeichen ihrer Gerechtigkeit wird Astraea gerne mit einer Waage in der Hand abgebildet, und so verweist sie auch auf das ihr nachfolgende Zeichen, die Waage.  Zwischen Jungfrau und Waage ist die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche, die genaue und gerechte Mitte zwischen Sommer und Winter.

Die Wiederkehr der Jungfrau

So, wie wir die Geschichte bisher kennen gelernt haben, ist sie ein Mythos über das goldene Zeitalter des Saturn, in dem alles besser war, ein nostalgischer Bericht über die gute alte Zeit.  Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende, sie enthält eine Hoffnung für die Zukunft, denn vielleicht kommt die himmlische Jungfrau ja einmal wieder zu uns herunter! 

Um die Zeitenwende herum erzählte der römische Dichter Vergil von der möglichen Wiederkehr der Astraea. Sein Text hört sich ein bisschen an wie die Hoffnung von uns modernen Menschen auf den Beginn des Wassermann-Zeitalters:

„Schon ist das Ende der Zeit (…) gekommen,
und großartig beginnen den Lauf ganz neue Geschlechter.
Schon kehrt wieder Astraea, es kehrt Saturnus’ Regierung:
Neue Geburten entsteigen nun bald dem erhabenen Himmel.“
(Vergil, 4. Ekloge, 4 – 8, Osiander-Übersetzung)

Von „Geburten des Himmels“ ist hier die Rede.  Es war eine Umbruchzeit.  Damals hoffte alle Welt auf die Geburt einer großen Persönlichkeit oder eines Gottes, der ein neues goldenes Zeitalter bringen würde.  Für mythologisch gebildete Menschen aber musste Astraea die Mutter dieses Hoffnungsträgers sein. Sie sahen vor ihrem inneren Auge bereits die himmlische Jungfrau von ihrem Sterbild heruntersteigen und einen Sohn gebären.

Dieser Sohn war für Vergil Augustus, der erste römische Kaiser, der ja in der Tat dann ein neues friedliches Zeitalter begründete, die Pax romana, die der Welt zwei Jahrhunderte kultureller Blüte und eine lange Friedenszeit brachte.  Für die Christen war später Vergils Text eine Ankündigung des Christus, und Astraea wurde zur Jungfrau Maria.

Wie immer wir diese astrale Frauenfigur nennen wollen, sie steht für den Abstieg und Aufstieg der Epochen, für die zyklische Entwicklung der Menschheit durch schlechte und gute Epochen.  Und sie steht für die Hoffnung auf ein neues, friedlicheres Zeitalter, in dem die Götter und Göttersöhne sich wieder auf die Erde getrauen.

Leibliche Himmelfahrt, Körper und Geist

Es mutet merkwürdig an, dass Papst Pius XII im Jahr 1950 ein für alle Katholiken zu glaubendes Dogma verkündete: Maria ist an einem 15. August leiblich in den Himmel aufgefahren, also sozusagen mit Haut und Knochen.  Man kann das als Beleg für die weltfremde Unaufgeklärtheit der Kirche sehen. Man könnte es aber als auf der symbolischen Ebene betrachten. Dann knüpft die Kirche hier an den Bildern des Ursprungs an. Denn für die alten Griechen war die göttliche Jungfrau ursprünglich physisch auf der Erde gewandelt.  Dann wurden die Menschen immer materieller und immer weniger geistig, worauf Astraea zuletzt ihren Körper verließ, um nun auf der himmlischen, das heißt geistigen Ebene zu wirken.  Vielleicht könnte man sich vorstellen, dass ihre Aura immer stärker und ihr irdischer Leib immer schwächer wurde. 

Natürlich hatte das astrologische Jungfrauzeichen nie einen Körper, aber in symbolhaften Bildern gesprochen  hat es sich als Erdzeichen aus der körperlichen Ebene heraus entwickelt.  Es enthält die realen Erfahrungen einer Menschheit, die noch geistig und gerecht war.  Und so kann es auch wieder in unsere Körper hinabsteigen – vorausgesetzt, wir sind bereit, als geistige und bewusste Menschen zu leben.

 

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Zum Tod von Amy Winehouse

 

von Ernst Ott

Amy Winehouse ist tot.  Ihre Musik wird weiterhin von ihren Fans geliebt werden. Könnte man von einem erfolgreichen Leben sprechen, wenn jemand etwas hinterlässt, an das sich viele Menschen gerne erinnern?  Sie ist, wie manche andere Stars, mit etwa 27 Jahren gestorben.  Mit 27 Jahren wiederholt sich die Mondstellung in der astrologischen Progression:  Der Mond kehrt zu sich selber zurück.  Möge sie sich in der geistigen Welt zu Hause fühlen!

Das mit Sonne und Merkur besetzte 5. Haus ihres Geburtshoroskops zeigt die Fähigkeit, mit großen Auftritten die Menschen zu berühren.  Die Neptun-Mond-Konjuktion im 7. Haus strahlt Zauber und Emotion aus, zieht Projektionen auf sich, wirkt auf Männer und Menschen überhaupt. Das hat ihr bestimmt gefallen, denn sie wurde mit einem kommunikativen Zwillinge-Aszendenten geboren. Doch was sagte ihr Steinbock-Mond dazu?  Für diese Seite ihres Wesens galt: Meine innersten Gefühle gehen niemanden etwas an.  Ich kann alles mit mir allein ausmachen.

Das wichtigste Symbol ihres Horoskops ist jedoch das 6. Haus.  Die Frage nach Perfektion und Arbeit an sich selber scheint eine der großen Fragen ihres Lebens gewesen zu sein.  Ebenso die Frage nach der Körperlichkeit, bewusstem Umgang mit Körperlichkeit und der Kontrolle über den eigenen Körper.  Als Astrologe kann ich nicht wissen, wie sie diese Themen erlebt und darüber gedacht hat, ebenso wenig, ob sie sich in diesen Fragen als erfolgreich sah oder nicht. 

Mit Lilith, dem schwarzen Mond im Haus der Berufung hatte sie das Potential, Weiblichkeit, Sexualität und ihre Person tabulos in der Öffentlichkeit zu thematisieren und dabei auch die dunklen Seiten nicht zu verstecken.  In diesem Punkt hat Amy Winehouse mit Sicherheit ihr Horoskop gut verwirklicht.  In dem Song „Back to Black“ beschrieb sie das Gefühl, hundertmal zu sterben! Nun ist ihr Körper zurück ins Dunkle gegangen.

Ernst Ott

(Für die Erforschung der Geburtszeit sei Manfred Magg herzlich gedankt: 14. September 1983, 22.25 Uhr, Enfield bei London)

 

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Verborgene Schätze

von Ernst Ott

Pluto im Geburtshoroskop zeigt verborgene Schätze an.  Unsere Seele ist uns zum grossen Teil unbekannt.  Der Begriff des Unbewussten passt sehr gut zur Symbolik des Planeten Pluto.  Aus dem Unbewussten kommen zwar manchmal fremde und schattenhafte Inhalte, genauso oft aber verborgene Talente, hilfreiche Träume und positive Energien, von denen wir bisher nichts wussten.  Pluto im Horpskop erlaubt uns einen Blick ins Innere.  Er führt uns unter die Erdoberfläche des Bewusstseins. 

In fast allen Astrologiebüchern steht über Pluto mehr Negatives als Erfreuliches.  Das ist einfach nur falsch.  Es gibt nach den Grundregeln seriöser Astrologie kein einziges Symbol, das nicht positiv oder negativ gelebt werden kann.  Es gibt keine einzige Konstellation des Horoskops, vor der zu warnen wäre.

Zu warnen ist allerdings vor Vorurteilen. Über Pluto gibt es zahlreiche Vorurteile.

Ein Bild für Pluto ist die Höhle.  Eine Höhle ist weder gut noch schlecht.  In einer Höhle ist es dunkler als draussen.  Aber wer vor sengender Sonne oder Gewitter Unterschlupf sucht, wird ihren Wert kennen.  Es ist interessant, Astrologen zu beobachten, wie subjektiv sie über Plutos Höhle sprechen.  Manche denken, in Höhlen gäbe es fürchterliche Schatten.  Sie behaupten, in jeder Höhle wohnten mindestens 7 fleischfressende Dinosaurier.

Ich entdeckte beim Studium der Menschen und ihrer Horoskope in sehr vielen Pluto-Höhlen einen grossen Reichtum an Bodenschätzen.  Da schimmern Kristalle, Goldadern, und schon mancher hat in seiner Pluto-Höhle Schatzkisten gefunden, die vor Jahrzehnten dort vergraben wurden. Das sind die vergessenen Talente, die vergessenen Visonen aus der Kindheit. In Plutos Höhle sind Leidenschaften und Power-Talente zu finden, die wir oftmals in der Kindheit vergraben haben, weil man uns einredete, sie seien unbrauchbar.  Es lohnt sich unbedingt, diese verborgenen Talente wieder zu aktivieren.  Pluto-Themen sind verborgene Schätze.

von Ernst Ott